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neral oberst Exzellenz hin schreiben auf Ihrer Karte?", da legen die drei oberschlesischen Grazren trotz des Einspruches der an- lvesenben Herren, drei Karten auf den Teller, mit dem sich die Ordonnanz nach der Mitte der Tafel begibt. Durch den Spalt der geöffneten Flügeltür schauen ihm die am Eingänge Zurückgebliebenen mit begreiflicher Spannung nach. Wahrhaftig, der Musketier legt dein Generalobersten den Teller vor und spricht m ihm; wahrhaftig, der berühmteste Mann der Gegenwart lägt fick das Schreibzeug reichen und unterzeichnet die Karten! O Wonne! Die Ordonnanz kommt zurück und händigt die nunmehr die eigenhändige Aufschrift „von Hindenburg, Generaloberst, 3c., den 21. September 1914" tragenden Karten den drei Bittstellerinnen aus mit den Worten: ,Lch habe Exzelle^ gebeten, die drei Karten zu unterschreiben, und gesagt, es ist für drei junge Damen, wo eine überhaupt särr scheen ist." Die Ordouucmz erhält drei groüe Silberftücke von den drei glücklich Beschenkten. „Wer Exzellent hat gesagt," bemerkt jetzt der Soldat, „das; er nicht mehr Unterschriften geben wird, auch nicht, wo die Danken särr scheen sind . . . Wer schadt nichts," fügt er beschwichtigend hinzu, „ist Hindenburg toirklich särr gulte Vorgesetzter."
* Ein U l t t m a t u m von 1420. Das Ultimatum, das heute bei uns eine so wichtige ausschlaggebende Nolle spielt, ist keine moberne Erfindung. Das bewetst eine sehr merkwürdige Verfügung des Herrn von Chantilly, Jean de Fa'yel, an die Bewohner von Sentts uom 9. November 1420, die durchaus den Cbarakter unserer Ultimatums trägt. Der Grund, der biefe scharfe Maßregel herbeiführte, ,var folgender: Jean de Fayel hatte (eS war in der Zeit der Zwistigkeit zwischen den Burgundern und den Amagnaken) die Sache des Dauphin unterstützt und forderte die Bewohner von SenliS zu gleichem Tun auf. Diese folgten bereitwillig dem Wunsche ihres Herrn, ja, sie taten noch ein klebriges, indem sie es auf sich nahmen, auch kür seine Verproviantierung zu sorgen. Eines Tages nun wurde eine für Chantilly bestimmte Sendung von der bur- gundifchen Besatzung Berras ausgeplündert. Aber Jean de Fayel machte „die von Senlis" für daS Gefchcheike verantivortlich und forderte Schadenersatz. Als die Bewohner von Senlis versuchten, ihre Uikschuld an der Tat zu beweisen, richtete Fayel ein richtiges Ultimatum an sie, das folgendermaßen schloß: „Falls Streit oder Krieg zivischen Euch und mir entstünde, so wäre das gn Eurem Schaden und nicht zu de,n meinen. Da unsere Gesetze fordern, daß wir nie Krieg gegen einander beginnen, ohne es zwei volle Tage vorher kvissen zu lassen, teile ich Euch nkit, daß ich, falls ich nicht volle'! Schadenersatz für alles das erhalte, was die von Berro gestohlen und geraubt haben, ich Euch, wenn der Dienstag kaum verstrichen, mit der ganzen, mir zur Verfügung stehenden Macht bedrücken werde. Dies bezeuge mein Siegel, das am heutigen Sonnabend, dem 9. Tage des November vierzehnhundertzivanzig angebracht wurde/ Am 11. November beschlossen die Bewohner von Senlis, die Sache durch einen freundschasklicheu Brief an den gestrengen Herrn gütlich beizulegen.
* D ie „S o l d a t el o t t e". Diesen Namen hatte die Frau, die ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von echter Perleberger Glanzwichse fand, sich nicht nur durch ihre Teilnahme an den drei Feldzügen von 1864, 1836 und 1870/71 erworben, die sie als Marketenderin mitgemacht hatte, sondern auch durch ihren wahrhaft kameradschaftlichen Verkehr mit allem, was „zweierlei Tuch" trug. Sie selbst trug eine Soldatenmütze, und a»k einem Mllitärgürtel ihren Kasten, in dem sie ihren kleine»: Warenvorrat mit sich herumschlepvte. Dazu war ihre Jacke mit den drei Kriegs- denkmünzen geschmückt. Litte Soldaten nannte sie „Kameraden" und beehrte sie mit einem vertraulichen „Du", ganz gleich, ob's gemeine Soldatökk und Schutzlekite, Offiziere oder Polizeileutnants waren, doch machte sie insofern einen Unterschied, als sie bet höheren Chargen wohl ln diese vertrauliche Anrede ein „Herr Kamerad" einfließen ließ. „Mein Bengelchen" oder „Bengelchen" aber nannte sie die Zivilisten durchweg, ganz gleich, ob die so Angesprochenen alte ehrwürdige Herren oder junge Dachse waren. Woll-te sich jemand gegen solche Vertraulichkeiten auflehnen, so konnte die Alte „eklig" werden. „Ach, watl Ick btir die alte Soldatenlotte. Ter Kaiser hat nrir diese Medaillen verliehen l Det kam: sobald keener von euch sagen!" Und dann ging es in langem Wortschwall weiter. Sie zählte alle Schlachten auf, die sie „mitgemacht". Garrz besonders böse aber wurde sie, wenn ein alter Kunde sie verleugnen wollte und abwehrte: „Wat, Bengelchen, du willst von die treue, alte Soldatenlotte uischt wissen ? Pfui Deubel!" In Kasernen, wo sie ihre Wichse verkaufen durste, ,var sie gern gesehen, denn die alte „Soldatenlotte" machte und vertrug auch derbe Soldatenspäße. Wen», sie kam, gab's immer etivnS zum Lachen. Im Jahre 18S2 ist sie gestorben.
