in tropische Gegenden und unter einheimischen Rafte« kennt, vnlvandelt den Erkrankten in ein gefährliches, wildes Tier. Bon diesem Taumel l>efallen. rast der Amokläufer dahin, Mensch und Tier, Freund und Feind. — kurz. Alles und Jeden um sich her anfallend: er rast wie der Tod in leibhaftiger Person, bis er dumpf niederfallt. Schaum vor dem Munde. Das — lawotzl — das ist ein Amokläufer. i
Und Suddhoo, der urplötzlich mit einem scharfen, schrillen Schrei von seinem Platz am Feuer emporgesprungen war. begann Amok zu laufen! — — Wie ein Sturmwind fuhr er zwischen den Zelten umher, und heisere, gellende Schreie entrangen sich seiner Kehle. Mit der rechten Faust sckMang er das kurze krumme Messer, das sich blitzschnell in die Brust des Leutnants senkte. Der Engländer fiel nieder wie ein Stein, die Zigarette rollte auf den Lehmboden, um abseits zu verglimmen. Weiter raste Suddhoo: tttm englische Unteroffiziere, zwei meiste Sanitätssoldaten sielen unter seiner Waffe. Das ganze Lager tobte in einen! traumhaften Paroxismus des Entsetzens. Und Suddhoo
lief Anrok, lief Amok.bis der englische Arzt ihn Mit
einem Revolver zu Boden streckte.
*
Drei Stunden später fasten der tzauptmann, ein Ordonnanzoffizier ilnd der Arzt in einem Zelt. Sie tranken Tee und rauchten kurze Pfeifen. Und zwisck>endurch sprachen sie von dem verdammten Sudhoo, der Amvk gelaufen war.
„Ich habe schon oft von Amokläufern gelesen," sagte der L>auptmann. Er gehörte der Territorialarmee an und »v-ar noch niemals in den Kolonien gewesen. „Aber das. nein — es tvar fürchterlich! . . . Und ich dnchte, daß der Anfall nur in tropischem Klima zum Ausbruch kommt."
„Hm," sagte der Arzt, „ich habe „drüben" selbst Amokläufer geseheu, mehr als einmal. Daß der Anfall bei Eingeborenen auch in Europa ausbricht, habe ich zlvar auch noch nie gehört, aber immerhin ist es nicht außer dem Bereich des Möglichen. Ettvas anderes ist's, was -den vorliegenden Fall so seltsam, so erschreckend macht. Der Amokläufer gleicht dem Tollwütigen: er bringt jeden um, der ihm Ln den Weg kommt. Jeden, meine Herren! Ist es Ihnen nicht ausgefallen, das; dieser Suddhoo nur Weiße erstochen hat, nur weiße Mitglieder der englischen Armee? Daß kein einziger Inder von ihm angefallen wurde?!"
Sie schwiegen alle drei. Dann sagte der Ordonnanzoffizier — er war bleich geworden, als er sprach: — „Wollen Sie damit sagen, daß . .
Und der Hauptmann fügte mit gedämpfter Summe hinzu: „Was — lwas wollen wir in den Bericht schreiben? . .
Der Arzt lachte, es war unheimlich anzuhörem dieses rauhe, gewaltsame Lachen. Dann sagte er: „Schreiben Sie: Suddhoo. Flügelmann der elften Spahidivision . . . Fall von Amokläufen. — — Denn, nicht wahr, meine Herren, es gibt keine Empörung in der englischen Armee! ..." .
Dann lachte er wreder, der Arzt aus den Kolonien: ein rauhes, gewaltsames Lachen, das unheimlich anzuhören lvar.
gebracht, manchmal aud) von den Soldaten selbst durch die Feldpost gesandt. Doch die letzteren Falle sind seltener, da behauptet wird, dast die Berührung des Gegenstandes durch die Hand des Zensors den sog. inagischen Kontakt verletze oder gar vernichte. Auch kann man stch sstr verhältnismäßig billiges Geld das Schicksal aus den Teeblättern im Bodensatz einer auSgetrunkenen Tcetasse deuten lassen. Da? alles ist zweifellos zienckich unsinnig, aber eS lst begreiflich durch die tluruhe und Nervosität einer solchen Zeit. Die Seher und Seherinnen fahre,; dabei natürlich weitans am besten. Vielleicht hat diese Mode auch den Vorteil, daß sie viel Sorge und Kummer ablenkt, die, besonders in den l reiteren Volksschichten, sonst in, Alkohol Tröstung suchen mußten. Ans jeden Fall können die KriegSprovhcten sich «licht stirer Mangel an Kriegsgcwinuen beklagen. .
' T i e Di l, t t e r Viktor E n» a n u e l S wirdpoetisch. Der „Figaro" ist in der „glücklichen' Lage, einen Kriegshymnns Margaretas von Savonen, der Mutter tcs italienischen Königs, zu veröffentlichen. D,e edle savoyische KriegSporte , ist eitrig bestrebt, Stinnnllng zu lnachcn. Jüngst wurde der 11j ihrige Thronerbe mit Pauken und Troinpcten an die Front (lies letzte Etavpc) gesandt, und jetzt »neidet sich mid» die Großmut! r zu Worte, die hinter ihren» Enkel nicht an patriotischen» Eller zurücknehen w ll. Der Wortlaut des Poen S steht an Phrasenreichtu,»» nickst hinter der Kriegsreklame d'Annunzios zurück. Hier eine Kostprobe: „Italien, »viderslrahlend von der Sonne, die dei»»e herrlichen Flure»» mit ihren goldenen Strahlen beglänzt, hast du jemals etwas Herrlicheres gesehen, als den wundersame»» Heroismus deiner Kinder?* — .Möge jeder sich zutiefst vor diesen Tapferen verbeugen.' — „Gesegnet seien die Soldaten, deren Heroismus den Trann» der Jahrlninderte zur Wirklichkeit gen»acht hat . . .' — »Jeder »nöge sagen: Dank, ihr Brüder, ihr Helden. Dank euch bedecken !»ch die Farben unserer Fahnen mit »reuen», unvergänglichen» Ruhm.' — Dieser «ngesähr z»va»»zign»al so lange königliche Hymnus ist zu Tausende», gedr»»ckt und eingerahmt in de», italienischen Spitälern zu sehen, dan»it er, wie die iranzösischen Zeitlingen betonen, .a!» poetische und patriotische Ctärku»»g die Auge»» der Ver»vu»»deten ersre»»e . .
* St. Bureaukratins in Frankreich. Folgende» bezelckn,e,»deS Gefchichtcheu findet sich »m „l'Oeuvre" : Ein Parller Kaßechausbesitzer »vurde zu achttägiger Schließung seine» Lokales verurteilt, »veil die Polrzei gesehen hatte, »vie — entgegen den» herrschende»» Verbot — ein Soldat nach 10 Uhr abe»»ds in einen» Hinte»-raun» des Lokals bei,,» Essen saß. Vergebens schwor der Wirt alle heiligen Eide, daß kein militärischer Gast sich »»ach 10 Uhr bei ih»>» befunden habe. Die Behörde blieb mrerbittlich. Ver- zlvetfelt »nieder z»» Hause angelangt, stürzte der Wirt sich auf feine,» Kellner mit bei» Worten: „vast Du »»ach l0 Uhr abends einen Soldaten bedient?" „Geivis»,' erwiderte der Kellner. „Wen?" .Sie selbst, Herr." Der Wirt ist nämlich mobüificit und trägt lluifoinu Und er beging das Verbrechen, i»r seinem eigenen Lokal nach 10 Uhr zu Abend zu essen! Die Strafe aber »vurde nicht erlassen. ....
vermischter.
'Hellseher u»»d Kriegspropheten in London. »Niemals " schreibt dl« Times, „untren Männer und Frauen bet un» so sehr darauf erpicht, in die Zukunft zu schauen, »vie heute. Selbst die Leute, die in normalen Zeiten nicht die geheimnisvollen Salons der Hellseher in Bondnrcet und Edgevare besuchten, fragen sich jetzt, ob .nicht doch vielleicht etivas daran ist.' KriegS- prophetie, Magnetismus, bpiritism»»s und Hellseherei 'eiern m London wahre Feste, und die KriegSgewinne der zahlreichen Medien sind mehr als beträchtlich. Man glaubt, daß die Sterne m dieser Zeit verpflichtet seie»», ihre »vrmderbaren Zeichen z», geben, daß die geheimnisvollen Kräfte jetzt, wenn überhaupt, kund tu»» müssen, »vaS verborge»» ist: die Dauer und de»» AuSgang des Krieges. Keß» Wu»»der, daß die Hellseher u»»d -seherinnen »nit Eifer u»»d Geschäftigkeit ait der Arbeit sind. Aber der Krieg, der alles de- einflnßt, hat selbst diesen Zweig »neirschlicher Tätigkeit geä»»dert. Tie Handlesekunst hat all ihre Beliebtheit eingebüßt: sie »st sozu« sagen völlig aus der Mode gekommen. Ihre allgemeinen Phrasen — „Sie »verden Eriolg habe»»: Sie »verdei» eine 'Reise unternehme»»: Hüten Sie sich vor der blonde»» Dame, die sich »nr Ihren Gatten interessier' — waren ganz angenehn» und prickelnd in de»» stille»» Tagen des Friedens. Doch hellte verlangt das Publikum ganz entschiedene, eindeutige Ant»vorte»»: .Werde ich teil durch- koin'nen ?' „Werden »vir siegen?' „Mein Bruder ist vermißt, >vo und »v»e befindet er sich?' Und die Seher haben sich auch tu diese neue»» Bedingungen ihres Geiverbes gefunden. Die gegen- ivärttg in London belicbtefteu Arten der Hellseherei si,»d Hypnose und Kontakt durch Berührung eines der i>» Frage kon»»»»enden Person gehörige»» Gegenstandes. Alle diese Hexenmeister »nänn- lichen und »veibliche,» Geschlechts sind en»sig damit beschäftigt, alte Handschuhe oder Zigaretteirdosen an ihre Stirn zu drücke»», die Augen zu schließe»» und ii» geheiinnisvotlen RedeivendnNge»» dag Schicksal der Besitzer ebet» jener Handschuhe und Zigarettcndosei» z»» offenbaren. Die Gegenstände »verden oft von Verwandten mit-
vüchertlsch.
— Dow Kriege gegen die d e »»t s ch e K u l t u r. Ein Beitrag zur, Selbsterkenntnis des deutschen Volkes vo»» Dr. Oskar Fleischer, Professor an der Becli»»ec Universität. «Verlag von Heinr. Keller, Franftstrt a Ai.). In» jetzigen Weltkriege geht neben dem Kampfe der Heere ein ebenso furchtbarer Krieg der Geister einher. Ihn schildert der Verfasser »nit lebendigen Farben lind »veist nach, daß es sich jetzt un» den Austraq eines mehrtal,sendjährige,» Gegensatzes zwischen der römi'chen und der germanischen Weltanschauung handelt. Mit gründlichcr geschichtlicher Beherrschung des Stoßes, aber in stets anziehender Form »mb in stetigem Hinweis auf den Weltkrieg gibt der Verfasser, abivechselnd zwischen Pathos, wissenschaftlicher Kühle'und Humor, Anregungen von bleibendem Werte. _
versteckrätsel. •
Beilage — Vertagung — Stemmeisen — Schivindler — Meister — Leichtsinn — Hasen — Preiskegel»».
Es ist ein Sprtchlvort zu slichen, dessen einzelne Silben der Reihe nach versteckt sind in vorstehenden Wörter»» ohne Rücksicht aus bereu Silbentcilung.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummerr Me ta
Na de!
Meta, Nadel, Tadel, Delta, Name.
Kchriftleitnng: Aug. Goetz. - Ro1atio»»Sdr»»ck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- »md Stemdrnckere», N. Longe, Sicher


