Schneller gingen Me Gedanken, kühner und entschlossener. Wenn es nun das war! Zeigte sich ihr da nicht der Weg, über den sie sich so km unklaren gewesen war? " An Steinsiefens Antrag heute mußte sie plötzlich wieder denken. Und eine Freude überkam sie: Gott sei Dank, daß sie sich nicht sortgetvorfen hatte, in einem Anfalle von Müdigkeit! Nun lohnte sich ihr Warten vielleicht.
Da war Gerhard Bertsch doch ein anderer Bewerber. Der bot ihr wirklich, was sie sich als Ziel gesteckt hatte von jeher: Ein studierter A^ann in angesehener Stellung, die sich noch heben würde, ganz bedeutend, wenn erst alle seine Plane hier verwirklicht sein würden.
Und wirklich ein Mann! Sie sah plötzlich wieder seine Hände vor sich. Diese harten Manneshände. Und der Gedanke kam ihr: wie es wohl sein mochte, wenn einen solche Hände unlfingen heiß und fordernd. Schneller ging da ihr Atem.
Aber nur für eine !ime Weile. Gleich kehrte ihr die kühle Erwägung zurück. Nicht das war es ja, was sie suchte. Nein —i im Gegenteil: Sie mußte Herr der Situation bleiben, das Empfinden bei ihm, das sich ihr heute verraten hatte, klug nützen und lenken, daß es ftc an ihr Ziel trug.
Und in der ungebrochenen Stille dieser Nacht wuchs in Marga Reüsch der Wunsch zum klarbewußten Willem
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Schweigend und dunkel lag der Schoß der Erde. Selbst tet' dunrpse Widerhall der menschlichen Maulwnrfsarbeit drang nicht in diese Verlassenheit. In das große, geheimnisvolle Schweigen, das hier eingeschlossen war seit den Urtagen, wo der zuckende Feuerleib der Erde allmählich erstarrte zu Stein und Erz.
Doch nun klang ein Schritt durch die Einsamkeit der Liese. Ein fester Mannesschritt. Und vor einem winzigen Licht her strich ein mächtiger Schatten durch den schmalen Gairg im Gestein.
Rot rieselte es dem Wanderer in der Grubenuacht über die Füße. Wie ein unheimlicher Blntbach. Und ein rötliches Sickern und Tropfen allenthalben an dein Fels, den die Schultern im Gehen streiften. Jetzt aber! Wand es sich nicht dort unten im Wasser, eine riesige, braune Schlange? Doch im herannahenden Licht war es nur ein seltsames, reisigartiges Gewucher, das sein nächtliches Leben in der Seige hier fristete.
Anzeichen verschollener Menschenarbeit tauchten in dem alte»! Stollen auf. Eine morsche Spurlatte, ein rostzer- fressener Förderwagen, klein und einrädrig, wie ihn die Vorväter einst gestoßen, und verfaultes Zimmerwerk. So mürbe das Holz, daß die taftenbe Hand tief hineinsank. Und verbrämt mit abenteuerlichem Behang: Dunkelbrau- nem, lau gern Gesaser von Frauenhaar — Nestern von weißem Schimmel, tausend feinen, winzigen Nüdelchen, wie Kristalle zusannuengeschosseu — und nun wieder dicken, rotbraunen Tannenzapfen von Schwamm, die geisterrrde Schatten warfen im drüberhuschenden Licht.
So eng war oft der Gang!, daß er sich für das Auge vorn ganz zusammenzuscküießen schien. Bis im Näher- kommen die Felswände doch immer noch wieder Raum ließen, daß der einsame Wanderer sich durchzwängen konnte. Wer mit Vtühe oft nur, denn breit mtb hochaewachsm war der Mann.
Gerhard Bertsch war es, der hier durch den alten Stollen schritt, allein zur Nachtzeit. Es war der beiden Gruben gemeinsam gehörige Zugang, der droben hoch im Bergwald, mitten in Busch und Ginster, zutage trat. Seit Menschengedenken schon nicht mehr in Betrieb, diente er nur noch für die Luftzufuhr.
Diesen Weg, den kein Fuß mehr betrat, hatte Bertsch gewählt, um fein Vorhaben auszuführen: im feindlichen Lager mit eigenen Augen die Blöße zu erspähen, die er nach den Grubenrissen droben in scharfein Berechnen festgestellt zu haben glaubte.
So schritt er denn nun, in: Vertrauen auf Lampe und Kompaß, fest darauf los in der Nacht dieser Unterwelt, in dem Labyrinth von Gängen, in denen sich der Unkundige wohl hätte verirren fanuen. Aber von den Knabenjahren an, wo der Vater ihn oftmals mitgenommen, war Bertsch hier vertraut. Die Tiefe hatte keine Schrecken für ihn. Nur Vorsicht zu üben hieß es. Im Laufe der Zeit waren Fährten und Zrininerung noch morscher geworden. Nicht selten brach unter seinem Fuß, der ihn auf schlüpfriger Leiter in dunkel gähnende Abstürze hinabsiihrte, eine Sprosse weg, oder mit
dumpfem Krachen schotterten faule Gesteiusmassen vorn First der Strecke hernieder, dicht neben seinem Haupt. Traf es ihn, so mochte er hier wohl Verlässen liegeil, fern von jeder menschlichen Hilfe, und elend verenden. Mer der Gedanke hieran kam ihm kaum. Und wenn — er konnte ihn auch nicht abhalten. Er war im Kämpf es galt den Sieg!