* D e r H a s e im Kriege. Meister Lampe, dem die Jäger jetzt kvieder den Krieg erklären dürfen, ist auch zum männermoroen- deu Krieg in mancherlei Beziehung gebracht worden. Als Sinnbild der Furcht und Angst war er den Soldaten eine üble Vorbedeutung. Wenn kurz vor der Schlacht einer marschierenden Trllppe ein Hase in den Weg lief, womöglich noch auf die Truppen zu. dann »var das Unglück fertig! Bei einer solchen Begegnring mit einem Hafen muß sich früher eine Art Massensuggestion der Soldaten. die an den Unglücksbrtnger glaubten, bemächtigt haben,
denn eS ist historisch erwiesen, daß allein dadklrch Schlachten ver- oren gingen. Als int Jahre 1289 die Grafen von Holstein gegen die Dt hmarfchen zu Felde zogen, lies ein Hase direkt anf die Holsteiner zu, sie verloren dadurch den Blut und ergriffen gleich dem Tier das „Hasenpanier". Als im Jahre 1601 Fürst Sigmund von Siebenbürgen zur Schlacht gegen die Kaiserlichen rüstete, sprangen im Lager der Siebeubürgener viele Hasen aus, ein sichere« Zeichen, daß sie geschlagen würden, wie eS denn auch prompt geschah. Der altgeiuelne Aberglaube an den unglück- briugenden Löffelmann ging sogar so wett, daß die biederen Schwaben beim Angriff den Feinden Schilde entgegen hielten, auf denen ein laufender Hase dargeslellt war, hier sollte also schon da» Bild des armer: Schelmen entmutigend wirken. Heutzutage hat der unschuldige Hase diesen Schrecken längst verloren, wenn auch noch tief im Volke der Glaube wurzelt, daß es »richt gut sei, wenn einem ein „Hase über den Weg läuft". Unsere braven Feldgrauen in Ost und West kennen die üble Vorbedeutung LampeS nicht mehr. Im Gegenteil, sie freuen sich immer, wenn ein Haie auf dem Gefechisfelde erscheint, er ist ihnen kein Unglücks prophet, sondern die sichere Hoffnung auf einen willkornmenen Braten.
vüchertlsch.
— Unser E m m i ch. Ein Lebensbild von Wilhelm Georg. Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin. Preis 1 Mark. — Solange die Eroberung Lüttichs als eine der glänzend- sten Waffentaten in diesem Weltkriege genannt werden wird, so lange wird auch EmnrichS Name der Nachwelt rmoergeßltch bleiben. Seiner Tatkraft, seinem persönlichen Mut verdankt das deutsche Volk btefeit überraschenden Erfolg, der nach der dumpfen Gewitterschwüle der ersten Kriegslage befreiend und zugleich ver- hetßllngsvoll wirkte. Ekirmichs Mttivirkung auf den galiztschen Schlachtfeldern, wo er unter den Augen des obersten Kriegsherrn neuen Lorbeer erntete, wird in weiten Kreisen den Wunsch erwecken, ein getreues Lebensbild dieses populäre,r Heerführers zrr besitzen. Das vorliegende, hübsch ausgestattete und mit vielen Abbildungen geschmückte Buch, aus der Feder eiileS hannoverschen, mit den Verhältnissen int langjährigen Wirkungskreise Emmichs genau vertrauten Schriftstellers, kann naturgemäß aus Wahrheit rtnd Gründlichkeit Anspruch machen.
_ — 6 u Friedrich Lienhards 50. Geburtstag läßt „Bühne und Welt", Monatsschrift für das deritsche Kunst- und Gerstesleben (Verlag von „Bühne tmb Welt", G. m. b. H., Hamburg), ein Llenhard-Sonderhest erscheinen. Dieses Heit ist, was krttrfche Gründlichkeit und Sachlichkeit betrifft, auch literarisch als eine weitab vom üblichen FesttagsvatboS liegende Erscheinung zu bezeichnen. Wir können diese Schrift, in der die besten Kenner des Dichters und durchaus Persönlichkeiten von Namen zur Eharakteric- sierung de? Dichters itnb zum Verständnis unierer geistigen Frage«: bettragen, jeden: Freunde des deutschen Schrifttums nur empfehlen. Neben Lebenserinnerungen LtcnhardS enthält das Hest Beiträge von Fritz Bley, Prof. Werner Deelsen, Tr. Artur Dinter, Egbert vonFrankenberg, Alex, von Gleichen-Rußwurm Ernst Adolf Gretner, Prof. Ed. Heyck, Wilhelm Kiefer, Richard von Kralik, Ludwig Lorenz, Pros. Karl Muth, Prof. Artur Prüfer, Heinrich Dierordt, Alb. Malte Wagner, Dr. Georg Wehrung Hans Paul Freiherr von Wolzogen. •
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Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. .Auflösung in nächster Nummer.
.Auslösung des Mtsels in voriger Nummert Flügel, Lüge.
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Kchristleitung: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießet


