Ausgabe 
4.11.1915
 
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blMe, den ihm ei» Barbier reichte. Erschreckt über seme eigene Häßlichkeit begann Timurlnrk m meinen, und w»i« weinte mit ihm Beide konnten sich nicht beruhigen, bis Timurleuk von seinen Söflingen getröstet ward, während Khodja immer wrlter wcmte. Daß ich über meine Häßlichkeit imrce/' sagte endlich Tunur- lenk,ist begreiflich: aber weslmlb kannst du dich nicht de-

ruhiger ?"Du," entgegnen Khodja,bra»»chst dein häßllches Be­sicht mir zu sehen, tvenn du in den Spwgel ichaust. Ich habe es im.nersvrt vor mir. Wieviel mehr Grund zum Wernen habe ich! In seiner Heimatstadt l-atte Khodja es üöerrrommen^ fernen Mitbürgern Predigte»» zu halten, wurde aber dieser Pflicht sein bald überdrüssig und sagte dann eines Tages, als er wieder dre Kanzel bestieg, zu seinen Zuhörern:Wißt ihr, was ich euch heute zu sagen habe?"Nein?" ries nwn zurück.Nun," Minute Kl/vdja,so sel>e ich es auch nickst ein, daß ich es euch sage!" Und damit verließ er die Kanzel. Beim nächsten Male, als er wieder tnedigen sollte, stellte er die gleiche Frage von der Kanzel herab au die Zuhörer. Diesmal antworteten diese:Ja, das wissen wrr sehr wohl!"Nun," antwortete Kliodja.so brauche ich es euch nicht erst zu erzähle,»!" und verließ wieder die Kanzel. Das dritte Mal aber nieinten die Zichörer es sehr schlau anznfangen! und verabredeten, daß einige mitJa", die anderen mitNein" antworten sollten, wenn Khodja »wch einmal die Frage wieder­holte. Ms dieser nun das Ja mrd das Nein hörte, erwiderte er: Sehr gut, mögen die Missenden es den llinvi ssend.cn sagen!" Und damit war die Predigt erlogt.

* Der Oien im Schützengraben. Es beliebt wohl nirgends ein Zweifel darüber, daß der Cfen im Schützengraben zu großer Bedeutung gelangt ist. Dies liegt ja in der Vtatur der Sache. Denn er erwärmt unsere Feldgrauen und erhält dadurch die gute iÄtuumung dieser Helden. Daher hat untere Heeres­verwaltung die umfangreichsten Maßnahmen aetrofien, um die Teuppenosenfrage zu lösen. Die Lösung dieser Ausgabe dürste im groüeu und ganzen gelungeit sein. Tie Haupter'orderniffe fürOeteu. die den Truppen Dienste leisten sollen, bestehen einmal darin, daß jedwedes Brennmaterial, das gerade zur Hand ist, auch gebrannt werden kann, zun» andern liege»» ste in der Haltbarkeit. Hand­hab», ng, sowie in der einfachen Bauart des Ofens. der zumeist mit einem Griff versehen ist. Letzterer hat Aelmli bkeit mit den» des Eitners, er dient zun» Tragen des Ofe>»4. Zn jeden» Elen gehören drei Meter O'enrohr, falls die Bauart des Ofens dieses überha»ipt verla»»gt. Oeke»», die ohne Rauchabzug gebra»»cht werden sollen, sind mit dem Brenn- oder Glübstoff (Holckolste, Glühstoff- brikettS us»v.) gestillt und »u»ter Beimaung eines angemessenen Reservevorrats zu liefern. Ha>»dell es sich um sogenannte Ansätze für Ofenrohre t Ofenknie), so sollen diese »nöglichst mit den» Oien fest verbunden sein, damit die Nachführuug vcn Ofenknie- oder Bogenstücken fortfäClt. ES wird also timtldjft daraus Bedacht ge­nommen, daß nur Ofenrohre gel>e erl werden. Der Ofen des Schützengrabens muß ferner mit einer Platte zum Kochen versehen sein oder aber er hat in anderer Weise Gelegenheit zun» Kochen oder Wärmen von Speise»» und Getränken z»r biete»». Niemals kann der Preis für den Ofen von entscheidender Beder»tuug sei»». Hier kon»n»t voriviegend die Zlveck»uäb,gkeit in Betracht. Doch gelange,» kostspielige Oe'eu nicht zur Veriveudung, damit der Ver­lust bei erz»vunge»»er Aufgabe von Feldstellungen »»nd dergleichen »licht gar zu grob ist.

