anher anderen schönen Gedachten das „Lied vom braven Torfschul- meistcrleiu" imd das l>ekannde Karwfselllied: „He;chei, herbei zu meinem Sang. Hans, Jörael, Michel, Stoffel usw." verdanken, hat uns auch ein 'hübsches „Lied im ZlvetschgenherbsZ' beschert, daH folgend crmahcn anhebt:
„Herunter, ihr Zwetschgen^
Herunter vom Baum,
Tie Birben und Mädchm Erwarten es kamn,
Ihr l)abt nun sckwn lange Die Zweige beschämrt,
Klipp klapp nnt der Stange Die Aeste geleert."
Im weiteren Verlauf seines Gedichtes begibt sick der gut« Piedernreier Sanier mif das etymologische Gebiet. Er singt! „Was wie ein Magnet wirkt.
Das nennt man magnet'sch Was leicht sich entz-wei machte Ist Zweitsch oder Hwetsch,
Von Zwei entsteht Zwilling,
Zwirn, Zwiesel und Zwist,
Wahrscheinlich, daß Zwetschge 'Ein Schwcsterwort ist..."
Die Etymologie war nicht die stärkste Seite nnsers guten Dichters; e-r befand sich bezüglich der Erklärung des Wortes „Zwetschge" vollkommen aus dem Holzwege. Zu seiner Zeit war allerdings noch nicht die richtige Erklärung des Wortes bekannt, die unseren Sprachforschern erst in neuerer Zeit gelungen ist. Manchem wird es freilich nicht recht einleuchten, daß das Wort „Zwetschge" oder „Zwetsche" von äamn 866 nnm (zu ergänzen ist prunum-Damaszener Pflaume) abzuleiten ist. Nach den Forschungen von Kluge und Weigand entstand ans Damaskus (diese Bezeick>- mmg ivcn- um 1600 bei uns üblich) Dmaskin, daraus Dwaskin und schließlich Zwaskin. Nebrigens nennen auch die Engländer eine bestimrnte Pflaumensorte damase plum oder damson. Dem Worte Pflamne (althochdeutsch pfrüma) liegt das lateinische Wort prunum zu Grunde; bei Plinncs ist von einem piuunm 6 ama- Leenum die Nede; diese Benennung weist also die beiden Grundworte der norddentsrhcn Bezeichnung „Pflaume" oder der siid- deutscheu Benennung ;,Zwetschge" auf. Der Norddeutsche spricht von Pflamnenkuchen, der Süddeutsche von Zwetschgeukuchen oder Zwetschenkuchen. Unsere Ponrolögen sind bemüht, die länglichen Pslanmensorten als Zwetschgen von den runden als Pflaumen KU unterscheiden,' und diese Unterscheidung bürgert sich bei uns immer mehr ein. Im Elsaß sagt man für Zwetschge gewöhnlich Quetsche: dieselbe Bezeichnung führt dort ein Stück Kautabak, das im übrigen Deutschland Priem oder Prieme genannt wird. Das Wort „Priem" ist ebenso wie die Sitte des Tabakkauens niederländischen Ursprungs; pruim heißt im Holländischen die Pflaume (nach dem lateinischen prunnm): mit derselben Bezeick>- nung belegten aber auch die Holländer die Stückchen Kautabak, die znm Kauen in den Mund genommen iverdeu, weil sie kleinen getrockneten Pflaumen ähnlich sehen. Als die Sitte des Tabak- kauens von den Holländern zu uns gelangte, entstanden so unsere Worte „Priem" und „priemen". Wer würde es diesen ohne weiteres ansehen, daß sie nnt der Pflaume etwas zu tun haben und also ans deren niederländische Bezeichnung pruim zurück- znfübren sind? Nur so aber kann man es sich auch erklären, wie das Wort „Quetsche" im Elsässischen sowohl die Pflaume al^ auch ein Stück Kau- oder Priemtabak bedeuten kann.
vermischte».
* Englisches Musikleben in 91M)leben. Ab und 0 it entschlüpfen der englischen Presse Bekenntnlsse und Mitteilungen, ouS denen hervorgeht, wie gröblich sie ihre Leser belogen hat, indem sie behauptete, das; die Behaudlnng der Engländer in den deutschen Gefangenenlagern 311 wünschen übrig lasse. Co bringt der „Musical Standard" einiges über das Musikleben im Zivilgesangenenlager Ruhleben, woraus jedenfalls sich ergibt, daß die Insassen dieses Lagers völlige Freiheit genießen, wenn sie sich durch geistige und künstlerische Anregung die Zeit ihrer unfrei,rilligen Gefangenschaft vertreiben wollen.» So hat der in Nuhleben gefangene Mr. Edgar Bainton eine Nelhe von Vorlesungen über Musik gehalten, die so viel Zuspruch gesunden habe,», daß er jetzt eine neue Vorlejnngs- reihe zu beginnen gedenkt, worin er einzelne Meister der Tonkunst besprechen will. Er sieht ans diesem Gebiete in lrenndschastlichem Wettbewerb mit Mr. Leigh Henry, der Vorlesungen über Musiker der Gegemvart, darunter Schönberg, Frederick Delins und Igor Strawinski, hält. Ern anderer der englischen Gefangenen, Pro- srssor Aryeeson Treharne anS 'Adelaide, hat 31 , einer im Lager von Nuhleben jüngst gegebene«; Vorstellung von Shakespeares „Was Ihr wollt" eine Musik geschrieben, die anS 60 Elnzelstücken, teilS Liedern, teils instrumentalen Stücken, besieht und die nach dem Urteile des erwähnten Mr. Henry sehr originell sein soll. Professor Treharne arbeitet gegemvärtig ai« einem dreiteilige«« Musikdrama.
