tschock Pascha, das dreimalige Hurra auf den Sultan beim Appell verklungen ist, oder am Feiertage verlassen Gruppen und Einzelne das Lager und wandeln auf einen Punkt mit weiter Fernsicht. Dort lassen sie sich nieder und schauen stundenlang in die Weite. Eine Zigarette, eine Orange oder ein Stück der beliebten Wassermelone erhöben den Genuß. Wenn die Stimmung sehr fröhlich ist, bilden sie einen Kreis, singen .ihre eintönigen Lieder und klatschen mit den Händen, während zwei von ihnen inmitten des Kreises sich im Tanze drehen. Sehr viele aber lieben die Einsamkeit, sind schweigsam und fast nie fröhlich. Der Alkohol, der in der Mittelklasse und namentlich von den Gebildeten oft übermäßig getrunken wird, ist dein einfachen Mann völlig unbekannt. Ter Kreis des .Lebens dieser Menschen ist so klein, so ohne alle Arabesken und Komplikationen. Und doch habe ich auch bei ihnen keinen Wunschlosen gefunden. Es wäre ein großer Fehler, wollte man den Orientalen im Durchschnitt glücklicher als uns nennen.
vermischte».
'Kriegsodyssee zweier amerikanischer Seele »rte. Neber die Irrfahrt, die zwei Amerikaner infolge mannigfaltiger kriegerischer und diplomatischer Verwicklungen zu bestehen hatten, wird in der „Daily Mail* berichtet: Die Velden dieser modernen Odyssee sind der Nadiotelegraphist Matsh und der Stewart Dielmetter, beide ziir Bemannung des norwegischen Dampfers „Seatt'.e" gehörig. Tie Beiden kamen Anfang März in einem nordamerikanischen Hafen an Bdrd und fuhren nach Süd- amertfo. Am 14. März wurde die „Seattle" von den, englischen Kreuzer „Bristol" aufgebracht und nach den Falklandinseln geführt. Während der nachfolgenden vier Monate blieben die Angehörigen der beiden Amerikaner ohne jede Nachricht. Endlich gelangte ein Schreiben des amerikanischen Botschafters in Montevideo nach dein Staatsdevartenient in Washington mit der Mittelung, daß die beiden Seeleiite sich auf den Falklandinseln befänden und ihre Entlassung verlangten. Tie Angelegenheit wurde am 29. Jiili nach London gemeldet, und nach erfolgter Untersuchung teilte das Auswärtige Amt der amerikanischen Regierung mit, daß die fraglichen Amerikaner die Falklandinseln am 19. Juli an Bord des Schiffes „Bangor" verlassen hätten. Natürlich nahm man in Amerika an, die beiden hätten ihrem Wunsche gemäß die Reise in die Hein, at angetreten. Am34.Augnstaber wurde dieamerika- nische Botschaft in London von dem Konsul in Plymouth davon benachrichtigt, daß ein Teil der Bemannung des Dampfers „Seattle" in Plymouth gelandet worden sei. Auf eine Anfrage erwiderte das englische Auswärtige An,t, daß d,e „Seattle" bis znm 14. August in den Gewässern d<r Falklandinseln geblieben sei, um erst dann nach England vor ein Prtsengericht zu kommen. Doch die Angelegenheit wurde noch verwickelter. Der amerikanische Konsul in Dakar, Senegal, meldete vom H. Juli, daß der belgische Dampfer „Albertville" den Hafen besucht habe, und daß die beiden gesuchten Amerikaner an Bord gewesen seien. Nun endlich wurden die beiden Amerikaner t» England festgestellt und freigelaffen. Es stellte sich heraus, daß die „Seattle' bis znm 14. Juli vor den Falklandinseln geblieben, und daß am genannten Tage eine Prisenbesatzung an Bord gekommen war. Diese führte das Schiff, das in „Bangor" umgetauft worden war, nach Freetown, tu Sierra Leone, wo die eigentliche Besatz,mg. unter der sich auch die beiden Amerikaner befanden, an Bord des Dampfers „Albertville" gebracht wurde. Tie „Albertville" endlich fuhr über Dakar nach Plymouth. Tie Irrfahrt hatte insgesamt sieben Monate gedauert.