* Die Festuitg der Zukunft. Seitden» unsere Feinde

u»it ihren Festungen so traurige Erfahrungen geinacht haben, sprechen sie gern davon, daß die Fesi»»ngen allinählich völlig ihre Bedeutung in der Kriegführung verlieren »verden. Gegen diese Ansicht ,ve»rdct sich ein französischer Hauvtn»ann i»r der Revue H e b d o m o d a t re:ES wird I n» m e c Festunqen

gebe »»", sagt er,denn sie sind zur Verteidigung eines Landes unerläßlich, doch »verden sie eine ganz ne»»e Gestalt annehmen müssen: sie »verden keine Wälle, keine Ringmanern »nehr habe»». Nn» die »vichttgsten strategischen Punkte »verden mehrere Reihen flacher Schützengräben lawen, die nach außen hin von netzartiger»» Dickicht verdeckt und »niteinander durch tiefe Gänge verbunden sind. Eie »verden so hergcstellt sei,», daß jeder der Schützengräben den dahinter liegeirden »rnd die Gänge, die dahin führen, verstärkt. Dress Linien werden d»»rch alle nur möglicher» technischen Mittel befestigt werde»». Tie gut angelegte»» und ge»»ügend breiter» Gräb-r» «»üssei» das Eingraben vo»» Batterie»» er»nöglichen. Unter der Erde werde,» Herbergen, Magazine, Laboratorien, elektrische Werkstätter» eingerichtet sein, die wiederum ein Netz von Gänaen »niteinander verbindet. Alle diese Festungsanlage», »verden so ver- strent liegen, daß sie einer Beschießung keine sichtbare»» Zielpunkte bieten".

G-eschmackssündeu i»n Weltkriege. Die bekannte //Zeitschrift für Blücher und andere Dinge"^, die der Verlag von Hans von ÄS-eber in München unter den» TitelDer Zwiebel- fisch" lTerausgibt, setzt auch in ihrer neuesten Nnnrmer den Kanrpf gege,i die böse»» GescftmackSsünden tapfer fort, die eme gewisse In­dustrie während des Weltkrieges »»nd, man möchte fast sagen, auf seine Kosten sich fortgesetzt zuschulden kommen läßt. Mit den Bildnissen unserer großen Heersühre»-, der Verwendung der For­mer» von allerlei Munitionsgegenständen, wie Granaten, Schrap­

nells und Seeminen. bei Süßigkeiten, Spielereien und allerlei Ueberflüssigkeite»», schließlich auch mit der verschiederrer, durch den Krieg geflügelt gewordener Worte tvird ein abstoßender Mißbrauch getrieben. Ganze Warenhausfenster, so beickgvert sich die Zeitschrift, sind ungefüllt mit Sofak»ssen, a»»f denen Bilder unserer Heerführer mit ihren Wahlsprüchen aufgenäht sind, tverggefüllte Kissen mit der Forderung:Jin»ner feste druff!" Flüchtig ge»nachte Kleinplasti­ken banalisieren dis zur Unerträglichkeit .Hn»de»iburgs prackstvolleu: Kopf, und man muß »roch froh sein, wenn sic sich nicht bei näherem: Hinsehen als Tintenfaß, Bieckrug oder gar Federwischer ent­puppen. Das Heble in dieser Kriegsindustrie ist, daß der grimme Gruft des Krieges darin schnöden Geivinnes halber »>er»liedlicht> gewisserrnaßen in ein angenehmes Salonfonnat umgesetzt tvird. Eine der schlimmsten Zeitungen dieser Art wird empfohlen mit folgender Geschäftsauzeige:Zeitgemäß",Toteukult im! Zimmer",Zimmerdenkmal",Religiöse Erhe­bt» ng !". Es streift beinahe an Lästerung, wenn unter der Marke Religiöse Erhebung" eine kleine Nippsache empfohlen wird, die natürlich m diegute Stube" hiireingehört »md die in einer ab­gebrochenen Säule oder einem schwarzen Block vom Ansehen eines Uhrständers bestellt. Daran in einem Medaillon das Bild des Gefallenen: unter diesem (natürlich)' als Zier das Eiserne Kreuz. Aus Gips. Man karin wirklich zweifeln und verzweifeln, ob der von uns allen erhoffte und gewünschte große ideale Anf- silstvung mit und nach dem Kriege eintreten wird, solange sich mr- 4 er uns Jammergeschöpfe finden, die die große Zeit zu solchem Plunder ausschlachten und andere, die sich durch seine Erwur- bung entehren. _

Vüchertisch.

Feldmarsch all vor» Mackensen. Ein Lebens- und Charakterbild von Wilhelm Renner. Mit -^3 Abbildungen. Be»l »g von August Scderl, G. m. b. H. Preis 1, Mark. Was Wil­helm Renner unS vier in schlichter Forn» über den Feldmarsch all v. Atackenscn erzählt »»nd berichtet, erfüllt völlig den Z,veck: den groben Heerführer »»nd Feldher»-n dem deukscdei» Volke nahe­zubringen. »ms seinen Werdegang zr» erklären und darzuleae»», daß ohne unerbittliche Eelbstz»icht, ohne eisernen Fleiß, ohne selbstlose Hingabe an hohe und weitgesteckte Ziele weder die Pal»»»e deS EtegeS, noch Erfolge von »veltgeschichtlicher Bedeutung zu er­zielen sind.

Zu deritschen» Sang ei>» de»ttscher Klang! Mit diese»,» Mahnruf ist vor kurzem eineNeue deutsche V o l k s h y n» n e" erschienen, »velche in der löblichen Absicht ge­schrieben »vorder» ist, »»»»ixe von den Engländern entlehnte ytationnt- hymne zu verdrängen. Die bekannte Dichtung: »veil, unserm Kaiser (König) He»l!' hat durch den Komponisten Georg Döring ei»»e schllchte »nrd doch kraftvolle, vol stümliche Verton»»ng ge­funden »»nd wird sich bald Freunde in» deutschen Volke, in Schule »»nd Haus er,verden. Nicht nnerwäbnt sei, daß auf d»eie neue Melodie auch die bekannten Terte:Den König segne Gottr und Heil Dir in, Siegerkrauz!" gesungen werden können. DieNeue deutsche Volkshymne" ist in mehreren Ausgaben erschienen und z»var fm Klavier oder Harmonium und Gesa»»g, für 2- u»»d 3- (bez»v. 4') stiiruntben Kinderchor, für Männer- und gemischten Chor und kan»» d»»rch jede B»ubhandl»mg bezöge»» »verden oder direkt d»»rch den Mtrsikalieu-Derlag von I. G. Seeling, Dresden-N.

T ü r k e n - N u m m e r desK l a d d er a d a t s ch°. Auch derKladderadatsch* hat sich be»vogen gefunden, dre Tu»ken als Buudesgenosien kür Gegenivart und Zuku»»ft zu begrüßen und hat zu diese»»» Zrveck eine starke Sondernummer »Preis Pfg) veranstaltet. Wem beim Lesen der Berichte vom Balkan die g»,te Laune noch nicht kommt, der nehrne die Türken-Nuinmer zur Hand und die Laune »vird sich einstellen. Die Verlegenheiten der Entente da u»»te»» t>» der Gegerrd ain Goldenen Horn i»,äffen natnr- lich in erster Linie herhalten, aber auch alles andere, »vns der Kladderadatsch* tu dieser Soudern»»»nu»er durch die scharie Brille seiner Sartre sieht, n» der Ntlmmer Fre»mde werben.

Logogrivh.

Ein M voran macht Kopfe wüst.

Ein P mit Höruerschatt dich grüßt;

Ein R nagt gern mit aier'gein Zahn,

Ein F daz»» schafft glatte Bahn.

Doch tritt vor's R statt F ein T,

Tut dir dein Leid nur halb so weh.

L.ilnmst du »nir alle Häupter weg.

So ko»nm' ich stets vorn gleichen Flech 6»cheb' »»»ich gern z»» lust'gern Spiel Und grüß' dich lebhaft, aber kühl.

.Altslösung iir nächster Nummer.

- t'

.Auflösung deS VersteckratselS in voriger Nummer:

Der Apfel fällt nicht »veit vo»n Stamn»e.

Kchriftleitung: Aug. Goetz. - RotatiouSdr»»ck »md Verlag der Brühl'schen Universitäls-Bilch- und Eteindruckeret, R. Longe^ Gieße».