Mauern vorüberkommen. berührt uns mit der wehmütigen Anteilnahme an den armen Betroffenen doch auch wieder deutscher Stolz: « orr haben Rußland getrotzt, unser Grenzland von kurzer Schreckensherrschaft befreien und den Krieg Lief hinein in das Feindesland tragen können.
Es foareu die Tage, als fast an jedem eine russische Festung Net, und die Ostpreußen hatten noch leuchtendere Augen, als je. Löo wir wanderten, sangen die Mädchen aus dem Felde und riefen ven gefangenen Russen, die hier überall unfreiwillige Erntearbeit Nln, lachend und triumphierend zu: „Nun kommt keiner von euern Lrosakeil wieder ins Land! Glaubt ihr's denn iinmer noch nicht?"
Aber dre mit den Tellermützen schüttelten ungläubig die Köpfe.
' x "^.asuremnädchen, dem^veit unten aii den Seen Vaterhaus und Erbe m den Flammen ausgegangen und unter die Hufe gestampft worden ist, kani in helleni Zorn und zählte den Stockrussen an den Fingern her, wieviel Festungen sie allein schon in 'diesem August verloren hätten.
Nein, nicht Warschau!" beteuerte der Sprecher. „Nicht Warschau, gospedma. Eher als Warschau fällt, kommt noch ein Schwein m den Himmel."
w. * öc ^ ei J f ^te Mädchen hellauf, nahmen ihre Rechen und netzen deii Russen stehen, der beteuernd die Hände erhoben hatte. >Er sah den Mädchen iiach und achtete unser nicht einmal.
Ucherall war Siegesfreude, Schafsenswille im deutschen Ostland So war es auch hier«uns ein frohes Wandern nordostwärts, Rutsche Meer wogt und die Helle Küste des umkämpften, fast schon uns gewonnenen Kurland umspttlt. Wir wanderten mit frohen Schritten ftrtb sangen.
„ i» cinem Dorf erstarb uns das Lied auf den heitereir
Sippen. Vor dein Amtshaus standen die Alten und die jüngste fugend, die Frauen und Mädchen geschart in scheuem Erwarten Aaum dankten sie uns unfern Gruß. Wir fanden auch in der Schenke Verlegenheit und Bangen. Es war eine große Sorge unversehens f?; Pas Dorf gekommen, aber kein einziger, auch nicht der .Gescheiteste, wußte das Wie und Woher und Warum.
. , ,,Der Schandarm ist drinnen", verriet uns endlich eine zahn- rose Ulte ünd blickte aus ihren milden Augen auch auf uns mißtrauisch uiid feindselig.
„Ja, lvarum stehen denn aber alle Menschen vor dem Amts- Haufe?"
„Sind doch alle bestellt . . ."
Ein junges, munteres Ding von etwa scchszehn Jahren wußte noch zu sageii: „Es sind zwei Herren gekominen. Da ,nuß was passiert sein."
Nhic stellten wir uns neugierig rutter die Menge und warteten, bis.sich die Zungen lösten. Solchen Augenblick braucht ruan ani Ryein, un Gebirge nicht lange zu erwarten, da teilt einer sich umner bald den cmbent mit, befragt auch den frerndesten Wanderer und tröstet sich germ mit guten Worten anderer. Der Ostpreuße ist von anderem Schlage. Er schweigt und überlegt, ist ängstlich pesorgt, daß den: Gehege ,einer Zähne nur ja kein Wort entfliehe., Er wartet ab, uiid es kann zu Zeiten Stunden dauerm, bis er den Z'ünd auftut zu teuer zwar harten, aber klarsten und ani fchönsteii klingenden Provinzsprache, die wir in ganz Deutschland haben. ,
So warteten wir aediüdig unter den Schweigsanren. Es war ganz still rm Dorfe. Nur die Gänse schnatterten von der Weide, -und ab und zu brüllte eine Kuh auf den Wiesen.
Endlich geschah doch etwas in dieser schlveigsamen Versamm- lunb.^in Fester tat sich auf. Der Gendarm steckte seinen behelm- ten Kopf heraus.
