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unanständige Weise loszuwerden, d. h. entweder zu „verlieren" (akas fortzuwerfen) oder einem jüngeren Kameraden zuzuschustern, lei es mit Lift, sei es mit Gewalt. Und jetzt! Jetzt ist allgemein Schrei nach dem Spaten!" zu beobachten. Jede Gruppe (6 Mann und.Führer) soll 7 Spaten und 2 Beilpicken haben, Üi . e f t ' t 10 gegen 1 zu wetten, daß beim ersten Appell keine Beilpicken mehr da sind, sondern alle Mann kleine Spaten vorigen, ja einzelne sogar daneben noch die großen sog. Pionier-, spaten mitschleppen. Woher wohl dieser Umschwung? Zunächst ohne Zweiset durch den Trieb der Selbstcrhaltuiig hervorgerufen: in vielem Kriege ilt das Eingraben zum Schiitze gegen feindliches Feuer eine Hauptaufgabe. Sodann aber hat sich der kleine Spaten " ex Ä - .^glichen Gelegenheiten zu allerlei Hilfeleistungen äußerst zweadienlich erwiesen und ersetzt verschiedene Instrumente in schönster Weise, so daß er als ein wirklicher „Helfer in der No?' «v Worden kann. Es dürfte ganz interessant sein, seine
Biel l eitigreit einnial etwas näher zu betrachten, indem wir eine arivzlehende Truppe auf ihrem Marsche begleiten und bei ihren Rasten und ihren Taten beobachten.
. ^ Tw jungen Krieger sind eben verladen worden, der Zug harrt des Abfahrtfignals; da kommt noch ein guter Freund dahergerannt und schwingt nne Pulle Sekt oder eine Flasche besseren Wein, die schleunigst noch mit den abfahrenden Kollegen geleert werden soll.
Korkzieher ist nicht zur Stelle, also muß ihr der Hals, gebrochen werden; erst soll das Seitengewehr dazu heran, aber man weiß nicht, ob man daniit nicht Anstoß bei den Vorgesetzten erregt, lieber den Spaten herbei; und dieser verrichtet dm Liebesdienst denn auch schnell uird gelvissenhaft; er empfängt dabei gewissermaßen die ^ Laufe zu seiner kriegerischen Laufbahn, denn ein werrig von dem schaumenden Naß ergießt sich bei der Operation auch über ihn.
Während der Bahnfahrt gilt 'eg vielleicht Nüsse aufzuknacken oder sonstige Sachen zu öffnen; da greift mancher lieber zum Spaten, als daß er die Arbeit mit der Hand oder dem Fuße verrichtet; z. B. wenn es gilt, Kiftchen oder Kisten mit Liebesgaben zugänglich zu machen, muß der Spaten die Zange ersetzen.
Las Bahnziel ist erreicht, der Fußmarsch beginnt. Es ist aber doch etwas anderes, mit kriegsmäßig vollgepacktem „Affen" daherzulaufen, als in der Garnison die Kriegsmäßigkeit nur zu markieren; bald gibt es daher „Abbauer" und Nachzügler. Schließ- Uch liech nch der Führer veranlaßt, zu rasten und bei der Gelegen-
ab kochen zu lasten. Die erste Gruppe wird zum Wasserholeni besohlen, die zweite soll Holz holen, die dritte Kartoffeln usw., die vierte die Feuerstellen anlegen, die fünfte Proviant empfangen ufw. usw. Da ist der kleine Spaten in seinem Element: er muß für kleines Holz sorgen, die Erde nach Kartoffeln umwühlen, die Feuerlöcher ausheben, die Vorratskisten öffnen und dergl. mehr; dann benutzt ihn einer, um auf ihm seine Konservebüchse über der Flamme Nwrm zu machen; ein anderer hat sich irgendwo unterwegs ein Stuck fleisch erbettelt, das etwas zäh ist und erst mit Hilfe des Spatens mürbe geklopft wird, der dritte will sich Kaffee kochen, hat aber mir ganze Bohnen, also werdrin diese auf dem Spaten mit, einem Stein (oder umgekehrt) zerkleinert. So wird das un- schnnbare Instrument zu allen möglick-en Hilfeleistungen herangezogen, und alles besorgt er gut und willig gleich einem treuem Kameraden. Wenn dann einer sich zum Dessert eine Zigarre an- stecken will, fischt ihni der Spaten auch schnell noch eine glühende Kohle aus dem Feuer. Dann aber überschüttet er die Glut wieder hiibsch mit Erde, damit kein Unheil entsteht und Speisereste, Knochenteile usw. vergräbt er sorgfältig zur Verchütung von üblen Gerüchten.
mj fr ^ Fertigmachen zum Aufbruch befohlen worden. Der Marsch wird fortgesetzt bis zum Eintritt der Dämurerung. Es ist gelindes Wetter, da wird biwakiert, damit sich die Leute daran gewöhnen Wieder übernimmt der kleine Spaten die verschiedenen Arbeiten, die er schon Mittags bei der Rast verrichtet hat, dairn aber tritt etwas Neues hinzu: es werden Zelte aufgeba?ut, da gilt A'/die „Heringe", das sind die Holzstäbe, mit deren Hilfe die Zeltbahnen nach derSette zu straff angezogen werden sollen, recht fest in die Erde hineinzuhauen; Hämmer siird nicht zur Stelle, also muß der kleine Spaten heran. Nachher wird das Zelt rings nnt ernein kleinem Graben umgeben zum Schutz gegen Nässe und die ausgehobene Erde auf den Rand der Zeltbahnen arifgehäufelt, um das Ganze gegen Zugluft abzuschließcn; wenn nötig, wird auch der Boden rm Innern ein wenig geebnet. — Zu eiiiem ordnungsmäßigen Lager gehört auch eine Latrine, die natürlich ohne Spaten überhaupt nicht hergestellt werden könnte.
er ? n L Ochsten Morgen geht es weiter, immer näher an die Front; plan tn er kt es sthoii an dem stets stärker werdeiiden Kanouen- donner. Bald ist auch das Gewehrfeuer hörbar und nicht lange mehr ^?^ort es, da pfeifen einzelne verirrte Geschosse auch über unsere Truppe hinweg. Man passiert verlassene Schützengräben, durch- schreitet zerstörte Drahtverhaue und muß öfters über Granatlöcher der verschiedensten Großen hinwegturnen. Die Truppe soll sich an das Regiment, das in Reserve hinter der Front liegt, heran ar-
uni verschiedenen Bataillone bezw. Kompagnien
verteilt zu werden. Bekanntlich haben die Reserven aber meist mehr unter dem feindlichen Feuer zu leiden als die vordersten Linieii' so geht es auch unseren jungen Kameraden; je näher sie an die' Stellung deo Regiments kommen, desto unheimlicher wird das Schwirrem der Geschosse; bis schließlich vom Regiruent aus der Befehl kommt, der Ersatz soll liegen bleiben und sich einbuddeln
Also: Hmlegen!" — „Spaten heraus?" — „Eingraben!" —
Nun ist der Spaten erst recht in seinem Element und es ist eme Freude, zuzusehen, wie schnell er, von kräftigen Fäusten geschwungen, den Erdboden umwühlt, ein Loch herstellt, in dem der junge Krieger genügend Platz findet und vom und teils auch an den beiden Seiten eine Erdwand errichtet, durch die kein Gewehrgeschoß hindilrchdringen kann. „So, das wäre geschaffen!" ertlart der geistige Urheber des Werkes mit einem gewissen Stolz aus seine Leistung, aber der vielerfahrene Spaten, dem der ^owenanteü Mi der Arbeit zufällt, schüttcklt den Kopf und behauptet: „Las ist noch garnichts, nur ein Kinderspiel gegen das, was wir noch leisten können und bald jedenfalls auch leisten müssen!" Und er hatte recht: noch im Laufe des Nachmittags wurden die c ? ert einzelnen Kompagnien einverleibt und schon am
elben Abend rückten sie mit hinaus rn die Nacht hinein, Richtung: feindliche Stellung, um den alten Schützengraben nach Ablösung nnes L>chwefterregiments zu besetzen und von ihm aus einen neuen Graben weiter vorne auszuheben. Darüber ging natürlich die ganze Nacht hm und als der Morgen graute, hatte der fleißige Spaten geschaffen: Die Mannschaften hatten Schutz gegen feindliche Geschosse, daran konnte auch das wütende Schrapnell- und Granatfeuer des Gegners nichts mehr älidern, mit dem dieser die neue Stellung überschüttete, als er sie entdeckte. Im Laufe
^^es *?. men 0 Miu Iwch die bombensicheren Unterstände an chie Arbeit, die am nächsteir Tage fertiggestellt waren und nun immer gemütlicher, wohnlicher und vor asten Dingen sicherer ausgebaut werden, so daß unser „Helfer in der Not" immer noch Arbeit genug hat, zumal auch die Laufgräben stets Verbesserungen und Aenderungen erfordern. Daneben aber waltet er auch seines £ l n * eg am „häuslichen Herd", wie vorher am Lagerfeuer und bec der Mast, denn unsere Freunde sind dort votne in den Stellungs- tampf übergegangen, da es sich als unpraktisch (und vielleicht auch als undurchführbar) erwiesen hat, dem stets zurückweichenden Feinde' noch werter in das unwirtliche Innere des Landes zu folgen. Zu wohlverdienter Ruhe wird unser Spaten also sobald noch, Nicht komnren, er wünscht es auch garnicht, denn in den Mußestunden des Schützengrabenlebens entdecken die spitzfindigen alten und lungeii Bewohner der Erdhöhlen immer neue „Berufszweig?' für den treuen, arbeitsamen Begleiter, und dieser ist dankbar für jede Abwechselung.
Nur eins hat er sich ausgebeten: niemals möchte
er seinem Herrm uird Gebieter die letzte Ruhestätte auf fremder Erde bereiten helfen, sondern diesen gesund und heil wieder im Baterhause abliefern! Leider hat er, wie er klagend einst nach einem schweren Kampftage berichtete, schon manchem guten Kameraden und Freund seines Herrn den letzten Liebesdienst erweisen müssen und auch das schlichte Grabkreuz Herstellen und aufrichten helfen, das die Stätten bezeichnet, an denen die Tapfc- reii ausruhen von allem irdischen Leid!
Vsvmsschtes.
* Chrysanthemen. Zu unseren beliebtesten Herbst- bluinen gehört das Chrysanthemum, das jetzt mit Tausenden von Blüten unsere Gärten und öffeuklichen Anlagen schmückt. T^» Heimat der Blume ist Japan; sie wird dort in vielen Abarten' ge- zogen und ist die Lieblingsblume der Japaiier, die sie ja auch zu ihrer Wavvenblinne erkoren haben. Eine nahe Verwandte des Chrysanthemum ist die bei uns heimische „Wucherblume" oder „weiße Wucherblume", die in manchen Gegenden auch »Sternblume" genannt wird. Unsere Worte „wuchern" und «Wucherer" hattcu ursprüuglich nicht die schlimme Bedeutung, die wir heute mit ihnen verbinden, sie kennzeichneten nur ein besonders starkes Wachstum, und wir wenden sie in diesem Sinne noch aus die Pflanzenwelt an. Die Botaniker nennen die Wucherblume Chry- santhemum leucantheinuni, d. h. wörtlich ins Deutsche übersetzt' „Weißblnheude Goldblume". Derartige Farbcnkonfnsionen gehören in der Botanik keineswegs zu den Seltenheiten; gibt es doch auch eine Letula alba porpurea, also eine „rote Weißbirke". Auch Schiller spricht im .Eleusischen Fest" von „blauen Zianen"^ obwohl das Wort Zyane an sich schon so viel wie blaue Blume be- deutet. . . Wir sagen „das Chrysanthemum", und wenn es sich nur mehrere handelt, „die Chrysanthemen"; manche gebrauchen die ans dieser Mehrzahlform gebildete Einzelform „die Chrysantheme". Diese Bezeichnung ist an sich unrichtig; es gibt aber manche Bildungen dieser Art, die unser Sprachgebrauch schon längst gebilligt hat. Wir sagen „der Typus" und bilden davoii die Mehr- zahlsorm .die Typen"!; a»ls dieser ist die Ciuzelform „die Type" hervorgegaugen, der wir daun eine ganz andece Bedeiitung verliehen haben als dem Wort .der Typus". Aus Gründen der Sprachrichligkeit sollten wir freilich darauf achten, daß wir an der Einzelform .das Chrysanthemum" iesthalten und diese nicht durch die in den Sprachgebrailch eingedrungeiie Forin „die Chrysantheme" verdrängen lassen. . . In den Auslagen der Blumcn- handlungen erblickt man jetzt.überall Chrysanthemen mit Riesen« bluten, die oft die Größe eines Kinderloses erreichen. Allgeniein hält man diese großen Bliimen für eine Abart des gewöhnlichen Chrysanthemums, das aus den Blumenbeeten eine Blüte nach der anderen hervorlrcibt. Das ist aber ein Irrtum; es handelt sich "Ni ein und dieselbe Pflanze. Tie Riesenchrysanthemen sind durch Hypertrophie (Ncbcrernährnng) z»l ihrer eigeiiartigen Form ge-
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