mit der heilrasten Glut im Blute, Und unser Volkstum, das mir hier verteidigen, wird neue prächtige Menschen schaffen ...
Seine Pfeife mar ausgebrannt, und bis er sie umständlich uusgeklopft, gestopft und angebrannt hatte, wogten die Nebel über die Zlota-Lipa langsam zurück und cs wurde mählich Tag. Hesse schüttelte den Regen aus denr Mantel und blinzelte verlegen unter seinen großen, umränderten Brillengläsern. Und der Eindruck, daß wir uns beide etwas befangen fühlten, wir waren ja jetzt am Tag wildfremde Menschei;, die der Krieg zusaimnengeführt hatte, wurde noch stärker, als er seine Brille abnahm und die Tropfen von den Gläsern wischte . . .
Wir kamen in Reserve. Wir lagen am Mittag im Park, 100 Meter hinter der vordersten Stellung. Tie Russen schossen fast gar nicht. Und plötzlich hebt eine Stimme an:
Es wollte sich cinschleichen ein kühles Lüftelein, und langsam noch eine Stimme und noch eine, bis der ganzö Zug singt:
Wir sind noch iung an Jahren Müssen auch schon traurig sein,
Wir haben viel erfahren,
Müssen auch Soldaten sein.-
Und Lied um Lied steigt aus dem Hansen lagernder Soldaten. Wie eine Flamme gleichmäßig zum Nachthiminel steigt . . . tvie sich Maasliebchen au Maasliebchen reiht, wenn die Kinder Kränzel binden . . . nachdenklich und traurig. Und als es zu Ende war, sprangen sie hoch, gleich als schüttelten sie etwas ab. Und einer machte einen Witz, als schäme er sich, daß er eben gerührt war. Auf einmal aber ist es da wie ein Fanal und Gelöbnis:
Haltet aus! Haltet aus!
Lasset hoch das Banner wehn,
Zeiget ihm, zeigt der Welt,
Wie wir treu znsammenstehn,
Äuf daß sich unsre alte deutsche Kraft erprM Wenn der Schlachtruf uns entgegegcntobt
Haltet aus im Sturnrgebraus! Haltet aus-
Bein; letzten Haltet aus stürzte Erich Hesse lautlos nach vorn. Eine verirrte Kugel war ihm mitten durch den Kopf gegangen.
Am Abend haben wir ihn begraben unter der hohen Tanne im Schloßpark an der Zlota-Lipa. '-
vermachtes.
* Englische Satire gegen d i e Gr e u e lmär ch en. Gerade so, wie Maurice Barröe jüngst kleinlaut beiuerkte, man habe vielleicht doch etwas zu viel mit Grenelmeldungen gearbeitet, regt sich auch jetzt in England der Rückschlag gegen die Greuelphantasten, von denen die englische Presse und Literatur seit Jahr und Tag überquillt. Tie gescheiteren Engländer glauben einfach nicht mehr daran; öffentlich ausgesprochen dark ja das nicht werden, aber dem humoristischen Zeichner W. Heath R o b i it I o ii konnte man nicht gut verwehren, sich ln seinen Ze;ch- nungen über die Greuelmärchen von Grund au8 lustig zu machen. Unter diesen Zeichnungen befinden stch mehrere, die wirklich sehr lustig sind und den wackeren Schwindelhuber John Bull gründlich abiühreu. Nein, was diese Deutschen nicht alles für Schandtaten auszudenken wissenl Auf eiuem Bilde sieht man sie, wie ste uuter den; Schutz der Nackt uninitttlbar vor den englischen Schützen-- gräbeu Zwiebeln pflanzen. Durch den tiefen Sand wühlen sie sich heran, die Zwiebeln an den Spitze»; ihrer Bajonette tragend, die sie dann vor de»; englischen Schutzwällen in die Erde senke»;. Tie Folge»; sind schrecklich; schon trete»; den; eitlen und andere»; Tommy die Träne»; in die A;;ge>;, die Taschentücher gerate»; ii; Be»vegu»;g — die Engländer sind kampfunfähig gen;acbt! Heilerer, aber m; Enderiolge gleichartig, ist die Verweudu»;g von Lachgas seitens der De»itschen. Ungeheure Heiterkeit beinächtigt sich daraufhin der Eilgläilder, die aller Vorsicht vergessend und laut lache»;d aus ihre»; Schützengräbe»; austaucheu. Aber die Phantasie des Zeichners kennt auch grausaine Kampfmittel. Vielleicht das schlimmste darunter ist die Verwendung der deiitschen Mnsik zur Besieguilg des Gegners. An mächtigen Angeln erscheinen über de»; englischen Schützengräben große Grammophone, aus de»;en sich die Wellen deutscher Musik aus dei; englischen Soldaten ergieße»;. Er ist verloren. Widerstandslos sieht man ihi», de»; dicken Bauch gen Hiinmel geleckt, vlatl au; Boden liegen. Ganz verschmitzt ist aber vollei;dS die Anwendung des „Frostbeulenseruins" durch die Deutschen. Während sich über der Erde die Insasse»; der Schützen- gräben betnalle»;, grabe»; diese listigem Feinde eu;e»; unterirdischen Schacht, der bis unmittelbar u»;ter Le»; englischen Schützetlgraben führt, und bringen do;t das gedachte Frostbeulenser»im zur Entwickelung. Bald »nackt eS durch die Erddecke hi»;durch seine Wirkung geltend, und die ariue»; Tommies wissen sich vor Frostbeiilen n»cht u;ehr zu het'e';, Hüpfen in ihre»; dualen von einem Fuße auf beit anderen, und sehen sich so wehrlos den 'Angriffen des tückischen Feindes auSgesetzt. Ja, so sind die Deutschen!
vüchertischc
— Unartige Mufentlnder. Ein buntes Sträußchen lustiger Pflanze»;, aus Treibhaus beeten alter und neuer Zeit gepflückt und geivunden von R i ch a r d Z o o z m a n n. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 662 Seite»;. 2,50 Mk., geb. 3 Mk. — Diese Sammlung heiterer Gedichte war, wie der Herausgeber in einem launigen „Nachvorwort" betont, lange vor Beginn des Krieges geplant und begonnen morde»;. Ihr Erscheinen im jetzigen Augenblick könnte zunächst befremden. Allein wir baden auS de»; Schützengräben so oft und so dringe»»d de»; Ruf nach humoristischen; Lesestoff vernon'inen. daß wir jede Bereicherung dieser Ltteralurgattung von Herzen willkommen heißen dürfen. Ueberhauvt ist ja in diesen enfften Zeitläuften unleugbar ein allgemeines Bedürfnis nach "Ablenkung und Zerstreuung vorhanden. Die Seele hält eben eine dauernde Spannung »lickst a»»s. — Tie Sammlung, für deren Güte schon der Name des vielerfahre»;en Herausgebers bürgt, erstreckt sich über einen Zeitrauin von 800 Jahren und enthält von 450 Autoren rund 1200 Beiträge, von denen etwa 260 bisher ungedruckt waren. Es ist erstaunlich, welche Fülle von Laune. Humor, Schalkhaftigkeit und Uebermut hier zwischen zwei Buchdeckeln zulannnengedrängt ist, und es ist nicht minder erstaunl;ch, daß es der VerlagSbandlung n;ogl;ch war, einen jo niedrigen Preis für den schmucken Band anzusetzen, der manche andere derartige Sannnlnng aus dem Felde zu schlagen berufen sein dürste.
— Kamps hinter der Front. Kriegsaussätze für Deutschtum in Beben und Kunst. Von Dr. Karl S 1 o r ck. Geschmackvoll gebunde»; Mk. 2,50. Porto 20 P»g. Muth'sche Verlagshandlung, Stuttgart. — WaS der Verfasser u;; Lause des erste»; Kriegs- jahreS und darüber hinaus an packende»; Aussätzen in Zeilschristen und Zeitungen veröffentlicht hat. ist in; vorliegenden, hübsch auS- gk-statteten Bande in sorgfältiger Auswahl und ver»nehrt durch Neues vereinigt. Der Inhalt bringt neben zahlreichen Tagebuch- blättern größere Aufsätze über beivußtes Deutschsein. Auslauddierterei, deutsche Mode über deutschen Geist und deutsches Lied. Krieg und Kunst, über die schweizerische Neutralität, über den ttalienischel; Verrat u. v. ;;;. Der Leser erhält auf solche Welse ein klares Spiegelbild unseres nationalen Lebe»;S während des Weltkrieges. In langen Friedensjahre»; bereits ist der Verfasser immer und überall für unser Deutschtum ei»;gesta»;den. so ist auch seu; Kriegs- buch von unentwegtem Kamps für unsere deutsche Sv>ache, Literatur, Kunst, Musik und Theater, von mutvollem Eintreten für unsere gute Sache gegenüber unseren Feinden und gegenüber manchen Neutralen getragen. Der „Kampf hinter der Front" bietet den Dahetmgebliebene»; nicht nur einen spannenden Lesestoff, er bestärkt sie zugleich in treuem Ausharreu.
Allerseelen.
Ich steh am Wald im fahlen Abendschein,
Mit meinem Gott und meinem Leid allein.
Die leeren Bäume zittern leis i»n Rund,
Feuchtkalte Nebel steige»; aus vom Grund Blaß, schwebend, wie arme Seelen.
In feinen Floren liegt die nahe Stadt.
Und wer ein Grab in ihren Mauern hat,
Darin ein Liebes schläst, »veiht Kranz ihm oder Licht.
Ich weiß ein Grab, wett — weit! — Das find ich nicht. — Und heute ist Allerseelen. —
DaS große Heimweh schnürt mir eng die Brust.
Daß du nickt wlederkominstl — Ich hab's gewußt —
Doch brach der Sturm manch starken Ast im Holz,
ES betet still der deutsche Wald voll Stolz Für alle, die geiällei;. —
So zieht mein Grüße,; fremden Fernen zu Kein Schlachtendonner stört dir mehr die Ruh.
Vielleicht, daß hier und da ein Tränletu tropft In eines Kriegers Bart. Die Sehnsucht ftopft/
Tenn heute ist Allerseelen.
Und meine Hände falten innig sich,
An deutschem Waldkreuz bete ich für dich.
Die Sterne klingen dir, hoch, über meiner Nacht —
So wei t du auch, daß heiß mein Herz gedacht An dich — zu Allerseelen.
Sophie Nebel von Türkheim.
versteckratje!.
Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Andernach — Napsk»;chen — Berggipfel — gefällt — Vergißmeinnicht — Weitsichtigkeit — Vomburg — Stammhalter — Tamenkrieg.
.Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Eck cr?.Ar.ilmcsr»rl8 in voriger Nummer: Anna — Lena — Alaun — „alle" — Ella — Null; das Schlüffelwort heißt: „Ulanen".
Sckristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälL-Buch- und Steindruckerei, R. Lgnge, Dleßer^


