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Schlinge stellt. Aber mit dem Amerikaner —" und in seinen Augen glitzerte eine heimtückische Wildheit auf —, .„mit dem red' ich noch ein Wort! Wenn keiner dabei ist. Ich weiß seinen Weg. Bin chm schon manchmal begegnet, wenn er abends von: Schacht heungeht, über den Berg, droben an der alten Pinge. Ich denk', ich treff' ihn wieder einmal — und das bald!"
Halblaut nur hatte er gesprochen, aber- er war doch vernommen worden. Von Eke, die sich im Gemüsegarten Zu schassen machte. Da schrak sie znsaminen. Sie ahnte zwar nrcht, wer die Drohung ausgestoßen — die dichte Hecke verbarg ihr die beiden —, wohl aber, wein sie galt.
Eine Unruhe kam über sie, und als ihre Arbeit int Gurten getan, suchte sie den Oheim int Hause auf. Sie er-, zahlte ihnr, was sie vorhin gehört, und schloß:
„Man müßte Bertsch doch warnen vor den: gefährlichen Menschen!"
Aber Henner von Grund erwiderte trotzig:
„Was geht das uns an? Soll ich. et)va für ihn die Vorsehung spielen? Mag er doch selber seine Augen aufsperren! Zudem — solch Volk spricht leicht mal was hin. Ist nicht immer gleich ernst gemeint!"
Damit war die Sache für ihn abgetan, aber auch Eke nahm sie nun nicht mehr so schwer. Der Oheim mochte jvohl recht haben: Nicht jede Drohung dieser Leute wurde gleich zur Tat. —f
.Wieder gingen für Eke von Grmrd ein paar Tage hin m ihrem gewohnten Lauf. Arbeit in Haus und Garten, und zwiscyendnrch, einmal ein Weg hinauf in die Berge.
Auch heute unternahm sie ihrer Gewohnheit gemäß ihren Vormittagsspaziergang im lichten Sommerkleid, trotz- dein im Hof Kallmann, der Pferdeknecht, beoenl'lich zum Himmel aussah und sich den Schweiß, mit dem Arm von der Stirn wischte.
„Wenn die Lust so 'drückt, bla gibt e nasser Pelz."
.Per sie ging doch. Zu stickig war es ja in diesein schwulen ^omm erlagen hier unten im Tal zwischen den xumpseu Vl.aueru. Auch, heute schritt sie wieder im Schatten dev Buschwerks den Muhlsiefeu hinauf. Indessen, sie rastete dort nickt. Es verlangte sie nach der freien Höhe droben. So trat sw denn aus dem Schutz des Blätterdaches hinaus rndeit Sonnenglast der Wiese. In heißdunstigem Geflimmer staild hier dre Luft. Dre Urnrisse aller Dinge verschwammen in einem steten leisen Zittern. Schnell lenkte sie die Schritte hrnuber zu den Fichten, von wo ihr warm die sonnen- geloü)re Waldwürze entgegenschlng. Schlvarzgrüne Däm- irrmutg umftng sie. Nur hier und da ein verirrtes Gvld- fUmment auf den roten Stämmen. Lautlos schritt der Lims, uder den welchen Nadelteppich. Eine feierliche Tempelstille i°». u> den Baumkronen droben ein dunkles Summen, wie das Atmen des Waldes.
®“{# s ie ^lhten stieg Eke höher hinaus an, Berghang. Sie wußte dort oben eine Halde, wo stets ein erfrischender grng. Dort wollte sie hin. Im Näherkommen klang lelse erst, dann deutlicher, Geläut an ihr Ohr. Also die Herde war dort oben. Es war ihr das nicht lieb, des Hirten wogen. Sie ging dem absonderlichen Alten, der den ihre» Geschlechts trug, sonst immer aus deni Wege.
^m te ^ ne& f,e der Wunsch nach Kühlung doch deu- . deslu rmmer schwüler, fast unerträglich wurde E^ 5 hlich die Luft hier ,m dichten Walde. Wenn doch nur endlich der Regen koinmen tvollte!
. . der Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Als sie aus
Blumen trat, auf dre Waldvlöße, zeigte ihr gleich der erste Vsick zum Himmel die Erlösung bringende W^olke m ? } em f plötzliche Abkühlung eingetreten ^ gleich wurde e^> angehen. So blied nichts weiter übrig, als oort unter der wertajtrgen Maleiche Schutz zrr suchen Frei- lrch stand da schon der Hirt, aber hier galt's nicht lange zu et -’S U f5 g 6lng sie hinüber. Gerade noch zur niclev^ im md)ften Augenblick prasselte es schon her-
Eke von Grund hatte nur mit flüchtigem Nicken zu dem H-rten h», geicha.it Nun stand sie ihm halb abgewandt und blickte hinaus rn den ivtbden Schwall der sich überstür^ den Regenmassen. Dichter noch preßte sie sich an ^en Stamm der Elche, denn die zu Boden schlagenden schweren ^ropfen sprrtzten ihr an dem leichten Leinenkleid empor ^01? sörKte es sich hier und da dunkler vor Feuchtigkeit.
