Ter kleine Junge saß stumm im Fensterwinkel und formte hinaus, er war noch immer ein bißcheft überrascht durch die Reise. Die Muhme, in deren Hause er letzte, hatte geftem gesagt: „No wenn schon einer ntitsoll, mag's emal Fritzelc sei!"
Also zog Fritzele am Morgen seine besten Höschen an. half die schweren Butter-- und Eierkorbe schleppen uub fuhr in die Stadt. Nun sah er da und wunderte sich, daß sich niemand über seine Reise wunderte. Aber den Mitfahrenden schien es ganz selbstverständlich zu sein, daß Fritzelc da war, es sah ihn niemand recht an. Er war w auch mir ein kleiner Junge, wie es viele gibt, gar nicht hübsch, er hatte blaßblondes Haar, viele, viele Sommersprossen, die Nase war zu klein und der Mund zu groß geraten. Seilt Vater war im Krieg, und das lvar auch nichts Auhergelvöhnliches, denn vieler kleinen Jungen Väter sind im Krieg, sie, kämpfen, leideit und sallen vielleicht. Fritzeles Mutter aber war still ans der Welt gegangen, che das ungeheuere Leid anhub; sie war so anspruchslos gestorben, wie sie gelebt hatte, uird als ein paar Wochen nach ihrem Tod der Krieg ausbrach, da hatte die Muhme Fritz geholt, auf einen Buben wehr kam es in ihrem Hause nicht an.
Der Vater schrieb selten, kurze Karten nach seiner Art, die Muhme sagte- dann: Vater läßt grüßen, damit war es abgetan. Niemcnrd redete von dem fernen Vater, der war ja kein Ortseingesessener, und niemand ahnt-e etwas von Fritzeles hungriger Sehnsucht, etwas vom Vater zu hören. Tie Bubeil auf der Gasse, die Väter draußen hatten, blähten sich: „Meiner ist mit," oder sie redeten von Brüdern und Vettern, und dann sprachen sie von Schützengräben und Unterständen, von Handgranaten und Maschinengewehren, als hätten sie's gesehen. Dann sagte Fritzelc wohl: „Meiner ist auch, dabei."
„Wo delm?" forschten die andern, mid da er es lkicht wußte, höhnten sie: „Er schreibt Dir woll oste, weil Du's so ^eitait weißt."
Wenn die. Glocken Sieg läuteten, hieß es wohl rm Dorf, der war dabei und jener, und ehrfurchtsvoll wurde der Name genannt, und jedesmal dachte Fritzele: ob Vater da war?
Einmal, als die Glocken wieder tönten und sangen, als ihre Stimmen in bcu Lüften von dem Gewaltigen schrien, was in der Ferne geschahen war, lief Fritzele zur Muhme und forschte: „Warmem Vater dabei?"
„Je je, was weiß ich, wo der is." Die Mich me war eine geplagte Frau, die froh war, tvenn sie des eigenen Mannes Kriegswegen im fremden Land halbwegs folgen konnte, doppelte Last, doppelte Sorge lag auf ihr, und sie sagte abwehrend und detch trösttmd: „Wie soll ich's wisse, aber der tut scho sei Sach!"
Darauf schwieg Fritzele, wie er es oft tat, denn es dauerte -bei ihm immer geraume Zeit, ehe er mit Frage und Antwort zureckst kam, meist hatten dann die anderen schon weiter geredet und gedacht. Wie schwer cs ist, wenn einein die Worte nicht so recht -aus dem Munde wollen, das spürte Fritzele wieder an diesem Reisemorgen. Ta saß nämlich im vollen^ Abteil ein Soldat, einer, freut jeder das schwere Traußengeivesen ansah, aber trotz der Furchen im Gesickst, trotz des fernen Blickes erkannte Fritzele doch in ihn» den Ignaz' Neuhäuser aus seinem .Heimatdorf. Ganz sicher, der Uliißte es sein, himmelgcrn hätte er ihn darunt gefragt, aber eine Haltestelle kam, lief vorbei, wieder eine, noch eine, Fritzele blieb stumm.
Und dann tat die Mnhnre flink die Frage, weil sie bekannte Namen hatte nennen hören, ob er nicht Ignaz Nenhäuser sei, der mir ihrem Vetter zusammen ansgezogen fei?
