Ausgabe 
27.10.1915
 
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AuSmünzung verwendet hat. Bekanntlich sind auch die Sousstücke aus der ersten Französischen Republik auS demselben Material her- gestellt. Eiserne Münzen oder Geldstücke, vom Staate hergeslellt, find nur auS dem Altertum bekannt und sollen in Griechenland unter Lykurg entstanden sein, doch sind davon nur schwache Spuren auf die Jetztzeit übergekommen. Das Deutsche Reich hat mit der Prägung der neuen eisernen 5 - P s e n n i g st ü cke also eine neue Bahn betreten, die in Luxemburg insoweit Nachahmung ge- sunden hat, als dieser Staat beschlossen hat, 150 000 2-Sonsstücke < 8 --Pfennigstücke) und 50 000 1-Sousstücke (4-Psennigstücke) in Zink herzustellen, welche durchlocht werden. Durch die Knappheit kleiner Münze in Deutschland und Luxemburg sind also für Münzzwecke zwei weitere Stoffe im Kriegsjahre 1915 zugesührt.

* Das Pariser Leben im zweiten Kriegsjahr. Die folgendeil Betrachtungen aus dem Pariser Leben im zweiten Kriegsjahr sind einem Artikel des Berichterstatters derTimes'' entnommen:Die Mode und die kleiiien gesellschaftlicheii Ver> einiglmgen in Paris werden gegeiiivärtig voni Standpunkte der Geldfrage betrachtet. Jede Familie hat eine Lücke in ihrem Kreis aufzuweisen. imb viele dieser Sticfeu werden niemals wieder au§- gefüllt werden können. Und in den Kreisen, deren soziale Stellung keine direkte Einschränkuiig des Haushalles notwendig macht, haben doch die dilrch den Tod eines geliedten Vaters, Sohnes oder Bruders geschlageiien Wiurden auf ihre Weise ihre Wirkung aus- geübt. Tie kleinen Leute aber müssen sehen, wie sie die hungrigen Kinder und Waisen versorgen können. Eiil alter Alaun, der bei der Straßenreinigung angestellt ist. erzählte mir, daß seine beiden Söhne und sein Schwiegersohn gefallen seieil und unversorgte Kinder zurückließen, deren er sich nunmehr allein annehmen müsse. Die guten Geschäfte aber werden von den wohlhabenden Frauen be- sucht, die sich jetzt ihre Winterkleidung anschaffen. Die am häu­figsten geseheue Kleidung besteht aus einem kurzen, weiten Rock, einem langen, bis zu»n Hals reichenden, oben eng geschloffenen Mantel mit Pelzbesatz und Mütze oder große-. Hüten. Die weniger bemittelte Pariserin begnügt sich mit der billigen Mütze. Federn und sonstiger kostspieliger Hutschmuck sind vollständig verschwunden. Auch neue Pelze werden wohl kaum gekauft; man begnügt sich damit, die alten aufzufrischen lind umzuarbelteu. Tlinkle Farben sind in der Frauenkleidung vorherrschend. Eine große Rolle spielt selbstverständlich die Trauerkleidung. Die langen Kreppschleier, die im ersten Kriegsjahre in der Provinz üblich ivaren, lverdeu auch hener wohl unverändert bleiben, während sie irr Paris häusig ge­kürzt und modischer gestaltet werden. Die Preise der Lebensführung nehmen in Paris ständig zu, und alle Bevölkerungsklaffen luüssen der Erhaltiing ihres Haushaltes die älißerste Sorgfalt und Be­rechnung zuivenden. Nichts wird mehr zli dem Preise verkamt, zu dem es vor dein Kriege erstaildeu werden konnte. Man behalivtet auch, daß diese fortschreitende Tenerllng znill Teil auf die Machen­schaften der Geschäftsleute zurückznsühren ist, die sich die Gelegeil­heit zunutze ruachen. Es ist eine Gewohnheit der kleinen Kaufleute geworden, stets zu behaupten:Dlirch den Krieg im Preise ge­stiegen," mag eS sich mm um Eier, Kerzen oder sonst irgeild etwas handeln. Die Sparsamkeit ist eine sehr uotivendtge Erscheinung geworden."

* Englische Backstsche als Soldaten w erber. Da die Rekrutenan,verbring tu England trotz aller möglichen Mittel wie Bildplakate, Variötö-Neklame usiv. keineswegs die ge­wünschten Ersolge auflveist, sehe,l die Werbeämter sich veranlaßt, im,ner neue Lockmittel allszusinnen. um die rvaffenuillttstigeil junacn Leute zum Eintritt in das Heer 511 bewegen. So erschien, wie den Schilderungen englischer Blätter zu entnehmen ist, bei einer der letzten großen Werbeversammlungen, die mtf dem Londoner Tra- falgar-Platz vor der Nclson-Sänle fiattlaub, eine Musikbande von zwölf jllngen Mädchen in schottischen Kleidern, die alsdas einzige lveiblicheDudelsackpfeifer-Orchester in der ganzen Welt" mit viel Pomp und Lärm angeküildigt wurde. Tie zwölf Backfischlein mar- schierten im Kreise um das Nelson-Denkmal, wobei sie schottische Weisen vortrngen. Nachdem die musikalischen Genüsse beendigt waren, stiegen zwei der jungen Damen aus die Plattform des Denk- malS und dielten Werbereden. Das Ergebnis dieses mit dem Mut der Verzweiflung aufgestellten Backsisch-AusgebotS war, wie der Daily Ehronicle" mit wenig angebrachtem Stolz seststellt, die Meldung von ganzen zwanzig Rekruten.

* Eine .Suffragette als amerikanische Präsi- dentengattin Aus Anlaß der bereits gemeldeten Verlobung des Präsidenten W r l s 0 n mit der Millionärstoitwe Frau Galt berichten die Rem Yorker Blätter über den ersten öffentlichen Ausgang des Paares. Präsident Wilson und feine Braut erschienen als Zu schmier hei dem letzten großen Fußballwettspiel in Phila­delphia. ^as .Spiel wurde sofort unterbrochen, um den zahl­losen Photographen Gelegenheit zu geben, ihre Aufnahmen zu machen. Die Zeitungen hatten eine wahre Armee von Bericht­erstattern entsandt, die allgegenwärtig waren. Auf besonderen Wunsch der Photographen stellten der Präsident und Frau Galt sich einander gegenüber, wobei sie sichlächelnd anblickten". Tie amerikanischen Journalisten betonten in ihren Berichten, daß Frau Galt dem Präsidenten und ihrem mit Diamanten geschm'iickten Verlobungsrmg tvcit mehr Interesse zuwandte, als dem Fußball- . ipiet. Frau Galt, die vor einem Jahre mit dem Präsidenten be- '

kannt wurde, ist die Witwe eines vor 8 Jahren verstorbenen reichert JuwelenhäiMers. Sie entstammt einer alten Familie aus dem Staate Virginia und ist 36 Jahre alt. Wie die amerikanische Presse besonders betont, ist Frau Galt eine bekannteSuffra

gelte. Es ist wohl das erste Mal, daß eine Suffragette die

Negierungsleiters erreicht! . . .

Stellung der Gattin eines . _ _ .^

il l e t n e Ursachen gr 0 ß"e Wirk u it n e n. Es war am Nachmittage de« Heiligen Dreikönigstages in, Jabre 1792, da Hefen ans dem Wallgraben der französischen Festung Auxonne fünf Offiziere Schlittschuh. Als eS dunkel zu werden begann, schnallte einer der Läufer, ein junger Artillerieoffizier, die Schlitrfchube ab. Er habe, sagte der junge Leutnant zu den Kameraden, seinem Blirschen befohlen, das Abendbrot für ihn bereit zu halten, das wolle er nicht versäumen. Die Kameraden scherzien, verlachten ihn, baten ihn, noch 311 bleiben, er aber ging, um daS bestellte Abendbrot nicht im Stich zu lassen. Dies Abendbrot rettete dem jungen Leutnant das Leben und kostete Millionen Menschen das ihre. Tenn kaum hatte sich der junge Artillerieleutnant entfernt, w brach das Eis des Wallgrabens und die vier Offiziere ertranken. Der Gerettete aber war Napoleon B 0 naparte.