.Der Hlrt hatte zu ihr hinge sehen, in seiner unbelveg-
lichen Ruhe; nun aber nahm er den dunkle rr Lodenmantel von den Schultern mrd hielt ihn ihr hin.
„Da — nehmen Sie."
@fc fuhr unwillkürlich ein Wenig zurück. Doch in' denr ernsten, verwitterten Antlitz des Alten bewegte es sich jetzt:
„Sie könnet! ihn ruhig nehmen. Er ist sauber."
Schnell griff sie nun zu.
„Ich danke Ihnen."
Aber der Mantel war schwer, sie kanr nicht gleich damit zustande,^ so daß der Alte zu ihr trat und half, nut einen selbstverständlichen Sicherheit.
Sie dankte schweigend und verfiel dann in ein Sinnen, wahrend sie wieder in den Regenfall blickte. Wie doch alt- vererbte Kultur sich nicht verleugnete. Selbst nicht in so emein verkümmerten Sproß eines alten Geschlechts. Und unwillkürlich begann sie Tillmann von Grund von der L-erte her zu betrachten. Sie hatte ihn ja eigentlich nie aus nächster Nähe und in Ruhe gesehen. Schon als Kind war ihr von dem Oheim aufs strengste bedeutet worden, diesem alten Narren aus dem Wege zu gehen, der nun einmal den: Nanren der Grunds siihrte, aber sonst auch nichts weiter• nut ihnen gemein hatte. Er entstammte einer Seitenlinie,, die sich durch eine Mißheirat schon seit Generationen aller: Rechte und Familienzugehörigkelt begeben hatte. Diese Grunds waren so immer mehr herabgekommen, und ihr letzter Vertreter, eben der Tilbnann, war ein schwach? sinniger Mensch.
Das war's, was Eke von denr absonderlichen Atteir wußte, dem sie immer in einem Gemisch von Hochmut und! Scheu aus dein Wege gegangen lvar. Mur aber bockte es sie doch ernnral, in das Dunkel dieser seltsamen Persönlich? kert elnzudrrngeli. '
Wie sie ihn so unauffällig betrachtete, mußte sie fest^ sollen: Es war m diesem scharfgeschnittenen, graiistoppligen Gesicht, trotzdem es auf beu elften Blick etwas Bäuerliches! hatte doch ern Besonderes.'Ja, vielleicht sogar noch eiic Familienzug der Grunds. stttunerttlich, wie er jetzt mit tief herabgezogenen Brauen unbeweglich hinaus in den Regen? stürz starrte, als wäre sie gar nicht anwesend. Da beschloß! Nb, rhn tu eine Unterhaltung zu ziehen, und so sprach sie ihn vlotzlich an, rudern sie aus den Boden zu ihren -Mß,erbeutete, lvo sich au dunkelgrünem Geranke die ersten rosigen Glöckchen der Erika zeigten:
„Die Heide beginnt schon zu blühen."
Tillmann von Grund wandte langsam das Antlitz her und mckte. Erst nach einer Weile erwiderte er mit bem ihm eigenen, geheimnisvoll drinkeln Ton:
„Ja, wem: die Heide blüht, dann geht's mit dein Sommer wieder hinten naus." .
Und versank ivieder in sein Sinnen. Dabei immer die fTradjigen, wetterbrauneii Hände um den hohen Stock ge? lallet schaute er so vorgebeugten Hauptes hinaus wie in waren *^ Ctten ' die einem gewöhnlichen Blick verschlossen
.... Gs war schwer, ihm näherzukommen. Dia wurde Eke kuhil und fragte:
„Kennen Sie mich eigentlich?"
Er verharrte in seiner Stellung, ohne ihr einen MW zn schenken, ginhig kam es von seinen Lippen:
,,Das Fräulein vom Adligen Hanse kennt doch jedeincr rm Rauhen Grund." / A
(Fortsetzung folgt.)
Der Nummer der alten Zakob.
Eine erlebte Geschichte aus denr deutschen Osten von P a u l B u r g,
*? Ueberschwcmmrmgszciten so heimtückischen ^ E^fS^romes trug sich.vor kurzeur zu, wos ich erzähle: rr E Tilnter Zug hielt auf freier Strecke, und ein Soldat, mit blitzendem Nickelstempel m der Hand, ging von Abteil zn Abteil Dörrte jedem Reisenden, ob Frau oder Kind, Greis oder Kiiabe!
Ausweispapiere ab und verfah jeden Paß mit denr Tagesstempel. Dann bummelte der Zug noch eme kurze Weile weiter, überguerte den Strom und hielt bald wieder. -turne
fi»s^ U '^ ae0 x Cn aus und wanderten landein, Russeuspurcn zu temS Uni stunde. Das ist ein herrliches Wandern im lulrn Ostpreußen, man freut sich des Viehes auf den Weidcir ^ ^°tber und weckeri Felder und ist sich jeben Schritt mit
9 ^//öewußt: das ist deutsches Grenzlaud, gutes, treues deutsck>es ^nd, kern Feind hat es uns entreißen können. Auch wenn tvh* weit südöstlich, au kahlen Hausertrümmcrn und ausgebrannten


