Ausgabe 
15.11.1915
 
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Momag, öeit J5. November

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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Gerhard Bertsch war jetzt am Hirschen angclangt. Längs der Gartenmauer des Grundstücks ging er h n. Aber plötzlich stutzte er. Was war das für ein leises Rascheln gerade über ihm?

Ein Besinnen kam itjm, ein Erinnern. Sein Blick glitt nach oben, lieber der Mauerbrüstuug sah er es im Sternen­licht weiß aus den dunkeln Büschem schimmern. Wie ein weibliches Genrand. Dtzr hielt er den Schritt am

Fräulein Reusch?"

Unwillkürlich hatte er die Stimme gedämpft. Und eine sonderbare Spannung schwang in ihm, wie er ans Antwort lauschte.

Nun fällt sie.

Ja ich biu's."

Da kehrte er sich ihr zu, deren Antlitz er jetzt auch un­gewiß über sich wahrnahm, und legte die Arme aus die Brüstung.

Was macheu Sie denn noch hier im Garten so spat?"

Eine kleine Pause. Dann die Entgegnung. Kühl, ab­lehnend und doch! Seine erregt vibrierenden Sinne waren heute hellhörig. Verbarg sich da bei ihr nicht etwas, wie sie so gleichgültig hinsagte:

Ich setze doch manchmal hier, noch des Abends. Es ist jetzt immer so schtv-ül in den Zimmern. Und ich kann doch noch nicht schlafen."

So geht's mir auch!" Und es zuckte plötzlich etwas in ilnn auf. Dunkel, dämonisch.Wenn Sie erlauben komme ich also noch auf ein Viertelftündchen in den Garten."

Wieder ein Schweigen. Er fühlte chabei, wie es in seinen Pulsen allnrählich zu pochen begann. Schneller und stärker ein lockend?r, wilder Rhythmus.

Nun hatte sie sich entschieden. Ein Achselzucken:

Ich kann es Ihnen nicht verbieten."

Wie ein geheimes Frohlocken durchfuhr es ihn. Eilends glitten seine Arme von der Brüstung, und er ging zum Gartenpförtchen. Eine Minute später lvar er bei ihr. Sie saß auf dem erhöhten Platz an der Mauer, auf der kleinen Bank, die dort unter den Jasminbüschen stand.

Guten Abend, Fräulein Marga!"

Sie überließ chm ihre Hand. Die Berührung durch- schauerte ihn. Noch nie hatte er es so wahrgenommen, wie lveich diese Fingerspiüen waren. Und er hielt sie fest, wäh­rend er sich neben ihr aus der Mauerbrüstung niederliest.

WaS Sie für wunderbare Hände haben, Fräulein Marga!"

Ein leises Austachen. Ein feiner,, spröder Klang. Dock)

suchte sie, von chm freizukommen.Sie dürfen sich Zh« Liebenswürdigkeiten bei mir ruhig sparen."

Warum'?"

Ich weist nachgerade, was ich davon zu halben habe."

Das müssen Sie mir erst erklären."

Nur fester noch umschlossen seine Hände ihre gegen ihn ankämpfenden Finger.

Alles ist Ihnen nur Laune, Augenblicksstimmung."

Kennen Sie mich wirklich so schlecht, Fräulein Marga?"

Vielleicht können Sie auch anders sein anders­wo. Aber was kümmert das mich? Ich bin mir jedensalls zu gut für ein Spiel."

Gewaltsam wallte sie ihm die Rechte entreißen. Aber wie mit eisernen Klammern hielt er sie. Der Streich hatte getroffen in die noch zuckende Wunde. Lodernd brannte alles wieder in ihm aus. Sein zertretener Maunesstolz, seine zertretene Liebe. Und plötzlich ein dämonisches Durchbrechen aus den Tiefen dunkler Triebe herauf.

Sie irren, Marga." Jäh beugte er sich vor.Kein Spiel! Ich meine es, wie ich's sage."

Ganz kalt wurde die schmale Hand in der seinen.

Wie soll ich Ihnen das glauben?"

Fühlen sollen Sie's!"

Und plötzlich brannten seine Lippen auf ihren Fingern.

Sie sprang empor.

Herr Bertsch!"

Marga, ich war ein Narr war blind. Du bist so schön r

Ehe sie es rwch hindern konnte, hatte er sie schon an sich gerissen. Ein heftiges Anfzucken bei ihr, dann erstarb ihr Widerstand. Schnrer atmeno lag sie an seiner Brust. Die Augen geschlossen. Und während seine Küsse ihre Lippen sengten, ging es durch sie hin. Ein Lösen qualvoller, ver­ehrender Spannung, ein unhörbares Aufjauch-en besrie- igten Ehrgeizes. Also nun doch am Ziel!

Aber wie seine Liebkosungen dann immer iveiter autz sie einstürmten, atem- und sinnberaubend, da versank ihr langsani dies klare, Verstandes kühle Bewußtsein. Der lo­dernde Brand sprang über aus sie. Nun war er der chre< nach dessen harter, herrischer Mannheit sie sich so lang« gesehnt? Ein Zittern lief durch ihre Glieder, die bisher wie betäubt seine Umarmung nur geduldet halten, un­plötzlich warf sie sich ihm entgegen. Ihre eigene Leidenschaft erwachte. Sie suchte und fand ihn.

*

Gerhard Bertsch schlug die Augen auf. Schon voller Tag? Verwundert blickte er auf die Uhr neben seinem Bett. Wie kam das? Sonst saß er um diese Zeit doch schon längst droben in seinem Bureau.

Seine Rechte strich langsam über die Stirn. Ein dumpfer Druck lag da. Wie nach einem schlveren Gelage. Er mußte einen bleiernen Schlaf gehabt haben. Was war denn nur gewesen gestern?