Abschuß stark dezimiert worden, woran beide Gegner bete:l:gk waren, insbesondere huldigten aber die russischen Offiziere diesen: seltenen Jagdvergnügen. Einen solchen forcierten M schuß aber verträgt dieses Wild keineswegs, da es schon durch den früheren Abschuß starker Hirsck^e teilweise geschwächt lvar. So sind denn leider nicht unbegründete Befürchtungen für diese Perle der Kar- patbentierwclt zu hegen. Aber auch unsere Haustiere finb durch den Krieg betroffen und voraussichtlich selbst viel ärger, alö nran auf den erste:: Blick hin meüren mag. Noch ist ja der Schädels welcher Teilen der Tierzucht, besonders der Rassenzucht zugefügt ist. nicht abzusehen, aber unbedeutend ist er keinesfalls, soweit Haustiere in Betracht kommen, die uns durch ihr Fleisch nützen. Bei einen: .Haustiere ist die gelvaltige Veränderung in den Bestandziffern selbst dem Laien erkennbar, besonders wenn er de:: Etappcu- linien der Heere folgt und dort die Tausende Kadaver gefallener Pferde erblickt. Der Verbrauch an Pferden im Kriege ist ein gewaltiger, und so groß die Bestände auch finb, am Ende des Krieges' iverden sie doch furchtbar gelichtet sein.
Vermischtes.
'Die neue Fliegersprache. So jung die Fliegerei ist, so hat sie doch schon ihre eigene Berufssprache gebildet, die sich dein altbekannten „Kammißwelsch" würdig angliedert. Für diese neue Entwicklung der Fliegersprache erbringt der zurzeit im Felde stehende Rechtsanwalt Dr. Rudolf M a t h e s in der „Zeltjchrist für deutschen Unterricht" eine Reihe bezeichnender Beispiele. Ter Beobachtungsofflzier heißt Franz, eine etwas alltägliche Bezeichnung, au der der Flugzeugführer Leutnant Blütbgen, der Sohn des bekannte!: Schriftstellers (im September 1914 in Frankreich gefallen) schuld sein soll. Als ihn bei einem Manöver der kommandierende General fragte, >vie seri: Beobachter heiße, antlvortete Blüthgenr „Exzellenz, das weiß ich nicht: ich nenne ihn Franz/ . . . Das Flugzeug ist die „Kiste" ; einen schlechten Apparat, z. B. einen, der nicht steigt oder sich unheilbar verzogen hat, nennt man gering- chätzig eine „Eierkiste" oder „Klamotte". „Grüne Frösche" oder f„grüne Hunde" sind die mit grünlichem Stoff bespannten Kampf- flugzeuge (Typ Eaudron). Tie schnellsteigenden und schueüftiegendel:, mit Maschine»,gewehren bewaffneten Kampfflugzeuge der Franzosen helßei: auch „Bauernschreck" oder Eerberus. Boi: der Arbeit deS Motors entlehnt der Flieger manche Bilder. Spricht jemand ungewöhnlich schnell, so redet er „mit 1400 Touren". Sitzt inan beim Kartenspiel in, Verlust und beginnt allmählich zu gewinnen, so „holt n,an auf" oder „kommt endlich auf Touren". Soll geflogen werden, so wird dem Aussteigenden in altern atavistischem Aberglauben der sromine Wunsch „Ha und Be Be" uachgerusen, d. h. „HalS° und Beinbruch", oder „Gut Kleinholz!" Jlt kein „Flng- ivelter", so ist „Flaschenweiter", und man beschäftigt sich an: besten mit einer Buddel, wenn eine da ist. Geht rnan bei niedrig hängenden Wolken los, so gerät rnan bald in eine „Waschküche" und hat Mühe, sich ans den: „dicken Dreck" herausznfinden. Abstürzen heißt in der Fliegersprache „abschmieren". Rauh und hart wie der Beruh der ständig ai: den Toren des Hades vorübersührt, ist auch die Sprache, und manche Fliegerausdrücke lassen sich :>: ihrer urwüchsigen Terbheit höchsten- in einen: Speziallexuon Mitteilen. . . Seme Abmursbomben nennt der Flieger Knallbonbons, Knallerbsen oder E,er. Die kleinen Handgranaten heißen auch amtlich „Fliegermüuschen". Tie Luftichisfer mit Frei-, Fessel- und Lenkballons bilden die „lächerliche