Ausgabe 
16.10.1915
 
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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachbruck verboten.)

(Fortsetzung.)

./'^rennen Lut's freilich nit, Herr von Grund, aber das Wasser koinmt uns über'u Hals."

Das Wasser?"

--Äa es ist über Nacht eingebrochen, alle Baue auf der elften Sole stehen uns voll, schon kniehoch."

Was denn?" Henner von Grund warf Messer und Gabel hin.Aber wo koinmt denn das her mit einem- mal?"

Bonr Nachbarfeld her kommt's."

Von drüben? ?lih nun versteh' ich. Diese gottx verdammten Schufte!"

Der rotbärtige Steiger nickte. In verbissenem Grimm, £wifj er einen Gegner gefunden, der es mit ihm aufnahm, ja ihm vielleicht sogar noch über war.

Henner von -Grund fuhr aus.

Da können wir aber doch nicht ruhig zusehen! Haben Sie denn nicht gleich?"

Gewiß, seit früh sieben sind wir schon am Pumpen, aber wir können das Wasser nit bewältigen mit unserer alten Maschine. Das rennt ja nur immer so. Ich mnlß, meine Leute bald herausholen, wegen der Gefahr."

Verdammt nicht noch mal!" Der Gutsherr schmetterte mit der Faust auf den Tisch, daß alle Schüsseln und Teller erklirrten, und nun svrang er empor. Seine schweren Jagd­stiefel stapften eilenos zum Fenster. Laut dröhnte seine Stimme über den Hof.

Kallmann anspannen. Aber Galopp!"

Und nun kehrte er sich wieder dem Steiger zu.

Ich fahre sofort aufs Bergrevier!"

Hannschmidt nickte zustimmend.

Ja, Erle tut not."

Gin paar Minuten später rasselte der Jagdwagen schon vom Hof und stob davon, auf der Straße nach Siegen, und es war noch nicht Mittag, da hielt er schon wieder im Ort droben vor ZecheChristiansglück". Henner von Grund in Begleitung des Bergrats trat bei Bertsch ins Bureau ein. Langsam erhob sick dieser, verneigte sich vor dem grüßenden Revierbeamten und sah den Repräsentanten des Erbstollens an, der steif und störrisch vor ihm stand.

Nun was verschafft mir die Ehre?"

Der leise Spott stachelte Henner von Grund aus.

Das werden Sie selber wohl am besten wissen," schrie er ihn an.Glauben Sie, Sie können Schindluder mit uns spielen, .Herr?"

Wenn hier in der Tat von solch einem Spiele die Rede sein dürfte, so Hütten Sie damit angefangen, Herr von Grund. Sie wollen das doch nicht vergessen."

Meine Herren, so kommen wir ja nicht weiter," ver­mittelte der Bergrat und wandte sich dann an Bertsch. Also^ Herr Bertsch, es handelt sich um eine Beschwerde des Repräsentanten vom Erbstollen hier. Wie Herr von Grund behauptet, sollen ihm durch Ihr Verschulden Wasser in sein Ärubenfeld einbrechen, und zwar in einem solchen Um­fange, daß der ganze Betrieb dadurch bedroht wird."'

Das bedaure ich außerordentlich," der unverkennbare Spott ließ Henner von Grund eine Röte auf die Stirn schießen,aber ich werde an dieser Tatsache leider nichts ändern können."

Die Gegenpartei mutmafst, ja behauchtet, es läge eine schikanöse Absicht Ihrerseits vor und dringt auf Be­seitigung der Maßnahmen, die zu diesem Wassereinbruche geführt haben."

Was die Gegenpartei mutmaßt, ist mir vollkommen gleichgültig. Die betreffenden Maßnahmen aber waren im Interesse meiner eigenen Grube geboten. Ich habe daher nicht die mindeste Veranlassung, sie aufzuheben."

Herr Bertsch, ich möchte Ihnen doch nahelegen. Wie gesagt so kommen wir doch nicht vom Fleck!"

Herr Dergrat, noch einmal ich bedaure!"

Ja, dann, meine Herren," und der Revierbeamte hob seine Stimme,bleibt mir nichts weiter übrig, als die Anordnung zu treffen, daß Sie beiderseits bis zum Aus­trage der Sache den Betrieb an ihrer Markscheide, inner­halb zehn Meter von der Grenze, einzustellen haben."

Damit," Bertsch verneigte sich mit überlegenem Lächeln zu dem Beamten hin,bin ich ganz- einverstanden."

Aber ich nicht!" schrie Henner von Grund.Was nutzt mir das? Inzwischen läuft das Wasser immer lustig weiter uitt) ersäuft mir die ganze Grube."

So prozessieren Sie doch!"

Sarkastisch gab Bertsch jetzt dem andern das Wortz zurück, das ihm jener damals boshaft zugerufen. Dick schrv-ollen dem Gutsherrn die Adern an der Schläfe an.

Herr, wir sprechen uns noch!"

Und er drohte zu Bertsch hin. Aber der lächelte nuv schweigend im Gefühl seiner Neberlegenheit.

Der Bergrat, froh, daß er die leidige Geschichte auf diese Weise für sich erledigt, sah von einem zum andern.

Ja, meine Herren dann gäbe es hier wohl einst­weilen nichts weiter zu tun. Glückauf!"

Und er zog den Hut.

Ohne Gruß, in kochendem Grimm, folgte ihm Henner von Grund.

*

Es kam, wie Gerhard Bertsch es berechnet und die Gegner befürchtet hatten: Die Wasserader, die mit dem Grundwasserstrom in Verbindung stand, erwies sich als rein unerschöpflich, und die ihr entquellenden Fluten taten ihr Werk im Erbstollen. Ohnmächtig blieben alle Anstrengungen Hannschmidts und seiner Leute, ihrer Herr zu werden. Da^ rann und strömte Tag und Nacht, füllte die Strecken uuo