mir's auTommt! Und so lang ich's nicht bin bleib ich eben Hirt."

Hart stieß der sonderbare Alte mit seinein Stecken auf. Gebieterisch sah er eine Weile hinab zu Tal, wo die Nebel noch brauten. Und wieder sank er nach dem jähen Ausbruch tu jene VerworreulM zurück. Wie im Vertrauen flüsterte er jetzt dem Fremden zu:

Aber meine Zeit kommt, sage ich Ihnen, Herr! Ich spare und spare. Alles, !vas ich verdiene. Und sobald ich genug beisammen habe, dann geht's los. Dann prozessiere ich mit dcni Herrn Vetter drunten, um Haus und Hof. Alles soll mein sein. Und es wird geraten. Es gibt ja doch noch ein Recht ans der Welt! Ich"

Da unterbrach ihn der Fremde, jetzt mit offenem Spott.

Wem erzählt Ihr das alles, Tillmann? Ich kenne» doch Euch wie Eure ganze Geschichte."

Dem Alten sprang der Zorn aus den Augen.

Wenn Sie wissen, iver ich bin, so nennen Sie mich, wie'ö mir zukommt!"

Doch der andere lachte noch immer; voll Uebermut, wie er es in der Jugend so manchmal getan bet dem närrischen Kauz.

Nun gut so sagen wir lieber: Herr von Gruard. Tillinann, Edler Herr von und zu Grund, derzeit Ge­rne in dehirte zu Rödig."

Jalvohl, das bin ich. Und ist das etwa eine Schande? Verdien' ich mir nickst ehrlich mein Brot? Ehrlicher, als wenn ich das Gnadenbrot äße von meiner Srppe da drunten!"

Ganz ruhig sagte eS der alte Mann. Mer das graw- stoppelige, verwitterte Gesicht hatte plötzlich etwas bekom- rueu, daß dem andern unwillkürlich das Lackmen verstummte. Wie Besclmnulng kam eS über ihr:, daß mit den Erinnerun­gen der Jugend auch knabenhafter Uebermut itber ihn ge­rounneu war. Doch schnell hob er wieder den Blick. Seme Rechte streckte sich dem Men entgegen:

Niclsts siir ungut, Tillucann von Grund. Es war nicht bös gemeint. Und Jl)r habt reckst. Seiner ehrliä-en Arbeit beucht sich niemand zu schämen. Mer mm sagt: Kennt BTjr mich denn gar nicht mehr?"

Das Auae des Hirten glitt pritfend dem Fremdling über das Gesicht. Ein kurzes Nachsinneir, dann hoben sich feine Graubrauen:

Der Bertsch^Gerhard sind Sie der Amerikaner."

Richtig geraten!" Und erfreut schüttelte der andere dem Hirten die knochige Hand.Allerhand Achtung vor Eurem Gedächtnis."-

Wollen Sie nun wieder hier bleiben, in der Heimat?"

Ja, Alter, das will ick>" Froh und kraftvoll klang es: ^Hab' rnich lang genug herum ged rückt in der Fremde."

Tillmann nickte.

Glaub's wohl. Freilich, es muß doch auch schön sein so draußen in der weiten Welt. Als ich noch jung war, da zog'S mich auch hinaus. Aber, es hat halt niö sein sollen, und ich bin's auch so zufrieden. Der Mensch muß sich schicken lernen."

Meint Ihr wirklich, Alter? Ich denk mir: Sich lieber nicht schicken, sondern die Dinge zwingen, wie man sie braucht."

So denkt junges Volk immer. Aber auch Sie werden's schon lernen."

Na, einstweilen jedenfalls noch nicht. Und die da drun­ten sollen'S bald spüren! Ihr werdet Eure Freude haben; auch ich will dem alten Herrn im Adligen Hause cinheizen. Und gebt acht es wird bald brennen. Lichterloh sage ich Euch!

Der Junge lachte aus kampfsrohcn.Augen. Dann aber winkte er dem Hirten zu.

Na, macht's gut, Tillmaun. Es zuckt mir in den Meinen, daß ich hinunterkomme."

Noch ein Nicken zum Abschied, und mit starken Schritten eilte er zu Tal.

Gedankenvoll schaute ihm der Alte nach, bis das Busch­werk drnnten ihn verschlungen hatte.

, Gerhard Bertsch aber umfing wieder der Wald mit seinein Schweigen. Nur das Knacken des dürren Gezweigs unter seinem Fuß brach durch die grüne Einsamkeit.

. . So schritt er lange dahin, immer unter dichtem Blätter- ü.ach- Bisweilen lichtete es sich. Da lag im Walde verloren rrn kleiner, ebener Platz, grasbestaudeu. Doch mitten drauf

eine^chwärzlich-araue Schutzböschung, hier und da wohl auch rostzersressenes Eisengerät. Alte Halden waren es, von ver­lassenen Bergwerksstollen ein Zeichen, dag er sich den Siedelungen der Menschen nahte. Ilngeftümcr noch ward Gerhard Bertschs Schritt, und nun trat er aus dcni Walde heraus.

