Ausgabe 
11.11.1915
 
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Donnerstag, den U November

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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Gr ab ein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sprich doch nicht davon." Eke lehnte ihre Wange an seine Schulter .Und Hab' keine Sorge unl mich. Nie hörst du? Wie es mir auch einmal int Leben gehen sollte, ich käme schon durch. So, nun reden wir kein Wort weiter davon!"

Meine tapfere Eke!"

Und er nahm ihre Rechte zwischen seiirc großen, starken Hände.

Sie traten dann aus dem Walddickicht heran* und stießen auf ein Kornfeld. Hier hoch oben in der Berg- einsamkeit. Silbern glänzten die schnittreifen Aehren des Saatgrases, der Schmernrer.

Daneben lag ein altes Haubergsfeld, auf dem der Wald im Vorjahre abgetrieben war. Mannshoch wucherten hier die Ginsterbüsche. Rötlich flimmerten Zittergras und Fingerhut­blüten im schräg niederslutenden Sonnengold.

Darüber hin schweifte der Blick frei über all die andern Felder, die in der Ferne wie grüne und gelbe Tupfen er­schienen. Als habe sich der Berg ein prachtvoll scheckiges Panthersell über den Rücken geworfen.

Hier und da überschnitten die Luft hochragende Mal­bäume an den Feldgrenzen. Verwitterte Erchen und Fichten. Wetterzerzaust standen sie trutzig da in ihrer Einsamkeit.

Eke und Gerhard blieben stehen. Ein leiser brenzlicher Geruch kam zu ihnen geweht, und nun sahen sie auch überm Waldrand hinten weißliche Rauchwölkchen aufsteigen. Ein Hauberg wurde dort gerade gebrannt. Den ganzen Sommer und Herbst über schwebte dieser leichte Brandgeruch hier oben.

Es gehört zu unserm Land. So manchmal Hab' ich mir drüben gewürrscht, nur diesen Geruch einmal wieder atmen zu können."

Versonnen sagte es Bertsch.

Ja auch ich Hab' ihn gern." Eke sog tief den Hauch ein.Heimatluft!"

llrtb im Weiterwandern umfing ihr Auge liebevoll das wohlvertraute Bild.

Sie kamen jetzt zu denr Wald, der erst in diesem Jahre abgetrieben war. Ueberall ragten die entschälten jungen Eichenstämme auf mit ihrem weißen Holz. Oben stand die Krone noch in frischem Grün. Eine seltsame Vereinigung von Leben und Tod.

Ein wimmelndes Treiben war aus diesen Feldern. Allenthalben Menschen, Leute aus den einsamen Wald- dörsern hier oben, die das Holz zu Stangen hieben und auf- schichteten oder den Rasen zwischen den Stämmen abschälten. Da, wo er schon dürr war, sammelten sie ihn zu kleinen Häuslein und setzten diese in Brand. Schräg kroch dann der

weiß-bläuliche Rauch über den Boden hin, den Berghang hinauf.

Während die Großen so im Hanberg emsig schassten, hatten die Kinder hier oben gute Zeit. Sie bauten sich ant Waldrand kleine Hütten ans Ginster oder durchkrochen die Hasclsträucher nach grünen Nüssen. Drüben aus der Wiese saß eine Anzahl ganz kleiner, Heidekrautkränze im weiß­blonden Haar.

Eke von Grund blickte hinüber. Ein dunkles Sehnen schimmerte in ihrem Auge aus. Etwas weich Frauliches kam in ihre Züge. - .

Bertsch gewahrte es. Leise zog er ihren Arm fester an sich. Da überrann eine lichte Nöte ihr klares Antlitz und sie drängte zum Weitergehen.

Es wird Zeit, daß ich zum Bucherchof hinüberkomme. Wie müssen wir eigentlich weiter? Ich brn hier oben her­über noch nie gegangen."

Offen gestanden ich weiß auch nicht mehr so recht. Wir wollen doch einmal da drüben fragen. Es kennt unS ja keiner hier oben."

Und er ging mit ihr zu einem einzelnen Manne, der in der Nähe arbeitete.

^,Guten Tag, Vatter könnt Ihr mir wohl sagen, wo es hier zum Buchenhos geht?"

Der Alte sah aus von seinen Schanzen, die er zu- sammenschichtete. . ^

Zum Buchenhof? Aber das ist noch ein gut Stück. Da müssen Sie gut fußen mit der Dame."

Macht nichts. Wo geht also der Weg?"

Da der Pfad zwischen den Tännchsre. Aber warte« Sie, ich will's Ihnen weisen." .

Und der freundliche Alte trat schon an ihre Seite.

>,,Wird Ihnen die Arbeit im Haickrera denn nicht zu schwer?" fragte Eke mitleidig mit einem Blick auf seinen gekrümmten Rücken.

Enä dat is man ja gewohnt von rung an. Sre kennen dat freilich wohl nich, die Dame und der Herr. Sie sind wohl aus der Stadt? Ich han auch a Tochter ver­heiratet drunten in Köln. Aber ich möcht' nimmer heraus aus unfern Bergen. Dat is so schön hier oben bei uns. Wissen Sie, was wir so oft sprechen hier im San? Dat unser Kaiser so gar nimmer mal herkömmt. Hier ist so ötel Fleiß und Religion. Da kann er sich up verlassen der Kaiser. Er hat nirgends so treue Leute wie hier."

Gewiß, Vatter da habt Ihr recht."

Bertsch wollte den gesprächigen Alten verabschiede«, doch zutraulich wies dieser Eke aus ein Kraut am Boden hin und pflückte es auch schon sür sie:

Hier riechen Sie mal. Dat gibt 'nett kostbaren Tee für den Magen. Den ntüssen Sie Ihrem Mann kochen, wenn er mal nicht so recht zuwege ist."

Eke und Gerhards Blicke trafen sich, mit vertraulichem, stummem Anlachen. Doch nun klopfte Bertsch dem Alten auf die Schulter^