Ausgabe 
30.9.1915
 
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gehoben. Die lassen solchen fetten Bissen nicht mehr ans den Knallen, und darüber dürste dann wohl der Landesbank der Llppetit vergehen."

Hm der Gedanke scheint mir in der Tat nicht schleckst."

Gut ist er. Ausgezeichnet! Und für alles übrige lassen Sie nur meinen Steiger sorgen, den Hannschmidt. Das ist em Fuchs, mit allen Hunden gehetzt!" Vergnügt lachte der alte Weidmann in sich hinein.Der wird dem klugen Herrn aus Amerika schon genug zu scl>affcn machen."

Und weiter streckend, geleitete der Gutsherr seinen sich nun verabschiedenden Besuch zürn Dorgewöl'oe.

Mit einem eigenen Blick sah Eke von Grund den beiden nach. Es tvar ihr ganz sonderbar zumute gelvesen, wie sie eben der Unterhaltnng zugehört hitte. Als ob eben draußen an der Schwelle dieses weltentlegenen Tals plötzlich einer anaeklopft hatte mit starker Hand. Einer, der die Tur weit ausreißen wollte. UnwilMrlich dehnte sich ihr da die Brust. Nun, und was sagst du zu diesen Neuigkeiten?" Kenner von Grund, der zurüctgekehrt lvar, fragte es die Nichte.

Eke hob langsam den Kops aus ihrem Sinnen.

Ick) meine, es wäre gut. Das Leben will herein in diese Einsamkeit."

Das Leben! Sprichst ja gerade, als ob wir bishev schliefen hier!"

War's denn etlva anders?"

Redensarten! Schass dir Arbeit in Haus und Hof, so hast du Leben genug."

_ . Eke von Grund heftete einen langen Blick auf den Oheim, aber sie schwieg. Wozu reden, wenn man doch nicht verstanden wurde.

f ^ Hbnner von Grund zündete sich währenddessen die er­loschene Pfeife wieder an. Nun sagte er aus seinen Ge­danken heraus geringschätzig:

Der Bursch! So ein Vagabund! Und das will hier alles auf den Kops stellen!"

Doch da sah Eke herüber.

- Ȁariun sprichst du so von dem jungen Bertsch? Er

hat ö doch zu etwas gebracht da draußen. Oder ist's schon Welt?"ern verbrechen, überhaupt hinauszuziehen in die

wer ein tüchtiger Kerl ist und ehrliche Arbeit Glicht scheut, hat s jedenfalls nicht nötig, sich draußen runu-

Q Ul Iv l VV1 1 .

Aber wohl der, der's weiter bringen will, als die andern hier.

So gu£" to ° nen a6er ßar " id)t lDeiter f,iec!

® tuI1 ^ uur bic Schultern und griff

andern Buch. Aber ihre Gedanken gingen einen

das war aus dem Gerhard Bertsch geworden. Sie kannte ihn ja gut. Wie es so geht, wenn man auswächst in Rrst- Und s,e stellte sich den ungeschickten grossen Jungen vor, über de» sie sich manchmal lustig gemacht, wie

Huude^ IC fpVi'Vt >l0CS das mit einem täppischen jungen

hnnJf'Ü 4 . eg r ß edtc Mut in dem Bertsch Gerhard schon Er wusste, was er wollte. Und was er wollte, das K" durch. Im Spiel wie im Ernst. Er lmtte eiucir Staiikopf, ubei den sie sich dauials oft geärgert hatte. Sie

mit/iüaude^ auch stets im Kriegszustand gelebt

trapdeni freute sie sich jestt ordentlich, luitz er da S .lt r "f ^^udl'ck, zu,»packen mit seiner grobschrötigcn :'urdr Ich doch endlich einmal etwas liegcbeu

b b m«rfnm« e " 's" ff ' die Zeit stille zu stehen schien. Willkommen denn wieder daheim, Gerhard Bertsch!

*

^ «olle sechs Stunden hatte Bertsch mit dem Bergver- walter rm alten, baufälligen Zechenhanse gesessen, ohne anf- zusehen von den Grubenbildenr, die sich unter seiner Hand bedeckt hatten. Nun aber schob er doch dw Plane zarück. Er zog die Uhr dicht vor zwölf Da lachte er und blickte zu dem Verwalter hin. 0

Na, da werden lvir doch wohl mal 'neu Auaenblick a fhoren nni.ssen, ManSkopf. Ihre Familie will ja schließlich auch noch was von Ihnen haben ain Soirrrtag. Also denn o^n W 3(1 ~~ Punkt sechs bin ich wieder hier ,

Der Verwalter erhob sich. Im Laufe dieser Stunden hatte er seinen Frieden gemacht mit dem neuen Herrn. Wollte ihm auch vieles von dem, was er gehört, nicht in den alten Kopf, das eine hatte er doch erkannt: Er verstand etwas von der Sache und tvnßte, lvas er ivollte. Da mußte man sich denn wohl absinden mit den neuen Verhältnissen. Und mit einem Gruß, der noch imnrer grollte und doch schon insgeheim Versöhnung bedeutete, ging er.

Gerhard Bertsch nicrte ihm nach, mit einem Lächeln. Ja, so waren sie eben einmal hier, die Leute im RanheiF Grund. Immer erst durch Gegnerschaft kam man zur Freund­schaft. Aber die hielt nachher auch doppelt dafür. Na, ev und der Manskopf, sie würden sich auch noch verstehen lernen.

Und Gerhard Bertsch erhob sich nun auch seinerseits', griff nach dem Hut und trat jetzt vors Haus. Sein Blick glitt hinunter zu dein Ort. Er lag in feiertäglicher Stille. Ans allen Häusern kräuselten weißf-blane Rauchwölkck)en auf. Dort schmorte der Sonntagsbraten. Da fiel es ihm ein: Seit vier Uhr heute früh, wo er von der Bahnstation aufgebrochen zu feinem Waldgang hierher, hatte er nichts' mehr genossen. U,id damit stiegen all die Fragen des täglichen Lebens auf, die doch hier auch noch zu erledigen waren. Wo würde er wohnen und sich verpflegen?

Einen Augenblick blieb Bertsch stehen, aber gleich wieder schritt er weiter. Was sich lange aushalten mit diesen Nebensächlichkeiten? Er würde sich fiirs erste einfach, im Hirschen" beim ReuschHannes in Quartier geben. Da war man ganz, gut aufgehoben, wenigstens früher.

So kam Gerhard Bertsch vor Reuschs Gasthof. Er nickte befriedigt. Ja, alles noch beim alten! Behäbig und freund­lich grüßte ihn das Haus mit den grünen Läden an dev sauber geweißten Wand. Und auf der Blank über der Vor­treppe saß, tvie früher immer des Sonntags auch, die Neusch-Mutter. Geruhsam hatte die alte Fvau die Hände nn Schoß gefaltet und blickte sinneick vor sich hin tu das SonnengesUmmer.

Schnell sprang Bertsch die paar Stufen empor.

Grüß, Gott, Mittler Reusch! Na, kennen Sie mich noch wieder, den Amerikasahrer? Den Bertsch Gerhard, mit dem Sie so manchinal Ihre liebe Not gehabt als Jungen?"

Lachend schüttelte er ihr die Hände, indem er ihr voll ins Antlitz sah.

Was Sie sich gut gehalten haben, Mutter Reusch! Ja, gar nicht verändert. Noch genau so, wie vor zehn Jahren." 0 '

Doch nicht ganz, Herr Bertsch ich sehe Sie nicht mehr." '

Was denn!" Er schrak zurück und starrte auf ihre Augen, die ungewiß nach ihm suchten. Ta fügte er leiser hrnzu:Wirklich?" '

Die Reusch-Mutter uicfte ruhig. Ihr feines Altstauen­gesicht unterm blendend weißen Häubchen behielt seinen freundlichen Ausdruck, tvie sie nun .erwiderte:

Ja, blirrd seit drei Jahren schon." ,

Aber mein Gott, wie kommen Sie denn dazu, liebe Mutter Reusch? Sie, die Sie doch immer so gesund waren Zeit Ihres Lebens!" '

Gott hat mich wohl strafen wollen damit."

Strafen?" Unwillig klang es.Wenn je ein Mensch gut war, dann doch gewiß Sie!"

(Fortsetzung folgt.)

Heimat.

Kriegserinnerungen von Robert Scholz.

Die draußen gewesen sind, wissen was es heißt: Heimat! E cZNn^^rsasscn wie wunderbar schön Deutschlands Gaue sind, im Glanze der Frühlingssonne, m der Reife des Sommers, in den m? dkEs und in der starren Kälte das Winters. Hnmat! Wie wenige verstehen und kennen dich. Reisen in der Welt herum und oualen sich mit wirrem Kopf und ermattetem I n * a f b ' Husch-Husch die Naturschönheitm fremder Länder in sich zu pfropfen und verlieren dabei das Schönste und Beste aus den Augen, die Erkenntnis für die hehre Schönheit ihrer eiaenen deutschen Heunat, In keinem Volke ist das H^imatsaefühl ausgeprägt, wie m dem deulsckx'n; wollten doch alle m diesen ulch^hegen"^" Zugchörigkeitsgefühl zur Heimat besser pflegen

welcherBegeisterung heimkchrcnde ver- tvnndete Gruppen den deutschen Boden begrüßen. Biele Monde