Wohl, wohl, der wäre er.
„Tort sitzt sein Bub!"
Fritzelc wurde es heiß und kalt unter den vielen Blicken, die (ich aus ihn richteten. Und da streckte der Feldgraue auch schon die Hand nach ihm aus und zog ihn zu sich heran, hob lihn auf fciic Sfttie und streichelte ihn ungelenk. ,,^e dem Schirmer seiner, das is einer," und noch einmal wie im schweren Erinnern: „Das is einer."
Im Abteil schwiegen auf eiumol alle, und alle sahen sie nur auf den Soldaten und auf den kleinen Jungen. Jeder dachte: Der weiß nun was von dem seinen Vater. Es rührte sie seltsam, dieses Wissen, hinter dem vielleicht eilt großes Erleben stand. Eine Frau griff rasch in ihren Korb und brachte ein paar Birnen heraus, die streckte sie Fritzele hin: „Da nimm."
Ta kam schon eine braune feste .Hand über die Vauklehne, die hielr ein Stiick Kuchen. „Das is für den Buben," klang es. Fritzele merkte es kaum, daß seine Taschen sich mit Gutsachen füllten, er sah nur immer den Soldaten an. Würde der nun nicht von. seinem Vater redett?
Und wirklich begann der Mann zu erzählen. Er gehörte auch nicht zu jenen, die leicht uub rasch die Worte nreisü'rn, aber von dem Sturmangriff droben in Flandern, im nmwühlten Land, konnte er doch reden. Vor und zurück, vor und zurtick und doch wieder vor, und 100 Meter Land waren erobert gewesen. „Nich mehr, aber das geht nu mal nich «anders, daö is dort so. •Storni hatten wir den Graben. Die drüben dachten, sie schießen uns raus, proste Mahlzeit. Herrgott, haben die gefunkt! Immer los, immer los, aber rvir blieben. Ein paar von Unfern lagen draußen, die Hattert nicht ztrrückgekonnt, nu stöhnten sie, und wir hörten'S und formten nich helfen. So ivas, bas hört mer, wenn die Granaten noch sc, pfeifen. Auf emal spricht Schirmer, „ich hol se".
„Dann kommste nich wieder." Er Meint: „Auch so. ich kamt's Gestöhne nich mehr höre." Also er raus, auf den Bauch hin. !
Erst haben's die drüben nich gemerkt, heildumm sin se manchmal aber dann ging's los.
Schirmer bracht doch einen, freilich, er hatte selbst was weg. „Nu bleib," sprachen wir.
„Nee," meinte er, ..halbe Arbeit mackste er ttich." Er wieder raus, wieder rein. Alle dreie hat er so geholt.
„Un?"
Jemand fragte es atemlos, ein tiefes Seufzen ging durch den Rattm. Ignaz Reuhäuser strich sich über das Gefielst, seine Stimme klang gepreßt: „Er hat's Eiserne, nu freilich. Ja, ja, das is einer. Sei stolz auf Deinen Batter, Bub."
Fritzeles Gesicht leuchtete, ein frommer, feierlicher Scheiil lag darüber, und wieder schauten alle auf den kleineik Jungen, fast ehrfurchtsvoll, denn sein Vater hatte das getan! Ein Mann sah sich suchend um, hatte er denn nichts für den Kleinen? Er kramte in seinen Taschen und brachte endlich ein kleines schwarz-weiß-rotes Schildchen hervor, das drückte er Fritzele in die Hand: „Das is für Dich."
„Aber sagt doch, wie geht's dent Vetter, is er freil?"
Die Muhme fragte es dringlich, doch Neuhäuser schien die Frage nicht zu kören, stumm saß er eilt paar Augenblicke da, dann lwlte er seine Brieftasche heraus, Bilder waren drin, eins nahm er und gab es Fritzele, „da is Dein Vater mit drauf, ich schenk^ Dir."
Ter Junge griff aufgeregt mit beiden Härchen danach, dev Kuchen, das schtvarz-»veiß-rvte Schildchen sielen zu Boden, er beachtete es gar nicht, nur das Bild sah er, das allein.
„Weis' mir's mal!" Die MuHme wollte das Bild saften, aber der Junge stielt es krampfhaft fest, ganz trotzig und kampf-- bereit sah er aus. Gleich riefen ein paar Mitreisende auch enst, schuldigend: „Er freut sich so sehr".
