fand, sie waren begeistert; ein großes Fragen entstand Mer das chllter oer Möbel, die verschiedenen Stile, die Holzarten, die Preise; Und so hatten beim die Beiden die Vorstellung, das; es gar nicht möglich sei, schöner eingerichtet zu sein, wie sie es waren.-
Tie Mutter des junger: Mannes hatte sich! über das Glück der Beiden herzlich gefreut, und indem bald nach der Hochzeit sein Geburtstag War, hatte sie einen schönem Tafelaufsatz aus Silber angebracht und den Beiden geschenkt: der Sohn !var das einzige Kind, mrd sic sagte, sie sehe so schlecht daß fiöe sicht doch nicht über den Aufsatz freuen könne. Ihr verstorbener Gatte war gleichfalls Offizier gewesen. ünd> hatte ein Regiment gehabt; als er den Abschied nahm, hatte er den Aufsatz vom Regiment zum Andenken bekommen; auf den: Fuß lvüren die Namen aller Freunde eingegraben. Der Aufsatz lag in einen: großen lederbezogenen Kasten; in diesen: Kasten hatte er immer im Salon gestanden Out dem schön verzierten Vertiko unter dein Kaiserbild.
Als der Befehl kam, daß der junge Ehemann auf sein Schiff mnßte^ blieben noch einige Stunden Zeit. Die beiden beschlossen, diese Stunden recht M feiern. Die junge Frau deckte im Eßzimmer die Tafel für sie Beide mit dem schönen Silber, das sie von emeM unverheirateten reichen Oheinr bekommen hatten, mit feinem alten Porzellan, das von der Ausstattung der Urgroßmutter herrührte. Und mit den schönen Gläsern und den Kristallschalen. In die Mitte stellte sie den Aufsatz. Sie aßen ein bescheidenes Abendbrot, aber der Mann Hatto eine halbe Flasche Champagner ans den: Kasino hol ei: lassen; nun öffnete er die knallend, und sie leerten die Gläser, indem sie alle schweren Gedanken durch bewußte Heiterkeit zum Schweigen brachten.
So ivar der Mann abgefahren und die Freu: War allein zurückgeblieben. Wochenlang erhielt sie oft keinen Brref, dann betau: sie plötzlich ein ganzes Paket Briefe und Karten ans einmal, denn er fewieb täglich, auch wenn er lange auf seinen: Schiff in See war. Die Freundinnen kamen; die unverheirateten und die verheirateten; die einen fragten, staunten, die alleren weinten mit ihr und tröstete:: sie; sre besuchte oft die Mütter ihres Mannes und hörte die guten Erzählungen, wie es im französischer: Krieg gewesen war, wie oft sie damals als Braut gezagt hatte, und er lvar doch glücklich durch alle Gefahren dnrchgekomMen; die Mutter lächelte ihr immer zu, aber sie wußte wohl, daß sie oft heimlich weinte; sie tat, als ob sie das nicht wisse. Wenn' sie einen Briefstoß bekommen hatte, dann las sie ihr alles vor, und die Beiden freuten sich gemeinsam über die Scherze und die lustigen Schilderimgen der Briefe; die Mutter nahm den grünen Augenschirm ab, strich sich, über die verrunzelte Stirn und lachte still in sich hinein, inderr: sie sagte: „Ich sehe ihn vor mir! So war er immer!" Und dann erzählte sie eine Geschichte von ihm aus seiner Jugendzeit; es war intmer dieselbe Geschichte, aber die junge Frau hörte sie immer mjt der gleichen Liebe an.
An einem Vormittag nun, wo eigentlich keine Briefe erwartet werden konnten, klingelte der Briefträger-; die junge Frau horchte Üüruhig und gespannt; das Mädchen band sich im Gang die weiße Schürze um, öffnete, wechselte einige Worte mit dem Mann; dann nahm sie den. Metallteller, legte den Brief darauf; die Frau erwartete sie begierig; als das Mädchen eintrat, griff sie gleich uach> den: Brief.
Er war vorn Admiral stab und enthielt die Mitteilung, daß ihr Gatte in Erfüllung seiner Pflicht den Tod gefunden habe, {ntem sein Boot vom Feinde vernichtet sei; sie werde aber aus Staatsgründen gebeten, niemandem Mitteilung zu Machen, bis sie weiteren Bescheid erhalte.
Es war ait einen: der Tage, wo sie die Mutter ihres Gatten KU besuchen pflegte.
Die Heiden hatten, oft darüber gesprochen, wie unrecht es sei, wenn die Hinterbliebener: der Gefallenen sich öffentlich in Trauerkleidung zeigten. Sie zog ein helles Kleid an; im Fenster stand ein Nettenstock, der herrliche rote Blüten hatte; sie hatte ihn sich gekauft, weil sie dachte, daß heute doch die Menschen wenig Blumen wmfen würden, und. daß man die armen Geschäftsleute innter stützen müsse, wenn Mau es könne. Die schönste der roten Blüten schnitt sre mit der Schere ab rmd steckte sie irrs Knopfloch, barm gab sie dem Mädchen noch Anweisungen und ging.
Die alte Frau griff sie bei der Hand und zog sie neben sich zurr: Sitzen; sie hatte viel zu erzählen, vom Kaufmarm an der Ecke, von gefallenen Bekannten, vor: Beförderungen, von den gestiegenen Preiserr; die junge Witwe hörte aufmerksam und freundlich zu, den Kopf auf ihren Sttunrpf geneigt, denn sie strickte fleißig an einem grauen Strumpf. Dann sprach die alte Frau von ihrem Sohn, erzählte die Geschichte aus seiner Jugend, lachte; so vergingen die zwei Stunden, welche die junge Frau bei ihr 311 weilen Pflegte.
Die Freundinnen kamen und fragten, wie es ihrem Mann ergehe; sie erzählte, daß er immer zufriedene Briefe schreibe; sie ragten Näheres, und sie erzählte Geschichten, die er in seinen rüheren Briefen geschrieben; einige Freundinnen sagten, wie glücklick) sie sein müsse, wenn der Briefträger klingelt; andere kamen und klagten, daß sie lange keine stkachrichteu erhalten und fragten sie, ob sie selber Briefe bekommen habe, und sie erzählte dann wieder dasselbe, das sie den andern schon erzählt einige ihrer Freundinnen beneideten sie um ihre Gemütsruhe und sagten, wenn sie sich denken würden, welchen Gefahren der Mann ansgesetzt sei, dann würde sic nicht eine Nacht ruhig schlafen
können; aber freilich sei die Gemütsart der Menschen verschieden und das sei ja ein Glück.
Die Schwiegermutter wunderte sich, daß so lange keine Briefe kamen; sie wurde unruhig, sie verlangte zuletzt, baß die junge Frau beim Admiralsstab anfrage. Da setzte sie sich hin, nahm Briefpapier und schrieb, als schreibe ihr Mann au sic. Sie hatte sich ganz in seinen Stil hineingelebt, sie kannte sein ganzes Leben genau; und so konnte sie denn von seinen täglicher: Erlebnissen! schreiben; dann stellte sie allgemeine Betrachtungen an, die sie der Zeitung entnahm; dann schrieb Jie wieder einige Karten, die nur Grüße enthielten. Mit dem Stoß ging sie daun zu der alten Frau und las ihr vor. Tie freute sich, lachte, rühmte ihren Sohn, sprach von Aufrücken, streichelte ihr die Hand. Als die junge Frau nicht mehr an sich bglten konnte, sagte sie, daß sie Kopfschmerzen habe und an die Luft gehen müsse.
Nun ging das eine ganze Weile so, daß sie erzählte rmd falsche Briefe verfaßte.
An einem Nachmittag sagte sie plötzlich zu dent Mädchen- der Herr komme; sie schickte das Mädchen zum Einkäufen aus,
ließ wieder eine halbe Flasche Champagner holen, deckte den Tisch
ritit ihrem Silber, Porzellan und Zkristall. Sie lachte beständig
bei ihrer Arbeit, und das Mädchen lachte auch, denn sie freutq
sich mit ihrer Freude. Sie hatte den Tafelaufsatz ohne das Futtergl ausgestellt; er stand auf der Anrichte im Eßzimmer; als sie ihn aus den Tisch heben wollte, sah sie, daß er stark angelaufen war; sie zog sich alte Handschuhe an, ging in die Küche und putzte ihn.
Während sie da in der Küche arbeitete, klingelte es; die Mutter kam; sie wunderte sich über die plötzliche Nachricht, freute sich urrd setzte sich auf den Küchenstuhl zu ihr. Sie wollte immer darüber sprechen, welche Ueberraschung das nun sei; aber die junge Frarr putzte immer eifrig au dem Aufsatz und sprach nur davon, daß er gar nicht blank werden wollte.
vermischter.
