stehen, die öfter unbedingte und unerläßliche Voraussetzung jedes Enderfolges sind. Wir haben geleimt, auch gerade diese Art twu Arbeit als einen Faktor zu schätzen, deni unser Volk seine Größe und seine Machtstellung im Kreise der Nationen zu ver­danken hat. Wie kommt es, daß jetzt in der Stunde härtester Prüfung eine Gruppe braver Mitarbeiter an der guten Sache des Vaterlandes noch immer nicht bei den Daheimgebliebenen, ja selbst bei den Kameraden in: Felde derjenigen Achtung be­gegnet, auf die sie in stiller Arbeit und stillem Heldentume längst einen gerechten Anspruch erworben hat?

, Es sind jene Truppen, die mit unermüdlichem Fleiße die meilenweit durch das Land gestreckten Schutz- und Trutzwerke mit Spaten, Hammer, Axt und Säge erschaffen, um die Leiber der Kameraden vor dem eisernen Hagel der feindlichen Geschosse zu decken. .

Mit möglichst geringen Menschenopfern den größtmöglichen Erfolg zu erzielen, wird stets der oberste Grundsatz aller Kriegs­kunst bleiben. Zehn Mann, gut eingedeckt, bieten heute unter Umständen einer ganzen Kompagnie die Spitze. Schon aus dieser Erwägung heraus ergibt sich die außerordentliche militärische Bedeutung einer Truppengattung, die es bewaffneten Verbänden jeder Art und Grüße ermöglicht, sogleich bei der Ankunft am Ver­wendungsorte fertige und meist (selbst im einzelnen) mit hervor­ragendem Geschick gearbeitete Stellungen zu beziehen.

Man sollte meinen, der Wert der Arnnerungs-Bataillone könne gar nicht verkannt werden, läge so klar auf der Hand, daß der Armierungs-Soldat der allgemeinen Hochachtung gewiß sein müßte.

Aber wie steht es in Wirklichkeit? Lange Kämpfe hat eS gekostet, um den mit jener wichtigen Pionierarbeit de.rauten Truppenverbänden den Ehrerttitel vonSoldaten" zu erwerbe::. Arbeitskolonnen".Armierungs-Arbeiter" hieß es amtlich. Erst neueren Datums Uno die BezeichnungenArmierungs-Bataillon", Armierungs-Soldat". Noch schlimmer ist es mit dem Urteil des Publikums bestellt. Hier lebt noch immer das Bild desSchippers", des mit einer bunt zusammengewürfelten Uniform bekleideten und mit Axt und Spaten bewaffneten Gehcimrats, die bekannte Witz­blattfigur.

Man tut den Armierungssoldateu bitter Unrecht. Es ist hohe Zeit, daß die trotz zahlreicher Bemühungen bisher nicht behobene Unkenntnis weiter Kreise über die Leistungen und Dienstverhältnisse der Armierungssoldaten ein Ende nimmt!

An dieser Stelle kann unmöglich eine umfassende und systema­tische Darstellung alles dessen gegeben werden, was zu einer wirk­lichen und gründlichen Aufklärung erforderlich wäre, aber einige der erwähnten Punkte können vielleicht dazu beitragen, den: er­strebten Ziele um eineir Schritt näher zu kommen. Und finden sich Leser, denen diese Zeilen nichts Neues bringen, um so besser!

Bekanntlich setzen sich die Armierungs-Bataillone durchweg aus Mannschaften zusammen, die infolge irgendivelcher körper­licher Fehler vour sogenanntenFrontdienste" zurlickgestellt sind. Da sind Kurzsichtige, Leute mit Ohrenleiden oder solche, die wegen eines Herzfehlers den Anforderungen des Frontdienstes von vornherein nicht gewachsen erschienen, aber auch eine Reihe von denen, die bereits mit der Waffe in der Hand im Schützengraben gelegen, den Mörser bedient oder auf dem Pferde gesessen und un Kampfe durch Verwundung oder Krankheit die Felddienst^- tauglichkeit eingebüßt haben.

DieseUuterwertigkeit" in körperlicher Hinsicht ist es, die dem Armierungs-Soldaten den Spott eingetragen hat. Welche Un­gerechtigkeit! Gerade der Mangel körperlicher Vollkraft muß bei der Bewertung kriegerischer Leistungen in allererster Linie berück­sichtigt werden. Wer dies in sachlicher Weise tut, gelangt zweifel­los zu dem Ergebnis, daß der Arinierungs-Dienst an seine Mann­schaften Anfordenmpen von einer nicht nur relativ erstaunlichen Höhe stellt. Dies gilt in seelischer Hinsicht so gut lvie in körper­licher.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß der Armierungs- Soldat sein Werk fern von jeder persönlichen Gefahr verrichtet. Richtig ist: Nicht immer befindet er sich in der Reichweite feind­licher Kanonenrohre, nicht ständig und nicht so viel wie andere Trucppen ist er dem Jnfanteriefeuer ausgesetzt. Mer davon ab­gesehen, daß auch diese nicht fortgesetzt unter Feuer liegen, dürfte gerade maircher der Daheimgebliebenen, der auch nur einen Tag Im Osten, besonders aber in Frankreich Armierimgs-Dienst zu leisten hätte, sein geringschätziges Urteil über denSchipper" sogleich einer gründttchen Revision unterziehen. Zur Erläuterung ein Beispiel aus dem Dienste eines z. Zt. in Frankreich ftehcndeul Armierungs-Bataillons:

Tienstbeginn des Abends. Ein mehrstündiger Marsch nach der Arbeitsstelle", d. h. nach der Front. Das schwere Schanzzeug drückt auf der Schulter. Je näher es an den Feind geht, desto mehr Sicherheitsmaßnahmen werdet erforderlich. Da schleichen die Kompagnrell ism Schutze der Dunkelheit lautlos in langausgezogeuen Linien, Mann Hutter Mann, in gebückter Haltung durch das hohe Gras. Bald zwängen sie sich durch einen lehmigen, mit Wasser gefüllten Laufgraben: hier springen sie über den Reservearaben hinweg, in welchem die Kameraden von der Infanterie ihre Nacht­ruhe halten. Ein Mann stürzt über einen Stein, ein anderer übersieht ein Granatloch, schlägt hin und verletzt sich. Endlich,

wenige hundert Meter vour Jeiirde entfernt, beginnt die eigens liche Arbeit. Ein Verbindungsgraben zivischen erster und zweiter Stellung toird mit fieberhafter Tätigkeit ausgehobcn

Es ist keine leichte Aufgabe, besonders für Leute, die durch ihrer: Zivilberuf nicht an körperlick)e Arbett gewöhnt sind und es sind deren viele! das zugeteilte Stück Boden, das oft aus dem hartnäckigsten Material (Gestein, Lehm, Kreide) besteht, auf die befohlene Breite und Tieshe zu bringen; für manchen eine Unmöglichkeit, wenn nicht der kräftigere Kamerad zur rechten oder linken Seite helfend eingrifte! Das ganze aber muß geschafft sein, ehe das Morgengrauen den: Feinde die An­wesenheit der lästtgen deutschen Armierungs-Truppen verrät. Bei jedem Aufleuchten einer Rakete platt auf den Boden geworfen und Deckung gesucht, und wenn das Licht erloschen ist, weiter ge-? schanzt! Werden in: nächsten Augniblich platzende Granaten und schwirrende Jnfanteriegeschofte für die Wachsainkeit des Feindes ihr lautes Zeugnis oblegen?Arbeitsstörungfn" dieser Art sind dem Armierer ia nichts Neues. Er bleibt aus seinem Platze.

Tie Ziffer:: der Statisttk ergeben leicht den Beweis, daß Armierungstruppen in vielen Fällen eine absolut oder relativ größere Zahl von Toten oder Verlvuudeten aufzuweisen haben, als etwa die Artillerieeinheft, zu deren Unterstützung sie kom- mandiert sind. Von den unvermeidlichen Abgängen durch Ge­fangennahme der wehrlosen Verbände soll schon gar nicht die Rede sein. Auch die Fliegergefahr, die den Armierungssoldaten selbst verständlich in gleichem Maße wie jeden anderen Kameraden bedroht, mag unerwähnt bleiben.'