Die Muhme bedrängte den Kleinen auch nicht weiter, sie neigte sich zu dem Feldgrauen hinüber und flüsterte ängstlich: „Er is woll gefallen?"
Neuhäuser nickte. „Im Lazarett liegt er, aber 's wird nich mehr. Der Doktor spricht, wie'n Sieb zerschossen wär er. Nu ja, auch dreimal den Weg."
Jtt dent Mteil wurde es füll. Eine Frau weinte leise, sie dachte au die Söhne draußen, imr die Muhme seufzte schwer; „Dann is er 'ne Waise"".
Fritzele hätte an dem Wort vorbei, er spürte auch nichts von dem Mitleid, mit dem ihn in diesem Augenblick jeder sanft umhüllte, ihm fehlte das Begreifen für den ernsten Schluß. Glückselig dachte er nur an des Vaters Heldenstück, 'an das Bild, das ihm gestörte, und er hatte nur den einen Wunsch, die Geschichte noch einmal zu hören, damit er sie selbst den Kameraden aut der Dorfstraße erzählen könnte. Nun sollten die nicht mehr spotten. Er sah flehetkd zu dem Feldgrauen auf und wisperten „Noch mal"". Dock) der ließ ihn von seilten Knien rutschen, denn! die Muhme war anfgestanden: der Zug hielt und die Frau mahnte: „Komm, wir müssen 'raus.""
Strahlend und nun zutraulich geworden, schlug Fritzele in alle die Hände ein, die sich ihm entgegen streckten. Er reckte sich trächtig, die hatten ja mm alle die Geschichte von seinem Vater gehört, und er fand es gar nicht verwunderlich, daß er znm Abschied noch allerlei gute Dinge erhielt. Mit vollgestopfte« Taschen, das Bildchen fest in der Hand, so kletterte er vergnügt der Muhme nach.
— Der T a in e n z n l i n d e r — die neueste H tt t m o b e! Während sich die Männerwelt nach Möglichkeit von der >ckt- überlieferten „Angströhre"' zu befreien stiebt, hat der Zplindertmt, *uie ans New ?)ovf berichtet wird, dort seinen fvmmiiliierenben Einzug in die Franenmode gehalten. Nun ist cS allerdings nicht ganz der altbekannte Zplmder, den die Herren zu tragen pflegen, sondern es ist ein halbhoher steiler Hut. der Mnn Schneidertleide getragen und daher nur wenig ansgescinnnckt wird. Einer dtcer .ivciblichett Zylntderhüte" ist z. B. ans schwarzein Biber berqestetlt turd wird in Berbtndnng mit einem flaschengrünen Schleier ge- treuen, der — tnehr originell als schön — diagonal gtier über das Gesicht gelegt wird. Ein aitdcrcr dieser Tamenzytinder fellr sich als eine Art hatbboben Topshutes dar^und ist mit Hermelin aiiL- geziert, während eine dritte Form, bte der eines hohen Herren« zplinders aut nächsten komnu. in Berbindtmg mit einem reich verzierten spanischen GesichtSjchleier getragert wird. Die Liste der Formet) dieses modernsten Htttes wird schließlich noch durch den „Mitscherlntt" veroollständigt, der nach dein Muster der alten englischen steifen Kntscherhnto gearbeitet ist tind einen schmalen, nach oben gebogenen Rand on'iveist. Dieser letztere Hut trägt ganz und gar das Gepräge der Männerinode, während man int übrigen bestrebt ist, bem Damenzvlindrr durch die erwähnte Berbittdnng mit Schleiern, Bekzscbmnck oder mich kurzen Federsttttzett ein zierlicheres und wetblieheres ^lnSsehen ztt gebeit.
" BiSmarck als guter Kam «red. Bismarck bat bekanntlich zuerst in f'otSdam bei den Gardejgqern seiner Militärpflicht genügt nnd ließ sich dann zur Gretscwatder Jägerabteilitng ver- setzen, rnn da nebenbei seinen juristischen imb landwirtschaftlichen Studien obzuliegen. Im Februar 18 LV trat bei dieser Truppe der spätere Förster Kottwitz ein, der das folgende Gefchichtchctt ztt be-


