Ausgabe 
18.11.1915
 
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bcr Petar, Gott flab 1 ihn selig k Schon um die Anitza hat er sich den Strick verdient!

r Die Anitza diente noch nicht lange bei uns. da war der Andor smon Feuer und Flamme. Aber er kam mit ihr nicht weiter, sie wollte nichts von ihm wissen.Sollst sehen, bie hat einen anderen!" sagte meine Frau.Und was Gutes ist der nicht, pon,t würde sie mit dem LiHhaber Herausrücken!" Was Gutes! Bei dem Volk da unten!

. _ scknniMelt vielleicht!" tröstete ich meine Frau. Denn das gilt m Nnch durchaus nicht für ehrenrührig. Und Aranyka nng schon an, der Llnitza zu mißtrauen: ich aber dachte mit Schau- eventuelle Nachfolgerin, die wieder trinken oder

stehlen würde.

Damals spitzten sich dieVerhältnisse" wieder einmal zu und unsSchwabas" wurde das Leben sauer gemacht. Was Ungar oder *^ e 2 er r Cl ^ r dest zueinander. Einige mögen ja auch

nach Hause berichtet haben wenigstens glaubte man in Nisch daran. Ich für meinen Teil Halle nichts damit zu tun. denn, ich blase nicftf gerne, was mich nicht brennt. Dennoch ivurde ich o-eargwohut und der französische Donorarkonsul, mein Konkurrent cr?° r *' n>cmte einem fatalen Lächeln vor jeder poli­

tische Betätigung. Es käme dabei nichts Gutes heraus. Ich schwieg und verbrsz den Aerger.

Auch bei uns zu Dause riß der Aerger nicht ab. Tie Anitza wurde. ,e länger je mehr, mißlaunig und störrisch. Ich sagte mei- uer Frau aus den Kopf zu. sie beliandle das Mädchen nicht richtig:

b . e, !5 durchaus eine Wiederholung der ersten Scksteckenszeit wünsche.' Aranyka war ehrlich empört. Nickst sie habe sich verän­dert, soirdern dieSerbin"! Die könne ihr nicht einmal in die Au­gen sehen.Wir werden was erleben paß nur aus?"

Und in der Tat crbbten w r etrraS, und zwar jeden Tag et- lvas anderes angebrannles Essen. Zank. streit. Zudem sing die Anitza an zukaufen", wie der terminus technicus der Hausfrauen lautet: s,e war nie in der Küche zu finden, was auch nicht gerade zur größeren Beliaglichkeit beitrug.Der Liebhaber!" triumphierte meine Frau.

Die Situation war unhaltbar.

Eines Abends waren wir ausgebeten. Sonst hatte Ander das Haus gehütet, wenn nur fortgingen: heute bat er um Urlaub.

wunderte mich, denn der Bursche hatte keinerlei Beziehungen augerkwlb Aber ich gab ihm den Urlaub doch; sonst hätte mir Aranyka dre Augen ausgekratzt.

Und dann kam die Katastrophe.

nmrt>c ich ans Telephon gerufen.Wer dort? Andor! Ich solle doch sofort, aber sofort nach Dause kommen. Keinem etwas sagen, nicht einmal meiner Frau. Audor halte meinen Browning bereit und werde mich an der Hintertür er­warten.

Ich ließ meiner Frau sagen, eine geschäftliche Verabredung, die ich vergeben, werde mich eine kleine Stunde aufhalten und ff n °/ 5 ^?n, ich lief die Ueine Strecke bis zu meinem Dause.

schlug ich einen Haken und kam durch die Sackgasse an die Dmtertüre.

Andor war totenblaß. Sie sind drinnen. Herr!" zischelte er. Wer? Nun, natürlich! die Anrtza und ihr Liebl-ab-r? Sie suchten in memcm Schreibtisch nach kompromittierenden Papieren Der lange Petar des Mädchens Schatz, war ein nickstsnuchger Bengel. Adan r,t in Nr,ch nickst sehr heikel, meine Herren; aber mit dem Menschen wollte doch keiner zu tun haben. Deshalb batte die Aiiitza i,ch geschämt das Verhältnis öffentlich zu machen. Aber der Lump beherrschte das frül)er so brave Ding doch völlig. Ter Audor hatte Lunte aerochen und seinen Ausgang nur vorgeschützt. lmr den Petar sicher zu machen.

