Marga Reu sch ober sah weiter hinaus in das undurch­dringliche Dunkel.

Sich nicht aushalten mit Gefühlsseligkeiten klar sein und klug! Wohl war ihr über ihr Ziel kein Zweifel, aber den richtigen Weg zu finden das war das Schwere.

Nnd von neuen, versank sie in ihre Gedanken.

*

Stundenlang hatte Gerhard Bertsch beim Schein der ^ampe droben über seiner, Grubenbildern gesessen. Gr hatte sich zu ungestörter Arbeit alles Nötige von, Zechenbureau hier n, seine Privatwohuung im Hirschen bringen lassen Doch nun sprang er auf. Ein letzter Blick flog zu den Zeich nungen. Ausslanunende Kampflust Siegesahnung! Jetzt ivnßte er's, wo er den Gegner treffen mußte. Und oer An­griff sollte nicht auf sich warten lassen. Noch heute nacht sollte er erfolgen. Die Gelegenheit war günstig wie nie: Fast alle die Leute vom Erbstollen, Hannschmidt mit dabei, lvaren ja als alte Soldaten drunten zum Fest und kameii erst am Morgen wieder zur Frühschicht. Bis dahin konnte alles schon geschehen sein.

So stand Bertsch noch einen Augenblick. Ganz hoch­gespannter Wille. Dann aber folgte langsam die Ent­spannung. Er spürte nach dem stundenlangen Berechnen und Kombinieren nun doch ein Verlangen nach Ablenkung Zudem sern Auge suchte die Uhr - es aalt auch noch liver e,ne Stunde hinwegrukommen, ehe er sein Vorhaben ausfuhren konnte. Der Schichtwechsel auf dein Erbstollen mußte sich erst vollzogen haben, die Grube drüber, leer bw auf die paar Neparaturhauer der Nachtschicht. Es war denn wohl das beste, er ging nvlch nach unten ins Gastzimmer. Bei einer Flasche Wein würde er über diese Zelt des notgedrungenen Wartens am ehesten MNvegkommen. ' 1

Aber wie Bertsch durch das schon stille Haus nach unten kam, ins Honoratiorenzinimer, war zr, seiner Ueber- raschnng hier alles dunkel. Doch sah er noch einen Licht- schein im Nebenraum. Sv klopfte er denn dort an. Es war das Fa,tt,s,enz,mn,er der Reuschs.

w Ei auf, das Licht fiel zu ihm heraus, und a!,f Bertfth^b ^ Marga. Ein wenig erstaunt sah sie

.Sie? Ich glaubte, Sie ^wären schon oben. Ich habe

{ V a > Ülauvle, Sie waren schon vbe daher eben hier überall das Licht ausgemacht?

. ^".^schuldiger. Sie, wenn ich störe. Es ist im übrigen ja auch so spat noch nicht ich dachte noch eine Flasche

mand melMda" WimTWT ' ® od} ' id > sehe, ist wohl nie-

Allerdings der Vater und Hermann sind beide nach Siegen, und die Mamsell ist schon zu Bett."

ständen^-" wußte ich freilich nicht, llnter dieseir Um-

"Deswegen können Sie Ihre Flasche Wein aber doch haben wenn -Ihnen eben daran gelegen ist." ;

fl nic ^ gerade sehr dienstbereit heraus kam, trat sie doch schon an chm vorbei in das Herrenstübchen, langsam bl * 9T ° 6e '^"gelampe anzusdeckeii. Er folgte ihr

® te ber Nicht bemühe».

Sie erwiderte Nickis. Nun aber fertig, zog sie das seine Spchentuchlein aus den, Gürtel und sanbcrte sich sorg-

,Mnb wünschen Sie zu haben?"

Er überlegte einen Angendlick.

Sie haben Sekt im Haiise?"

Ein Nicken. v 1

Wenn ich Sie also um eine Flasche bitten darf? Mir ^nte gerade einmal danach zumute."

Schweigend ging^ie und trug deir Wein herzw Reichte leisen N^chdÄck " d°ktb°cher hin. sagte dann aber Stt

muß ich freilich imn Ihnen überlassei,."

trif^^ 0e ^ 11 lüül schon dabei, den Kork zu

lüsen.Sie müssen mrr nun noch gestatten, Ihnen meinen Dankzutragen für diese besondere Liebenswürdia keit

Ktzr Wohl^?" h] tteil/ ei ' tC ltlU mlr SU leeren - auf

2L b 5 sEMihr bereits den schäumenden Kelch dar.

^ ku^es Slchbesumen, dann ncchni sie das Älas enU 0 *öe, mit einem leichten Neigen des Hauptes, und stieß

au mit ihm. Sie nippte auch von dem Wein, aber eben nur so viel, daß der prickelnde Schaum ihr die Lippenj netzte. Daun setzte sie den Kelch auf den Tisch und wollte sich wieder zurückziehen. Aber da bat er:

°"A"^n Sie mir nicht noch ein paar Minuten wenig- steirs Gesellschaft leisten?"

Sie trat unwillkürlich etwas zurück; doch er fügte hinzu! Ich habe heute einmal ein Bedürfnis, noch ein Wort mit jemandem zu sprechen."

Wirklich haben Sie das bisweilen ddch?"

Warum zweifeln Sie daran?"

Es war Ihnen bisher nichts« dävon anzunierken, und Sie leben doch nun schon Wochen hier im HauS."

Wochen voll harter Arbeit, Fräulein Rensch, mutz alles andere zurücktreten."

Das scheint in der Tat so."

Er hatte inzwischen ihr Glas neu ausgefüllt, nun rückte er ihr mit einer einladenden Bewegung einen Stuhl heran.^ Bitte lassen Sie mich heute wenigstens gutmachen/ was ,ch tu diesen Wochen fehlte."

Seine Augen suchten sie dabei. Es war das ersteinal, .fl? f° an sah. Wirklich, er konnte auch liebens^ wurcng fern. Da ließ sie sich schweigend nieder. Nur ein wenig rlickte sie mit dem Stuhle doch von ihm ab.

Er lächelte leise bo&u und hob dann das Glas M ihr hin.

Das ist nett, daß Sie mir über diese Stunde hinweg-, Helsen." ^ ^

Hat sie denn eine so besorrdere Bedeutung für Sie?" hoffe es." Und er trank mit einem starken Zuge den Kelch leer. ö

In Marga Reuschs Augen stand ein verwundertes Fragen, aber er schüttelte den Kops.

Ich will einmal an etwas anderes denken. Herrgott mau iffc doch auch nicht bloß ein Arbeitstiers"

_ JJ n r b r er 6riff mit einer lebhaften Bewegung nach der Eektslasche. '

Sie sah ihm zu, wie er den perlenden Schaum langsam in das schräg geneigte Glas rinnen ließ. Dabei sprach er werter zu ihr. J

y "dolle zehn Jahre Hab' ich ja nichts weiter gekannt,- als Arbeit » nichts als M'bcit. kriegt man mich bfr von Einmal genug."

Ihr Blick richte aus seinen Häirden; ein paar starken- großen Händen Er gewahrte es und streckte sie ihr lächelnd über den Tisch hm. '

Fräulein Rensch, die wissen, !vas zirpacken heißt." Sie nickte, aber mußte dabei denken: Trotz chrer Größe ^.^Oebaute yande richtige Manneshände. Und etwas Lndenscha^tliches lag in dem stark hervortretenden Geäder,

Nun Sie sind ja so still," mahnte er.

'Ach ich muß eben nur deuken, wie Sie es so haben aushalteu können da dn'iben. Zehn volle Jahre in solcher Ernsamkeit." ^ '

Ja, es war nicht immer leicht."

Was singen Sie denn nur mit Ihrer freien Zeit au?" ',~ t * e L 9 n o uEch^ viel. Und wenn es Feierabend war wurde es auch gleich Nacht. Noch ein paar Zi.garette>i draußen vorm Hauv bann war der Tag lvieder ein­mal um."

>Aber die langen Sonntage?"

.. "Undings. Nun-- da gab's eben auch zu tun. Ml die notwendigen Schreibereien, zu denen man in der Wockw nicht kam. Na, und blieb wirklich iwch so viel Zeit am ^achnlittag, so hing man sich die Flinte um und kletterte in den Bergeil umher. Daß man vielleicht mal ein Muriiiel- tier schoß oder einen Geier."

vf , ein ®ott was für ein entsetzliches Leben! Und das so tagaus, tagein." ^

vnitßfÄ' r in dergnstgen war's freilich nicht. Aber ich wußte doch auch, warmn ich's tat: Diese zehn Jahre soll-

spätere? Leben."unabhängig machen für mein ganzes

llnd sie haben es getan?"

/,-Fa "

Nur das kurze Wort kam znr Antwort, aber (ein aou«r ni" 0 ba ^' auS - Mn harter Manuesstolz, dessen hvch^ stes Genügen es war, einen Willen durchgesetzt M hübeü mit »och so großen Opfern. ^ ^ ^ '

(Fortsetzung folgt.)