Ausgabe 
30.10.1915
 
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wahren. Einige der Frauen handeln mit wertlose Gegenständen., andere verkaufen Blumen, Kriegsphotographien undUndenken aus dem Felde". Außerdein sind die Jahrmarktsleute aus bitterer Not selbst zu Lumpensammlern geworden, und die zweinial wöchent­lich stattsindenden .Lumpenmärkte sind von ihnen bevölkert. Vor einem Rollwagen, aus dem lautes Gebrüll ertönt, erklärt eins Jahrmarktsfrau, das; dies die lebten drei Löwen^sind, die von einer reichhaltigen Menagerie übkig geblieben. Sie würde sie gerne verkaufen: Jeden Löwen für 100 Frs.! Tenn unend­lich ist das Elend, das der Krieg diesen Leuten gebracht hat . .

* WaS d i e Londoner über die Zeppeline sagen. Tie Zeppeline sind gegenwärtig das Tagesgestnäch in allen Kreisen der Londoner Bevölkerung. Selbst die Nachrichten von den Kriegs­schauplätzen treten in den Hintergrund vor der Tatsache der deutschen Luftangriffe, die alle Gemüter beschädigt. In Hinblick auf den gegenwärtigen Erregungszustand in London mtb auf die Kund­machung der Admiralität, diemit dem Publikum in Verbindung zu treten wünscht, um die Meinung der einzelnen Bevölkerungs­kreise in dieser aktuellsten aller Angelegenheiten kennen 311 lernen, veröffentlicht die »Daily Mail* einen Artikel, der in interessanter Weise die S t e l l u n g n a h m e des Londoner Publikums zu den Zeppelin-2lngriffen untersncht.So lange die Zeppe in« "Angriffe noch eine unausgeführte Drohung waren/ schreibt das Blatt,begriff man in London noch nicht bie Schrecken dieses Krieges. Als wir aber erkennen mufften, datz die betitfcl.cn Luft-- schiffer unsere Grenzen überflogen, dag England nicht mehr eine unantastbare Insel ist, begam» London ?,u erwachen. Und die inhalt­losen Versicherungen der Regierung haben in der Bevölkerung eine Fülle dringender Fragen, Errvägrmgen nnb Beschrverden laut iverden lassen. Eine Frau äußerte auf meine "Anfrage die Meinung, dag »die Regierung das Erscheinen der Zeppeline über London nicht 511 verhindern suche, weil die Luftangriffe auf den Fortgang der Re- krutiernnq anfeuernd wirkien*. Ich konnte nur erwidern, das; inan trotz der zahllosen Fehler unserer Regieruna nicht annchmen könne, dag sie so verrückt sei. Aber die falsche Meinung dieser Frau ivird von vielen Leuten geteilt, und dies ist das traurige Resultat unserer GeheininiSkräiiierei und Berlufchungsweseus in dieser Angelegenheit. Wenn das Volk keine genügenden Erklärungen erhält, erfindet es eben eigeneGründe*. Qmtnev gewaltiger mehren sich die Fragen, warum die deutschen Luftschiffe auf ihrem Wege nach London nicht ziirückgetrieben werden; unb »veun das Publikum iricht bald eme befriediaende ^Intirort erhält, ivird der Stolz jener, die noch an die britische Unberührbarkeit glauben, euren schweren Stotz er­leiden.Tie ganze Sache ist zu sehr in Geheiuinisse gehüllt.* nieint einer. »Die offiziellen Berichte über die Lustangrlsfe fiub nach­gerade ein kindisches Spiel. Tie Zeppeline kennen sich ganz genau aus lind wissen ihren Weg zu finbeit. Wir dürfen dies lmv jenes nicht erfahren, während >nan iu Berlin alle Einzelheiten der An­griffe kennt unb über uns lacht. Teiiil die auierikairischen Blätter veröffentlichen qenaue Berichte über die Zepelinbejuche in London. Was ist der Siml und Zweck der Geheimtuerei unserer Regierung? Warlnn erfahren wir nicht die Namen lind Adressen der getöteten und verletzten Perfonen ? Man stelle sich bloß die Angst und Sorge vor, die diese Uinstände bei der Provinzbevölkerung auslösen müssen, die so über das Schicksal ihrer in London Icbcubca 'Angehörigen im Unklaren gelassen ivird. Und die Gerüchte, die naturgemäß im Umlauf sind I Alan kömlte manchmal verrückt lverden. . .* Ganz allgemein hört man überall dieselbe Frage:Warum ver­hindert die Regierung nicht die Angriffs der Zeppeline?" Jeder Londoner wünscht heute Ailtwort auf diese Frage. Die Londoner lvollen ,vohl die Verdi»,lfelimn der Straffen ertragen, die durch die Behörden verfügt wurde, aber sie ivollen nicht länger den geisligen Nebel dulden, mit den» sie in Angelegenheit der beutfehen Luft­angriffe umgeben werden. Tie Regierung, die die Zeppeline nicht abzuwehren verinag, sollte rvissen, daß sie m i t dem Feuer spielt...*

* Das erste künstliche Bein. Tie erste sichere Nach­richt über den künstlichen Ersatz eliies Gliedes, also über eine wirk­liche »Prothese* sind?,» ,vic bei Herodot (300484 v. Ehr.l Gm Grieche i»ai,iens Hegesistratos aus Elis soll sich nach dieser Quelle einen Hol fuß haben lnachen lassen, nachden, er, um au§ spart Mischer Keltenhaft zu entkoiiilnen, sich feinen einen Futz vorher selbst ab- geschilitten hatte. All' antiCen römischen Darstellungen sind danil »iehrfach derartige »Prothesen* oder ihilen ähnliche Gebilde fest- gestellt worden. Etilfache Stelzfüße für Unterschenlel und Ober­schenkel iverden aucl) im Tal.nud schon erwähnt. Ein größeres Interesse wandte sich aber, ivte iit derDeutschen militärärztlichen Zeitschrift* aiisgesührt ivird, den künstlichen Gliedern erst im 331 ittelalter mit den» Aufblühen der Echmiedckunst zu Kuust- bciue mit Gelenken tailchen zuerst um die Mitte deS 16. Jahr- hiliiderts auf und iverden von da an stetig vervollkommnet, um in ihrer ' ebrauch cfähigkeit der Natllr inoglichst liaheznkomn'en. Da solche Plotbesen sehr kostspielig sind, sorgt heute in Deutsch! n,d die Reihsregierung bah'ir, daß jeder Kriegsbeschädigte ein wirklich brauchbares Ersatzglied lefommt; sie nimmt mit Erfolg sogar darauf Bedacht, daß diese Ersatzstücke voi» vornherein so geballt iverden, daß die betreffende»» Leute bamit »hren besonder u Berus ivie ii» gernilden Tagen allsüben könnerl. Die neuei e Ebiruraie

strebt sogar an, für die Betätiglllig der Gelenke in solchen Prothesen anstelle voi» Federi» die noch erhalteilei» tDhiöfeln des Stumpfes lltttzbar zn lnache,». _

Gietzener Hausfrauen-Bereiu.

Es ist anzunehmen, daß unsere Mitglieder die Gelegen­heit, billig Weißkraut durch den Verein zu kaufen, genutzt haben. Wir zeigen nun in dem Wochen-Küchenzettel, in wel­chen verschiedenen Formen das Kraut zu verwenden ist.

Sonntag: Speise von Kalbfleisch *), Salat und Kartoffeln. Kürbis, roh, fein geschnitten oder gehobelt mit Zucker bestreut.

Montags Suppe von Hafergrütze mit Magermilch gekocht. Gelbe Rüben (56 Teile) und Aepfel (1 Teil) zusammen, Kar­toffeln.

Dienstag: Brotsuppe*), Pikante Kartoffeln*) und Salz­gurken.

Mittwoch: Suppe von Reiswürfel, Eintopfgericht von Weiß­kraut und Kartoffeln.

Donnerstag: Kohlsuppe*), Himmel-und Erde <Aepfel und Kartoffeln), Blutwurst.

Freitag: Käsesuppe, Salzheringskoteletten*) und Kraut­salat.

Samstag: Gemüse-Graupensuppe *).

Kocha «Weisungen.

K a l b f l e i schs p e i s e (sehr schmackhaft und sehr ausgiebig):

1 Pfund Kalbfleisch in Würfel lmd 3 Zwiebeln in feine Scheiben geschnitten und gleichzeitig etwas anrösten, -2 gehäufte Kochlöffel voll Mehl, das nötige Wasser, Salz, Pfeffer, eine Prise Paprika hinzu. Kochzeit: 3/4 Stunden.

Brotsuppe: 5 Pfund altes Brot, 1 Eßlöffel Fett, 1 Eß­löffel fein geschnittenes Suppengrün, 1/2 Zwiebel geschnitten, IV 2 Li­ter Wasser, Sa/z. Suppengrün und Zwiebel im Fett dünsten, dann Brot hinzu, lauwarmes Wasser, Salz, zugedeckt kochen. Will man die Suppe verfeinern, gibt mm» sie durch ein Sieb und rührt sie mit Ei ab.

Pikante Kartoffeln: Vg Pfund fettes Hammelfleisch,

2 Liter Kartoffeln und 1/2 'Pfund Zwiebeln legt man lagenweise in einen gut verschließbaren Topf, gibt Salz, etivas Künunel und 1 Tasse Wasser hinzu. Bei mäßigem Feuer 1 Stunde schmoren.

Kohlsuppe: 1 kleiner Weißkohl oder Wirsing, 2 Eßlöffel Fett, 4 Eßlöffel Mehl, IV 2 Liter Wasser, Salz und Pfeffer. Der Kohl wird in feine Streifen geschnitten, in Fett gedünstet, Mehl darüber gestreut, bann das Wasser-ansgefüllt und V/ 22 Stunden langsam kochen lassen.

Salzheringskoteletten: 1 Salzhering, 125 Gramm gekochte Kartoffeln, 60 Gramm Speck, 1 Ei, 1 Messerspitze ge­hackte Zwiebeln. Der 24 Stunden entwässerte, gehäutete, ent­grätete Hering wird recht fein gehackt. Die gekochten Kartoffel^ durch ein Sieb gestrichen, Ei, -der gehackte Speck, Zwiebeln und Hering hinzu, gut vermischt zu kleinen Koteletten geformt. In geriebenem Brot welchen und hellbraun braten.

Gemüse-Graupensuppe: 3 Liter Was'er. 180 Gramm Graupen. 2% Pfund Kartoffeln, Salz, für 20 Pfg. Suppengemüse oder 20 Gramm getrocknetes Gemüse, 12.3 Gramm mageren Speck. Der Speck wird in kleine Würselchen geschnitten, ein wenig angedünstet und mit dem anderen zusammen 21 / 38 Stunden gekocht.

*) Siche Kochanweisung.

§cherz-Ar!thmogriph.

Hoch -n Roß als schneid'ge Krieger Hab ich 1-6 erfdmut.

Flotie Gäste! Mied ivard treulos 3 4 6 3, meine Blaut.

Sie verriet »»»ich, die geschworei» r Ueberall, »wohin es sei.

Wolle sie mir freudig folgen,

Selbst bis zur 2 5 4 3.

Und ich faule, mich zu töten,

3 2 3 14 mir ein,

3 2 2 1 »vars mit mir bald,

Ta fiel mir was Beff'res eil»:

Nein, mm grade nicht!* |o ries ich.

Fahr dahin 3 4 6 3

5 2 3 ,vecd' ich nehmen

Du bist mir 4 12 2!

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in voriger Nummer: S t i t l s ch io e i g e u.

Schcistleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerci. N. Longe, Gicßertz.