Ausgabe 
28.10.1915
 
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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.) f (Fortsetzung.)

Margu wollte ihm die Rechte nur flüchtig überlassen Aber er hielt sie fest, wie in plötzlicher Ueberraschung. Sein Auge glitt über sie hin in ihrem neuen Frühlingskostüm. Von dem Hut mit den wallenden Straußenfedern bis hinab zu den Seidenstrümpfen und Halvschuhen, alles ein einziger, zartfarbener Fliederton.

Alle Wetter so Hab' ich Sie ja noch nie gesehen!"

!,,Das ist wohl weiter kein Wunder," und sie entzog ihm jetzt ihre Hand.Sehen Sie denn überhaupt noch etwas anderes als Ihre Schornsteine und Maschinen!"

Freilich," lachte er,fast ist's so. Aber, Gottlob, doch nicht ganz! Zum Beispiel habe ich eben eine Entdeckung gemacht."

Und welche?"

Daß es wieder einmal Frühling werden will."

Sie folgte seinem' Blick, der über das erste zartgrüne Gespinst in den Gärten neben der Straße hinglitt.

Haben Sie das jetzt erst bemerkt?"

Ja eben."

Und sein Ange traf ihre lichte, duftige Erscheinung.

Oh!" Sie lachte auf.Das soll nun wohl gar etwas wie ein Konrpliment sein?"

Kein Kompliment die Wahrheit."

Ihre Augen streiften ihn, noch immer lachend; aber es stand darin ein eigenes Flimmern. Leichthin erwiderte sie, wie scherzend, doch mit einem leisen Unterton:

Und wenn Sie wirklich den Frühling eittbccft haben ri was nutzt es Ihnen?"

Sie denken, ich wtißbe doch nichts mit ihm. anzu- saugen?"

Ein Nicken, Und ein spöttisches Zucken um ihre Mund­winkel.

Sie haben vielleicht den Wunsch danach so ge­legentlich einmal aber Ihre Arbeit läßt Sie ja doch nicht."

Meinen Sie?" Ihre Abwehr, ihr feines, überlegenes Wesen und dazu ihre weiche Grazie noch nie hatte sie so stark aus ihn gewirkt. Da sagte er und senkte den Blick in den. ihren:Vielleicht gäbe es doch einen Kompromiß zwischen Arbeit und Frühling."

Sie zuckte die Schultern, immer in derselben leichten

Art:

Das müssen Sie freilich am besten wissen."

Und sie wandte die Augen hinaus zum Wagen. Böller Interesse betrachtete sie anscheinend die Umgebung.

Auch Bertsch verstummte und zog sein Zigarettenetui..

Ein Schweigen herrschte so im Wagen. Doch nicht lange. Jetzt außerhalb des Ortest brauchte Steinsiesen nicht mehr

so gespannt auf Weg und Steuer zu. achten. Halb zurüA- gewandt nach dem Hinterwagen, begcrun er nun eine Unter­haltung mit Marga Reusch. Sie ging darauf ein, mit einer gewissen Liebenswürdigkeit, die Steinsiefen offenbar be­seligte. Sein Antlitz strahlte geradezu.

Bertschs Mund n.mspielte es sarkastisch. Wetbermanäver! Und er stieß den Zigarettenrauch nachlässig vor sich.

Aber sonderbar diese Freundlichkeit gegen den andern reizte ihn ans die Dauer. Etwa Erfersucht? Lächer­lich, auf den Steinsiesen! Und überhaupt so tief ging das denn doch nicht, was er da heute ihr gegenitber empfand.

Wie, um es zu beweisen, sah er aus seiner Seite zmN Wagen hinaus und überließ die beiden ganz sich selber.

Mer dennoch fühlte er unausgesetzt Margas Nähe: Den feinen Hauch eines Parfüms, das leise Rauschen ihrer Ge­wänder? Es hatte das eine seltsame Getoalt über ihn. Er mußte sich ordentlich zwiir-gen, daß sein Blick nicht ihren schmiegsamen, tveichen Bewegungen folgte.

Noch schärfer wandte er sich nach links. Wirs sollte denn der Unsinn! Und er rauchte stärker, begann an etwas Geschäftliches zu denken. Doch da streifte ihn durch. Zufall eine Falbe ihres Rocks am Knie, nur wie ein Hauch, aber eS durchzuckte ihn gleich einein überspringenden elektriscl-eal, Funken. Sofort waren die Gedanken wieder bei ihr.

Die erst halb aufgerauchte Zigarette flog zum Wagen hinaus, doch im nächsten Moment griffen seine F-ingep voller Unrast von neuem nach dem Etui.

Lag das etwa heut' in der Luft an diesenr Früh- lingsahnen, bei aller Weichheit so seltsam schwer, säst drückend oder luaren es seine Nerven? Wohl etwas über­reizt von forcierter Arbeit. Denn so hatte er sich selben iwch niemals gesehen.

Freilich es war auch schon etwas Besonderes mt sie. Unwillkürlich glitt sein Blick nun zu ihr hinüber, deren Antlitz ihm abgewandt war. So sah er nur ihre Gestalt, graziös und schlank in ihre Ecke geschmiegt. Ein wenig lässig, die Knie übergeschlagen. Durchaus Dame in ihren: sicheren Sichgcben, und doch über ihrem ganzen Wesen eben jener eigene Hauch, der ihm die Nerven aufreizte.

Konnte man Marga Reusch eigentlich heiraten? Es schoß ihm mit einemmal durch den Kops, llitb ganz ernsthaft gab er sich Rechenschaft.

Im Grunde warum nicht? Ihre Erziehung war bte beste gewesen, ihr gesellschaftliches Auftreten einwandfrei, gegen ihren Nns nichts zu sagen. Nein sicher nicht! In solch einen: Klatschnest wäre ihm das unbedingt zu Ohren gekommen. Die Vermögensumstände waren ebenfalls gut recht günstig sogar. Warum also dennoch Bedenken?

Vielleicht gerade eben wegen dieser Schönheit, wegen dieses sinnverwirrenden Hauchs, der über ihr schwebte. ES mußte etwas Wunderbares sein um solch eine Frau. Aber! Es flirrte da bisweilen etwas in ihrem Blick, das gab zu denken. Jene Kirmes siel ihn: wieder ein. So gut, wie sie