Kolckurrenz" und ihr Ballon heißt Gasblase. . . Gern braust der Flieger in: Krastwage», daher, weshalb man von einer „Automobilitis bellica amforum“ spricht. Im allgemeinen liebt er die „Kanonen", die starken Wagen von 60 und mehr PS, begnügt sich aber im Notfälle mit einer „Mucke- picke" oder einem „Chausseefloh", wie die verschiedenen Forrnen der Kleinautos despektierlich heißen. Die OfsizierSversammluug heißt auf einigen Flugplätzen Palaver, offenbar aus den Erinne- rnngei: irgend ei,:es alten Afrikaners annektlert; der Feldgeistliche aber ist der „gciveihte Zeitgenosse" oder „Himmelsfähnrich". Wer sich viel darnit beschäftigt, daß er das E,ferne Kreuz noch nicht har, leidet an „ferrocrunitis“, an Kreuzschinerzen. Wenn man noch erwähnt. daß der Flugzeugführer es entschieden ablehnt, ein bloßer „Lnstchanffeur" zu sein und als „Heinrich" dem eingangs zitterten „Franz" zur Seite tritt, so hat inan die recht kurziveiligen Grundzüge der Fliegersprache leidlich erschöpft, in der der Humor so nahe beim Ernste liegt wie in, täglichen Kampsesdasein der Flieger der Absturz neben der glücklichen Landung.
' Wozu bte Pariser bie Kriegsautos gebrauche n. Der französische Kriegslninister hat kürzlich den Gouverneur von Paris und die kommandiereuder» Generale auf einen Mißbrauch hingeiviesen, der sich in weiten Kreisen breit gemacht hat: Es hat sich näinlich herausgestettt, daß die für den Heeresdienst regnirierten Autos, die ausschließlich für die Zwecke nalionaler Verteidigung besinn,,:t waren, auffällig viel von Privatpersonen benützt werden, die mit dem Militär und seinen Angelegenheiten höchstens nur eine sehr indirekte Verbindung habe». Es handelt sich dabei hauptsächlich um Geschäftsleute, die ihre Kunden in dieser nnlitärischen Ausinachung besuchen, um Freunde und Freundinnen der Soldaten, die galant durch
Stadt und über Land gesahreu werden, um ganze Familien n:it den Annnen und den künftigen Soldaten von — 1934 und 1935. Diese kostenlosen Autofahrten scheinen besonders das Sonntagsvergnügen zahlreicher friedlicher Bürger zu bckd-n, denen die 'Anwesenheit eines nnlitärischen Ehauffeurs daS ängstliche Achtei, auf die Taxe erspart. Ter Kriegslninister hat jetzt energische Anordnungen getroffen, die diesen: Unfug ein Ende bereiten sollen und die Zuwiderhandelnden mit strengen Strafen bedrohen.
• Der Hund a l 8 T e l e p h o n i st. Die französischen Zeitungen sind unübertrefflich im Erfinden von Geschichten, die die Ueberlegenheit ihrer Armee beweisen sollen. Da die Quelle der Heldenabenteuer der „Pollns" aber bereits ziemlich erschöp't ist, und da daS Lesepubbknm Abwechslung braucht, sind gegeuwärlig die hervorragenden Leistungen der französischen Kriegshuude an der Reihe. Eine dieser für die gallische Zeitungsphantasie bezeichnenden Hundegeschichten sei hier in, Wortlaut des „GaulotS" wiedergegeben: „Der beste unserer Kriegshunde ist sicherlich „Turo", der zu ganz besonderen: Dienst ausgebildet wurde. Nachts laust „Turo", einen kleinen Telephonapparat, der durch Draht ,uit unserei, Horchposten verbunden ist, in: Maule tragend, so nahe als ,nöglich än d,e feindlichen Stellungen heran. Er legt den Apparat vor sich auf den Boden, setzt sich im Schutze deS Dunkels nieder und horcht. Wenn der Feind zu einen: Strellznge ansbricht oder sonst eine Bewegung in den feindlichen Stellungen inerkbar wird, bellt „Turo" leise sünsiual in die Muschel des Telephons. Nachdem er uns so benachrichtigt hat, packt der wackere Hund den Apparat wieder mit den Zähnen und rast in gestreckten: Galopp zu uns zurück."