„Na, wer den nun?" brummelte er und erhob dann seine Stimme, daß sie alle auslauschtcn. „Jakob, du bist ja uroljt der
Netteste und der Gescherteste hier-Komm mal rein!"
. Der alte Bauer Jakob,, mit seinen iveißeu Haaren alle um Hauptc>Kange überragend, nickte tatterig, setzte sich in Bewegung Und erklomnr die Trtttstufen. -
Der Gendarcki hatte das, Fenster wieder Zugemacht, und der Anitsdrener, seift intb verschmitzt, schloß hinter den: Bauer die Tür fest zu.
Draußen wartete man uirerschütterlich. Wir rechneten bei uns aus, wie lange es wohl iroch druieru könne, denn-wir wollten dock), wenn auch unsere Zeit drängte, gerir das große Ereignis unterleben. Mißtrauisch und abweisend, mit einem schweren, verhangenen Bttcke sah uns ein Alter an, den wir ermunternd an- sprachM. Schließlich tat sich auch die Tür wieder auf, die den alten Jakob herein,gelassen hatte; man muß nur warten können. Und das haben wir ja aUe im Kriege gelernt, oft ein banges» Warten. — .
Noch tatteriger als zuvor war der alte Jakob. Und als er die paar Stufen förnilich hinabtastete, war in seinen von den Brauen übertuschten Augen etwas Seltsames, so Erschrecktes, daß man Tränen denken mochte, llrid dieser Ausdruck — wir sahen es deutlich und fühlten es noch deutlicher — er Nlte sich den andern Alten, teilte sich allen mit. Sie blickten Mob ms Gesicht, starrten auf die Tür, die ihn ein- und aus-
getaisen hatte. Und dann-gab es ein Räuspern und Raunen,
ern schzoerev Schlucken, über die Augen Wischen-—
— »st'vahr?" rief abgerissen etrfe Akte Jakob an
Er nickte. Wortlos.
Do heulte sic los und die andern stimmten mit ein. Die Alten
und die Jungen weinten aus offenem Platz am lichten Tage. Wir beiden ungebetenen. Zuschauer tvarcn überrascht, amüsiert und ärgerlich zugleich, aufs höchste verlegen.
„Na, Jakob, was ist denn los?"
8j ne Antwort. Tränen, die langsam, glitzernd über die runzttchen Wangen hernnterliefen. Tränen.
„Ja, aber Jakob!" Meiii Begleiter, seit Jahren und Tagen bekannt im Dorfe, packte ihn bettn Arme. „Alter Jakob, was ist denn los? Ihr seid doch ein Mann, zum Kuckuck nochmal! Wer wird deim heulen? Und !venn alle heulen, so seid ihr doch wenigstens vernünfttg."
„Was ist denn los, Jakob?"
Der Alte schüttelte den Kopf. ^
„Na, kann euch denn keiner helfen?" ,
„Keiner, Herr!"
Das war alles, was wir aus ihm herausbringen konnten.^
"Achlch denn?" friigte da vorlaut eine Weibesstimme.
p.„Glnch, hat der Sck-andarm gesagt."
Wie ein Schicksal sprach cs der Alte aus.
X yx" x r denn nur, alter Herr?" fragte ich mit letzter Ge- wünschte mich weit weg ans dem Kreise der weinenden, kindischen Dörfler.
„Photoaraphiert werdet ihr jetzt alle miteinander. Das hat der Herr Schandarin gesagt. —
. . Mjtb geht es nach Sibirien. Oder ihr iverdet aufgehäugt) jeder kann sich s aussuchen. Das hat der Amtsdiener gesagt."
Nun heulten die Weiber laut aus. Wir beide schämten uns doch ein wenig, laut hinauszulachen.
„Nein, Photographieren lassen wir uns nicht, im ganzem mcht!" kreischte eine gebückte Urgroßmutter, die auf einem Sterne hockte. ,
Da^ trat der .Herr Gensdarm aus der Tür. Und wie zwei Scharfrichter der Photograph und sein Gehilfe hinter- ihm. Sie trugen verhüllte Kasteii uub Gestelle.