^Wieder eine Tierart auSgestorben. Die Zahl der völlig auSgestorbenen Tierarten ist wieder um eine vermehrt worden, was um so beda«,erlicher ist, als ed sich um eine be- so««ders schöne und merkwürdige Art handelt. Wir meinen die amerikanische Wandertanbe (Ectopistos migratorius). Dabet war diese Tierart vor einigen Jahrzehnten noch so zahlreich, daß niemand auf deu Gedanken ihres so baldigen AussterbenS gekommen wäre. Die Schilderungen ihrer Wanderzüge lesen sich wie Märchen, und ihre Menge ließ sich o't nicht einmal schätzen. Ein einziger Schwarm soll bis zu zrvet Billionen Stück enthalten haben. Ihre Züge verdunkelten oft tagelang die So»«ne, und der dabei entstehende Lärm war meilenweit zu hören. Die Schnelligkeit dieser Tauben «var derartig groß, daß sie in weniger als drei Tagen von Amerika nach Eurova stiegen lonnten; einzelne Exemplare sollen diese Strecke gelegentlich anch durchflogen haben. Ttesen lieblichen Geschöpfen wurde die Gewinnsucht und die Schießlvut des Herrn der Schöpfung selbst zum Verderben, der ihnen an ihren Brnt- plätzei« auflauerte und sie dort in Masse«; niederknallte. Man trieb auch ganze Schweineherden hinzu, die an Ort und Stelle mit dem Ueberfluß der erlegten Tauben gemästet wurden« Die Folge war, daß n;an schon 1888 keinen einzigen Brntplatz «r;ehr entdecken konnte, doch wäre«; damals wenigstens in den meisten Ziergärten noch Exemplare vorhanden. Doch auch hier in der Gefangenschaft starben sie allmählich aus, so daß ,na«; ii; den letzten Jahren ohne allen Erfolg hohe Preise ausgeletzt hat, «mr wenigstens noch ein einziges lebendes Pärchen zu entdecken. Nun kommt aus Amerika die Kunde, daß am 1. September auch das letzte auf Erden noch lebende Einzelexemplar dort gestorbe«; ist. ES handelt sich u«n ein weibliches Tier, das 29 Jahre lang im Zoologischen Garten in Cincinnati gehegt worden ist. Wir wollen hoffen, daß eine so schonungslose Ansrottu««g einer Tierart in Zukunft keine Wiederholung finden möge.
Sücherttsch.
— Der Heldeltkamps der Türkei an den Dardanellen und auf Gallipoli hält die ganze Welt i«; Spannuna, da die Erkenntnis allgen;ein ist, daß die Entscheidung im Weltkriege durch die Bezwingung der Meereitgen zun; mindesten mit beeinflußt würde. De«n lebhaftesten Interesse werde«; dar««m die Zeichnungen begegne«;, die die L e i p z; g e r „I l l u fl'i: i c r te Zeitung" (Verlag I. I. Weber) tu ihrer neuesten Nummer 3766 (Kriegsnummer b9) vo«; ihrem aus den türkischer; KriegSichauvlatz entsandten Sonderzeichner Georg Lebreckrt bringt und die u«;s sowohl von de«; Kämpfen an den Darda««ellen wie aus der Halbinsel Gallipoli eine wirklichkeitSgetrerre Anschauung vermitteln. Auch an; Bospor«,s halte«« unsere türkischen Bundesgerrossei; tapfere Wacht. Die Landschaft ar«; Kastell Numeli Hissar zeigt ein vterfcnbig wieder- gegebe««es Bild nach einem Gemälde von Georg Macco. Interessante Motive von« westliche«; Kriegsschauplatz führen n««s Zeichnungen vor; Max RabeS, Marlin Frost «md Berthold Adolph vor, solche vo«n östlichen Kriegsschauplätze M. Gause, Hrigo Ungeioitler, Karl Storch, Richard 9lßmam; und Viktor Schramm. Die Wiedergabe photographischer Aufnahme«; fehlt nicht. Von de«; in der Nnmmer eiithaltene«; Llrlikeln fesselt insbesondere „Die Be- deutn«;g der Neligio«; im Völkerleben" von Professor Dr. Karl Dunkmann in Greifs,vald. Einen warmherzige«; Appell an daS deritsche Volk richtet Bankdirektor Tr. Weber in seine;;; Aufsatz „Tie dritte Kriegsanleihe". lieber „Handgranaten u,;d Minen- «verier", die in de«; Tagesberichten der Obersten HeereSle«t«ing so häusig erivähnt werde«;, orientiert Generalle«>ti«ant z. D. v, Rphne. Eine ergreifende Lazarettgeschichte erzählt die Schivesler Ilse Heye.
Charade.
Tie Erste ze««gt vor; Wohlbehagen,
Ist auch als Nahrung sehr begehrt.
Tie Dritte und die Zweite trage»; Geschwinde dich zum hciin'fchen Herd.
Doch wenn die Dritte «;ebst der Zweite«; Nicht aus Ein-zwei der Meister schuf,
Gibt's «vohl arich Schisfbruch und e»;lgleile«; Wird dir die Drei als Schnierzensrus.
Aus allen Dreien sollst du bilden De«; Nan;e«; der uralte«; Stadt,
Die in Thnringias Gefilde«;
Ein Sagenkra«;z umflochten hat.
Auflösung in nächster Nummer.
A;:flösnug des Telegraphenrätsels in voriger Nummer: Tie Leidenschaft flieht,
Die Liebe «miß bleiben;
Die Blnn«e verblüht,
Die Frucht n;utz treiben. Schiller.
Schrlstleltung: Aug. Goetz. - Rotatio,;»druck und Verlag der Brühl'schen UistversttätS-Buch- und Eteindruckersi, R Lange. Gießen