* T e l t 0 w e r Rüben. Die oft bei uns gebrauchte Redensart, daß etwas „nicht loeit her" sei, enthüllt uns eine schon recht oft gerügte Untugend vieler Deutschen, die ein Ding nur dann zu schützen wissen, wenn es recht weit her ist-und womöglich aus dem Slüslande stammt. Iw besonderein Maße soll diese Untugend den Berlinern eigen gewesen sein. In einer Beziehung aber rrkvchen die Bervvhner der Reichs Hauptstadt eine rühmliche Ausnahme; sie schätzen e 1 it Ding sehr hoch, obwohl es ihrer nächsten Nachbarschaft entstammt: die Teltow er Rübe. Die Bauern der Teltower Gegend säen diese Rüben seit jeher als Nachfrucht in den Acker, sobald sie das Getreide abgeerntet haben und bringen die Erstlinge davon Anfang Oktober aut 'den Markt. Vor Eintritt des Frostes werden alle Rüben aus dem Boden genommen rrnd „eingemietet", d. h. in Mieten, langgestreckten Erdhügeln, frostsicher aufbewahrt, von tvo aus sie fcxrun die Reise in die nahe Welt (Berlin) und in die weite Welt antreten. Vor dem Kriege gingen ganz ansehnliche Posten Teltorver Rüben nach Paris, London, sowie nach anderen europäischen Hauptstädten, und sogar nach Amerika. Tatsache ist, daß die Rübe :n der Qualität, die ihr den Weltruhm verscl-afft 'hat, nur in der Bodenart gedeiht, die die Umgegend von Teltow aufweist. In andere Gegenden verpflanzt, artet die Sorte sofort au3. Einer der begeistertsten Verehrer der Teltower Rüben war Goethe. In dem Briefwechsel mit seinem intimen Freunde, dem Berliner Singakademiedirektor Zelter, der viele seiner schönsten Lieder vertont hat, spielt diese kleine Rübe eine keineswegs untergeordnete Rolle. Zelter unterließ es in keinem Jahre, -Kn Quantum dieser heimischen Delikatesse an seinen Weimarer Freund abzusenden und die Gabe mit einem hübschen Briefe zu begleiten, dem dann imfeer ein schöner Dankbrief Goethes folgte. Ein besonderes Interesse verdient der Brief, den Zelter einige Monate nach den berühmten Schlachten von Großboeren und Dennewitz am 16. November 1813 ln Begleitung der obligaten Sendung des leckeren Teltorver Wurzelgemüses an Goethe richtete. In diesem Briefe heißt es: „Wenn die Teltorver Rübchen, welche heute abgehen sollen, dieses Jahr weniger gut sein sollten als sonst, so rühmen sie sich dagegen des Preises, wodurch die Ebenen voü Großbeeren in der Geschichte glänzen, und ich wünsche, daß sie Dich, mein Geliebter, kapabel finden nrögen, sie mit Appetit zu genießen." Marl darf überzeugt sein, daß hie Sendung des Jahres 1813 dem deutschen Dichterfürsteü ganz besonders gut gemundet hat. Emile Zola beschreibt in seinem Romaw „Pot-Bonilte" ein lukullisches Gelage, bei dem als vornehmster Gang „Navets de Teltow" ^Teltower Rüber:) serviert werden. Man ersieht daraus zur Genüge, welch großer Beliebtheit diese märkischen Stoppelrüben sich bei allen französischer: Feinschmeckern erfreuen müssen. Den vorzüglichen Eigenschaften dieses märkischen Gemüses soll hier Nicht int entferntesten nahegetreten werden; es verdankt aber sicherlich den großen Ruhm, den cs nanierttlich in Frankreich genießt, zn einem erheblichen Teil dem Umstande, daß es weit her und daher selten ist, ja, daß die Franzose:: glauben, es sei noch rveiter her, als dies in Wirklichkeit- der Fall ist. Mrr die wenigsten von ihnen werden Nüssen, daß der preußische Kreis Teltow, die Heimat dieser kulinarischen Kostbarkeit, heute einen wichtiger: Bestandteil von Groß Berlin darstellt und daß sich dessen Zentrale schon längst in Berlin ba-