. „Zu zweien angetreten allesamt hier! Mal marsch; wir lfaben keine Zeit. Die Weiber voran, daß das Geheul ein Ende nimmt. Wer nicht pariert und nickt sttllhält, wird bestraft!"
Der Gestrenge strich sich feinen gesträubten Bart. Und bn Anttsdieuer hinter ihm drohte grinsend mit der Faust: „Nachher pascholl nach Sibirien!" Dieser feiste Schelm von einem wahren Falstaff gefiel mir am meisten. Ich nickte ihm zu.
„ „Herr, wer sind Sie denn eigentlich «nd was wollen Sie hier? Haben Sw denn überhaupt Papiere? Zeigen Sie mal Ihre Papiere!" stellte mich der Allmäckstige, daß sic alle betroffen imb> mcht ganz ohne Mitleid auf mich sahen.
.. Ich zeigte meine Ausweise vor und wurde in Gnaden citt- la.Ncii. Hinter uns begann die Prozedur. Beklommen nahte Weib- lem mu Werblein dem nntri'iglichen Auge der Photographenkamera
Und intl Davon wandern hörte ich den GensdanueriewachL- meister ferne guten Dörfler belehren.
. . Ihr habt doch gesehen, was der Herr da für ein Bild
in fernen Papieren hatte. Na also. Bon jetzt ob' ist das eben so diesseits des Memelstromes. Was? — Was habt ihr gedacht? — Na, wo>ür ftchen denn eure Jungen und Brüder, Männer soweit drinnen in Rußland.
Weiß Gott, ich wäre lieber bei denen, als euch heibringen, was eine Photographie und ein Paß ist."
Das Pferd im Weltkriege.
Nach einer Angabe des Grafen Dominik Hardegg gibt es auf der Erde im ganzen rund 94 Millionen Pferde. Davon entfallen auf die Länder des Dreiverbandes rund 40, ans Deutschland und Oesterreich-Ungarn zusammen rund 8Mttlionen. Me kümmerlich sreht drefe Zahl nicht neben den 40 Millionen Pferden unserer. Feinde aus, - Und doch liegt das überwiegende Schwcrgelv'icht für diesen Ktieg, wie die Erfahrung gezeigt hat, bei diesen acht Millionen. Denn auch hier macht es nicht allein die Zahl, son- oeril macht es der Wert des Pferdematerials und hierin sind, wie Bezirkstterarzt a. D. M. Reuter in einem fesselnden Aufsätze uh -Pvonretheus" (Verlag von Otto Spanier, Leipzig) hervorhebt, die Machte des Zlveckundes int Vorteil. E ng la ud, das klassiM Land der Pferdezucht, züchtet schon seit Jahrhunderten nur für das Auge und für den. Sport; das Ziel der Zuckt ist die Erreichung möglichst großen G-eldgeuünnes, dagegen ist die Gebrallchs- zucht ganz vernachlässigt worden, und.so t'omnit es, daß England mit Ausnahme von Irland für Heereszwecke überhaupt keine Pferde besitzt. Nicht viel besser steht es mit Frankreich; hier kommt der Norden fast ausschließlich für den Luxus und die Land-- Wirtschaft in Betracht, da.die Norinandic nur einen kleinen Bru.ck" teil ihrer Aufzucht für das Heer abgibt. Das südliche Frankreich züchtet kleine Orieittalen, welche kaum die nötigen Maße halwn. Unk für Militärzfoecke ausreichende Berivendung finden zu köuneu' Weit erhaben über diese Staaten ragt der Koloß Rußland anit seinem riesigen Pferdereschitunr hervor, der im europäischen und im asiatischen Reichst eile zusammen über 33 Millionen Tiere verfügt. Auch in Bezug auf die verschiedeilartigsten Gebrauchs- Wecke besitzt Rußland eine unermeßliche Ueberlegenheit über seine Bimdesgeuosseu, und es könnte tatsächlich eine ganz außerordentliche AnZahl von Kavaslerieregünentern letttteu inacken iurd auch


