Ausgabe 
18.11.1915
 
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scheuche aus der Stadt an, die diese Sprache nicht einmal Siegerländer Platt sprechen wir!"

Entrüstet kam der Fremdlina zu Uebach und wies aus den Grobian. Aber der Kommerzienrat lachte nur schallend. ' cn ,,Das ist Vatter Harr! Von dem dürfen Sie nichts Kesseres verlangen. Bei dem ist's noch ganz anderen Leuten so gegangen. Im vorigen Jahr hatten wir 'ne Jagdhund- Ausstellung drunten in Siegen. Und der Prinz von Horst- Hessenstem hatte den Ehrenvorsitz. Beim Festessen, wo der Prinz mit seinem Adjutanten auch dabei war, muhte Vatter

^"Oemeinen Wunsch eins singen. Er hat nämlich 'ne Mordsstimme. Na, Sie nn'rden ja heute abend selber hören. Äurzum, wie er fertig ist mit seinen!Ich schieß den Hirsch" und der Prinz ihm danken will, da klopft er der Erlaucht mtt seiner Bärenpratze ganz gemütlich auf die Schulter. ..Was, Prinzche? Wir könnt' singe!" Und als der Adjutant dabei steht, vor Schreck ganz entgeistert, zeigt er auf diesen Mit dem Daumen: ,Hat denn der auch was zu.sagend" Also, trösten Sie sich, mein Lieber. Vatter Harr darf man so was nicht übelnehmen."

Aber der Geschäftsfreund zeigte wenig Sinn für solchen Humor. Noch am selben Abend reiste er wieder ab. Dringen­der Angelegenheiten wegen. Indessen, keiner vermißte ihn Im Gegenteil!

. . war es denn heute nun schon der dritte Tag, daß dleWilde Jagd" im Hirschen ihr Wesen trieb. Es war ßbgen Abend. In der Küche draußen regten sich alle Hände, selbst Marga Reusch und auch die blinde Reusch-Mutter halfen an ihrem Teil, soweit sie's vermochten. Zum Abend­essen waren ja nach altem Brauch alle Jagdteilnehmer ein­geladen als Gäste des Uebach-Fritz. An dreißig Mann galt es zu versorgen. Und der Kommerzienrat hatte für heute etwa» Extragutes bestellt. Galt es doch den Abschied zu feiern.

Zwischen der Mamsell, der Magd und der Hilf.-'srau Ssdreh trotz der emsigen Arbeit ein eifriger Schwatz. Wenn die Milde Jagd" wieder aus dem Hause fuhr - morgen sollte eo ia geschehen blieben immer ein paar Goldstücke auch in der Küche hängen.

auter Mann ist er. der Herr Uebach. Das muß man ihm lassen. So leutselig. Als gestern abend der Till-

ViMr Dorf hat er selbst ihn eingeladen zu heule, zum Abendessen m den Hirschen."

i V i 6"tes Herz hat er wohl nur das viele

Trtnkew Ich mein', das muß doch einmal ein schlecht'

Ende nehmen mit ihm."

5 er W stark. Der veitträgt schon was "

PI 1 * 11-^ IT ba ^ Kathrinche. die alte Hilfsfrau MEtelte bedenklich ihren grauen Kopf und hielt mit dem Kartoffelschalen mne.Es ist mir da heut' »vas begegnet - so was Absonderliches."

Was denn. Kathrinche?"

Neugierig steckten die beiden andern die Köpfe vor.

Also, wie ich vorhin in den Garten ging, nach dein

Gemüse, da fand ich im Beet eine weiße Tomate "

«rjchrak die Mamsell.Man spricht doch, bann stirbt immer ,emand im Hause."

fnf ^ Kathrinche geheimnisvoll.Das soll wohl wahr sein. Als das Lisettche damals hinmachte vom Bäcker Wittmann, da bat ihre Mutter am Morgen sel^t 6 erjä[Ju X ° imtC lm Karten gefunden. Sie hat mir's

Wie graulich!"

ihrem ^agd rückte unwillMrlich näher mit

DenkLer m/.u7e n m aftetnen ® c(c ^ toä & !

. H an Ji eg ^in Vorratsschrank am Fenster her

mht^ aX ^ a ^!l i l iac fybüd)feu herausgab. Aber die Reusch- Mutter in ihrer Ecke nickte still herüber. 1 ?

Es gibt sck)vn Dinge, die über unsern Verstand gehen Darum so l der Mensch nicht hoffärtig sein und Weit

da^er's^ntt.^b ** ^ ^ einmat fieffen Fann ~ «fr

Marga schwieg. Seitdem all ihr Hoffen zerstört durck

^ ber stand cs hart uul feindlich in

ihren Mienen, wo sre die alte F-rau sah }

»or ^ überhaupt ein scharfer Zug in das schöne Antlitz gekommen. Fühlte sie doch nur zu deutlick, wie man im Hause und auch im Ort wohl allerlei ahnte m £? ÖU ^ n /S Oemrg, daß Gerhard Bertsch so plötz­

lich aus dem Hirschen ausgezogen war, noch ehe Pas

DirektoreuhauS fertig war. das als letztes Gebäude nun auch droben bei dem Werk errichtet wurde, und daß er sich im Unterdorf einguartiert hatte. Trotzdenr er nun einen viol weiteren Weg zur Zeche hatte. Marga Hetz sich daher kaum noch im Ort draußen blicken. Wie eine Gefangene lebte sie.

Fast tvar es ihr daher lieb, daß jetzt die wilden Tage hier im Hause sie ein wenig ablenkten von sich selber.

Aus dem großen Wirtszimmer sck>oll inzwischen schon das Larmen der heimgekehrten Männer. Wüst wie die ^agersleut selber war auch ihr Trcil>en. Büßender Tad.rks- qualm aus dreißig Pfeifen stand balb im Zimmer, faustdick.

der Blutgeruch des aufgebrochenen Wildes, die Aus­dunstungen von Mensck)en und Hunden nach dem anstrengen­den, regnerischen Tag es tvar eine rauhe Attnosphire. Aber so liebte es der Uebach-Fritz.

Kerls, hol' mich der Teufel!" Lmrt dröhnte seine Stimme durch den Lärm.Das ist hier doch ein ander Ding, als wenn ich daheim in meiner Billa die aufgepuftten Hansnarren seh', in Frack und Smoking. Bei euch da ist mir's wohl zumut, da kann man reden, ivie eineni der Schnabel gelvachsen ist. Wir vertragen 'neu Hieb. Was, Kerls? Na, denn also prost zusammen!"

Uird die durstigen Kehlen schlitteten den edlen Rhein­wein, der ihnen vorgesetzt lvar, hinunter, als war s Wasser. Oald singen die Wpse, die noch dumpf nxrren von dem Rausch der letzten Obacht, schon wieder von neuem au zu glühen Rauhe Lachsalven schlitterten von Zeit zu Zeit durch das ganze Haus. Das Treiben war schon aus der Hohe, als die Tür aufging und noch ein verspäteter Gast erjchen. '

Hurra, der Hasenpeter!"

Brausendes Hatto und Gelächter begrüßte den Mann, der bedruckt an der Schwelle stehenblieb. Es war ein Berg­mann, der auch mit zu den Jagdgästen gehörte. Doch seit gestern morgen hatte ihn niemaud mehr zu Gesicht bekommen. Aus gutem Gründe. Bon dem ersten Gelage vorgestern nacht, hatte sich der Hasenpeter, wiewohl schwer geladen, ausgeinacht, inorgens gegen vier, um zur Grube zu gehen. Er hatte sich's in den dicken Schädel gesetzt, er nxulte bergen trotzdem. Aber er war nicht dazu ge­kommen. Eine Stunde später hatten Kameraden droben im Hauberg seine Flinte liegen sehen, ein Stück davon, mitten aus dem Weg, ihn selber. Alles Wack-rutteln war umsonst aewesen. Da hatten sie schließlich nur das Gewehr in Sicher­et gebracht und ihn liegen lassen. Ihre Arbeit ries >ie in die Grube. Die Flinte, die Reusch gehörte und dem Peter nur geliehen war für die Jagdtage, hatten sie daun mittags lm Hlrjchn abgegeben; der Peter aoer blieb verschwunden seitdem, gestern und heute.

(Fortsetzung folgt.)

Die 5erbin.

Skizze von G i s e l l a Ka tz (Prag).

Ja, die Ancha! sagte Leuwant Köves naäidenklich.Llber in Nisch!^ ' 2-k> ilyt »°rh-rg-sa»t. frfjor.

^ 2ch bin nämlich im Zivilberuf Exporteur, meine Herren, die Firma gehtBruder Koves und immer einer von uns dreien muß dem Zweiggeschäft in Nisch vorpehen, um dem Gesindel 9 ma , er sehen. Ich war damals gerade in den der Ehe emgelausen, als ich meinen Bruder ablösle-

u , llb lollte so schiell als möglich nacä Hause. Na, die Schwiegereltern barmten nicht schlecht, daß die so wett sorlkam. Aber was l-alj's. Der einzige Trost der alten Herrschaften war iwch der Andorf, der Milchbrmdereiiwr

kls°Dir^r mit fÜt fiE in ^ck- reitzen I«|W«nk folUM

Unsere erste Köchin trank und stahl wie ein Rabe. Die zsneite ^Ee und vierte war »ich viel besser. Meine Anranyka **)

Frauen halten auf Ordnung und Sauberkeit, meine Herren Wir erwogen schon, ob wir nicht den Hausstand auslüseii und in» Hotel wohnen sollten. Aber ein Nisclrer Hotel du lieber Gott!

Die Anitza rettete uns vor Verzweiflung. Sie jvar elrrlicd und nüchtern hielt das Haus saulier und kochte schmackl)aft. .(l'urr ein ^nwel. Lewer war sie mich sehr hübsch; heute sieht man das nicht meh r, das arme Weib hat zu viel durchgemach. Der Lnnrp^

*) Andreas.

**) Aurelie, wörtlich übersetzt Goldchen