Wir fingen die beiden in der schiönsten Arbeit ab. Der Schlinael» verriet seinen Auftraggeber, meinen ftanzösisck)en Konkurrenten, sofort: er war feige wie ein Hund. Was min? Ich hätte den Petar ia elnstecken lassen können, aber der Herr Konsul würde ihm bald »vertergeholfen haben.

Ich band mir also die Anitza vor. Aber da war Hopsen und Malz verloren. Sie liebte den Bengel wahnsinnig.Er ist dir ia mckst einmal treu!" rief der Aiidor dazwischen.Er geht noch mit der und mit der!" Ter Bursche, der Petar. bekani es mit der Angst denn d,e Anrtza funkelte ihn nicht schlecht an, und schwor bei allen Heiligen, er liebe keine andere.

Na. die Anitza mußte ihren Koffer packen, und als meine Frau nach Hause kam, waren die beiden schon weit.

Leutnant Köves schnneg und zog nachdenklich an seiner Zigarre.

m Q ' .J ^gte der dicke Hauptmann.

NaMrlich? Das war nur die Exposition. Sie ist länger ge- Men' ^ trf) ^^sichtigte. Dafür tonn ich mich jetzt desto kürzer

Es glückte uns. noch vor dem Abbruch des Krieges nach Ungarn zu kommen und ich rückte gleich ein. Auch Llndor. Als mem Offrziersbursch.

er gänz blaß und aufgeregt zu mir:Herr,

SFB weiy, wie die buqdfj* die Wack-eu -

JSiaSXJ nrcht sagen! Der Lump, der Petar. hat sie mißhandelt, geschlagen, gequält aber das machte ihr nichts aris! Jetzt lebt

S>ftV ' '".d fic will

Na. fic Mrte uns denn und er hing bald mn nächsten «ft

Ü^ C *** Laib« flcftef mir g« nicht, sie sah so fo tebm

dein Andor-Ja? Ter Andor will mich

lpreüLu i Bardon, meme Herren, ernen Augenblick!"

Leutnant Köves stand aus und verließ das Zimmer. Bon o^ukeir herein klangen die heißeren Töne einer Mundharmonika und dazwucksen unterdrücktes Lachen. Draußen, in der Ebene, heulten lang gezogen d:e Hunde.

"2S 0 , 1 ' Köves bleibt?" fragte der dicke Hanptmann. Fähnrichlleicht der der hübschen Anitza!" witzelte ein junger

dil. USOS sehr blaß und hatte offenbar

ore Worte des Fahnrrckis noch gehört.

Arstw'r?" Köves?" fragte der Hauptmann.Was wollte denn der

Z^ss in feinen Kragen, als ringe er nach t UE ^ r n,ön hat sie am Fensterriegel gefunden. Erhängt! aax Andor kam schon zu spät!"

3n der vorfkirche.

Von Kurt Küchler.

Sonntaginorgcn kam ich durch ein kleines Dorf der wlstemstchen Marsch Der Wind stürmte herb und hart von der see. riß dre letzten gelben Blätter von den Esckien uird Eichen und wgte fie über die Dvrfstraße. Die Sonne warf aus hohern. blauem Himmel kalte ktore Goldströme über die bemoosten Stroh- dacher, dre grünen Werocn, die breiten Kohlfelder und die frisch umgebrock)enen Aecker.

Ta läutete die Glocke der kleinen Dorskirche hell und eilig in rm. ^*** s^male Weg zur Kirche hinauf füllte ilch^mtt Männern und Frauen. Sie gingen still und mit ge- inmen Köpfen, manche trugen Trauerkleidung, viele kamen weither von den Hofen, dre in der Marsch verstreut liegen.

^löcklein im kleinen spitzen Turm bat und rief so dnng-, "ch ^-a gmg rch mit den Vielen in die Kirckie.

Es war ein rührend einfaches, rührend frommes Dorfkirchlein mit Niedriger Decke, bescheidenem Gestühl und geringem Schmuck. An den werßgetünchten Wänden hingen Tafeln mit den Namen der Männer .die- m früheren Kriegen gefallen waren. Welke Kränze mtt werben Schlerern sckMückten die alten Tafeln, zu denerr nun bald dre neuen kommen werden. Der blondbärtige Friesenpastor sprach nur vom Krreg. Er sprach zu seiner Gemeinde nicht wie ein zornrger Richter, er sprach mit seinen Heimatgenossen wie ein vreurrd zu Freuden. Er forderte die Seelen nicht auf zur Reue und Zerknirschung, er sprack^ von der gewaltigen deutschen Kraft auf allen Fronten, warb um Mut und Vertrauen zur deutschen Sache und rergte über allem sckmieren Leid das schöne, süße Bild des Frie- S sah. wie die einfachen Leute aus der Marsch denen nach sechs Tagen harter Arbeiter der Kops ein wenig gesunken war, sich unter seinen mutigen Worten ausrichteten und freier atmeten und wie m allen Augen die Hoffnung lebendig wurde. Und die kleine Orgel gab all ihre harmonisckie Kraft her, als sie den kleinen, Krrck)enramn mit den gnvaltigen Klängen füllte:

Laß fahren dabin, sie Habens kein' Geunnn , Das Reich muß uns doch bleiben. . . .

Nach der Predigt sprach der Pastor von einem ans dem Dorf, der gefallen war. Mrt wunderbarer Ergriffenheit lauschten alle, me weißbartigen Männer, denen das Alter den Rücken gekrümmt hatte, dre Frauen und Mädckien, die sich eng aneinanderdrängten, dre Kinder oben auf der Galerie. Es ist auf dem Dorf anders wie ui der Stadt Hier offenbart jeder Einzelfall der ganzen Tors-. gememsckiaft die düstere Wahrheit des Krieges. Er wird nicht ttnederkommen, den wir alle so rüstig und jung hinterm Pfluge hergehen sal-en; irgendwo ans fremdem, fernem Scküachtield hat es ihn niederyerlssen, der so stattlich des Sonntags über die Torf- straße schritt. In der Stadt versinkt der Einzelne im Strudel des Meeres, hier im Torf tvird er zum Symbol des Krieges. u,r Ofsenl>armig eines dunNen Sckstcksals. zum Künder des großen Todes, der unerbittlich und grauenvoll durch die Länder Europas schreitet.

Ganz seltsam war's, als der Pastor von dem Gefallenen sprach o\ ikichnete mit stillen Worten sein junges, warmes, hungriges men, feine .Howrungen und sein Neines Wirken im Dorf und in Emilie.. Nichts Großes, nichts Besonderes. Ich kannte den Gefallenen mckst aber mir war, als schilderte der Pastor mir einen i^reuiid. emen Bruder. Ich litt um ihn, ich weinte um ihn. Die Mauern der klemcn Kirckx iveiteten sich, die niedrige Decke ent­faltete ftch . . . mir war. als wäre ich unter dem ungeheurerh Dom des Hinnnels, als riese der blonde Friesenpastor ain schlichten Torfaltar rm Ncnnen dieses einen Toten das ganze deiltsche Volk auf ^ur Andacht und zur Trauer um all die Söhne Deutschlands, die in frenider Erde sckstafen . . . unter den Dünen FlMiderus, unter den grünen Hängen der französischen Erde, unter den Birken der polnischen Ebenen. Ich hörte den Menschen um mich her n*mm, uno ich wußte, sie iveinen nicht nur um diesen einen, den sie all-e kamiteii sondern ihr Herz bebte vor Trauer um alle Brüder, dio im Feindesland ihr Blnt Hingaben für alle Brüder nnd Schwestern daheim.

Als der Gottesdienst zu Ende war, stand ich draußen vor dem kleinen Ehrenfriedhof, den die Dorfleute gebaut haben.