,Ä der Tat, wir kennen uns. Wenn Sie unsere Be^ Va.üntschnst als Kinder noch heut-e gelten lassen wollen."
„Jedenfalls doch noch insoweit, nin mich zu erinnern, däß Sie schon damals recht geimu writzten, was Sie wollten."
„Es scheint, daß dies für andere nicht inrrner gam an^ genehm war?"
„Das rnag wohl seirr."
Er lächelte. „Und heute?"
„Wird das kaum arrders geworden sein."
„Alles irr allenr — man betrachtet also meine Rückkehr hier mit ziemlich gemischten Empflndungen."
Sie hob leicht die Schultern.
„Wenn man komnrt tvie Sie, ist man freilich! rML allerr willkommen."
„Wie ich?"
„Dr ja, Sie tverden es doch! nicht bestreiten wollen: Sie bringerr uns hier den Kamps!"
Bertschs graue Augen lenchleten ans. Krrrz nur. Dann suchten sie ihr Antlitz.
,/iirch wenn es so wäre — wie dächten Sie darüber?"
Ekcs Blick glitt langsarn arr der massigen, kerkerähn- 1iä-en Mauer des Gemachs hin, die mit ihrer Wucht alles Regen hier drirrnen ersticken zrr wollerr schien. Da hob sich ihre Brust in einem tiefen Atenr.
„Kamps ist Leben — ich lbegrilße alles, was Leben heißt."
Seine Mienen zeigten Ueberraschjnng, eine Frage stand blartn.
Es entging ihr nicht, und ihr MrtW überflog «3 wie Mbwehr. Zu viel schon, was sie ihn eben von sich Haids sehen lassen! Mit irgendeinem gleichgültigen Wort wollte sie die Unterhaltung auf die Bahn des Urrpersüulalchen Urrücksühren, doch da drang ein Geräusch vom Hof herein. Das Rollen eirres Wagens. Sie erhob sich und trat ans Fenster. Run wandte sie sich ihm wieder zu.
„Der Onkel — Sie haben Glück."
„Ob ich das wirklich habe, wird sich jetzt erst erweisen " nrrd er stand gleichfalls auf.
Bon draußen scholl die dröhnende Stimme des Gnts- hnrn, der mit Kallnrann schalt. Ein itbles Anzeichen! Und Eke von Grnrrd lächelte leise. - ,
„Ja — der Kamps soll nun wohl beginnen."
,,Mag er. Ich bin gerüstet."
Sie sah zu ihm, der in seiner Volten Größe, straff und! anftecht, dastand, als gälte es, sich einen: Gegner mit der Waffe :n der Hand zu stellen, ttnd zum ersten Male ward sie sich dessen bewußt, daß aus dem ungeschlachten Jungen ern echter Mann aetvorden war. Gin Mann voll Kraft und ^lb^tgesuhl und doch Jugend im blitzenden Mge. Dü nickte
.^-liickauf zum ersten Renkontre!"
Und ging dam: hinaus; in der Halle stampfte her jchwere Tritt des Oheims heran.
Henner von Grund war Bertschs Anlvesenheit draußen schon von Anne Marie gemeldet worden. Mit einenr Don- ne-noetter hatte er erwidert. Hungrig von der Jagd erst noch einen Besuch abfertigen? Zum Henker — was wollte denn der Kerl von ihm! Und mit einenr ungebärdigen Griff ritz er dre TNr ans. ^ ''
Mrn — was ist gefällig?"
Roch den Jagdhut auf denl Kopf, die «chse über der Schulter, trat der Gutsherr über die Schwelle; ihm rrach Dell, der schwere, hochlüirfige Brauntiger.
Bertsch wandte flch langsam dem Ern tretender: zu. Ein kurzes Neigen des Hauptes, dann blieb sein Blick auf der Kopfbedeckung Henrrer vs-ri Grunds hängen. Schweigend aber nrrt Nachdruck. ^
>^Zum Donner — ; , was joirnscherr Sie von mir?"
., Wuteird entfuhr es dem Hausherrn, aber seirre Rechte den Tisch 0 ^ ^ en ^ ä t?om ^opf und warf ihn unwirsch aus
Nun erst gab Bertsch Antwort.
. "W komme, um Ihre Genehniigung ein zuholen zu einer Emsahrt in Ihre Grube h-, in Begleitmig des Revier- deamten — nachderu, mir diese Erlandüis von Jhrenv Steiaer ebeil verweigert worden ist." y
mUmr ~~ bCl ^onnschmidt hat Sie also nici)tt reinlassm
Bergra^ts'nich/des ausdrücklichen Ersuchens heS!
„Recht so!"
Und mit einem kurzen Rücke regte Heüüer von Grund feine Büchse auf den Tisch.
Bertschs Miene blieb unbetveglich.
„Sie billigen also dieses Verhalten Ihres Steigerst
>,Vollkommen."
„Und wollen mir auch Ihrerseits die Genehüiignng verweigern?"
„Allerdings."
„Auch dann, wenn ich Sie darauf aufinerksam niache, daß dies Verhalten wider das Recht verstößt?"
„Auch dann."
„So —Eine Weile betrachtete Bertsch! mit unbeirrter Ruhe das Antlitz des Gutsherrn, in oem es grimmig wetterleuchtete. Dann sagte er und^ließ jedes Wort hart fallen: „Das heißt — Sie wollen also den Kampf mit mix?"
„Zum Teufel, ja! Wenn Sie es denn durchaus höreir wollen." Dröhnend brach Hermer von Grund los. „Oder meinen Sie, wir werden stillhalten, wenn Sie uns das! Fell über die Ohren ziehen wollen? Nein, mein Lieber, das ist nicht Landesbrauch hier im Rauhen Grund! Sie scheinen das etwas vergessen zu haben, drüben bei den Bankees. Aber wir wollen's Ihnen wieder in Erinnerung bringen. Und wenn Ihnen das nicht paßt — dann fahren Sie nur hübsch wieder rüber, wo Sie hergekommen sind!"
„Ihre Ratschläge muß ich durchaus ablehnen," kühl erwiderte es Bertsch, indem er sich zunr Verabschieden ausrichtete. „Im übrigen werden Sie die Folgen dieses Verhaltens mit Ihrer Gewerkschaft zu tragen haben."
Damit wandte er sich zur Tür.
„Prozessieren Sie nur in Gottes Nanren!" höhnte der Gutsherr ihm nach. „Wir könnend abwarten."
Da blieb Bertsch noch einmal stehen, und ans seinem stahlgrauen Auge zuckte es schneidend.
„Prozessieren, Herr von Grund? Nein — den Gefallen werde ich Ihnen nicht tun. Aber den Kamps sollen Sie haben. Und vielleicht mehr als Ihnen lieb sein wird."
*
Es war still heilte abend im „Hirschen". Drüben in Siegen war Kriegerverbandsfest, da war schon am Nachmittag alles hinübergewandert, !vas nur irgend abkommen konnte.
Marga Rensch saß allein in dem Honoratiorenstübchen. Da kern Gast dort war, hatte sie die Gelegenheit benutzt und sich an das Piano gesetzt. Es kam nur selten einmal vor. Meist verbot sich das \a schon aus Rücksicht auf den anwesenden Besuch. Das war eben auch so eine Eigensinnig- kert von ihrem Vater: Hannes Rensch weigerte sich beharrlich, ihr ein eigenes Instrument für ihr Zimmer anzu- schaflen. An einem solchen Kasten im Hause wär's grad' ßenug — und es störte sie ja niemand dort im Herrenstübchen.
So kam sie fast nie mehr zum Spielen. Heilte indessen war es einmal so über sie gekommen, und sie saß delm wohl Don eine Stunde lang und inusizierte. Leichte, moderne Sachen -- all die bekaiinten Operetten mit ihren schmeichelnden, lockenden Tanzweisen, die in ihrer jungen Brust das geheune Dehnen weckten: Nach der Welt da draußen, nach der Großstadt, wo Abend für Abend das Leben rauschte: em so wundervoller Strudel von Lust, Glanz, Eleganz und Frelheit, der die Nerven in prickelnder Spannung schwingen Ileß. Dort Mltgenleßen, mitglänzen dürfen, bewuiidert imb umworben werden als eine, die dazu gehörte.
Das war's, was ihr im Innersten klang, unausgesetzt, was sie sich mit quälender Phantasie ansmatte, wenn sie schlaflos in ihrem Stübchen zu Bett lag, in den Stunden, wo sie hier längst die lautlose Stille des arbeitsmüden Schlummers umfing, während zu dieser selben Zeit da draußen das Leben erst anging — das herrliche, wonikige Leben der Glücklichen, das allein wert war, gelebt zu werden! ° *
So versunken war Marga Rensch auch jetzt beim Splelen m diese sehnsuchtsglühendeu Träilnle, daß sie es gaiiz überhorte, wie sich hinter ihrem Rücken die Tür öffnete. Karl Steinsiefen war es, und hinter ihm ward für einen Augenblick auch Haiines Reuschs Kops sichtbar. Aber nun nickte er dem jüngeren Manne nur noch einmal stumm zu, wie in emem Ermutigen, und verschwand dann.
(Fortsetzung folgt.)


