Donnerstag, den ft Oktober
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Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.«)
(Fortsetzung.)
^ ^ "IQ? ^uft Wasserader, die uns gefährlich zu werden drohte?" wandte sich Bertsch an den Aeltesten der Kameradschaft.
„Hier. Der Mann deutete auf eine Stelle seitlich im k-estern. ,„Da muß sie sich läugsziehen — hinten drin."
„W:e groß schätzen Sie die Mächtigkeit der Zwischenwand?"
„Es ist nicht mehr als gut ein Meter, denk' ich. Wir imußten schon sehr Obacht geben beim Abteufen, daß wir sie Nlcht unversehens anschossen."
„Um so besser. Also los — treiben Sie Bohrlöcher hier in den Stoß."
Der Mann sah ihn verdutzt an.
„Ja, ja — wir wollen das Wasser auzapfen. Nur zu!"
, Da machten sich die Männer ans Werk. Der Fäustel trieb den Stahl ins Gestein. Hell sang sein metallisches Klingen durch die Stille. Immer tiefer fraß sich der Meißel ins Gebirge hinein. Bohrmehl stäubte heraus und setzte sich den Männern in.Haar und Bart, daß sie wie Grauköpfe aussahen. Und oben, aus der Grundstrecke der zehnten Sole, schichtete sich die Mauer auf, Lage um Lage.
Bertsch war bald hier uild da, sah nach der Uhr und trieb zur Eile. So raunen die Stunden hin. Es ging dem Morgen zu. Droben über Tag krähten jetzt wohl schon die Hähne. Es war Zeit, daß sie hier fertig wurden. Da endlich eni lauter Ruf, drunten aus der Tiefe des Gesenkes. Eilend kletterte Bertsch, der gerade oben an der Mauer war, die Fahrten hinab.
„Nun — ist's so weit?"
Aber er brauchte keine Antwort. In weitem Bugen spritzte es aus dem Gestein heraus — ein blinkender Wasserstrahl. Da schoß es auch hell aus Bertschs Augen.
„Brav, Kerls! Aber niir weiter! Es schafft noch nicht Aeuug. Dick muß es kommen, faustdick. Ersäufen wollen wir denen da drüben den ganzer! Pütt!"
Null begriffen sie mit einemmal, und ihr rauhes Lachen dröhnte von den Felswänden nieder. Dunnerlittchen, der Bertsch — das war einer! Der stand dem Rotfuchs, dein Hannschmidt vom Erbstollen, nicht um ein Haar nach.
Und die alte Kampslust derer vom Rauhen Grund kam ich er ie alte. Nichts herrlicher, als so dein Nachbar mal ordentlich eins altswischen, mit den: man einen alten Span hatte! Verdoppelt schafften die Fäuste, bohrten, wühlten itud rissen am Gestein, daß die Brocken nur so flogen. Starker, imlner stärker ward der Strahl, und immer höher hob sich aits dem Bodell des Gesenkes die schäumend wir- vellche Flirt. Stieg von -den Knöcheln der Männer empor bis zum Knie und immer höher uoef),, unaufhaltsam, Droben
mtf der zehnten Sole aber schloß sich die Mauer, die das Gesenke nach dem eigenen Grubenftloe hin absperrte, und zeigte nirr noch ein Loch, gerade groß genug, daß die hier "Uten sich hiudnrchzwängen konnten, um dein drohend stei- gelcken Wasser $u entgehen in dem engen Felsenverlieh.
Bertsch warf einen Blick dort hinauf und darn: zu der quirlenden Flut, die ihneu uun schon grerig um den Leib zit kreisen begann. Es loar Zeit zum Rückzug. Da befahl er:
„Raus auß dem Berg!"
Und die Seinen kletterten empor, einer nach dem andern. Er selber aber blieb noch. Mit wuchtigen Streichen schlug er mit der Keilhaue zu und riß noch ein paar gewaltige Brocken aus der Felswand, daß das Wasser jetzt in armdickem Strahl herausschoß. Die bis über die Hüften gestiegene Flut, die ihn umbrauste, machte ihn schon schnmn- kend. Da tat er noch einen letzter:, schmetternden Hieb', dairu kletterte auch er hinauf zu den Seinen. Unter eilig zllpackeudeu Händen schloß sich um: das Loch in der Wasser- maucr. Der Staudamm loar fertig, das Werk getan. Nuu würde alles weiter seinen Lauf nehmen, wie er es lürechnet hatte. Da hinter der Ma::er würden die Wasser steigen und steigen, bis sie die Kluft erreichen und sich dann mit Gier stürzen würder: in dieser: Abzugskanal, der sie hinüberleitete ins feindliche Erbiet. Da konnten sie nun ungehindert ihr Zerstörnngswerk tun, Strecken uno Oerter erfüllen mit ihren: Schwall, daß an kein Arbeiten mehr zu denken toar. Jetzt mochten sie ihn doch answeiden, den neuen 6wng, den sie ihn: hatten abjagen wollen!
Mit grimmiger Freude dachte es Bertsch. Sie iMtien den Kampf haben wollen, wohlan — da hatten sie ihn. Kan: nur daraus an, wer den kürzeren z-og!
Und tief holte er Atem. Darn: sah er hinab an den triefenden Kleidern, die ihm klatschend urn der: Leib Hingerl. Jhin lvie den ander,:. Mer er lachte nur taut. Und dann griff er in die Tasche.
„Hier, Leute, macht Schicht! Fahrt aus und tvärmt errch. Von inner: und außem Habt's ehrlich verdient. —i Glückauf zusammen!"
Damit wandte er sich selber zun: Gehen. Doch ich: verlangte rlicht riach Ruhe. Droben nur rasch die Kleider gewechselt und darn: ans feinen Posten. Der Gegner würde sich Wohl bald melden.
*
Es waren heiße Sommertage jetzt in: Rauher: Grund. Eke entfloh da gern: der Schwüle in den: dumpfen Zin:n:er. So hatte sie es auch heute morgen getan: denn früh schon fing die Sonne an, Herr:iederznstecher:. Sie lmchte, ioo sie Kühlung finden würde. Den kleinen Bach, den Mühlsiefen giug sie hinails, noch über die Grundmühle hinaus. jFn lnstrgem Zickzack lies dort das Wässerlein durchs Wiesen- grün wie eiu spielendes Kind und versteckte sich unter schattige::: Hasel- und Erleuaebüsch.
Hier war's wunderbar frisch, auch heute. Eke juchte sich ein besonders verschwiegenes Plätzchen a,:s, ioo kein Auge


