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Wesenden Notar gewandt, er möcht' auch das zu Protokoll nehmen, daß der Gewerke von Grund eben seine Grubewanteile zum Kauf angeboten habe. Und als es geschehen, war er wieder aufgestanden und hatte erklärt: er selber über nähme diese Anteile!
Was hatten sie da für Augen gemacht! Der Hirschwirt die vierzig Kuxe vom Adligen Hause? Er hatte ja ein schön Vtull NN (Lack, doch daß es dazu langte, hatte keiner geahnt. m Wunder hatte sich bald hinterher aufgeklärt.
Auch hier hatte der Amerikaner seine Hand im Spiel. An alles hatte er gedacht, auch daß es so kommen könnte! Und war noch am Tage vor der Versammlung in Köln gewesen. Dort war es ausgemacht worden zwischen ihm und der Lan- desbank. Eine Vollmacht hatten sie ihm ausgestellt für den Mll, und als der Herr von Grund in blind aufschäumender Wut seinen Kram hingeworfen, da hatte der Hannes Reusch eben stracks zugegrifsen — im Austrage des Amerikaners.
Darauf war denn die Sache ohne sonderliche Schwierigkeit weiter vonstatten gegangen, und die beiden größten Gruben, die ein jeder kannte im Rauhen Grund, solange man deriken konnte, waren fortab nur noch eine unter dem Namen: ,,Vereinigte Christiansglück". Vom Erbstollen würde nun keines mehr reden. Das war einmal gewesen.
So ging es wie ein Lauffeuer von Haus zu Haus: Mion wenige Stunden später. In aller Mund war sein Name: Der Amerikaner — der Bertsch! — mit einem selt samen Doppelklang Halb voller Trotz. Wie kam der dazu, hier alles auf den Kopf zu stellen? Zugleich aber doch voll geheimer Anerkennung. Ein Teufelskerl! Und ein Ahnen 1 ? an Ö eu * e erlebt, das bedeutete mehr als bloß den Kampf der beiden Gruben. Das ging sie alle Miteinander an. Wie es aufhören sollte fortab mit dem Erb- nollen, so wurde es nun auch geschehen mit gar manchem noch. Vorbei war's mit dem guten Alten, das gemächlich jeinen Paß gegangen seit Urväter Zeiten. Nun kam das Neue da drautzen, von dem man ja so vieles in der Zeitung las, auch hierher. ö
Nie war in den stillen Höfen im Rauhen Grund so viel geredet worden wie an diesem Tag. Und wohl kein Haus, wo >lch mcht ihrer Zwei gegenüberstanden mit hitzigen Wangen, Alte und >zunge — die, die grollten und murrten, und die anderen denen tn den Augen ein helles Feuer aufsprang. Wach teat ba geworden, mit einem Schlag, was unbewußt m manchem geschlummert hatte. Und hüben uiib drüben Icfjoll wie etn Losungswort, an dem sich Freund und Feind erkannten, immer der eine, selbe Mame: Gerhard Bertsch.
Der hatte die Entscheidung abgewartet in seinem engen Bureauraum im alten Zechenhause von Christiansglück. Und als der Hannes Reusch nun gegen Mittag zu ihm heraus- kam, ganz rot rm Antlitz, und noch außer Atem nÄ' 111 Ordnung! — da stand er nur eine Weile
M £ Ub •■? Ql l te * um . Inster hinaus. Aber sein Blick ging draußen über den weiten Grund wie ein Herrscher, der Besitz ergreift von seinem eben erworbenen Reich
ffr Äl ? ar fei J,V/ rf ™ zum Erbstollen hinüber.
den nächsten Weg, über den Bergkamm an der alten Pinge vorbei.. Schnell schritt er zu. Ein Brausen im h ,o -?J eu ? 0e, & rungem Wein. Siegesrausch und vorwärts peitschender Tatkraft. Nur weiter, weiter! Kein
Anfang u ^ ru ^ en ^ etm ® r f°^9 e - Das war ja nur erst der
pr ^herrscht war er bon diesem Drang, daß
er nicht darauf achtete, was um ihii her geschah Aus ein rascheUides Speichen, das ihn zu begleiten schien im ^u^udickicht seitlwh des Weges. Erst als im Sonnen- geslimmer einer Lichtung ihm eine dunUe glroße Gestalt ÄÄ pickte er auf. Und nun freilich ^urchW eg J k-' ^f l r ^ an 9 e da vor ihm, mit dem finsteren Blick und dre Rechte verdächtig in der Tasche, zur Seite der
^arnm!g ber Olten Pinge — Eke von Gründe
stühlte sich ihm jede Muskel, und sein Auge bohrte sich rn das des andern. So standen sie sich gegenüber regungslos, den Atem angehalten. Lautlose Sti?le auch um sie herum. Doch plötzlich ein Nieseln und dann ein duinpfes Aufschlagen aus der Tiefe heraus: Ein Stein ^6Lblöst der den Sturz getan hinunter
” ^?^nd. Ein Aufschillern da in dem stechenden Blick vor chm, und jetzt ein verräterisches Znsammeii- fvampfen der verborgenen Flaust. 1
,^n, guter Freund — wünscht Ihr etwas von mir?"
Me Ruhe in Bertschs Toii verblüffte den laiigen Frieder. Sein Mick wurde unsicher. Trotzdem stieß er rauh hervor r
„Sie sind dat schuld, daß wir allesamt Not leiden mit Weib und Kindl — wir vom Erbstollen."
„So — vom Erbstollen seid Ihr? Da habt Ihr freilich nne schwere Zeit durchgemacht. Ader das ist ja nun vorbei."
Der andere machte eine heftige Gebärde. Wollte ihn der da auch noch verhöhnen? Doch da wiederholte Bertsch nnt Nachdruck:
„Jawohl — vorbei! Bon morgen ab fährt jeder Mann wieder an im Erbstollen. Sagt das auch alten Euren Kameraden."
$er lange Frieder starrte ihn an — finster, ungläubig.
„Wie können Sie dat wissen?"
„Es ist so. Wenn Ihr heut nachmittag bei Steiger Hannschmidt nachfragt, wird er es Euch bestätigen. Uiid damit, denk' ich, ist Euer Anliegen an mich wohl erledigt."
. fi£, ar f er Vlick Bertschs streifte die verborgene Hand mit dem Messer.
Ueber das Antlitz vor ihm fuhr es hin. In wildem Widerstreit. Da sagte Bertsch noch einmal:
. „Ihr scheint mir noch immer nicht zu glauben. Nun, ich gehe morgen in aller Frühe hier wieder diesen Weg. Sollte Euch meine Erklärung also nicht befriedigt haben, so habt Ihr Gelegenheit, Euch weiter mit mir auseinander- Zusetzen. Ich denke, Ihr seht nun, mit wem Ihr zu tun habt."
Damit tat er in ruhiger Entschlossenheit einen Schritt vorwärts. Und langsam trat der andere beiseite.
Ungefährdet kam Bertsch so vorüber niid dann drüben hin zum Zechenhause des Erbstollen. Hierhin war die Kunde von dem Geschehenen bereits gedrungen.
(Fortsetzung folgt.)
Gtto auf der Go!dsuche.
Skizze von Else Krafft (Berlin-Karlshorst).
c bisher schon so ungefähr alle Sammelleidenschaften
tuirch Mit Straßenbahnfahrscheinm hatte er als Vierjähriger begonnen Hufeisen, alte Nägel und Bindfäden folgten, es kam die Periode der Hoseuknöpfe, .der Brief- und Reklamemarken, der" -^iebigbilder und Ansichtspostkarten, die sogar durch drei ganze Schmiahre ging Als Zehnjähriger ging die Sammelwut in ein einsichtiges Pressen von Pflanzen und Blumen aller Art über, mit elf und zwölf Zähren legte man sich eine Münzsammlung an, die aber wegen des geringen und wertlosen Bestandes sehr schnell an Interesse verlor, und als an Ottos dreizehntem Geburtstag der fV ie ™ erklärte der Untertertianer stolz, jetzt nur noch
für ^hlfahrls- und ähnliche edle Zwecke zu sammeln, und begann mit altern Metall,, ähnlich so wie als Vierjähriger, da jeder Fund
tasck'en*erMb^^ emen Reichtum für die unerschöpflichen Hosen-
Mit einer Gründlichkeit, wie matt; sie nie vorher an dem jungen beobachtet, wurde in allen Eckeii gekramt und gesucht; der elterliche sowie die Speicher sänitlicher Verwandten und Bekannten waren me sicher vor dem plötzlicheii Besuch Ottos, des
der Zeit das Vaterland nach Gummi ' »ab es fortgesetzt Kampfe zwischen Otto und einem der zahlrerchm Famüienangehongen, die ihre Gummischuhe und Gummiabsätze durchaus noch nicht für Wohlfahrtszwecke qeeiaitet n r beC kaltblütig die eigene Großmutter ohne lA^^e lleberschuhe in das fürchterlichste Regenweiter hinaus- . aeiagt hatte, wenn er dafür wieder ein halbes Pfund Gummi seiner Sammlung für Kriegszwecke einverleibte.
Gold^* kurzem aber wurde es ganz -schlimm. Otto sammelte!
c r in der Schule hatten den Schülern klar gemacht,
daß noch viele Millionen Gold von unpatriotischeu Menschen aus ^^-/Äb^lfertigtem Egoismus zurückbehalten wurden, und es direkt Ehrensache jedes Kriabeii wäre, das versteckte, köstliche Material zur Blüte des Vaterlandes, wo es nur angiua ^ 0 M/ockeri und m der Schule gegen Papiergeld einzutauschen' Als Belohnung dafür gäbe es dann für die Goldsaminler ein Minder voll e s geschichtliches Dokument mit der von Lorbeerblatt
und dem Eisernen Kreuz umrahmten vuch noch nicht Waffen tragen, So half ich schlagen! Dieses Dokunlent wollte und
mußte sich Otto erringen. Koste es, was es wolle. Mit der Mutter Ag er an. Sw, die Sanfte Gute, >var für alles zu Haben, das
Ä-^'Lrmütze Ä LS wte fD9nr Me
„Haste Gold, Muttchen?"


