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ihm damals in den Arm gesunken war, im Taumel eines unbewachten Augenblicks, so gut konnte es auch wieder einmal geschehen — mit einem andern.
Da kam es plötzlich über ihn. Eine starke Ernüchterung. Nein — hands off! Und ein energischer Druck erstickte die Zlgarette im Aschbecher des Wagenschlags. Aber es fiel — weif; Gott — nicht leicht, sich mit kalter Vernunft klav- zumachen. So dicht neben ihr daß jeder Atemzug den Duft ihrer Jugend und Schönheit trank.
Marga hatte, trotzdem sie ihm abgewandt saß, die Unruhe sernes Wesens wahrgenommen. Und während sie nach vorn zu Steinsiefen hinsprach, mit lächelnder Gelassenheit, lauschte ihr Ohr auf jeden Laut neben ihr. Schneller ging ihr Atem. Sie fühlte die Wut ansflammen, die sie ^ltfacht. Wie ein Rausch wollte es da über sie kommen. Endlich also! Und sie harrte mit vibrierenden Nerven auf ein Zeichen chres Sieges.
Das Auto hatte inzwischen seinen Weg durch, den Tal grund genommen, bereits das Unterdorf passiert und näherte sich jetzt denl Adligen Hause. Unwillkürlich richtete sich da Bertschs Blick hinüber nach dem Viereck der hoch- wivfligen ftaftanieu, deren breites Geäst noch in winterlicher Kahlheit ragte und das massige Gemäuer des Herrensitzes freigab. Er hatte Eke von Grund seit jenem letzten Besuch dort im Hause nicht mehr gesprochen. Llber gedacht hatte er manchmal an sie. Ob sie wohl Wort halten und wirklich zur Besichtigung seines Werkes koinmen würde? Bald war es ja so wert, daß er ihr es zeigen konnte. Und es hatte ihn aufrichtig gefreut.
In Stunden, wo er einmal frei von Arbeit war ^ «ehr selten waren sie freilich nur gewesen in dieser ganzen langen Zeit —, war ihm manchmal der Wunsch gekommen, sie wiederzusehen. Ihre gehaltene Ruhe, hinter der sich aber doch ein starkes uiid lvarines Enipfinden barg, taten ihm innerlich wohl. Uub seine Einsamkeit, die er jo lange E/ich l)erumtrug, hätte sich einer Frau wie ihr vielleicht willig aufglschl s,en. So war es bisweilen sogar fast wie ein Sehneii nach ihr über ihn gekommen.
Dessen ward sich Bertsch auch jetzt wieder bewußt,
jit bem Adligen Hause hinüber. Wer plötzlich fuhr er zusammen. Da war He a ~~ nur wenige Schritte vor ihm! Kaum daß er Zeit hatte im Heranflregen des Wagens noch den Hut zu ziehen
„Gke von Grund!"
gedrängt'"^^ hatte sich ihm ihr Nanie auf die Lippen
Der Klang geheimer Freude ließ Marga Rensch schnell hermmsehen. Erst zu ihm, dann zu Gke, die gerade in i i n ' Moment neben ihnen aus dem Fußsteig längs der
«e Iiir IfcrKAa rb (i' ®i lt xu p l Bf? Freundlichkeit dankte » a6tt uls sie dann neben ihm im in ihr AugcO" ^usch ertannte, trat «in kühles Verwundern
sie den Kops zurückwarf lind hochmütig über die Fußgängern, hinwegsah, die dann gleich Wieder ihren Augen entschwunden war.
"} at dies« Begegnung nicht entgangen. Und es fiel ihm ein: Rtchttg, das war s.r von jeher io
als'^nde^'^ fl 1 '.** zwischen den beiden. Schon Ä^,.^uder. Das heißt, rm Grunde eine Rivalität, die von Maiga Rensch ansging. Sie wollte der andern, trotz ihrer vornehmen Geburt, keinen Vorrang zugesteben ^a im Gegeutetl, sie womöglich noch ausstecheu.
keine B^gleiterü?^"^ "'""dte sich Bertsch daher nun an
grüßten Sie sich denn nicht mit Fräulein von
keinem ^Verkehr mtteinaLr^^^ ^ir stehen in
öa £ os zurück. Ersichtlich verstimmt. Nock, Ton freudiger Ueberraschung im Ohr, intt die andere wahrgeuommeu hatte.
^dieselbe Schweigsamkeit.
to an ifjvem zusammengerollten Schirm glättend entlang
strich. Vergebens bernühte ficft Steinsiefen vom VorderslA aus, von Zeit zu Zeit durch eure Beiuerkurra ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und womöglich wieder einen freundlichen Blick von ihr zu erhaschen. Sie antwortete; nur zerstreut. Oft überhörte sie ihn ganz.
Das Auto stieg jetzt den Hang hinauf, zwischen jden Haubergen hindurch. Hier und da lagen noch aufgeschichtete schanzen vom vorigen Abhau. Vereinzelt sah man auch Leute im Holz arbeiterr.
Plötzlich gab es im Wagen einen Ruck. So unver- mittelt und heftig, daß Marga Rensch unter einem Auf- schrei gegen ihren Begleiter geschleudert wurde. Unwillkürlich breitete er da schützend beu Arrn um sie.
„Hallo! Was aibt's?"
Und Bertsch sah zu Steinsieseu. Der arbeitete mit rotem Kopf an Steuer und Bremse. Doch nun ward eine Stimme da vorn vernehlnlich, eine scheltende Frauenstimme, und sie sahen, was es gab.
Ein altes Weiblein war ihnen entaegengekommen^ hinter sich einen fteineit Wagen hoch beladen mit quer gepackten Schanzen. Die herausspießeriden Aeste waren den Rädern des Autos bedenklich nahe gekommen durch das' ratlose Hin und Her der Geängstigten. Nur durch das Plötzliche Herumwersen der Maschine war sie vor ernstem Schaden bewahrt geblieben. Doch nun schniähte sie ansgeregt, mit der Faust drohend, hinter deni jetzt wieder schnell, davonratternden Wagen her.
Steinsiefen lachte laut, indem er sich noch einmal nach ihr umdrehte. Marga Rensch aber löste sich aus Bertschs schützendem Arm mit einer säst heftigen Bewegung.
„Fahren Sie doch vorsichtiger!"
^Scharf klang es zu Steinsiefen hin. Der sah betroffen
„Pardon ^ es war ja nicht meine Schuld, Fräulein Marga."
Auch Bertsch batte zu der Alben zurückgeblickt. Fetzt kehrte er sich den Herden wieder zu. Mit seiner gewohnten! Gelassenheit sagte er:
„Das wird sich noch oft begeben; sie zetern, und wir kahlen doch. So ist's immer in der Welt. Das Nene bricht sich Bahn — trotz allem."
Und sein Blick suchte mit einem Aufleuchten drüben am Berg dre Kamine seines Werks, die sich hell von dem dunkeln Waldhintergrund abzeichneten.
Dann erst sah er zu seiner Begleiterin hinab.
„Es ist doch gut abgegangen?"
. Sie kaum merklich, die Lippen znsammengepreßt, erne stecke Falte zwischen den Brauen. ^
öo schwiegen sie alle drei auf dem letzten Teil der Fahrt.
. Dann näherten sie sich dein Ziel, dem Basaltbruch droben. Schon weithin kündete er sich an. Der Hochwald, ber^hier den^ Bergrücken bedeckte, bot ein Bild der Verbreiter Fahr- ne Wunde
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jenffen Hmt; an den Rändern hingen abgerissene Wurzel. sa,erw Rechts und lcnks lagen die gefällten Bauniriesen- noch das dürre Laub an den Zweigen. Tief wühlten sich die Wagenspuren m die welche tzninuserde. '
9hm tauchte mitten in der Waldeinsamkeit eine Loko. mobile auf. Wie verrrrt stand der blanklackierte Leib der ganz neuen Maschine hier zwischen Baum und Busch, Mit Hellem Gezwitscher flatterte von dem eisernen Koloß ein« Tannmelse ans, die sich zwischen den Speichen des malmen, den Schwungrads em Zusluchtsplätzchen gesucht hatte.
iFortsctzung folgt.) ^ ~ I - J
Der kurze Moritz.
Krngserzählung von Max Karl Böttcher, Chemnitz,
Bezirkskommandos standen Hundert« von Man»,
t o Boärrksfeldwebel verlas. Nack iedem Namen erscholl laut das geforderte „Hier-, und der Ansgerustne trat vor den strengen Feldwebel und wurde dann von einem Unterofsthher
letcu 1 iriiilo 11 ifff auisestÄlten, tadellas ausgerich-
l teu .Lnipp zpgeteilt, und siehe da; ans dem üwßen, großen-