Zieht man aber in Betracht, daß es sich um Mannschaften handelt, die weder im Vollbesitze körperlicher Gesundheit sind, noch irgend eine Waffe in der Haird tragen, uud zum größten Teil keinerlei militärische Ausbildung genossen haben, so darf man den Wert ihrer täglichen Arbeit einer recht erheblichen Leistung regulärer, ausgebildeter Truppen unbedenklich gleich­setzen, nota bene wenn nicht die Leistung ihren: objektiven Be- staifte nach, sondern der subjektive Verbrauch an sittlicher und körperlicher Energie zum Maßstabe genonunen wird.

Nun noch ein kurzes Wort von den übrigen Verhältnissen der in Feindesland stehenden Arnnerungs-Bataillone. Um auch hier rein sachlich zu bleiben, sei keinen Augenblick verkannt, daß die Verpflegung zweifellos regelmäßiger ist und sein kann, als die der Fronttruppen. Das völlige Arcsbleiben von Zufuhr und Proviant ist den hinter der Frortt quartierten ArmierungÄ- verbäuden nach Kenntnis des Verfassers überkMupt noch nicht begegnet. Auch das Haufen in: Schützengraben bleibt dem Ar­mierer erspart. Keineswegs aber tarn: davon die Rede sein, daß seine Quartternngsverhältuisse durchschnittlich besser sind als die anderer Truppen. Es gibt so manchen sicheren Unterstand, be­sonders in den Stellungen der Artillerie, der sich im' Laufe dev Monate des langwierigen Stellungskrieges zu einem behaglichen .Heime gestaltet hat. Jedes illustrierte Blatt bringt Photographien solcher Wohnstätten. Ter Armieruugssoldat aber, dessen Bataillon innerhalb weniger Wochen wiederholt den Standort rvechselt, ist oft gezwungen, mit den schlechtesten der noch bewohnbaren Räume einer völlig zerschossenen Ortschaft vorlieb zu nehmen. So fügt es sich denn, daß ein Mann, der tvegen eines leichter: Lungere leidens zum Frontdienste nicht eingestellt worden ist, tu einer Scheune mit halber Wand und durchsiebtem Dache im! Stroh liegt.

Wo bleiben da' die angeblich leichteren Dienstverhältnisse des Armierungssoldaten? Im Gegenteil! Unreinlichkeit, Mangel an Trinkwasser und so viele genugsam bekannte Entbehrungen des Kriegslebens treffen ihn womöglich härter als den völlig ge­sunden Kameraden der Front truppe.

Ein Kapitel für sich, das hier nur gestreift werden kann, ist die Frage nach Beförderung und Auszeichnung. Diese beiden Mo­mente, die bei anderen Truppengattungen erfahrungsgemäß in be­deutendem Maße die Leistungsfteudigkeit und bannt auch die physische .Leistungsfähigkeit zu steigern vermögen, fallen für den Armierungssoldateu fast gänzlich fort. Hierbei ist nicht eimnal daran gedacht, daß infolge der Organisation der Lltrmierungs- Bataillone die Erwerbung des Offiziersranges auch filr den feiner Vorbildung nach qualifizierten Mann ausgeschlossen ist: selbst die niederen Chargen sind schwerer zu erlangen, da sie eben weniger benötigt werden, als bei anderen Truppen. Ehrgeiz mrd Taten­luft aber, die dem deutschen Armierungssoldateu wahrhaftig nicht weniger in den Gliedern stecken, als seinen Kanleraden, Man frage nur einmal die Führer von Annierungskoulpägnien, wieviel Meldungen zum Frontdienste bei ihnen täglich eingehen! finden nur selten die ersehnte Gelegenheit, sich hervorzutun. Tie Fälle, in denen es dem Armierer vergönnt >oar, sich ein Ehrenzeichen, womöglich das Eiserne Kreuz zu verdienen, sind zu zählen.

Daher noch einnral die ernste Mahnung: Der Spott über den Schipper" muß endlich aufhören! Auch der Armierungssoldat leidet Mühen und Fährnisse. Er ist militärischer Disziplin unter­worfen, hat seinen Fahneneid geleistet und muß anshttten, wie ihm fern wechselvolles Schicksal auch begegnen mag. Darum darf er nicht mehr als minderivertige Aushilfskraft in denk großen Betriebe unserer Heeresorganisation betrackstet lverden, nichtAr­beiter", nein Soldat ist er, wie jeder andere! Er lvill und braucht sich nicht zu schämen, daß er kein Gelvehr über der Schulter trägt und nicht zu Pferde sitzt, tvenn er am TüA deD