Ausgabe 
20.11.1915
 
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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Hallo Hasenpeter! Wo hast bn denn nur gesteckt?" Lachend sprang Uebach ans und ihm entgegen.Deine Frau war ja schon ein paarmal hier. Und Donnerwetter, ja.Kerl, wo hast dn denn dem Reusch-Hannes sein Ge­wehr gelassen?"

Verstohlen zwinkerte er dem Wirt zu. Der ging ans den Scherz ein.

Der Peter kratzte sich in tödlicher Verlegenheit den Kopf unter dem grünverschossenen Filz, den eine Hasen- psote als Jagdtrophäre schmückte.

Ja, ich muß Sie was sagen, Herr Reusch. Mir is dat Leben leid. Schießen Sie mich vorn Kopf ich Hab' das Gewehr uit mehr."

Was? Mein Gewehr ist weg?"

Ja ich war vorgestern so strippenvoll, da is mich dat passiert. Den ganzen Tag gestern Hab' ich den Wald nach abgesucht, bis zur Nacht. Da bin ich erst in die Tänncher gekrochen."

Was, Kerl, du hast geschlafen im Wald, diese Nacht? Es hat ja beinahe gefroren droben auf den Bergen!"

Was sollt' ich machen? Ich mußte dock früh gleich wieder am Suchen sein, eh' daß noch ein anderer kam."

Ein dröhnendes Gelächter, dann aber schlug ihm Uebach auf die Schulter.

Na, beruhige dich, Pet-er, das Gewehrchen haben wir schon längst. Aber die Hauptsache ist, daß wir nun auch dich wiederhaben, du alter Raubschütz. Bist ein Prachtkerl, Peter, hast mir Laune gemacht! Ueberhaupt" Uebachs weingerötetes Antlitz kehrte sich auch den anderen zu allesamt seid ihr Staatskerls, ihr rauhen Brüder. Sekt sollt ihr haben Sekt, so viel ihr wollt. He Hannes! Her, was du im Keller hast. Aber deinen besten! Der Uebach-Gritz läßt sich nicht lumpen."

Ein wilder Jubel brach los. Und ein Bechern Hub an, das die Gelage der vergangenen beiden Nächte noch über­traf. Nur einer blieb still und nüchtern. Das war Tillmann von Grund, der Hirt, am unteren Ende der langen Tafel. Würdig saß er da, in dem verschlissenen, alten Gehrock, den ihm Pfarrer Burgmann einmal vor langen Jahren geschenkt, den er aber wie eine Kostbarkeit hütete. Er nahm die Ehre ernst, von einem Kommerzienrat zur Tafel geladen ui sein, und mißbilligend blickte er aus das immer wildere Treiben um ihn her. Aber seinen Tischnachbarn, einen der Treiber, trieb der Schalk, daß ec heimlich dem Tillmann einen guten Schuß Kognak in den Sekt schüttete. Da trat bald eine leise Röte in das verwitterte Antlitz des Hirten, und seine Zunge löste sich. Er begann zu schwatzen, allerlei Dinge, die er sonst stolz für sich behielt.

Oh ich kann auch schießen! Ms ich in Frankfurt beim Militär war, da hat sich einer einen Schabernak mit mir machen wollen. Wie ich nachts ans Posten stand, bei den Schießständen draußen, da tat er sich ein Bettlaken um und wollt' mich verschrecken als Gespenst. ?lber ich schoß stracks draus los; Hab' ihn zwar nicht getroffen, aber vor's Kriegs­gericht bin ich doch gekommen. Säe haben mich auf die Festung bringen wollen, aber dann haben sie mich auf nieinen Geisteszustand untersuchen lassen, und da haben sie mich freigesprochen."

Dat glaub' ich stracks!" höhnte der Nachbar,dat sie dich da haben laufen lassen!"

Trotz seines Zustandes ging Tillmann eine Ahnung aus, daß inan sich über ihn lustig machte. Schroff wandte er dein Spötter den Rücken.

Mit dir red' ich nicht mehr. Bin mir zu gut dazu."

Hoho!" brach der andere los, mit roher Lache.Nun, wo du voll bist, hast bn wohl wieder den 2ldel im Kopf?"

Steil in die Höhe fuhr da der Tillmann von feinem Stuhl, und in Scherben flog sein Glas. Ohne ein Wort ging er zur Tür.

He Tillmann versteh' doch einen Spaß!"

Beschwichtigend rief es ihm Uebach zu. Aber mit fin­sterem Kopfschütteln verschwand der Alte.

Doch die Stimmung litt nicht darunter. Vatter Harr mußte eins singen, und fein dröhnender Baß, der die Fensterscheiben erklirren machte, ließ die wilde Lust bald wieder hoch aufschlagen. Weithin scholl das rauhe Gröhlen der Sänger durchs stille Dors.

Stunde um Stunde verrann. Im Hause war längst alles zur Ruhe gegangen, auf der Tafel der Zecher häuften sich die Sektflaschen zu langen Kolonnen. Mit schwimmen­den Augen blinzelte der Rensch-Hannes van Zeit zu Zeit vergnügt zu ihnen hin. In all seiner Weinseligkeil blreb er doch der kluge Rechner und überschlng sich's. Ein paar runde Nullen würde das Geschäft mit Freund Uebach auch diesmal wieder abwerfen. Und gerührt stieß er mit dem alten Duzbruder an. Dessen Gesicht glühte; aber er wav nicht klein zu kriegen.

Gottoerdammich, Hannes. Ich habe' das labbrige Zeugs, den Sekt, jetzt aber sack. Wollen mal was Anstän­diges trinken, 'ne solide Männersache! Hast nicht 'neu schweren alten Rotspon im Keller? Oder noch des,er 'neu Burgunder?"

Ob ich den Hab'! 'neu Burgunder, 'nen Sechsund- neunziger, Schloßab'ug Fritz, ich sag' dir!" Und Reusch schnalzte mit verklärtem Augena.ufschl.ag andachtsvoll mit der Zunge.

Na also her damit!'

Der Neusch-Hannes erhob sich und grrff nach dem ge­wichtigen Schlüsselbund. Doch gleich beim ersten Schritt kam er etivas ins Schwanken. Ein Riesenhallo der ans- gelassenen Zechkumpane. aber ärgerlich winkte der Hannes.