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Die glatte, feuchtschwarze Schachtwand schien beständig nach oben zu fliegen. Nacktes Gestein und Zimmerung wechselten. Aber nur ein unvermitteltes Aufleuchten, strahlende Helle für einen Moment — irgend etwas schoß vorüber, Licht, Bewegung, Leben — aber ehe das verwirrte Auge noch näheres wahrgenommen, war es schon wieder vorbei. Nacht- dunkel um sie herum.
Aber Bertsch erklärte ihr das Wunder.
„Die vierte Sole, die wir eben passierten."
Und noch zweimal, dreimal wiederholte sich die Erscheinung; dann verlangsamte sich das Tempo ihres Falles, nun ern Rasseln und Schüttern des Eisenbodens unter ihren Füßen — der Korb stand still.
„So — angelangt. Der Füllort der zehnten Sole.
Eke von Grund folgte ihrem Führer, der schon draußen stand in dem weiten, gewölbeähnlichen Raum am Schacht. Gleißendes Licht aus der elektrischen Bogenlampe begrüßte & So grell, daß das lichtentwöhnte Auge sich schmerzhaft schloß. Doch allmählich unterschied sie; das Schutzgitter am Schacht, den Mann daneben in schmutziger, blauer Bluse, der gerade an einem Strick zog und aufklopfte. Ein glocken- ahnlrcher Hall, von fern her — das Hammersignal, das droben über Tag dem Fördermaschinisten das Zeichen gab, den Korb wieder heranffahren zu lassen. Dann hörte sie Bertschs Stimme neben sich.
„Kommen Sie nuii, in den Hauptquerschlag/
Sie folgten dem schmalen Doppelglcise, das vom Schacht ausgehend sich tm Dunkel vor ihnen verlor, und kamen aus denl Felsgewölbe des Füllorts in einen geräumigen, aus- ge.maiierteil Gang, der sich in schnurgerader Richtuiig erstreckte.
Nun schlug ihnen die Grubenluft entgegen. Ein eigenes Gennlch: warm, stickig, dumpf, wie nach faulendem Holz. So schritten sie hinein in die Finsternis vor ihnen.
<£?■ n ^r lü i c öuc ^ Leben?" Beklommen sagte es Eke. „Wir gehen dem Dunkel entgegen."
„Aber kommen doch ans Licht."
Frische Zuversicht und Kraft klang aus der Mannes- ftimme ihr zur Seite im Dunkeln. Der Lichtkreis der x 0 a J n & et l i^rer frcmfc) strich ja nur zu ihren Füßen über den ® Ul * ^ mmer Könige Schritte bloß wies er ihnen
S i] } Friller Pfiff, dann ein diinkles, drohendes Geräusch, dav unheimlich lvuchs und näherkam. Jetzt funkelte
kj r JJ aci K.? u f- tückisch gleißendes Auge. Unwillkürlich trat Eke naher zu ihrem Begleiter.
"Eine Lokomotive — ein Wagenzug."
Und seine Hand suchte nach der ihren. So zog er sie KT' ^ 011 16 ^? aiier - Ratternd und malmend fuhr lang- r^t CV Suö . an chnen vorüber. So dicht, daß die Wagen-
vreüte si? ^ ^^^lanzug streiften. Unbewußt
preßte sie beide Arme an den Leib, den sie rückwärts gegen
bfp n „“h% e Mauer drängte. Aber da suhlte sie wieder seine helfende Hand auf der ihren, die das offene Licht trug
Iverb^lTJblnneT halten - Sie
an ihrem Körpe/^ ^ ^r-its bic fcll3enfae Wärme
im Dunkel zu ihnl hin, etwas verlegen.
rneh/pm l^^ch /'bchk.ungeschickt. Sie werden von
memem Besuch wenig erfreut jern."
sind -nun doch noch^ mid) daß Sie gekommen
„Hatten Sie denn schon daran gezweifelt?"
ließen."^^^^ ba so lange nichts von sich hören
„Ich halte Wort — stets "
¥ ®?»M Ili'Khi. Sie Mt.
genvolk hier unten, die jetzt nur in schiveigendem Dunkel träumten.
So ging es endlos' hin, treppauf, treppa», in diesem verwunschenen Schloß; voll von geheimen Scharrern in ferner lautlosen Stille. dUlr hin rurd wieder ein verlorener! H?U ein fernes Pochen mtb Scharren, wie von Geister-, Händen.
Aber nun plötzlich ein dumpf grollendes Rollen, lang hingezogen, ihnen zu Häupten. Betroffen sah Eke auf ihren Begleiter.
„Es donnert! Ein Gewitter dort droben auf der Erde."
„Doch nicht." Bertsch schüttelte lächelnd den Kopf. „Nur erne Sturzrolle."
„Sturzrolle?"
„Ja, ein kleiner Schacht von einer Sole zur nächst- tleferen, um Berge hinunterzustürzen, zum Verfüllen der strecken. Wir werden hier auch gleich auf eine treffen.^
Und- es war so. Nur ein kurzes Stück weiter, schrak Eke zurück. Dicht vor ihrem Fuß gähnte es drohend auf. Ein tiefer, schwarzer Schlund, initten in der Strecke. Gerade über ihn hin führte der Weg, auf einer lose darüber.geworfenen Leiter.
„Nur ohne Sorge — ich stütze Sie."
Seine Rechte streckte sich nach ihr ans'. Aber ehe er sie noch berührt, war sie schon über das Hindernis hinweg, mit zwei entschlossenen Schritten.
„Bravo!" lobte er, doch war er gleich wieder vor ihr. .-die müssen inir schon die Führung überlassen. Es ist unbekannter Boden für Sie."
Abermals wunderten sie durchs Dunkel hin. Und iminer noch diese Einsamkeit. Kein Anzeichen von Menscbennähe. Dies Bewußtsein der Verlassenheit, tief im Erdenschoß, hatte etwas Eigenes. So ähnlich mußte dem Pilger zumute smu in der Unendlichkeit der Wüste.
Doch als sie nun in einer niederen Strecke dahin-, schritten, wehte sie plötzlich ein Duft an. Eke stutzte. Wie aus einer Tabakspfeife! Und der vertraute Geruch zauberte hier m der Nacht der Tiefe mit einemmul anheimelnde Bilder menschlichen Treibens droben über Tag vor ihre Seele: Holzarbeiter im grünen Walde; den behaglichen Mten, der mit einer Schnitzarbeit in der Feierstunde am .Herde saß. Dankbar fast sog sie da den Hauch eiii.
'Bald wußte sie auch, woher er kam. Ein winziges Licht-, lein, geheiinuisvoll wie das eines Erdgeistes, irrlichtete vor ihnen in der Finsternis und wuchs int Näherkommen. Jiann hallende Schritte, und nun stand ein Mensch vor ihnen. Der erste, dem sie begegneten in der Unterwelt. Als tt>ar's ein guter Freund, erwiderte Eke von Grund sein „Glückauf!" ^etzt erst verstand sie recht Sinn und Schön-, hert dieses alten Bergmannsgrußes.
Ein Reparaturhauer war's, der an ihnen vorbeigiuq'.
flch gleich daraus seitlich ab, zu einem Winkel in der Strecke.
„Jetzt heißt'-! klettern. — Geben Sie mir Ihre Lampe, Sie werden beide Hände brauchen."
Und er stieg bereits in einen dunkeln Schlund am Boden ein.
„An hundert Meter geht's so hinab."
Schon entschwand er ihren Blicken. Doch Eke folgte ihm Letter. Fest griff sie zu und tastete sich behenden Fußes den Weg hinunter in die gähnende Tiefe.
(Fortsetzung folgt.)
Das Perlenhalsband.
Bon AI fr ein Bra tt,
f S®^ 1 ® nnd durchzogen vom' R'äuch aus
ttonberttoufent« Schornsteinen, glaste die Nachtnittagsluft eines
- - .um ,ua ^untci «mein Sie Upv- I ü6er Stemgcwirr von New''York Das
ließen an einer Gabelung den Hmiptquerschlaa Nun ain« Kettengestänge der Brooklynbrücke. zwischen dessen
es erst recht hinein in dies LabNrintb „• 0 L 3 ? e 6 E cr ,l 010 elektrischen Wagen, glühend m doppelte, Licht des Straften '« das Gewirr der I Himmels und der Bai, wie kurz« dünne Bliheh in N id fer
W,ren fhmmerte unb bebte in der strahlenden Atmosphäre Straßenschluchiten »wischen den hohen Gebändcwändcn sandten das vreltünige periotiwende Summen von Autolärm, Huppem Pserdegetrappel und den schleifenden Tritten der Meiischenniässen au den Mauer,i «mz»r. Es war die Zeit der Geschäfte — diel &?[* ** kf r Mwmer in den Zellen der Bienenstöcke in den
A4?* Q ^ r l ^ n ^H? 1 ' Schaltern und Schreibt ischeic Istilvrvten, die Zeit, m der die Damen, sofern sie nicht in iraend ernenr Kmopalap Schokolade knabbern oder in der Palmenballe
£, V 1 l 111 Öles navyrrnth, ln das Gewirr der
Straßen und Gaßchen dieser Unterwelt Es wa, wie wenn sie emgedrungen wären in Bergkönigs MärcbensckiMft 55 wanden sie sich durch geheimnisvotteeng Schl Zünge y ® n®en .e durch hohe Galerien mit breiten Ramp?n wie öu einem unterirdischen Marstall. Dann wieder taten sich werte Hallen vor ihnen auf. In den glattpolierten /.^gelten sich lustig blinkend ihre Lampen und oben wölbte sich e,ne hohe Kuppel - Festsäle für das Zwer.


