Ausgabe 
16.10.1915
 
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nichen tmButterschmalz". Sein Bericht über die Hochzeit des böhmischen Edelmannes Wilhelm von Rosenbera zählt wahre Chim- borassos aller möglichen Fressalien auf; an Butterschmalz allein wurden 117 Zentner verbraucht.

In den ältesten gedruckten Kochbüchern findet sich die Butter vereinzelt angeführt. Seit dem 17. Jahrhundert, wo sie auch schon in Gedichten vorkommt, hat sie dann im feineren Haushalt mehr und mehr Aufnahme gesunden. An Stelle der Morgen suppe tritt sthon in der zweiten Sälfte des 17. Jahrhunderts Gebäck und But­ter. Tas trockene Brot weicht mit dem wachsenden Wohlstände dem Butterbrot. Settdenl ist die Butterbemmc in der deutschen Familie ein lieber Hausgenosse geblieben, und nichts mutet uns in Goethes Werk so deutsch und so vertraut an, wie die Szen§ unWerther", da Lotte ihren Geschwistern die Butterbrote zur Abendmahlzeit austeilt.

vermischtes.

* Nicht Krupp, sondern Ducroquet. Daß die Firma Krupp die Unverschämtheit besitzt, ganz allsgezeichnete Ge­schütze herzustellen, läßt den Franzose» keine Nutze, und so sind sie neuerdings ans die Entdeckung verfallen, das; die Essener Werke gar nicht dem alten Alfred Krupp, sondern einem genialen'Fran­zosen namens Ducroquet die Grundlage ihres Weltrufs, den Ersatz der früher beim Geschützguß üblichen Bronze durch Stahl, verdanken. Dieser Ducroquel lebte in dei» vierziger Jahren des vor,gen Jahrhunderts in Amiens, er »var ein glühender Patriot »nid sehnte sich danach, durch eine gewaltiqe kriegstechnische Er­findung die Niederlagen wett zu machen, die sein Vaterland 1813, 1814 und 1815 erlitten halte. Während eines Aufenthaltes in Paris lernte er Krupp kennen, der sich damals nach Kunden umsab, und er erzählte ihm von seinen Plänen. Krupp schien sich dafür zu interessieren und als die französischeu Behörden den Erfinder nb- wiesen, lud er ihn ein, nach Essen zu komme» und seine Erfindung grgen Erstattung der entstehenden Kosten in seiner Werkstatt zu vollende»,. Ducroquet ging auf das Anerbieten ein und konnte Krupp eines schönen Tages wirklich aukündigen, daß er nun d e Stahlkanone vollendet habe, Krupp erividerte ihm aber r ,nit echt deutscher Brutalität": Ich wollte Sie gerade rufen lassen: ich habe nämlich genug von Ihren närrischen Experimenten. Sie haben nur 130 000 Franken zur Bestreitung der Kosten bereits übergeben, nun schulde» Sie mir noch 5000 Mark." Der unglückliche Franzose »nachte einen Prozeß gegen Krupp anhängig, verlor ihn aber und starb 1817 in tiefster Armut. Krupp bot aber noch im selben Jahre der preußischen und der französischen Ne­gierung Modclle von Stahlgeschützen an, die er nun,ehr her- -»»stellen in der Lage war, well die Arbeiter, die er Ducroquet zur Verfügung gestellt hatte, dem Franzoien bei der Arbeit sein Ge­heimnis abgesehen hatte. Soweit derMatiick. Also: Krupp ist entlarvt. Wir erwarten, letzt bald zu hören, daß Goethe von Nostand abgeschrieben Hot.

* D i e Winter ruhe der Bienen. Häufig wird von einem Winterschlaf der Bienen gesprochen, doch ist dos nicht richtig: denn sie verfallen nicht wie andere Tiere in einen Winterschlaf sondern sie treten nur in e ne Wintcrrrrhe ei». Wenn im Oktober die Tage kürzer werden, die Minnen abgeblüht sind, nachdem die Zeit der sonnenlosen Tage, der Nebel, des Regens und der Stürme gekommen find und kurz nachdem in der Drohnenschlacht die unnützen Fresser gelötet und hinausgetriebcn »norde», sind, richten sich die Bie,»en zur Wi»»terruhe ein. Die Königin m der Mitte, hängen sie sich, eine an der anderen, zu einer großen Traube ans und er- »oorten so die Kälte deS Winters. Wie alles in» Bieneufraat gut einqerichtet ist, so auch die Art des Zusammenlebens »vährend des Winters. Die Menen, die außen an der Traube hängen, hoben natürlich mehr Kälte onszubalten als die, die ihren' Platz im Innern haben. Damit nun die ällßeren Kameraden nicht er­starren und zugrunde gehen, dringen immer »vieder neue, die er- »värmt sind, ans dem Innern des Knäuels hervor, um für eine ^eit die äußeren und kälteren Plätze cinz»,nehn»en. Tie Bienen nehmen auch i»n Winter 'Nahrung zu sich, aber nur ganz wenig. Jeder Züchter ist dara»»s bedacht, daß in» Spätherbst und in den Wint?r,nonaten in der Nähe der Bienenstöcke jedes laute Geräusch vermieden »vird. Schon ein vo,n Wind be,vegter Zweig, der an einen Bienenstock schlägt, kann die Ruhe im Bienenstock ernstlich stören, und das muss vermieden werden. Denn bei jeden» Geräusch werden die Bienen aus ihrer Winterruhe anfgejcheucht; sie sressen dann inehr, als ihnen in dieser Zeit dienlich »st, und dadurch kann unter ihnen die Ruhr entstehen.

vüchertisch.

Hohe n z oller n-B«rqkalen der 19 16 . Soeben erschien zum vierten Male der.Vohenzollern-Bnrqkalender" (Burg, ver aq. G. »»,. b. H., Berlii»'Grunewald, von den» als Burgen- und Städtebauer bekannten Archllektei» Professor B o d o E b h a r d l. Diese ivertvolle Veröffentlichung nimmt unter den zahlreichen Kalenderdrucken einen ganz besonderen Platz ei»» Do», jedem leo »den Hobenzollern ist in den erschieiieiien vier Jahrgängen otanren, Wappen und Geburtstag angegcbei». Es ist damit eine

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Schriftleitung: Aug. Goetz - Rotationsdruck und Verlag der Bri

blsher in so billiger und doch künstlerischer Fort»» völlig sehlende, zllverlafiige Quelle für alle diejenigen geboten, welche die Wappen der Mitglieder Unseres Kaiserhatises in irgendeiner Beziehui»g kennen lernen oder verwenden »vollen. Der Kalender ist also ein wsisenscha'tlich zuverlässiges Borlagewerk für die Hofämter, für Genealogen. Graveure und Ku,rstgewerbler aller Art. Aus den 12 Monatsblättern des neuen Jahrgangs sind die Wappen von 17 Hohenzollern dargestellt, und z»var zunächst die der lebenden Mitglieder des fürstlichen Hauses Hohenzollern und das Wappen der »nzivischen geborenen Prinzessin Alexandrine Irena, der Achter des Kronprinzen. Damit ist die Reihe der lebenden Hohenzollern abgeschlossen. 7 weitere Blätter des Kalen- oerS 1916 zeigen die Wappen verstorbener Hohenzollern. 12 Monatsbilder zeigen ferner die Burgen: Hechingen, Hohenfels, Hargerloch, Bergh, Bütoiv, das Rurtor in Jülich. Rhetniels. MörS, Quedlinburg, Regenslein, Glatz um 1600, endlich Königs,vuster- hausen Zu jedem Wappen ist eine zuverlässige Erklärung, zu leder Burg ein kurzer geschichtlicher Abriß gegeben. Außerdem enthält der Kalender eii» geräumiges Kalendnrrum für Eintrag- »lngen, soivie für jeden Tag die vaterländische»» Erinnerungen von 1870/71 und aus dei» geivaltige»» Kriegsjahren 1914/15.