' Besteuerte Verbrechen. Seit der .Kaiser Vespasian sur die AenntzMiq der römischen Kloaken Steuern erhob, haben die r-U-Lri C1 . löeu italienischen Regierunaen eine bemerkenswerte Ge­schicklichkeit bewiesen, die Schattenseiten des menschlicheil Lebens für den Fiskus mltzbar zu machen: selbst aus dem Verbrechen wußten sie Kapital zu schlagen. Wie derEconomista d'Jtalia" berichtet, führte Papst Johann XXII., der in der erstell Hälste des 13, Jahrhunderts lebte, einen regelrechten Tarif für den Erlaß emes Mordes, eine» Ehebruchs, eine» Straßenraubes ein. Tie päpstlichen Kasse,l machteil damit so vortcesfliche Geschäfte, daß sich beim Tode Johanns »lach den Anfzeichiilingen des Chronisten Gio­vanni Vtllani im päpstlichen Schatze an gemünztem Golde 18 Mil­lionen Goldgnldkil und mehr vor'andeli, ,vähre,ld der lllaeblaß a>r Geschirr, Kreuzen, Kronen, Mitren lisw. aus Gold mindeste,ls auf 7 Mllllonen Goldgtilden geschätzt werden koilnte, so daß der Wert der gesamten Verlassenschast über 25 Millionen Goldgulden betrug. Das Systein wurde von Alexander VI. um 1.-00 wieder auf. genommen und von Leo X. beibehalten ln,d noch im September 1610 ivurde til Rom eine allgemeiile Bestellernng vo»l Fanst- schlagen und Messerstichen eingeführt, die Folgendes festfetzte: 25 Scudi Strafe hat der zu erlegen, der Faustschläge anSteilt. bei denen fern Blut fließt, 50 Scudi, wenn die Schlägerei blutig ver­läuft. Werden Edelleute verprügelt, so lvird ein blutiger Verlalif mit 100 Sclldi, ein uubliitiger mit 50 Scudi Strafe belegt. Woraus ganz nebenbei die interessante Feststellung erhellt, daß adliges Blut 50 Sclldi mehr wert war, als die gleiche Menge plebejischen Blutes. , .

vilchertisch.

m r ürschiler 8 B l"l chers ch a tz" (Hermann Hillger Verlag, Berlin-Lelpzig) bringt im nenefien, 1031. Band einen ausgezeich- n^en Kriminalroman von Stephan von Kotze,Schwarz in Schivarz", dessen überallS spannende und fesselnde Handlung sich zuill Teil iil Aegypten auf einem Schiff, das durch den Suezkai,al nach Allstralien fährt, lmd dann in Alistralien abfpielt.

Die Hefte 47 u n d 48 desV ölkerkrieg" (Heraus, gegeben vo.l Dr. C. H. Baer, Verlag von I. Hoffmann. Stut'gart) sind erschienen. Die Zusammenstellung derFliegerangriffe auf deutsche Ltädte" zeigt ben großen Umfang, den dieser Ausläufer des Krieges angenonlme,l hat, gibt zugleich durch viele Einzel- 4 schilderungen ein lehrreiches Gesamtbild vom Verlauf, Bedeutung lind Abwehr dieser Ailgriffe. Was überdie amtliche Krtegs- berlcbterstattlmg der Franzosen und Engländer" an schlagenden Beispielen beigebrachr wird, ist nicht nur für den Zeitungsleser, sondern noch ,nebr für jene unentbehrlich, die die Geschichte des Krieges ans den Qnelleil stlldieren. In denl fortlaufenden Kapitel von deutschen Fürsten und Heerfübrern" unterhält derVölker­krieg" einen Ehrensaal für jene Männer, mit deren Namen die Geschichte nnb die Erfolge dieses Krieges lmzertrenilllch verbunden bleiben werden.Ter See- und Handelskrieg bis znr Torpedierung der Lusitania" welch reiches Gebiet beschreitet d^r Ehronist in diesem Kapitel, aber wie weiß er es auch 51 t meistern und zu ordnen und dem Leser aus all den vielen, Tag für Tag auf- tailchenden Nachrichten ein übersichtliches, klares Bild zu schaffen k Vor solcher Riesenarbeit, wie sie in diesen beiden Heften zu leiste,t war. hat sich der ordne,lde, beherrschende Sinn des Herausgebers trefflich bewährt. __

Logogriph.

Mit V ein tücbtiaer Komponist,

Mit D a>n Haus es 511 finden ist.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert EmeS schickt sich nicht für alle!

Sehe jeder, ,vie er's treibe,

Sebe jeder, ivo er bleibe,

Und wer steht, daß er nicht falle. Goethe.

Schristleitung: Aug. Wo-!,. - RotalionSdruü und Verlag der Bruh,'!chen Universilä-S-Buch- und Stelndruck-rrl. 91. Lange. Slcös/v'