Dort lag das alte Land vor ihm, dem sein Sehnen ge­golten, zehn lange Jahre hindurch. Das weite, langgestreckte Wiesental des Rauhen Grunds, rings von bcn Höhen ge­säumt. Noch känipften die Nebel um feinen Besitz. Aber siegreicher war die Soiine, die gerade strahlend über den Bergkamm emporstieg. Die durchbrach das Nebelheer. Da verkrochen sich seine versprengten Reste nach allen Seiten, hinaus in die Schlüste der Bergtäler.

Frei ward der Blick. Gerhard Bertsch stand still. Sein Auge unterschied jetzt den aufblinkenden Fluß. Aus dem zer- slatteruden, sonnendurchleuchteten Morgeudunst traten die Umrisse der Bäume und Häuser. Silbrig glänzten die Schieferdächer. An den jenseitigen Berghängen brachen scharf gezackt die dunklen Spitzen der Tannen durch. Immer gol­dener zitterte es in der Lust, bis nun der Sonnenschein u:v- gehindert weithin den ganzen Grund überflutete, in sieg­reicher Pracht.

Und er drang auch dem einsamen Frühwandcrer in die Brust, daß sie sich weitete, in schwellender, morgenjunger Kraft. So grüßte ihn die Heimat, nach langen Jahren draußen in der Fremde! Aber er verdiente auch solchen Gruß. Als ein treuer Sohn kam er ihr wieder. Und nicht mit leeren Händen.

Freudiger Stolz leuchtete aus den Augen des Schauen­den, wie sie das grüne Waldtal da drunten überflogen. Schön war die Heimat, doch arm. Aber er wollte sie reich machen! Reich, geachtet und berühmt. Weithin sollte der Name des Rauben Grunds klingen. Das lvar seine Gabe, die er ihr aus der Fremde heimbrachte.

Sein Blick schaute voraus in die Zukunft. Sah ragende Essen, schwirrende Räder, ein Gewimmel werktätiger Men­schen. Von den Berghängen dröht'e klirrender Sang der Eisenhämmer wieder. Die rote Lohe züngelte lustig aus den Kaminen. Und noch weiter rückwärts stürmte der vorans- schauende Blick.

Doch genug Maß gehalten! Sich nicht ins Uferlose verlieren! Schritt für Schritt seinen Weg machen, mit ge­sammelter Kraft. So allein gelangt man ans Ziel.

Da riß Gerhard Bertsch sein Auge los von dem Bilde dort drunten, und mit ruhigem, aber fördernden! Schritt legte er den Rest seiner Wanderung zurück.

Nun näherte er sich der Zeche Christiansglück. Sie lag bei dem Oberdorf, auf halber Höhe des Berghaugs, noch ein gut-Stück oberhalb der letzten Häuser. Es war eine Grube alter Art, wie sie alle hier im Lande, wo man schon zur Zeit der Kreuzzüge Eisen grub und schmiedete. Rußgeschwärzte, unansehnliche Fachwerkbauten gleich neben dem Schacht.

Heute am Sonntag war der Zechenplatz von Menschen verlassen. Nur vor dem baufälligen Maschinenschuppen stan­den zwei Männer und rauchten ihre Pfeife. Der Heizer, der das Feuer im Kessel ja auch den Feiertag über halten mußte, und der Bergverwalter. Behaglich, sich der Sonntagsruhe freuend, schmauchte der Heizer; aber der alte Manskopf, der Betriebsleiter der Zeche, stieß mit finsterer Mickne die Ta­bakswolken von sich. Sie sprachen von dem neuen Herrn, den sie erwarteten. Schon zu dieser frühen Morgenstunde hatte er ja bereits sein Kommen angemeldet. .Es sollte nun vorbei sein mit Manskopss Selbständigkeit.

(Fortsetzung folgt.)

Das Perspektiv».

Skizze aus Deutschtirol von Hilha P o v i n e l l i (Wien).

h>ar nit schlecht, gar nach unserm deutschen Lmrdl tat stes glüsten, Katzelmacher, wia sagscht, Postinger? Himmi- sakra überanand?" Der dicke Gamsenwirt ballte wntschnaubcnd die Fäuste und schüttelte sie unter gotteslästerlichen Flüchen auf die Übermütigen Welschen. Der alte Postbote-schob das geleerte Gläschen Kirschgeist von sich und klopfte den aufgeregten Mann beruhigend auf die Achsel.

Mt so gach, Gamsenwirt, fischt könnt di vor lauter Gall und Gift 's Schlägl treffen. Und war jetz decht schad um a MannsleM, was no an Stutzen halten kann. Den welschen Facken werden: wir den Glust auf unser Landl mit BstchB und Kolben gschwind