Nontag, den 1 , 8 . Oktober
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-Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul GraLein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Den Bogen nicht überspannen — hatte der Alte nicht vielleicht doch recht? Er matzte wieder an den Brief aus Köln denken. Der Gönner, dessen er sich dort im Auf- sichtsrat der Landes baut erfreute, patte ihm geschrieben: Die Streitigkeiten mit dein Erbstollen, der begonnene Pro- Mtz hätten bei der Bankleitung wenig angienefym berührt. Das Interesse an dein geplanten Geschäft flaue unter diesen Umständen sehr erheblich ab. Käme es nicht bald gilt einer gütlichen Einigung der Parteien, dann sei kaum noch etwas für ihn W hoffen bei der Bank.
So stand es. Vor sich selber gesprochen: Er spielte also va banqu-e. Denn zerschlug sich das Projekt, so war hier für ihn nichts mehr zn holen. Nur so weiter wirtschaften als ein veralteter Kleinbetrieb — nein, dazu hatte er sich nicht Volte zehn Jahre da draußen nbgeguält. Ging's also nicht im großen, dann lieber gar nicht.
Doch das "hieß für ihn, den Wanderstab wieder weiter setzen, noch einmal von vorn anfangen. Ja, ganz von vorn, in jeder Beziehung. Denn was er sich erspart in jenen harten zehn Jahren des Verzichts auf jede Lebensfreude, das hatte er jetzt hier hineingesteckt in das Unternehmen,. Nur so hatte, er von seinen Gewerken die Einwilligung zu diesen Kampfmaßnahmen Hegen den Erbstollen erlangen können, die natürlich ja auch den eigenen Betrieb in Mitleidenschaft zogen. Er deckte den Ausfall mit seinen eigenen Mitteln.
Also ein Spiel — nein, aber ein verwegenes Ringen um den Sieg war es, mit teurem Einsatz: Zehn Jahre feines Lebens, die verloren sein konnten!
Schwer atmete Gerhard Bertsch, allein mit sich. Aber dann riß er sich plötzlich selber wieder empor. Ganz gleich —' ein Zurück gab es nicht mehr. 2llso vorwärts denn!
*
Der Versuch des Pfarrers lvar gescheitert an der Halsstarrigkeit Henner von Grunds. Er hatte sich verschworen: Keinen Zoll breit lvürde er zurückweichen vor dem Amerikaner. Sv wahr er der Herr von Grund iväre!
Es blieb daher, lvie es war. Nur eins nicht. Das war die Not der arbeitslos gewordenen Männer, unter denen manche waren, die nichts gehabt hatten, um ihre Familien zu ernähren, als ihrer Hände Arbeit in der Grube. Denen lvard das Elend im Haus größer und größer. Und eines Tages trieb sie der Jammer von Weib und Kind hin zum Adligen .hause. Der Repräsentant ihrer Grube mußte doch Rat schaffen können! So trugen sie ihm denn ihre Sache vor, im Hofe unter der Linde, wo sie der Gutsherr hatte zu sich führen lassen.
Schweigend hatte sie Henner von Grund augehort, den Kops gesenkt, daß ihnen der Anblick seiner Züge verborgen war. Dort arbeitete es erregt. Die Not der Leute ging ihm nahe. Aber sollte er darum klein beigeben, dem verhaßte« Gegner diesen Triumph gönnen? Nein — er hatte sein adlig Wort verpfändet! Mochte es nun biegen oder brechen. Da hob er das Antlitz in festem Entschluß'vor den Männer«» wieder auf.
„Ja, Leute — 1 eure Not geht mir nahe. Aber ich kann da nichts tun, als Vertreter der Gewerkschaft. Wir müssen, weiter kämpfen um unser Recht. Doch was ich persönlich vermag, das soll geschehen. Ich Voerde Anweisung geben, daß einem jeden von euch für diese Zeit Fleisch, Mehl und Kartoffeln zugeteitt werden — was ich irgend entfrclj-mi kann. Kommt also nachher herüber ins Leutezimmer und empfangt gleich euer Deputat."
Ein Schweigen trat darauf ein unter den Männern, die bekümmert und unschlüssig dastandeu. Bis einer endlich das Wort nahm. Der lange Frieder, ein nicht gerade gut berufener Geselle. Das Messer stak ihm lose in dev Scheide. Er hatte schon ein paarmal hinter festen Mauern gesessen u>egen solch einer wilden Tat. Der sah jetzt mit sinsterm Blick zu dem .Hausherrn hin.
„Ist ja ganz gut gemeint, aber doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Und wir wollen Arbeit, Herr —\ kein Anmosen."
Ja! Da stimmten sie alle zu mit Gemurmel und Kopfnicken. Das hatte ihnen der Frieder aus dem Herzen geredet.
Doch Henner von Grund zuckte die Achseln.
„Ich sagt's euch ja schon: Das steht nicht bei mix."'
„Also soll's weiter so gehn, mit dem Hungern Md Darben daheim?"
Ein dumpfes Grollen klang ans der breiten Brust des Langen.
Wieder nur eine stumme Gebärde bei Henner von Grund. Doch daun noch ein Wort, bitter gehässig:
„Ja — bedankt euch bei dem Amerikaner. Der hat's euch eingebrockt!"
Das" fiel wie ein Funke in dürres Stroh. Wild glomm es auf im Auge des Frieders, und auch manch einer dev anderen ballte die Faust.
Henner twn Grund war froh, die Sache von sich ab gelenkt zu haben. Er machte eine Gebärde der Berabschie düng.
„Also, wie gesagt, Leute — meldet euch drüben."
Da gingen sie. doch alle hinüber, bis aus zwei' den Frieder und einen Kumpan ferner Art, mit dem er sich zumeist hielt. Zn dem sprach der Lange rauh und trotzig:
„Komm! Für dem sein Gnadenbrot danken war." Und er schritt mit dem Begleiter längs der Rotdornhecke hes Gemüsegartens zum Hostor hin. „Am Verhungern sind wir ja noch uit. Und wenn's so weit kömmt — nun, es gibt ja noch Reh' im Wald, und ich tveih. nne man eine


