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W/ wie:Ich muß nach meinen Kaninchen sehen," oder:Ich rnutz mich um meine Hühner kümmern."" Um bei den Schreib­arbeiten selbst zu helfen, dazu war der Herr Feldwebel Stowi- lagcnko des Schreibens und Lesens nicht kundig. Im Krieg aber war ihm Potor Gradnikosf geradezu unersetzlich. Denn der verstand sich wie keiner darauf, selbst da, wo russische Truppen Land und Ete ausgefressen hatten, ein Huhn, einen Hahn oder ein Kaniw- chen aufzutun und diese lecker -uzubereiten. Dabei war er von nun, das ist eine besondere Geschichte, der wir noch mn den Busch klopfen werden. In Potor Gradnikoff steckte eben etwas besonderes.

Kompagnie, in der er stand, gehörte zu den Armeen, me den Besetzungskrieg in Galizien führten. Seit gerade zwei Tagen lag daö Regiment in einer vorgeschobenen, sehr gefähr­deten Stellung. Potor Gradnikoff hätte es lieber gesehen, wenn ^ flro|er Mühe besetzte Dorf ganz aufgegeben und M} yinter die in seinem Rücken gelegenen Höhen zurückgezogen vätte, zumal die österreichischen Haubitzen niit beunruhigender Sicherheit schossen. Und wenn Potor Gradnikoff dieser Ansicht war, so kam das nicht allein daher, daß der Feldwebel Stowila- ^enko sich für ihre Nichtigkeit chm gegenüber tnS Zeug gelegt

In einein kleinen Haus am östlichen Ausgang des Dorfes hatte der Feldwebel mit seinem Stab, das heißt, mit Potor Grlwnrkoff, Unterschlupf gefunden. Eben war dieser damit be- sch^'Ugt, tn der Küche ein Huhn, das er in: SchweinestE anfgestöbert hatte, in einem leidlich gereinigten Kohleneimer mit einigen erfrorenen Steckrübe:: unter Zusatz von Nelkenpfeffer und etwas Zimmt abzubrühen, als er sich von seinem Feldwebel, der gestiefelt und gespornt quer auf den beiden Betten der ver­triebenen Hausbewohner in der kleinen Schlafftube lag, ge­rufen hörte.

iföotox Gradnikoff, Du hast vorgestern einen Brief bekommen. Ich habe memarch gefunden, der ihn mir vorlesen konnte, die Schweine! Lies Du ihn mir vor, Söhnchen!"

Potor Gradnikoff nahm den Brief. Seine kleinen Augen glänzten. Das heißt, eigentlich glänzte wohl nur seine Seele; denn die Augen waren ganz hinnntergeschlnpft unter die zu- sammengekmffenen Lider, die ihrerseits von einen: Kranz von Falten umgeben waren. Tann aber hielten wehmütige Züge Mukehr in fern Gesicht, und seine Augen glänzten nun wirNich.

"Nun, was steht in dem Briefe? Lies, Du .Hundesohn!"

Das ist ein sehr trauriger Brief," sagte Potor Gradnikoff und weinte dabei, so gut ein Mann weinen kann, zunial, wein: er keinen Grund dazu hat.Das ist eine sehr traurige Geschichte! M habe es erwartet! Ich habe es bestimmt erwartet! Nun bin Ich allein. Jetzt ist auch Iwan gefallen. Der arme Iwan! Er vmr der zweitjüngste und wäre jetzt schon ein halbes Jahr in der Reserve. Die österreichischen Schtveine! Samfir, sein Freund und Nebenmann ini Glied, schreibt mir. Er hofft, das ich noch lebe, der gute Samfir. Mer nun will ich auch den Heldentod suchen!"

Potor Gradnikoff, Du bist ein Ochsenschädel! Laß andere Leute den Heldentod suchen, Söbnchen, die kein Amt haben wie Du! Ist das alles, was in dem Brief steht?"

Ja, Herr Feldtvebel!"

.Wenn Du mich belogen hast, Du Hundesohn, dann schlage ich Dir d:e Augen aus dem Kopf!"

Bei der heiligen Jungfrau!"

Damit war der Feldivebel Stolvilagenko zufrieden. Er spuckte in die Sttlbe, zum Zeichen, daß er genug hatte und, daß Potor Gradnikoff gehen konnte.

Potor Gradnikoff trat wieder vor seinen Eimer, in dem die Steckrüben um das Huhn herumstolverten wie Ameisen um einen strotzen Fliegenkadaver, den sie nicht fortschleppen können, Noch einmal las er 'den Brief. Seine Aeuglein schlüpften wieder unter die Lider, , aber sein Gesicht legte sich nicht mchr in iveh- müttge Züge, Vielmetz ward es eine einzige grinsende Falte. Dann steckte er den Briet m die Brusttasche, knöpfte den Rock sorgfälttg zu und rrihrte, ohne zu verschnaufen, heftig mit seinem Seitengewehr in der bruzzelnden Hühnerbrühe herum.

- Gott, die Oesterreicher kämen!" bimmmte er dabei

iorlwahrend vor sich hin. Jeder, der das gesehen imd gehört

"litte es unzweifelhaft als ungestümen Heldenmut ausgelegt

Als er genug gerührt hatte, setzte er sich auf einen Stuhl. Uun wäre es an der Zeit gewesen, daß er dem Herrn Fellvebel vtoivilagenko die fertige Suppe in dem Einier hätte darbieten Müssen. Da setzte das Schicksal zu dem Strich an, der die Brühe und dem Herrn Feldwebel die Rechnung verdarb. Ein unbeschreiblich heftiges Gelvehrfeuer, das wie das Rasseln eines Weckers klang, prasfelte mit einem Mal in die Straßen des Dorfes auf das armselige Häuschen, riß aus den Aüßeumauern Staub und Steuibrockeu fchlüpfte dumpf gurgelnd in die Rieddach, klirrte durch tze splitternden Fensterscheiben, klatschte querschlagend auf dre getünchten Zimmerwände mW spritzte dlatteird auf dem Holz-

Esther. Potor Gradnikoff witterte, worauf das hinaus sollte^ Wie eme erschreckte Katze fpraug er in die Zimmerecke an

S der Fcnsterwaud, rollte sich zu einem einzigen Häuslein zusammen ier war cr cm sichersten vor den österreichisck-en Springflöhen, o hatte er gute Weile.

Da sing es aus einmal im Nebenzimmer au, zu ächzen und zu

J me . V,V l! cmander sich reibenden Bettplanken, dumpfe ^>tteft'lhiebe dröhnten auf dem Estrich, wie wenn ein Schlafe trnn.cner aus dem Himmel der Träume mit den Füßen auf den Boden der Wirklichkeit.fällt, brummige Laute knurrten zn ihm herüber. Dam: quälten sich überstürzende Worte heiser und trocken durch die geschlossene Zimmertür:

o> 11 .Hundesohn, die österreichischen Schurken kommen!

Lack Dich her zu nur, letzt können wir noch fort! Vergiß das Huhn nicht und beeile Dich!"

Potor Gradnikoff buckelte sich fester in die Zimmereckc. Was ging ihn der Feldwebel Stowilagenko an. Er hatte ihm ja gesagt, er wolle nun auch den Heldentod suchen. Mochte der denken, und tun, was er wollte. Dann hörte er, wie er aus dem Hans« polterte und wie seine heiser alarmbrnltende Stimme von der Lust und von der Entfernung verschluckt wurde. m yj 1 c - llrur £ e ks still. Das Gewehrfeuer hörte auf. Potor Gradnikoff wußte, was es galt: Leben oder Tod. Er rührte sich mcht -Dem Herz tuckerte ivie ein Telegraphenapparat. Das Berchängms mußte kommen. Und das Verhängnis kam. Kam gröhlend und^trmnpelnd vor die Tür des Hanfes, stapfte durch das weiland Dchlafzimmer des fürsorglichen Feldwebels Stowila- genko und polterte, Gewehrspieße vor sich herstoßend, in das Zimmer. Da ivickelten sich aus dem znsammengebnckelten Häuflein m der Ecke der Zimmerwand z>vei lauge Arme heraus, zwei schmutzige Handteller mit ausgespreizten Fingern flatterten hin und her wie zwei Papierdracksen im Winde. Gespensterhafte Arme eines Ermordeten, die aus den: Grabe den Rachegeistern winken. Aber Potor Gradnikof, war noch nicht tot, er atmete auf: tze Gewchrspieße senken sich bei Fuß und staken in dem dick.m Brodenr der verdunstenden Hühnerbrühe und in dem qualmigen Stunk des verschwelenden Holzfeuers. Potor Gradnikoffs Mund­winkel grinsten von einem Ohr zum andern: seine stumme Sprache war verstand er: worden. Als er, von viele,: Muökelhebeln empor- gerisfen, auf den breiten Füßen stand, mußte er sich die bitzeluden Kniekehlen reiben, sonst wäre er zusammengesnnken. Dann packte ihii einer unter den Arm, schob ihn vor sich hin, hinaus aus dem Haiis, hinters Dorf, über Felder, bis er vor einem Offizier stand.

. bist Du? In welchem Regiment stehst Du? Wie heißt

der Führer Deines Regiments?"

Ei, das traf sich gilt! Ein österreichischer Offizier, der russisch fprach. Potor Gradnikoff gab Rede und Antivort, wie es sich euKiu Gemeinen einem Offizier gegenüber gebührt. Als er zu Ende berichtet hatte, küßte er denl fremden Offizier die Hand. Der wischte sich die Hand an der Hose uiü) sprach:

Warum hast Du Dich ergeben und Dich nicht gelvehrt, »vie es fick» für einen Soldaten gehört?"

Das ging nicht nkehr, Herr Offizier/" antwortete Potor Grad- mkosf,nachdem Aleksejeff, Sergejeff und Jivan sich ergeben hatten. Ich war nun als der letzte an der Reihe. Wären sie gefallen, hatte ich den Heldentod sterben müssen. Aber Nur sind vier Brüder und hatten es uns geschworen, uns wiederzusehen.""

Und das warum?""

Sehen Sie, Herr Offizier, wäre mir einer voii uns gefallen, so wären die anderen nach dein Kriege ins Unglück geiommc^ Wir haben zusammen in Odessa ein Geschäft, das uns und eine alte Tante ernähren muß.""

Und was für ein Geschäft ist das?"

Es ist eine wahre Hundearbeit und man muß die Hände dabei rühren. Jeder von uns hat ein schiveres Teil davon zic tragen. Unsere Tante verkauft ans der Puschkinskaja in Odessa silberne Hülfen ftir Streichholzschachteln, das Stück zu fünfzig Kopeken auf die ich mit dem Stichel das WortVergißmeinnicht" gegraben habe. Aleksejeff hat ihnen die schmucke Form gegeben und sie poliert, bis sie echt geworden sind. Sergejeff hat sie iir einer Maschiiie gegossen. Und die alten Blechdosen und Die weg­geworfenen Metallreste, die Iwan in dem Schmelzkessel schmilzt, habe ich in den Kehrichthaufen und in dem Straßen mit vieler Mühe gesinnmelt."

Und das Geschäft ernährt Euch alle?"

9hm, .Herr Offizier, man mutz sich manchmal höllisch nach der Decke strecken."" .

Wäre nun einer von Euch vier Brüdern wirklich gefallen, hätte da kein Fremder für ihn in den Handel einfprinKen können?" 0

Nein, Herr Offizier, es sind da noch andere Sächelchen dabei.

Es gibt Zeiten, wo das Geschäft sehr schlecht geht. Da muß man sich zu helfen wissen. Eine Maschine, in der silberne Streichholz- schachtelhülsen zu fünfzig Kopeken das Stück gegossen werden, ist wohl auch gtz für Silberstücke zu fünfundzwanzig und fünfzig Kopeken das Stück. Dabei kann man sich ga:^ auf sie verlassen. Mau weiß aber nie, ob man in einem Fremden einen ehrlichen: Menschen vor sich hat.""

Nun begreife ich allerdings,"" sagte der Offizier,daß keiner \ von Euch vier Brüdern fallen durste.""

pflaume und Zwetschge.

Der wackere schwäbische Bvlksschullehrer und Dichter Samuel Friedrich Sanier, der als das Urbild des Biedermeiertnms in Deutschland zu besonderer Berühmtheit aelaugt ist, und dem wir