Ausgabe 
1.11.1915
 
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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Pan! Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Einige Minuten kletterten sie ununterbrochen. Die un­gewohnte Anstrengung machte sich bei Eke doch allmählich fühlbar. Da war es ihr nicht unlieb, als er anhielt. Auf einer schmalen Holzbühne, die bei einem Absatz der Fahrten angebracht war. Senkrecht nach oben und unten strich hier der schwarze Kamin, den sie durchkletterten.

Eine kleine Rast kann uns ja nicht schaden."

Er sagte es mit gutmütigem Lächeln und räumte allerlei Gesteinssplitter von der kleinen Bank aus der Bühne. Dicht saßen sie dann nebeneinander. Ihre Ellenbogen berührten sich, und er hörte, wie ihr Atem ging.

Hat Sie's sehr angestrengt?"

Oh durchaus nicht. Nur etwas ungewohnt dies Leiterklettern."

!Fahren," verbesserte er sie Merzend in der Berg­mannssprache. Dann schwiegen sie wieder.

Allerlei Gedanken kamen ihm. An den Autoausflug mit Marga Reusch neulich mußte er denken. Auch heute saß er wieder so, allein und nahe einem Mädchen, und spürte den warmen Hauch ihrer Jugend. Und doch nichts von jenem geheimen Vibrieren, dem Verlangen des ausgestörten Blutes.

Warum das? War Eke von Grund etwa weniger be­gehrenswert? Nein keineswegs. Ihre blonde, helle Schön­heit nahm eS gewiß mit Margars pikantem Reiz auf. Aber es umwehte sie ein reiner, kühler Hauch, der jedes heiße Mannesregen in die Schranken wies, es wohl gar nicht aus­komme, t ließ. War das die ererbte Hoheit einer Frau aus alten, Geschlecht, oder nur der Ausfluß einer adligen Weibes- natur? Aber ganz gleich es war einmal an ihr, jenes Hoheitsvolle, vor dem der Mann sich schweigend beugte.

Und plötzlich kam es über ihn, ein Unbehagen, daß er neulich, wenn auch nur für eine kurze Spanne, sich von Margas Reiz hatte bannen lassen. Ja, es war ihm beinahe peinlich, daß Eke sie beide im Wagen gesehen hatte. Ob er ihr daher nicht jetzt ein Wort der Aufklärung sagen sollte? Und schon kam es ihm auch von den Lippen:

Das war übrigens neulich ein unerwartetes Begegnen! Steinsiefen wollte mir seine neuen Anlagen droben auf dem Basaltbruch zeigen, und er hatte auch Fräulein Reusch auf­gefordert, mitzukommen."

Sie hob ein wenig den Kopf. Das klang ja wie eine Entschuldigung! Und ein inneres Abrücken lag in ihrer wort:

^,Ach so>te meinen damals auf der Chaussee. Ich hatte gar nicht mehr gedacht an dieses flüchtige Begegnen."

Die Stirn bewölkte sich ihm. Seine dumme Offenherzig­keit! Er suchte, aber fand nicht gleich ein gewandtes Wort,

um über die Sache schnell hinwegzugleiten. Das Schweigen wollte drückend werden. Da machte sie ein Ende.

Ich denke, wir können nun wohl wieder weiter."

Es klang ruhig und freundlich, doch er fühlte deutlich den gewissen Abstand, der sich zwischen ihnen gebildet hatte. Mit einem kurzen Griff faßte er daher nur nach seiner Lampe und trat von neuem sein Führeramt an.

1 Das Klettern auf den Leitern nahm ein Ende. Sie schritten jetzt in einem abgebauten, alten Erzgang hin. Einer Gebirgsklamm glich er, durch die sich ein Wildbach zwängte. Rauschend schoß ihnen das Wasser über die Füße.

Dann endlich näherten sie sich den Punkten, wo der Abbau stattsand. Von weitem schon vernahmen sie das me­tallische Hallen der Fäustelschläge und das dumpfe Prasseln niederbrechender Steinmassen. In Pausen der Ruhe drang der Schall menschlicher Stimmen an ihr Ohr. Sonderbar hohl, wie aus einer Grabesöffnung. Nun blinkte es auch vor ihnen auf, hin und her huschende Lichtlein, und nach einer Biegung plötzlich der sonnige Schein der vielen dort vereinten Azethlenlampen. Ein hohes Gewölbe zeigte sich ihnen, mit phantastischen Schatten an den Rippen der Felsen­kuppel. Wie zu einem frohen Feste schien alles gerüstet hier in der Tiefe der Erde. Zu einem Feste der Zwerge. Die schattenhaften Gestalten, die dort hockend vor der Felswand kauerten, verstärkten nur noch den Eindruck.

Den Blick staunend nach vorn gerichtet, schritt Eke weiter. Aber plötzlich zuckte ihr Fuß zurück. Unter ihrem Tritt hatte es sich bewegt und nun ein wildes, fauchendes Zischen.

Nur der Preßluftbohrer," beruhigte sie Bertsch.Sw haben ahnungslos den Hebel der Leitung berührt." Dann näherten fie sich den Leuten, die wie ratlos dastanden. Bertsch trat zu ihnen.

Na, was macht ihr denn für Gesichter?"

Einer drehte sich um.

Der Steiger war eben hier. Der hat uns die Courage abgekauft."

Na, na, warum denn?"

Ja, wir dachten, wir sollten nun stracks fördern. Statt dem sind wir auf eine Kluft gestoßen. Nun können wir wieder ini Stein arbeiten, Gott weiß wie lang, und verdienen nichts."

Bertsch schüttelte den Kops.

Eine Kluft hier, das will mir nicht recht scheinen."

Er leuchtete und klopfte schweigend das Gestein ab. Stumm sahen die Männer zu.

Sicher nur eine kleine Rippe, und der Gang setzt da­hinter fort."

Wenn's bloß eine Rippe ist, dann sollen wir's stracks packen." *

Und mit neuem Vertrauen hoben die Leute beu Boh'^r auf die Schultern. Einer drehte an, und mit ohrenbetäuben­dem Nattern fraß sich der Stahl hinein ins Gestein. In