Ein paarnral schierl es indessen, als ob die Mächte der Tiefe ihm Halt geböten. Die Strecken waren in: Lause der Jahrhunderte vom Naget: der gefräßigen Wasser zu Bruch gegangen. Wüste Gesteinstrünrmer sperrteil ihnl den Weg. Oder die Fahrten hörten auf, mitten im Klettern. Der tastende Fuß suchte vergebens drunten nach einem Halt. Die llächste Leiter war wohl abgestürzt in die abgründige Tiefe. Da blieb ihm nichts, als eine Umgehung zu versuchen. Er kletterte durch Ueberhauen empor in die höhere Sole> kroch kreuz und quer, durch Gänge und Klüfte, und fand schließlich doch wieder die alte Richtung. Aber es war eiil beschwerliches Werk, lind der Schweiß perlte ihnl auf der Stirn.
Doch endlich war er am Ziel, in dem Grenzgebiet der beiden Gruben, in dem strittigen Gang. Verlassen lag er jetzt da. Nur fernab hörte Bertsch drüben aus der Erbstollen- seite ein dulnpses Pochen. Wohl ein Reparaturhauer, der bei der Arbeit war. In aller Ruhe koilnte er so suchen. Und! er fand. Mit gewaltsam ausbrechender Freude stellte er fest: Es war, wie er vermutet. Die Kluft droben, bei ihm im! Gesenke, strich herunter bis hier in beit Nachbarban. Also war sein Plan ausführbar. Und nun denn ans WXk!
Er schlug sich hindurch, durch Aufbrüche und Ueber- haueil, ilis eigene Grubenfeld. Schneller, sicherer schritt er vorwärts, hier, wo ihm jeder Schritt vertraut war. Und bald hörte er auch schon seine Leute. Dumps klangen die Schläge der Zimmeraxt herüber, und jetzt vernahmen auch sie das Geräusch seiner herannahenden Schritte. Verwundert sahen sie auf zu ihm in das Dunkel.
„Hö — oh! Wer kommt denn da?"
Keine Antwort, aber gleich darauf stand Bertsch vor ihnen, im Schein ihrer Lampen.
„Glückauf, Leute! Wieviel seid ihr hier in der Strecke?"
„Unser vier. Aber oben, auf der neunten Sole, im alten Mann, sind auch noch ihrer drei."
„Gut, das genügt. Stellt hier sofort die Arbeit ein. Es gibt Wichtigeres zu tun. Drei Mann kommen mit rnir. Der vierte holt die von oben. Nach dem Gesenke, da vorn an der Markscheide! Aber eilt euch!"
Bald waren sie alle zur Stelle, und das Werk begann. Bertsch hieß einen Teil der Leute eine starke Mauer aufführen, die den Schacht des Gesenkes nach der Grundstrecke des eigenen Grubenfeldes hin wasserdicht abschließen sollte. Verwundert machten sie sich an äie ungewöhnliche Arbeit. Das hatte doch gar keinen Sinn!
Aber Bertsch achtete nicht auf ihr Staunen. Mit den andern Leuten stieg er in das Gesenke ein und stand nup drunten auf seinem Grunde.
(Fortsetzung folgt.)
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Der Tafelaufsatz.
Bon Paul Ernst. v
Ein Seeoffizier, ein Herr v. M., hätte.kurz vor bellt Krieg'e geheiratet. Die jungen Leute hattett gerade das notwetrdige Ver-i mögen, und so mußten sie sich denn das Lebet: recht bescheiden! einrichten. Sie mieteten eine Wohnung von drei Zimmern, die vier Treppen hoch lag, statteten sie mit Möbeln aus und fühlten sich sehr alücklich. Tie Geldsumme, loelche ihnen für die Einrichtung zur Ver-, sügnng stand, war recht gering gewesen, aber die junge Frau hatte lange in Antiguitütengeschäften gesucht, hatte bald auch ihren Mann mit ihrer Liebe für gute alte Möbel angesleckt-, und wenn man mit Rübe, Verstand luud Liebe suchte dann kann man ja mich für weniges Geld schöne Dinge kaufen. So hatten sie dem: in den: Wohnzimmer einen herrlichen Rokokoschrank aus Eiche und Nußbamn, der weiß angestrichen gewesen war und als rumpeliges Küchenmöbel ber einem kleinen Trödler zum Verlauf stand; die Stühle hattctr sie ihrer Mutter abgebettelt; sie warcu ganz verwahrlost geweseü und hatten seit undenklichen Zeiten ans'den: Hausboden geruht/ ern schöner Tisch mit geschweifteu Beinen und eingelegter Platte war freilich recht teuer gekommen, denn er war von einem großer: Händler erstanden; aber sie hatten eben Alles in Eins gerechnet und da hatten sie gerade den Preis noch zahlen können; dergestalt hatte ledes Stück, bis Himmler zum Fußbänkchen, seine besondere Gä» schichte. Man kann sich denken, daß die Kameraden mit ihren! Tanten sehr erstaunt über die Einrichtung- waren; djc junge Frau


