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Doch Stcinficfcu antwortete mtr durch ent betrübtes Ztopfschütteln und ging.
Ein heftiger Aerger stieg da in den: Wirt auf. Mit schnellem Schritt wandte er sich dem Familienzimmer zu und trat dort geräuschvoll bei der Tochter ein.
„Also den Steinsieftn hast du rnir auch wieder fort- geschickt! Willst du dir's denn mit Gewalt verderben? Glaubst du, daß jetzt überhaupt noch einer Last verspüren wird, sich an dich zu machen?"
Marga Reusch zuckte zusammen. Wie plump, dies Wort! Cs siel ihr ebenso auf die Nerven, wie wenn sie den Vater mit dem Messer essen sah. So gab sie gereizt zurück:
„Will ich das denn? In Ruhe sollen sie rnich endlich lassen hier — alle miteinander!"
„Damit du als alte Jungfer sitzen bleibst — nicht wahr?"
„Zehnmal lieber das, als einen dieser Bauerntölpel heiraten."
„Bauerntölpel!" Ein Blick schoss zu ihr hin, als fühlte auch er sich mitgetroffen. „Dummes', hochnäsiges Frauen- ztrnmer, du! Aber natürlich, das hat inan davon, daß man dich nach Wiesbaden aufs Pensionat geschickt hat!"
„ „Ja, Vater und-sie sah ihn sehr ernst an —, „es wäre freilich besser gewesen, du hättest es nicht getan. Nun bm ich für diese Welt hier verdorben — und jene andere bleibt mir verschlossen." >
.Es war etwaA in ihrem Ton, das fiel dem Hannes Reusch seltsam aufs Herz. Fast wie eine Anklage. Und hatte rhm nicht auch die alte, blinde Frau da draußen schon ma!ichmal ganz dasselbe gesagt? Ta verstuiumte er für ein Meuchen. Doch dann kam ihm wieder der Trotz.
„Man hat doch nur dein. Bestes gewollt. Und wer hat denn das> voraussehen können? — Aber es ist ja auch alles Unsinn. Nur an dir licgt's, att deinem verdammten Starr- smn und Dünkel!"
Wütend stieß er mit dem Fuß nach einem Stuhl, der rhin int Wege stand, daß er polternd umschlug, und lief darin nnt stampfenden Tritten im Zimmer auf und ab.
Gelassen sah Marga Reusch seinem Treiben zu. Ja, ein geheimer Widerwille spiegelte sich in ihrem Blick, wie sic dem aufgeregten Manne so mit großen Augen folgte. Als ob es gar mcht ibr Vater wäre, sondern irgend ein Fremder —j eurer denen da draußen, auf die sie mit Verachtung herabblickte, von denen sie eine Kluft trennte: Der unüberbrückbare Unterschied einer überlegenen Kultur. Und war's nicht auch so hier in diesem Fall. War ihr der Mann dort nicht fremd geworden, wie dieses Haus, diese ganze Um- gebuiig hier seit den Jahren in Wiesbaden?
Wieder einmal empfand sie es mit einer Klarheit, dre sie aber weder erschreckte, noch etwa mit Trauer erfüllte. Das war ja alles nur zu natiirlich. Die Alten und die Jungen - Rückstand und Fortschritt - zwei Welten, die sich iiicht verstehen konnten, zwei unvereinbare Gegensätze
ganz notwendig einfach. Unnatürlich war es nur, daß sie gezwungen war in dieser Wett zii leben, die keinen Raum str sie hatte. Mußte da nicht schließlich etwas wie Haß aufsteigen gegen die Gewalt, die sie dazu. zwang?
trauen zogen sich zusammen, wie sie zu Hannes Reusch hmsah. Der aber mäßigte jetzt seine Schritte, und in seme Zuge trat ein veränderter Ausdruck; ein Grübeln Mld Schwanken. Es entging ihr nicht. Da ging sie leise auf
„Vater!" Ein kosendes Anschmiegen war in ihrer Stimme. „Willst du denn nie mit dir reden lassen? Tu meinst es doch gut mit nns, Vater — nicht?"
Kn^Z l ' e f I Cme legten sich ihm um den Nacken, urck) die schönen Augen bettelten stumm. So hatte sie es J mT r te - r tan ' unb uie hatte er ihr etwas abgeschlagen. Auch jetzt wurde dein Hannes Reusch dabei weich.
_ "Dumme Frage!" polterte er, aber nur mühsam behielt ^lruhen Ton bei. „Natürlich mein' ich's gut miti euch. Aber was hat das damit zu schaffen?" ^ ^
Da preßte sie sich noch dichter an ihn.
^ e . g ivtrklich gut mit uns meinst, mit dem Hermann und nnr, wenn du uns glücklich machen willst ^ ^>c>cr> rntt uns in die Stadt, nach Köln! Du kannst "uch wahrhaftig Ruhe gönnen auf deine alten Tage, Vater, hast za genug vor dich gebracht, und wenn du dann noch hier den „Hirschen" gut verkaufst
„Verkaufen?" m
00 WtUJ stieß Hannes Reusch die Tochter voii sich,
daß sie fast taumelte. Mer er achtete es nicht. Zornrckt glühte ihm die Stirn. „Hier das Haus verkaufen, wo ich Zeit meines Lebens gesessen? Nein, nie! Eher —!"
Drohend schüttelte er die Faust zu dem Mädchen hin, das dastand, ohne sich zu rühren, die Lippen fest aufeinander gepreßt. Der Anblick reizte ihn aber nur noch mehr.
„Ja, setz' nur dein hochnäsiges Gesicht auf! Es hilft dir alles nichts. Hier, in dieser Stunde sag' ich dir's; ^N'icht daran zu denken ist's! Solange der Hannes Reusch! lebt, bleibt's hier, wie's ist! Bin ich nicht mehr, habt ihr mich mal rausgetragen auf dem Schrägen — dann macht meinet- halben, was ihr wollt. Schlachtet die Henne, die euch die goldenen Eier gelegt und bereu ihr euch nun schämt. Aber na — einstweilen ist's ja noch nicht so weit. Und ich denke euch den Gefallen auch noch lange nicht zu tun. — So, da hast du meine Antwort!"
Damit riß Reusch die Tür auf und warf sie krachend hinter sich zu.
Marga blieb unbeweglich stehen. Nur uni ihre Mund- ^ukel ging es für einen Augenblick wie ein Aufzucken. Aber gleich wurden die Linien wieder hart. Bloß keine Sentimentalität! Gefiel sich der Vater im Volksstückton, sie tat nicht nnt. llnd sie ging mit entschlossenen Bewegun- gen zu ihrem Kessel ani Fenster. Dort ließ sie sich nieder; die Arme fest verschränkt, die Knie übereinander gescküagen.
So blickte sie eine Weile starr vor sich hin, ganz Wloerstaud. Aber allmählich ward ihre Miene nachdenklich. Der Anlaß zu diesem ganzen Auftritt kani ihr wieder in Erinnerung — Steinsiefens versteckte Werbung. Und unwillkürlich stellte sich ihr der Gedanke ein: War es eigentlich klug gewesen, ihn so schroff zu verabschieden?
Wenn ihr dies Leben nun doch einmal unerträglich wurde und sich keine andere Möglichkeit bot — das war doch immerhin ein Ausweg! Der einzige, allenfalls noch gangbare, der sie aus dieser Misere, dieser grauenhaften Abhängigkeit herausrettete. Nahm sie Steinsiefens Werbung an, so war sie frei von der väterlichen Gewalt, ihr eigener Hbrr ' dann galt ihr Wille! Denn Steinsiefen war Wachs ulfthrer Hand; ein ergebener Sklave, beu es obenein noch ' glücklich machte, ihr dienen zu dürfen.
Freilich, das war auch alles. Einen Mann durfte sie uicht erwarten in ihm zu finden. Aber wog das schließlich so schwer? Lohnte es sich, deswegen vielleicht seine letzten Chancen aus der Hand zu geben? Sie tvar vierundzwanzig letzt — worauf wartete sie da eigentlich noch? Aus das große Wunder etwa? Hier in diesem Bauernnest!
Ein kalter Zug grub sich für einen Moment um die semen Lippen, Und dann kamen ihr wieder jene Gedanken- ^temsiefen war doch immerhin — äußerlich gesehen — eine annehmbare Erscheinung. Was noch fehlte, würde er Uch schon aneigneii unter ihrer Hand. Seine Verhältnisse waren gut. Er verdiente ein hübsches Stück Geld und hielt es nicht ängstlich zusammen, hatte Sinn nicht bloß fürs Erwerben sondern auch fürs Genießen, für Reisen, für das großstädtische Treiben. Er würde sich ein Vergnügen daraus machen, fte mitzunehmen und zu zeigen dort draußen in der 6/o.ßcn Welt voller ^tolz und Eitelkeit. Also — weshalb- sträubte sie sich eigentlich so gegen diesen Ausweg? War es ani Ende wirklich nicht sehr unklug von ihr?
~ ~ vielleicht, wahrscheinlich sogar, und dennoch'
Da war doch noch etwas anderes in ihr, das lehnte sicki auf gegen all diese kühl berechnende Vernunft. Und Marga wußte selbst nicht: Kam das aus der Region ihres Stolzes' ihrev Ehrgeizes, der sich von frühester Jugend an ein höheres Ziel gesetzt, oder aus einem dunkeln Winkel ihrer Weibesnatur, wo ein verborgenes Sehnen heimlich die Hände ausstreckte? 1
Das schime Antlitz tief gesenkt, sann Marga vor sich hm; aber sre kam zn kemer Klarheit. 1 *
(Fortsetzung folgt.)
Der Helfer in der Not.
Von P. Hüben er, z. Zt. im Felde.
diesem Kriege ist ein Ausrüstungsstück des deutschen Sol- daten zu ungeahnten Ehren gekommen: der kleine Spaten! Wie O'-.uckde sich in Friedenszelten jeder möglichst weit in den Hinter-.
fs hleß: ^Spaten empfangen!" Und ,ver dann ^Ä.^K/^ lolclxs Ding „aufgeladen" zu bekommen, der hatte nichts Schleunigeres zu tun, als es auf anständige oder