Vüchertlfch.
— K u n st ,v a r t. Zweites S e p t e m b e r h e f t. (Krieg-- Ausgabe. Vierteljährlich 3,25 Mark.. Verlag von Georg D. W. Eallwey, München.) Das Heft bringt die Ankündigung, daß der neue Jahrgang den Obcrtitel „Deutscher Wille" führen soll. ES enthält folgende größere Aussätze: Gtaunoni, Wir und die Fremden. AvenartuS, Musterbuch-Kitsch. Wolfgang Schumann, Bücher über Rußland. Wilhelm v. Blume, Keine Parteien mehr ? Karl Jentsch, Umorientierung. Die Rundschau bringt u. a. folgende Beiträge: Bonus, Ehrgeiz und Sachlichkeit. Züricher, Tie beiden Hurra- Schumann, Maarten Maarkens f. Wienecke, Old Shalterhand tm Weltkrieg. Arend, Zur Pflege der älterer: Musik. Stapel, „Ter Weltkrieg und die Zukunft des deutschen Volkes". Lernbke: Kriegs- arbeit aus den: Lande. Ferner: Feldpostbücher. Eisenmänner und dergleichen. Die Neuordnung der ReichSfinanzen. Btlderbellagen: Bruno Bielefeldt: Trüber Abend in der Vetrisiraße (farbig); Das brennende Dorf; Straße durchs Moor. Notellbeilagen: Kuhnan, Biblische Historien; Muffat, 5. Klavier-Suite.
-Die Hefte 41 und 42 der Krtegszettschrift „Der Völkerkrieg" (Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart) bringen die Tarstellui,g der Ereignisse von der Westfront von Mitte Januar bis Mitte Mai 1915. Den stitnmringsvollen Auftakt bildet der Aussatz „Drei Kriegslteder" von Professor Wilhelm Wnndt. In lichtvollen Gesamtdarstellungen und farbenreichen Einzelschilderuirgen ziehen dann die Kämpfe bei Soissons, Hurte- bise, Massiges, die furchtbare Champagne-Schlacht, die Käiupse int Abschnitt Lille—Arras und der Waldkrieg in den Argonnen an uns vorüber. Reizvoll, spannend, sa herzbewegend sind wieder eine Ai:zahl der Einzeljchilderuilgen, und die besten darunter sind ohne Zweitel die der Mitkämpfer selber. Sie kenne»: nicht die Kunstinittel, mit denen der berufsmäßige Schriftsteller Wirkung macht; aber das Erlebnis wirkt bel ihnen »nächtiger als alle Kunst. Man lese einmal die Erzählungen und Schilderungen auS dem Gefecht von Hurtebise, die eines Artilleristen vom deutschen Vorstoß bei Massiges und die Feldpostbriese aus den Kainps- und Ruhetagen im Argonnenrvald. — Neben dem Wort stehen an paffender Stelle ans eigenen: Blatt die zahlreichen technisch vortrefflichen Bilder: auch finden sich UebersichtSkärtchen des Geländes der Ehampagneschlacht und deS Kampfgebiets Lille—ArraS.
Stal-Aufgabe.
Mittelhand (M.) sagt Grand an auf folgende Karten:
Ist eS möglich, das Spiel zu verlieren, wenn noch 15 Augen im Skat liegen? — Wie waren die Karten verteilt und wie wurde gespielt? Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummert Eisenach (Eil — Achsen — Eisen — Ach!)
^ ljtzchrlltleituttg: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen


