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feilten. Verbündet eil tu dieser Hinsicht unter die Arme greifen. Allein daOc ist es infolge seiner gwgraphisäM» ALgeschlossenheit nicht inOande, nnb so kann es nicht wimd-er nchwen, daß z. B. int sranzösisckren Heere sich bereits ein empfindlicher Pferdemangel de merkbar gemacht hat, so daß sich die Heeresleitung entschlicßeui UMßte, Kavallerieregimenter ans Fahrrädern „beritten" zur machen.
Was nnn das deutsche Pferd im Weltkriege an geht, so hat die bekannte deutsche Organisationsgabe es auch hier verstanden, das zahlenmäßige Untergerricht anszngleichen Nnd die Leistungsfähigkeit des Pf-erdeinaterials aufs höchste zu steigern. So berichtet Prof. Eberlei;» von der tierärztlicher Hochschule in Berlin, daß bei einem! Reservearnreekorps das Pferdematerial, welches sich ausschließlich ans ausgchobeneu Zivilpserdeu verschiedenster Rassen zusammensetzte, vortrefflich bewährt hat. Diese Pferde, die vorher Brauerei-, Speditions- oder Arbeitspferde gewesen waren ouer als Geschäfts- nnd Kiitschrvagellpserde Verwendung gefunden hatten, hielten selbst die anßerordentlichsteir Strapaze;» überrasck>end gut aits, nnd dabei hatten die Tiere oft große Strecken, nicht feTteil 60 bis 70 Kilometer per Tag, Mrückzulegen. Was die ems-etiicit deutschen Pferdeschläge angeht, so hat sich nach den Beobachtungen des Stallsveterinärs Zembsch das Pferd der edlen ostprenßrschen Znchtrichtimg hervorragend bewährt, obivohl oft außerordentliche Anforderungen daran gestellt wurden: Gewaltmärsche von 75 bis 100 Kilometer, unregelmäßige Fütterimg, schlechte Unterkunfts- verhAtnisse, viele Biwaks in kalten Nächten ufw. Die Widerstandskraft erstteckte sich auch ans Erkrankungen. Die Hannoveraner der jüngeren edlen Zuchttichtung stehen den Ostpreußen kaum, nach, während die öolfteiner, dänischen und Holländer Pferdeschlage sich bei der Kriegskavallerie nicht bewährt haben. Das deutsche Kriegspferd hat sogar das vielgerühmte russische bei weitem an Gebrauchsfähigkeit, man möchte sagen: Intelligenz übertroffen. Erbeutete Kosakenpferde erwiesen sich in der Regel für den deutschen .Heeresdienst unbrauchbar und mußten erst in den Gestüten nnd Remontedepots für das deutsche Reglement herangebildet werden. Erwähnenslvert ist mich, in wie hohem Maße sich das ö st e r ei chr - sch e Kriegspferd bewährt hat. So flößte nach den Berichterstattungen ganz besonders das bisher noch wenig beachtete kleine ritthenische Baiierripferd geradezu Bewunderung ein. Dieses trotz seines niederen Körperbaues sehr ausdauernde und unermüdliche Ruthenenpferd hatte in Galizien an Stelle des schweren Zugpferdes, das sich dort als weniger hierfür geeignet erwiesen hatte, sogar einen sehr großen Teil der Trainlast zu bewältigen.
Der Weltkrieg hat erwiesen, daß die sich int Jrrtume befinden, die das Pferd für Kriegszwecke überlebt hielten. Der Wert des Pferdes im Kriege ist vielmehr nur gestiegen nnd in vielen Fällen hing der militärische Erfolg im Weltkriege davon ab, wer am längsten über marschfähige Pferde zu verfügen hatte. Von welcher Wichtigkeit das Pferoematerial geworden ist, hat sich namentlich aus den: östlichen Kriegsschauplätze wiederholt gezeigt. So ist bekannt, daß dort einmal ein ganzes deutsches Armeekorps von den Russen vollständig eingeschlossen war. Nach dem Berichte eines Mitkämpfers hat ein Artillerieoffizier, der btc Lage übersah, den Befehl gegeben, mtt allen verfügbaren Kanonen im stärksten Galopp auf eine bestimmte Höhe anfzufahren und sofort das Feuer zu eröffnen. Dadurch gelang es, den Rückzug des Heeres- teiles zu decken, Tausende zu retten und dein Fencde »roch empfindliche Verluste beizubringen. Der Erfolg war somit nur durch die Pferde ermöglicht worden. ___'
vermischtes.
• Was Armlose leisten. Verschiedene verblüffende Beispiele dafür, wie der völlige Verlust der Arme ausgeglichen werden kann, sind in letzter Zelt angeführt worden, da man sich jetzt bei der Kriegsbeschädigtenfürsorge mit dieser Frage besonders beschäftigt. Der bekannte Kenner der Geschichte der Medizin Professor Euaen Holländer, lveist nun iit der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" daraus hin, daß es bereits viele Jahrhunderte hindllrch eine ganze Klasse von K ö r p e r k ü n st l e r n gab, die aus körperlichem Miüwachs ihren Erwerb zogen. So gab es unter den sabrellden Gesellell eine besondere Gattllng von sogenannteil Fußkünstlern, die aus Märkten und Plätzen herllmzogen llnd dem erstaunten Publi- kum zeigten, lvie man durch Fleiß und Nebung dahin komillen lanu, statt der verloreileu Arule und Hände die Beine und Füße ebeilso geschickt zll gebrallchen. Die Reklamezettel dieser reUeubett Gaukler weisen zum Teil interestarlte bildliche Darstellungen aus. So zeigt z. B. ein Kllpser alls dem 18. Jahrlnrndert ein mit den Füßen arbeitendes Mädcheil, das mit deil Füßen das Spinnrad dreht, Karten itnb Würfel spielt, wie es die Umschrift des näheren erläutert: „Dieses Bauernmädchen arbeitet mit den Füßen; ohne Hände »lacht sie sechs Stück: erstlich fabelt sie die Nadel ein, zweitens näht sie. drittens strickt sie, viertells spielt sie mtt den Karlen; fünftens spinnt sie; sechstens ivirst sie mit zwei Würfeln, solches geiviß schön zu sehend DaS Uuglallblichste in dieser Hinsicht hat aber lvohl ein Mann geleistet, den der berühmte Kriegs- chirllvg Ambroisc Pars im 24. Buche seiner Chirurgie nach der Behandlung der küustlicheu Glieder erlvähnt lind abbildet. Der gänzlich armlose Mann benlitzte außer den Füßen noch die Hals- tnrd Rllnlpsnluskltlatur zll allerlei Handllingeil, die sollst mit de»»
Händen auSgesührt lverden. Auch die Umstände, die zu seinem Tode führten, sind sür einen Armlosen höchst merkwürdig. „Vor,reuigen Jahre,»", so schreibt Pare^ „ist hier in Parts ein 40jäbriger Mann gesehen worden von vierschrötigem Wuchs, welcher, obivohl er ohne Arme war, alles das, »vas man sonst mit den Händen zu verrrchten gewohnt ist, gleich lvirkjain erledigt. Mit der Schulter u,ld dem Rumps, Kops und HalS schlug er ein Beil in einen aufgeslelltcn Pfahl mit einem so sicheren und starken Schlag, ivie ein anderer Mann mit der Hand, und mit solcher Macht handhabte er die Fuhrmannspeitsche, daß sie wie mit einem ehernen Schlage knallte, im übrige»» aß er mit den Füßen, trank und spielte Karten und Würiel mit ihnen: endlich als Raubmörder gefaßt, >v»lrde er an» Kreuze erdrosselt und gerädert."
* M o l t t e i n Verlegenheit. Daß auch Moltke eillmal in Vcrlegeuhelt gekommen ist. wird >nan kaum glauben. U»rd doch ist es so. Bet einer Abendgesellschaft in sei,lem Hause beialiden sich zwei Brüder, die beide als Hauptleute im Generalstab standen. Der General trat an eine Gruppe heran, in der sich eiiler der beiden Brüder befand, und fragte, nachdem er am Gespräch teil- genommen: „Sageil Cie n»at, wie heißt doch gleich der große Offizier da drüben ain Ofen?" „Das ist nieln Brllder, Exzellenz." lautere die Antwort. Ein leises Lächeln glitt über das Gefichl des Generals, als er für die Auskunft dankte. Bald darauf trat Moltke an den anderen Offizier, nach den» er geiragt hatte, heran »rnd ließ sich mtt diesem in ein Gespräch ein. Plötzlich sab >i»an, als er fich abwandte, »vieder jenes ihm eigene kindliche Lächeln über seine Züge gleiten. Man fragte den Offizier, wonach Molrke sich erkundigt habe: „Wer der Offizier da drüben se»." „Und ivas haben Sie geantwortet?* „Daß e§ inein Bruder iit." An diesem Abend gab es (Srak Moltke aus, z»r erfahren, wie dre beiden Brüder hieße»», mit denen er sich z»»sa»n»nen befand.
Büchcrtisch.
— Das Schwert des Geistes. Gottes Wort für den täglichen Gebrauch ausgewählt. mit Leitwort »»nd Lesetasel versehen von H. Schökiler, Generatsllperintendent von Ostpreußen. — Sedezformat. 410 Seiten. Preis gebd. m 1,20. Berlin W 35. Vertag des Eva»»gelischen Bundes. Diese Ausgabe ist in erster Linie für »injere 1 opferen Krieger gedacht, wird aber jedein anderen evangelischen Christen ebenso willkommen sein und sich deshalb a»lch vorzüglich zu Geschenkz,vecke»l ei inen.
— @ mannet ©ei bei. Sein Lebe»» uub eine Auswahl ait8 seine»» vate»lä»»dischen uub religiöse»» Gedichten. (Volksschristen zun» großen Krieg Nr. 56/570 Berli»» IV 35, Verlag des Evangelischen Bundes. 40 S. 20 Psg.
— Der „Lahrer Hinkende Bote" für 1 9 1 G (Verlag Moritz Schauenburg, Lahr i. Baden) brt'lgt eine Ueberschau der geschichtlichen Vorgänge von» A»»sbr»lch des Krieges bis zur Er-- oberung Warschaus audi iit einer humorvollen Standrede vom „Feldzug der Dal eimgebttebenen" — einer beherzigenswerten Mahnung an alle Hausväter »ind Hausfrauen. Auch seinen ar»S dein Volksleben geschöpften Erzähl»»ngen »vird cS nickst a,» Teil- r»ahn»e fehle»», ui»d auch als Ratgeber tut der Kalender gute Dienste.
Schach-Aufgabe.
Von B. Prikr»)l in Prag.
.Auflösung in nächster Nummer.
.Auslösung des G^elchklangrätsels in voriger Nummert Laute.
Schristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brüht'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lgnge, Gießen


