Mittwoch, den 6. Oktober
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Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
In quälender Unzufriedenheit schritt Gerhard Bertsch durch die Einsamkeit der Strecke hin. Das elende Geld! Immer hing's daran. Was nutzte es ihm nun, daß er weiter blickte als die anderen hier und die verborgenen Schätze in diesem Laude sah? Er würde sie ja doch nicht heben können. Da hatte man ein Paar Arme wie Stahl, einen Kampf,nut, um die Welt ans den Angeln zu rücken, l,md stand doch mit gebundenen Händen!
In solchen Gedanken näherte sich Gerhard Bertsch dem Grenzgebiet nach dem Erbstollen hin, wo sie das Gesenke nied erb rächten, um so den neu gefundenen Erz gang von oben her aufzuschließen. Da tönten von vorn aus dem Dunkel Schritte, bald schwankte auch durch die Grubemracht ein winziger Lichtschein heran, in regelmäßigem Aus und Nieder und wuchs im Näherkommen. Ein Mann kam ihm entgegen, in eiligem Schritt. Jetzt waren sie beieinander.
„Glückauf!"
Er hielt den, andern die Lampe ins Gesicht, und der tat bei ihm ein Gleiches. Es war der alte Manskopf, sein Bergverwalter, der nun auch ihn erkannte.
„Der Herr Bertsch! Gott sei Dank, daß Sie wieder da sind."
„Nun, was gibt's denn?"
„Die drüben," — Manskops wies nach der Richtung des Erbstollens — „sind am Werk, schon seit drei Tagen, sie wollen nnsern Gang schnappen — von unten her, von der elften Sole!"
„Was denn? Doch nicht möglich!"
„Ja, ja, es ist schon so. Und sie arbeiten mit aller Gewalt, selbst die Nachtschicht durch."
„Also Uwllen sie uns wirklich ins Feld kommen? Haben Sie denn nicht sofort Einspruch erhoben beim Bergamt?"
„Gewiß, aber der Hannschinidt drüben bestreitet es. Wir sollterl es ihm erst nachweifen, meint' er.
„Halunke!"
„Ja, sie wollen's ofsenbarlich aus einen Prozeß ankommen lassen."
Ah — da sollte es hinaus! Sie hatten drüben wohl scholl etwas läuten hören ulld trafen richtig — gerade an der wunden Stelle. Aber Bertsch wollte es noch uicht glauben.
„Nee, nee, Manskopf! Sie denken sich das eben nur so!"
„Gallz gewiß, Herr Bertsch, es ist, loie ich sage. Und mls lassen Sie nicht voran mit der Arbeit. Sie haben, auch enr Anshauen gemacht, grad' unter unserer Grundstrecke, und ziehen uns so die Berge ab. Die laufen uns nun alle Ms, Alles geht schon 31t Bruch drüben, im alteni
Mann, und wenn wir's nachher dein Revierbeamten nach-- weisen sollen, was sie uns angerichtet haben, ist's natürlich
zu spät." , ^
In Bertsch schoß es allf. Heiß und jäh, aber er lvahrte
äußerlich seine Ruhe.
„Kommen Sie."
Und er ging dem gefährdeten Grenzpunkt zu. Als sie zu dem neuen Gesenke kamen, fanden sie die Lende dort in großer Aufregung vor.
„Was gibt's denn nun schon wieder?" trat Bertsch dazwischen.
„Sie haben eben der: Ganter-Philipp gesungen. ge
nommen !"
„Gefangen! Ullsinn! Wer denn?"
„Die vom Erbstollen drüben! Die Verbindung mit der elften Sole ist hergestellt, seit dem Schießen heute morgen. Da ist liun der Ganter als erster durchgekrochen. Mer da haben sie ihn drüben zu packen gekriegt, Steiger Hannschmidt vornweg, und er hat sich Verschwörer!, so täten sie's mit jedem von uns machen, der da dnrchkäme. Sie wollen's nit leiden, das sei ihr Feld!"
„Die Sache wird ja immer toller! Ist der Hamlschrnidt denn total verrückt? Los!" Bertsch sprang vor. „Ein paar handfeste Leute mir nach!"
Und er stieg eilends in den dunkel gähnenden- Felsspalt ein, der sich in steilem Fall nach unten senkte. Manskopf und einige andere Leute folgten ihm, gespannt mt| den Ausgang. Aber nach wenigen Schritten schon stockte der Abstieg. Ein beißender, brandrger Qualm schlug ihnen von unten entgegen und lvurde mit jedem Schritt dichter.
„Den Teufel! Was ist das?"
„Ein Strohfeuer haben sie angemacht drunten." Mühsam, unter krampfigem Husten mix, brachte der alte Manskops die Antwort heraus.
Kein Zweifel, so war es, und der Anschlag des Gegners gelang nur zu gut. All der Qualm zog in der Kluft herauf. Wie un Rauchfang saßen sie hier drinnen. Aber konnte alles nichts Helsen! Man mußte diesem Unfug ein Ende machen.
„Vorwärts, Leute!"
Mund und Augen zusammeugepreßt, drängte sich Bertsch vorwärts. Aber da ächzte es hinter ihm.
„Hilfe — ich ersticke!"
Ein trotziges Ausbäuruen des Willens bei Bertsch. Weiter! Doch dann die bessere Ueberlegung: Nein! Ev durfte nicht Gesundheit und Leben seiner Leute aufs Spiet
setzen.
„UmkehrenLaut scholl sein Befehl durch den Qualm, aber sein Antlitz war noch finster, als er dann wieder als letzter bei den Seinen war. Schwer erschöpft hockten und lagen sie herum und saugten im einziehendeu Wetterstrom die Lungen voll frischer Lust. Auch Bertschs Brust ging schlver. Aber auftecht shand er da. Alles zuckte in, ihm. Dem gefährlichen Burschen^ dem Hannschmidt,


