Ausgabe 
9.10.1915
 
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langt. Jeder kann dies zu Hause durch einen interessanten Ver- such seffstellen, indem er zwei gleichartige junge Chrysanthen^um­pflanzen in zwei Blumentop'e ,:ebcneinander ani den Balkon stellt. Tie eine Pflanze behandelt man auf dieselbe Weise wie alle übrigen Balkonblnmen, und sie cittii>icfelt sich zu einem Strauch, der viele Blüten trägt. An der anderen Pflanze aber Lagt man nur einen einzigen Stengel anskominen und belaßt auch an diesem nur einige wenige Blätter. Zeigen sich die Blütenknospen, so werden diese bis au^ eine einzige abgeschnitten. Die zarte Pflanze wird ferner überreichlich gedüngt, und man steht bald, daß die dicken, fleischigen Blumenblätter der einzigen Blüte eme nngewohn- liche Länge erreichen; infolge ihrer Länge und Schwere können sich dre Blumenblätter nicht ausrecht erhalten, und sie langen glerch langen Locken von der Blüte herab, die selbst einen ungewöhn­lichen Um ang annimmt, da ihr alle die Kraft zukomnU, die sich bei der ersten Pflanze ans viele Blüten verteilen muß. Dazu tritt lisch der Einfluß der starken Düngung. Das, was^ jeder aus seinem Balkon im Kleinen vornehmen kann, tut der.tner tu seinem Treibhaus im Große,:. Das Riesen-Chrysanthemum rst also um einen etwas drastischen Vergleich zu gebraucben unter den Chrysanthemen das, was die Stopsgans unter den Gänsen rst.

* Ein arm- u n b beinloser Akrobat vor vier- hundert Jahren. Armlose Feldherren hat es gegeben und armlose Künstler. Seltener scheinen die arn,losen Akrobaten ge­wesen zu sein, die gegenwärtig gleichsam als eine Art Ermutigung für unsere Kriegsbeschädigte!', wie dies z. B. jetzt im Berliner Zirkus Busch geschieht, ihre Künste vor einem großen Publikunr zur Schau stelle,i. Hin und wieder wird aber doch auch auS früherer Zeit von Männern berichtet, deren Willenskraft groß genug war, den Verlust von ArmGN und Beinen durch beständige Hebung der ihnen verbliebenen Gliedmaßen wettzuniachen und sich in Künsten auszuzeichnen, die die größte körperliche Geschicklichkeit erfordern. Als im Jahre 1545 in Berlin die Toppelheirat des Kurprinzen Johann Georg von Braiidenburg mit Sophie, der Tochter des Herzogs Friedrich IL von Pegnitz, sowie eines Prinzen von Liegnitz mit ö#r Tochter deS brandend urgifchen Kurfürsten gefeiert ivurde, fand nach dem feierlichen Beilager ein Turnier statt, bei dem es ziemlich gefährlich zuqmg. Der Chronist Haitis der uns diese Fest» lichkeiten beschreibt, bei denen es au' ein Menschenleben nrehr oder weniger offenbar nicht ankam, in, Gegenteil die Lustbarkeit durch das Totraufen von ein paar Menschen nur erhöht ivurde, beschreibt auch die erftannlicheu Vorführungen eines atm» und beinlosen .Kerls-, der mit dein Halse, also wohl mit dem Munde, ein Wurf­geschoß mehrere Schritte weit entsenden und dantit treffen konnte: .Den Montag her,lach haben Markgraf Hans von Cüstrin (der Bruder des Kurfürsten) und Herzog Wilbelm von Braudenbiirg ,ntt einander scharf gerannt und ein solches hartes Treffen getan, daß die Pferde auf dein Hintern sitzend gegangen und dennoch beide Herren sitzen blieben. ES hat aber Herzog Wilhelm dem Herrn Markgrafen Johannsen den Schild entzwei gerannt bis auf den Hals, und wäre um eilt weniges getan gewesen, wenn es Gott nicht sonderlich verhütet, daß er ihn, den Hals abgerannt. Tero- wegen alle Fürsten und Herren, so dantals auf der Bahne geivesen, sehr erschracken, eilends von den Pferden gefallen und zr,gelaufen sind ... ES haben auch mehr Herren vom Adel gerannt inid ge­stochen, aber ain Mittwoch haben sechzig Paar zu Rosse in ganze:: Kyrissen (Kürassen, auf der Bahn tnrnieret, und indein daß inan dem Ritterspiel zugesehen, ist einer vom Fenster vom Domturm gedrungen und herabgesallen. Der hat einen anderen, so darunter gestanden, tot gefallen »md ihme hat es nichts geschadet. Auch ist damals ein Keri ohne Arme und Hände da gewesen, der hat mit den Füßen und Löffel,: effen, eine Nadel fädeln lind andere Dinge tun können, die fast unalattblich zu sein scheinen; bat mit dein Halse Holz hauen und einen Teller an der Wand mit der Spitz« barten aus etliche Schritte treffen können. Es habeit auch der Noß- buben einen auf der Bahn totgeranst. . /

D i e Katze im Schützengraben. Einer Katze, die an* scheinend die BezeichnungSoldatenkatze* mit vollem Recht ver­dient. wird in einem holländischen Blatte die folgende Schilderung gewidmet: »Seit fast einen, Jahre hanst eine Katze in einem Schützengraben im Mergeln et. In ständiger Geiellfchaft der belgi­schen Soldaten ist sie selbst bereits ganz militärisch geworden. Wenn sie nach einer Feuerpause den Lärm der ersten explodieren­den Granaten vernimmt, erhebt sie sich anS ihren: Schlummer und richtet sich stolz und kriegerisch auf. Sie springt zwischen die Soldaten und schmiegt sich schmeichelnd au ihre Beine, als wollte sie ihnen Mut znfprechen. Tie Bomben inachen ans sie gar keinen Eindruck mehr. Sie sieht sie heransausen und erwartet kaltblütig die Explosion. Eines Morgens erblickte n,an die Katze, die an­scheinend allzu reichlich ae'rühstückt hatte, auf einer zerschossenen Blauer anSgestreckt. Sie blieb den ganzen Tag da liegen, trotzdem die Beschießung airste:ordentlich heftig war. Von Zeit zu Zeit ivurde sie durch die Explosion einer Granate mit Staub über­sch it et. Tann schüttelte sie sich ein wenig und nahm gelassen ivieder ihre bequeme Stellring ein. Die Katze kennt jeden einzelnen Soldat, n, sie ißt und trinkt mit der Mannschaft. Sie wacht wie der beste Posten und bulbet feine Mails und Ratte in ihren: Schützengraben. Trotzdem es noch keine Kriegsauszeichnungen für

Tiere gibt, erzählt man, daß die belgischen Soldaten für ihre Katze eine Auszeichnung verlangen wollen. .

* Wie viel Kaffee wird in eine m Jahre ge­trunken? Es ist ein geradezu ungeheurer Strom von Kaffee, der taffen- und schluck,veise in jedem Jahre drirch die Kehle der Menschheit rinnt. Ter Jahresverbrauch an Kaffee beträgt nämlich in: Durchschnitte nicht weniger als eine Milliarde und 300 Mll- lionen Kilogramm- Ein volles Drittel dieser Kasseemasscn ver­brauchen die Bereinigten Staaten; das zweitgrößte Kaffeetrmker- land aber ist unser Vaterland, welches einen Jai resverbranch von 139 Millionen kg hak. Es folgen Frankreich »nit 110 Millionen, Sesterreich-Ungarn mit 57 iflionen, Belgien mit 40 Millionen, Holland mit 30 Millionen, Jlaliei: mit 28 Millionen und Argen- tillien mit 14 Millione,: kg. Auch in England werden nur 14, tu Rußland sogar nur 12 Millionen kg Kaffee im Jahre verbraucht. Es liegt auf der Hand, daß in diesen beiden Ländern der weit ver­breitete Teegenuß dem Kaffeeverbrauche Abbruch tut. 11 Mil- Honen kg Kaffee im Jahre verbraucht noch die Schweiz, während alle aiideren Länder hinter dieser Verbranchsziffer Zurückbleiben.

* Teure A ust e r n. Diesmal .wird bei Beginn der Auslern­

saison keine große Nachfrage nach den: kostbaren (ftemi&mtttel lein. Trotzdem aber wird die Auster diesmal recht teuer sein, ivegen der Unsicherheit für die Austcrnsifcher. Jedoch lange nicht so teuer, rvie sie 1370 in Paris war. Damals haben Austern den höchsten Preis erzielt, der wohl je dafür bezahlt ivurde- Am 30. Te^mber 1870 fand im Hotel Dronot in Paris eine kleine, aber sehr eigen­artige Versteigerung ,ta!t. Es wurde,: dort 24 Stück leere ^lüstern- schalen versteigert. Diese stammten von den: einzigen T»,tzend Austern, das während der ganzen B.lagernng von Paris Dorthin getaugt war. Wer diese zwölf Austern gegessen hatte, ist nicht be­kannt geivorden, inan iveiß nur, daß sie, als sie nach Paris famen, mit 10a Francs bezahlt wurde,:, und zwar von einem Restaurant, das sie zu einen: enisprechend hohen Preis an den üppigen Gast vertäust haben dürste. Eine:: weil Höherei: Breis aber erzielten die leeren Austernschalen. Sie gingen bei der Auktion in der: Besitz eines reicher: amerikanischen Saminlers, Mr. Harry Stuart, über, der das Stück mit 32 Francs bezahlte, also 2i Stück mit 768 Francs. _

Vüchertijch.

Wiking-Bücher. Bd. Io: Robert FnchS-LlSka, AnS Vaterland, ans teure ... (Verlag dec Wiking-Bücher, Leipzig.) In Leinen 1 Mark. Ter No man hat den Vorzug, ein getreues Bild auS der Zeit des sich vorbereitenden Weltkrieges zu sein. Ter Verfasser schildert arrschaulich ihn: gut vertrante Ver­hältnisse i,: Argentinien und stellt die gesunde, schönere u>:d reiche Welt deutschen Wesens und deutscher Art diese,: gegenüber. Durch die vcrfchiedeuei: Ertebniffe des Helden und der Nebenfiguren werden wir mit dem Leben der Passagiere und der Besatzung eines Süd­amerika-Dampfers bekannt. Ans der Insel Madeira erfahre,: die Reisenden von den: Fürstenmord in Serajewo; in Deutschland an- gelangt, geraten sie in die ungeheure Erregung beim Beginn der Verwickelungen Lesterreichs und Serbiens. Ter ausbrechende Welt­krieg treibt den Helden akS Freiwilligen an die Westsroist. ßti lebendiger und aufregender Darstellung leben wir das tapfere Er­halten einer bayeri'chen Batterie mit, die, in einen: Gehölz ver­steckt, den: mörderischen französischen Gesehütz'euer standhält. Er­blindet kehrt Zuckholt nach feiner Heimat, einem Nordseedorfe, zurück und wird durch die Liebe eines friesischen Mädchens seinem Hetmatboden wieder zugest'ihrt. Gut gesehene, scharf uinrissene episodische Gestalten teils erilsten, teils humoristischen Charakters laufe,: durch, die Erzählung, die, dem Preise deutscher Erde geweiht, deutsches Weser: und deutsche Treue verherrliche,:.

Buchstabenrätsel.

ab, de, dis, el, en, gern, gri, ost, ra, se, sel, ster.

Aus Vorsteher: den Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach ober: geleser:, der: Namen eines Romanschriftstellers be­zeichnen. ES bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:

1. Heldin einer mittelalterlichen Sage.

2. Einen Vogel.

3. Beliebten Badeort.

4. Nebenfluß der Donau.

5. Ein Tier.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer:

Weiß. Schwarz.

1. D a 3 - d 6 1. f 5 f 4

2. D d 6 - c 7 | 2. L b 8 nimmt c 7

3. T e 8 a 8 Schach und Matt.

Zieht Schwarz im ersten Zuge L b 8 oder 8 ä 7, so gibt Weiß in: zweiten Zuge ans a 8 oder b 8 Schach und Matt. Auf andere er e Gegenzüge des Schwarzen entscheidet Weiß ivie oben 2. Ddti bis c 7 f.

Schristleitung: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen