Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Meinen Sie? Nun, da irren Sie sich vielleicht doch! Daß Sie's nur wissen: Ich habe heute schon eine vertrauliche Besprechung gehabt mit unseren Gewerken — o h n e den Herrn von Grund — und von m i r hängt es ab. Wenn ich will, dann haben Sie den Frieden!"
„So, so. Na — und weiter?"
„Ich kann eine Mehrheit in der Gewerkschaft zusammen- bringen, die, wie die Dinge einmal liegen, bereit wäre, den streit mit Ihnen niederzuschlag-en —- unter einer Bedingung."
„Und die wäre?"
„Es findet eine Bereinigung beider Gruben statt."
„Natürlich doch unter unserer Führung."
„Damit würden sich unsere Gewerken einverstanden erklären, nachdem ich ihnen klargemacht, daß Sie der rechte Mann sind, der noch mal etwas Großes machen könnte, hier aus unsernr Bergbau."
„Sehr verbunden." Bertsch lächelte leicht vor sich hin, immer noch, als nähme er diese ganze Sache nicht ernst. Dann aber richtete sich sein Blick aus den Wirt, und plötzlich ward dieser Blick kalt und scharf. „Und nun die Hauptsache: Was soll herausspringen für Sie bei diesem Geschäft? Denn mir zuliebe tun Sie's doch wohl nichts
„Natürlich nicht — aber im Interesse unserer Gewerkschaft. Ich sehe mehr Vorteil bei einem Zusammengehen mit Ihnen, als wenn wir jahrelang einen Prozeß am Halse haben."
' "„Ohne Zweifel. Aber trotzdem — ich kenne Sie doch, lieber Reusch. Sre waren ja inimer ein tüchtiger Rechner. Also nur heraus damit:.Was soll für Sie absallen?"
„Ich beanspruche keine besondere Vergütung, aber wir können vielleicht ein Geschäft miteinander machen, bei dem wir beide unseren Nutzen hätten." *
„Aba!"
„Nun ja. Sie wollen sich baulich ausdehnen, auch über Tag, und nach der Zusammenlegung beider Gruben würde das erst recht nötig werden. Da könnten Sie meine Wiesen und Aecker gebrauchen, droben am Wald. Der Raum wird Ihnen jetzt schon knapp an der Halde. Also — ich wäre bereit, Ihnen das ganze Areal da oben freihändig zu verkaufen."
„Und der Preis?"
„Hunderttausend."
„Sie scherzen, für die paar Morgen!"
„Es sind fast fünf Hektar. Und Sie vergessen, die Bodenpreise werden in Die Höhe schnellen, sobald Sie erst da oben zu bauen anfangcn. In ein paar Jahren müssen
Sie weit mehr geben. Und Sie brauchen das Gelände. Sre finden einfach nichts anderes da oben."
„Nun, das lassen Sie meine Sorge sein, lieber Reusch. Aber ich will die Sache nicht so ohne weiteres von der Hand weisen. Es ließe sich vielleicht darüber reden. Doch, nun einmal ernst gesprochen — was Sie mir da eben sagten, ist es Tatsache? Sie können eine solche Mehrheit bestimmt zusammenbringen?"
„Ich sagt's Ihnen ja."
„Und Herr von Grund?"
„Wir stimmen ihn nieder, wenn's daraus ankommt."
„Sv — na, da könnten wir ja der Sache einmal näher- treten."
Bertsch erhob sich und ging zum Schreibtisch. Nun brach es für einen Moment doch aus seinen Augen: Am Ziel! Aber wie er mit dem Schreibzeug und einem Bogen Papier zurückkam, war er wieder ganz kühle Ruhe.
„Wir wollen einmal alles schriftlich fixieren und dann weiter sehen." .
Bis zu später Stunde saßen die beiden noch zusammen. Als dann Reusch das Zimmer verließ, sah Gerhard Bertsch noch einmal auf das Schriftstück in seiner Hand nieder, daS Reuschs Unterschrift trug. Und tief atmete er aus. Das war der Sieg!
Solch em^ Gewerkeuversammlung hatte der Erbstollen in den ganzen Jahren seines Bestehens nicht erlebt wie die. von der man heute im Rauhen Grund sprach, bis hinauf in den letzten Hof droben am Bergkamm. Wilde Dinge wurden da erzählt.
Der Herr vom Adligen Hause, als er merkte, wo die Sache hinauswollte, mußte ja getobt haben wie ein grimmer Eber, den die Meute gestellt hat. Einen Hundsfott von Verräter hatte er den Hannes Reusch geschimpft und hätte wohl gar Hand an ihn gelegt in seinem Rasen, wenn nicht die andern dazwischengesprungen wären. Und als sie ihn dann beschwichtigen wollten — es wär' ja nun doch mal das beste, sich zu einigen mit dem Gegner — da hatte er aufgeschäumt von neuem. Eine abgekartete Geschichte, ein elender Schacher wäre das Ganze! Aber sie sollten sich nicht eiubilden, daß er mittäte. An die dreihundert Jahre seien die vom Grund beteiligt am Erbstollen, sie hätten einfach zusammengehört — doch nun sei es am Ende. Bor die Füße würfe er ihnen den ganzen Vettel. Es möge ihn nehmen, wer Lust hätt'. Damit war er aufgesprungen.
. Wie sie da noch alle verlegen srillgeschwiegen — es war hoch ein seltsam Ding, daß der von Grund und der Erbstollen nichts mehr zu schaffen haben sollten miteinander — hatte sich der Hannes Reusch erhoben und den vom Adligen Hause noch auf der Schwelle gefragt, ob das sein Ernst sei. Blitz und Donnerschlag! Ob er ein Hansnarr sei, der leeren Wind rede, hatte der andere dagegengewettert und die Tür zugekracht.
Da hatte sich der Hannes Reusch ganz ruhig an den an-