Gietzener Hausfrauen-Bereitt.

Die Teuerung der Lebensmittel und der Mangel an Fett, Eier u. a. zwingt zur Sparsamkeit. Darum ist es Sache der Hausfrau, mit dem Vorhandenen so sparsam als möglich umKugeheu. Namentlich ist es notwendig, die Ver­wendung von Fett tunlichst eittzuschranken. Es kann dies um so unbedenklicher empfohlen werden, als feststeht, daß ohne wesentliche Beeinträchtigung des Nährwertes und der Schmackhaftigkeit die bisher übliche Verwendung von Fett verringert werden kann, wie Hedwig Hehl und Geh. Regie­rungsrat Prof. Dr. N. Zuntz nachgewiesen haben. Der nach­stehende Wochen-Knchenzettel ist aus diesen Erwägungen heraus ^usammengestellt worden.

Sonntag: Suppe von Maggi-Würfel, Kalbsbraten mit Kartoffeln und Salat.

Montag: Suppe von den Bratenknochen und Resten, Mak­karoni mit Tomaten und etlvas geriebenem Schweizer käse.

Dienstag: Fleischbrül>e mit Kartoffelgrieß,*» Ochsensleifch mit Kartoffeln und Meerrettich.

Mittwoch: Gemüsesuppe, Sago und Aepse!.*

Donnerstag: Kabeljau mit Kartoffeln und Senftunke, Apfelmichcl.*)

^ Freitag: Fischsuppe,*) Krautrollen mit Kartoffeln in der Schale.

Samstag: Haferflockensuppe, Heringskartef'e n.*)

Kochanweisungen.

K a r t o f f e l g r i e ß: Statte Kartofselreste reiben und an der Lust trocknen.

Sago und Aepfel: Man nimmt Sago an Stelle von Reis, kocht ihn in Milch mit etwas Salz und Zucker gar und gibt Apfelbrei hinzu, oder füllt beides lagenweise in eine Form.

A p f e l m i ch e l: 1 Suppenteller voll fein geschnitzter Aepfel, V-r Suppenteller voll eingeweichte Brotrinde, y 2 Suppenteller voll geriebene Brötchen oder Brot, Zitrone, Korinthen, Zimmt, Nelken, Zucker lagenweise in eine Form getan und mit einigen Flöckchen KunstbMter belegt.

Fischsuppe: Tie Abfälle von gekochtem Fisch (Rückgrat, Kopf, Schwanz usw.) werden mit Wasser, Suppengrün. Salz, Pfeffer, Zwiebel (wenn vorhanden auch Tomate und Zitronen­scheibe), 1 Glas Ltpselwein, 1 kleinen Glas Salatöl und einem Guß Essig 1*42 Stunden gekocht. Tann die Brühe durchsieben und mit etwas Mehl, Milch und Eiersatz verdicken. Man kann noch übrig gebliebenen Fisch in kleinen Stückchen und geröstete Weck- bröckchen hinein geben.

(Bei Heringskartoffeln kann man sehr gut an Stelle von Rahm Buttermilch verwenden.)

*) Siehe Kochanweifung. ^

Gleichklang-Rätsel.

Noch sind'« nicht Worte, nur die ersten Tone Des Kindes, daß es sich au 'S Wort gewöhne.

Den gleiche»» Namen hat auch einst getrage,»

Ein Saitenfinel i>» längst vergangnen Tagen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer:

Ein Menschenherz ist ci,r von» Himmel Herabqesunkner lichter Ster»»,

D'run» fühlt das Herz ein tiefes Sehnen

Nach einer Heimat, die ihn» fern. Rittershaus.

'sehen Universitäts-Buch- und Stemdrnclerei. R. Lange, Gießen