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von den Eingeborenen angegriffen. Aber nickt nur von den Wilden, sondern auch von den Engländern erlitt er Gewalttat. Als er nach Ntägiger Fahrt Angorum erreichte, »nubte er der englischen Besatzung lern« Waffen und Munition übergeben. Durch das völkerrechtswidrige Verhalten der Engländer, das die schärfste Brandmarkung verdient, verlor er nicht nur seine Ausrüstung, sondern auch seine Sammlungen. Nur seine Auszeichnungen wurden ihm in Madang, wohin er auf einem Missiousdampier von der Station Param (Diarieuberg) aus kam, zum größten Teil zurückgegeben.
'Eine Stichprobe französisch er U ebersetz uugS- f ii it fl. Einer unserer Leser schreibt uns: In Nr. 11571 vom 2. November d. I. bringt daS bekannte Pariser Hetzblatt »Le Mali,/ folgenden kölnischen Beweis von Unwtssenbeit. wenu man — »vaS auch nicht abziiiveisen ist — nicht et,va böse Absicht annehmen will. Faksimiliert ist eine kleine Anzeige aus einer deutschen Zeitung, »velche lalltet: „Holzmehl, gar. glas- »mb säurefrei, allerbester Strenniehlersatz für Bäckereien ujiö. - Dieses übersetzt das Boulevardblatt »olqeiiberninfeeii: „Sciure de bois garanti, exeuipte de verre
et d’acides, Jam^illeure substaiice pour reiupla cer la farine de paille dann la fabrieatioi) de pain“, auf deutsch: „Sägmehl glas- imb
säurefret, bester Ersatz für Strolnnel.l in der Brotfabrikation." Dazu schreibt dann der schristgelehrte Boche-Bei tila er nach wörtlicher Uebersetzungr „Wir »vissen lange, daß sie (die De-tsBell) Stroh kauen, das ist übrigens fast so gilt als Klei?, dieses imeiitbebrli.tie Mastfutter für — Teiltonen. Aber Säamehll Die (Schweine) bei uns «vürden noch reiiles Wasser vorziehen." — Mit solchen Mitteln beiveisen die französischen Demagogen ihren kr>egsnn>den Lands- Leuten die angebliche Hungersnot und Kulturliefe in Deuts silaud.
• E i li i r a n z ü s i s ch e r K r t e g 8 m a r k t in der Kampfzone. Der nach dein Westeil entsandte Berichterstatter deS „Journal", Georges Brade. ent'.vtrft die folgende lebendige Schilderung eines französischen SoldaieninarkteS tm KriegSgebiet. wobei die Preistreibereien der französischen Händler und du Ohmnacht der Gesetze in scharfer Wette beleuchtet werden: „Der große Alaiktplatz in L wimmelt von Mensche»,. Soldaten aller Waffengattnngen, Niilitarköche, Offiziere, die für einige Stunden aus den Schützengräben hierher gekommen finb, um sich selbst einiges etnznkanfen. Ueberall hört man laute Unterhandlungen und vergebliches Feilschen. Ich begegne eurem Parlier Bekannterl, der - als Regimentskoch eingezogen — einen großen Korb an, Arm, im Begriffe ist, (Her zu erhandeln. „Wie viel kosten Eure Eier, Diutter ?* „Zivei Francs 50 das Dutzend." „Was I Eure Hennen haben wohl das Kriegskrenz erhalten? Der hier gesetzlich voraeschriebene PreiS in zwei Francs/ „Allerdings, aber das hier sind besonders irische Eier." . . . Mein Bekannter erblickt mich und ,vir drücken uns die Hand. „Wie gelts?" „schlecht, man kann nichts kaufen be, diesen Schwindel preisen/ „Wieio? Die Preise find doch von, Kom- rnando vorgeschrieben" „Ja, aber nur ans dem Papier. st as hier ist das Tra»,inland der Schwindler. Hier beißt es wahrhaftig: Geld oder Leben. Die Einen ov'ern sich einige Stunden von hier im Kampfe, die Andern ovfern uns und unseren Geldbeutel. Hier, sehen Sie. sind die gesetzlichen Preise angeictnieben." Ich las.
„Beben Sie " saate mein Führer, „daß die>e vorgeschriebenen Höchst- prei'e -war teuer, aber erschwinglich silid. 'Aber »vaS die Leute hier Handel nennen, ist reiner Betrug an den Soldaten, die für sie kämpfen und sterben. Kein A!e> sch hält sich an die Vorschriften ; es in geradezu Diebstahl. Sie haben meinen Handel mit den ' iern anaehört. Nun iverde ick Ihnen zeigen, tute der Schwindel gemacht wird." Wir gingen zu den Verkanfsständen. „Wie viel foueit die Artischoken t* „1 Francs 20." „Aber der Höchstpreis ist doch */. Francs?" „Ja, aber »vir haben nur ga>iz große Artlsckokeil. Die kosten 1 Francs 0." „Was kosten die Kartoffeln ?" „60 Cen
times/ „Aber der gesetzlich« PreiS ist dock nur »bl* „Allerdings, dock dies sind besonders »eine holländische Kartoffeln.* „Holländische? Dann mußten Sie wobt zu Fuß um das von den Deiltschen besetzte Belai n herummarscbie»en?* Und so war es bet allen Verkan'S- ständen. Ter offizielle Tarif wird glatt umgangen. Die Gesetze sind nichts mehr als lote Buchstaben. „Jetzt." sagte mein Begleiter, „sollen Sie erst die Waren sehen, für dl? ke»ne Höchstpreis ■ beutm mt tvnrden. Da herrscht erst recht die Kvamerphantasie. Wir kau en zum Beisvrel zwei Töpfe Glrrken. Weiln eine alle Frau uns bedient, kosten die Gur'en 2 Francs 25. Ein hübsches junges Mädchen aber setzt ein verführerisches Lächeln auf und verlangt 2 Francs 75. DaS Lächeln der Jugend kostet hier b>> Eentinres Aufschlag * „Und werden diese unerhörten Preise bezahlt?• „Imn,er. Was »vollen Sie. der arme Soldat, der wochenlang nur seine»» Unlero'sizier betrachten konnte, gibt sein Geld >> illig für die geringste Kleinigkeit her. Und das nützen die Berkä.iser ans. Nach dem Kriege weiden sie sich als reiche Leute zurünziehen." Was ich hier b.'rt-tite, isi — so tmertjörl eS klingen »nag — nicht erfunden, sonder n gefe en und vollkommen wahr. Auf dem Felde wager» die Soldaten ihr Leben und hinter den Schützengräben müssen sie ihre Börse dein Schwiiidel und dem Diebftabl preisgeben. Auch das ill in grtnimiger Krieg. Und je »veiler inan vordrinqt, desto skrnvelloser werden die Preise m die Höhe geschraubt. Das nennt man Kriegshandel . . /
Büchertisch.
— 1914. Ein Tagebuch Das »»eueste Heit von Professor Eduard Engels im^Erscheinen begriffenem, schnell allgemein bekannt gewordenem kriegsgeschtchtlichem Werk „1914. Ein Tagebuchs < George Westerinann, Brannschwetg, Berlin, Hamburg) enthält folgende beinerkeiiswerte Ausführung: Bo>i der Deutschen Krankheit. Man bringe das Gespräch auf die von Rußland an uns — ilnd unsere Verbündeten — zu zahlende Kriegsentschädigung: voll zehn »vackeren Deutschen erklären nenn oder zehn: Rußland kann ja nichts zahlen; wie soll Rußland zahlen? Fragt »nanAlso die Mordticmden sollen Ostprelißen und Galizien umsonst ausgeniordet und allsgeraubt haben?, so bleibt es bet der Gegenfrage: Wie soll Rußland zahlen? Also das Nächstliegeirde ist für uns Deutsche, unsere Köpfe zli zerbrechen, ob und wie der ruchloseste Feind die Buße für seine Verbrechen zahlen kann! Ein Schurke will »ms ans Leben, wir verteidigen »llis, schlagen ihn zu Boden — »nid fragen ihn höflich: Sie sind doch hoffentlich nicht zu Schaden gekommen? Das Natürliche, das Gesunde ist: D»e Teilfelsbande soll zahlen; das Wie ist ihre Sache. Heer vermin- ,»rindern, Flotte abschaffen. Zölle verpfänden, Moiiopole verpfänden, Krongüter verkaufen, Zarengüter verkaufen, welliger stehlen, — ist ul»s alles eins, aber zahlen' soll sie! Tie Zinsen einer Anleihe vor» 50 Milliarden Mark betragen clende 2 Milliarden, die zu zahlen, an England, an Anierika, ist für Riißland eine Kleinigkeit Aber Kleinigkeit oder nicht, — zahlen soll es, imb wenn es soll und muß, so wird es zahlen. Es ist groß genug, u»n uns u»ld Oesterreich und der Türkei sichere Umerpsänder fürs Zalileii zu bieten. Maeterlinck in einem Gespräch mit dem Vertreter der Stockholmer TagenS Ryheter; „*Q, vielleicht 100 Jahre hindurch werden »vir die Deutschen zwinge»», gut Tilgung ihrer Kriegsentschädigung für »ins zu arbeiten. Das deutsche Volk soll der Sklave Europas iverde»,." Duniiu, aber an der Derltschen Krankheit leidet der nicht! Bei Hamburg fand an» 18. Juli das große Horner Sonlinerrennen statt. Wie hieß es? Deutsches Derb»)! Gott straf England! sagt der Hamburger zehnmal am Tage, aber jein heimatliches Pferderennen kann er mir mit un- ver> ländlichem Englisch bezeichnen. Deutsche Kra,»theit mit deutschem Derby.
— Fünf M i l l i a r d e n jährliche Ersparnis a n Nahrungsmitteln würde es für Deutschland bedeuten, »venu u»»sere Ernährung »»ach wissenschaftlichen Gesichtspunkten geregelt »vürde. Ter Reformator unserer Ernährung, vr. wed. Hind- hede, hat nachgewlesen, daß noch erheblich größere Ersparnisse erzielt werden können und trotzdem eine gesündere Ernährung als bisher erzielt weiden kann. In de,»» soeben erschieneneil Buche „Praktische- Kochbuch zum System Dr. Hindhede" (Preis gebunden 2.60 Alk., Verlag von W. Bo ba ch & E o, Leipzig) gibt vr med. Hindhede der Hausfrau eine praktische Anleitung, iv»e sie eine billige und schmackhafte, gesunde lind nahrhafte Kost für wenig Geld schaffen kann. Sticht ivie bisher gedankenlos und nach Gutdünken. sondern mit Ueberlegnng kochen und die Zusammenstellung imb Zutaten der Speisen wählen, muß der Grundsatz jeder Hausfrau werden, _
Bausteine.
Der Meister nimmt selbst die Kelle zur Hand —
Gehilfen können's nicht schaffen —
Er baut tm lohenden Weltenbrand,
Baut zwischen Kugeln und Waffen.
Ein neues Deiitschland, gröber und rein,
Soll l» rollendem Donner erstehen,
Ter Grund muß seist gemauert en Ta»i» mögen die Stürme »vehenl
Ta taugen nur Steine, kernig und gilt,
Sticht die morschen, nicht die mit Riffen:
Deutsche Krieger, inil frohem Blut,
Tie zu bluten, zu fieubeit wissen.
So hält einen Stein er in prüfender Hand,
Fügt fest i m ins Fundament —
Ta »nacht eine Kugel in Feindesland
Deines Sohnes Leben ein End'. Berta Schleich.
Gleichklang-Rätsel.
Als Faibstoff bin ich wohlbekannt,
Doch auch als Fluß werd' ich genannt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer i Es ist auf Erden kerne Nacht,
Die nicht noch ihren Schimmer hätte,
So groß ist keines Unglücks Nt acht,
Ein Blümlein hängt in seiner Kette.
Ist nur daS Herz vom rechten Schlage,
So baut es sich ein SternenbauS,
Und schafft die Nacht zum hellen Tage,
Wo sonst nur Asche, Schutt und KrauS. Keller.
Schristleituna: Ang Goey - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS-Buch- und Sleindrnckerei. R. Lange, Dleßei^