"Der anspruchsvolle Tommy. Tie englischen Militärbehörden haben die Kontrakte mit den neu eintretenden Mannschaften möglichst verlockend gestalten muffen, um auch nur annähernd die gewünschten Mengen von Vaterlandsverteidigern ein- ftellen zu können. Ganz besonders sind die Bedingungen der Verpflegung durch Marmelade und andere Lockmittel „versüßt" worden. Mit welcher Hartnäckigkeit der englische „Tommy" im Felde auf allen Punkten seines Vertrages besteht und welche Schwierigkeiten der Heeresleitung dadurch erwachse», vermag man aus einer Schilderung des bekannten französischen Schriftstellers Maurice Barres, der kürzlich die englische Front bereiste, zu ersehen: „ES ist eine Tatsache, daß der englische Soldat nur inarschiert, ivenn er gut verpflegt wird. Das heißt, ivenn man die Sitten, Gewohnheiten und Eigenheiten der Leute in hinreichendem Maße berücksichtigt. Die Offiziere müffen diesen Bedingungen entsprechen, auch ivenn eS ihnen oft unbegnem und hinderlich erscheint. Ich ,var zugegen, als ein General bei einer Inspektion mit einen. VerpflegungSoffizier in# Gespräch kain. „Mas sageu die Leute?" fragte der Heerführer. „Sie wollen weniger Fleisch und mehr Gemüse." „Gut, ,vas noch?' „Sie beklagen sich darüber, daß sie täglich dieselbe Marmelade erhalten." Und der General antivorlete: „Ulan soll daraus achten, daß die Marmelade oster gewechselt wird." Tie Franzosen, die diesen» Gespräch beiwohnten, konnten nur mit Müh« ihr ein wenig ' verärgertes Staunen verbergen. „Wie," sagten sie, „jeder engllsche Soldat erhält täglich Marmelade, und sie beklagen sich darüber, daß es oft hintereinander Erdbe^rinarmelade ist? Und Sie ordnen an, daß man mit Pflaumen und Kirschen abwechseln soll?" Daraus erwiderte der Engländer: „Wir müffen den Bedingungen ent
sprechen, unter denen die Leute angeworben wurden. Sonst würden wir großen Schaden haben." Eine andere Geschichte: In sinem «roßen Depot weigerten sich sechs Engländer, sich der Typhu-- Impfung zu unterziehen. Da ließ der Kommandant des Depots sie in einem besonderen Raume sesthalten, un. eine Gefährdung der anderen Soldaten zu verhüten. Aber bald kamen Beschwerdebrief«, in denen betont wurde, daß der Impfzwang in den Dienstverträgen nicht erwähnt ist. Und die Maßregel des Kommandanten mußte wieder aufgehoben werden. Die englischen Befehlshaber müffen sich — oft zu ihrem Verdruß — ganz genau an die Werbeverträge halten. Andernfalls würde die Quelle der Rekrutierung sofort versiegen."
* Der patriotische Dieb. Sogar die Diebe sind in Frankreich Patriot,sch. Als Beweis dafür wird in der „Dtampa" folgendes Geschichtchen erzählt. Ein pensionierter Pariser B eamter, der in einem Vorort lebt, ist das Opfer eines seltsamen Diebstahls geworden. Er erhielt von dem Einbrecher, der nicht entdeckt wurde, einen Brief, der nichts an Ironie zu wünschen übrig läßt: „Mein Herr, es ist ein empörter Patriot, der an Sie schreibt! In dieser Zeit, in der das Vaterland das Gold für seine Söhne, die sich in Gefahr befinden, braucht, haben Sie die SchamlostgkeÜ begangen, 100 Zwanzig-Francsstücke in Ihrem Hanse zu verstecken. Was Sie nicht getan haben, habe ich jetzt getan. Nachdem ich die Goldstücke entwendet hatte, bin ich zur Bangne de France gegangen und habe die 2000 Frcs. Gold abgegeben. Als ehrlicher Mann habe ich die Quittung, die ich Ihnen der Ordnung wegen einsende, auf Ihren Namen ausstellen lassen. Wohl hat mir der Bankier mit einem entspeechenden Aufgeld das Gold in Scheine umgewechselt, aber die behalte ich znm Andenkeu an Sie und zur Entschädigung für den patriotischen Aerger, den Sie mir verursacht haben. .
' Das Hottehüh als Chamäleon. Merkwürdige Erfahrungen mußte ein Einwohner in Greifswald, so schreibt unS ein Mitarbeiter, mit einem vor kurzen, gekauften Arbeitspferd machen. Ais ein in den besten Jahren stehender prächtiger Brauner war das Tier in die Dienste seines neuen Herrn getreten und tat auch getreulich seine Pflicht, wenngleich es dem Besitzer bald ausfiel, daß der Gaul für sein Alter bei der Arbett>reichlich schnell ermüdete. Man war jedoch geneigt, diesen Umstand aus ungenügende Fütterung durch den früheren Besitzer znrückzuführen ^ und ließ deshalb dem braunen Hans besonders gute Pflege an- ' gedeihen. Tie wahre Ursache des KrastinankoS aber kam erst Zutage, als Hans einige Wochen hindurch bei t>ei' Arbeit in GotteS freier Natur den, ergiebig strömenden himmlischen Naß ausgesetzt gewesen war. Ta verfärbte sich nänrlich die Mähre allmählich, und eines schöne», Tages trug der „milteljährige" Hans zu aller Ueberraschung an Kops und Hals unverfälschte graue Haare, das sichere Kennzeichen altehrwürdigen GreijenalterS, offen zur Schau« Woraus folgt, daß nicht nur die Sonne, sondern unter Umständen auch der Regen sich daraus versteht, Lug und Trug an den Tag zu bringen. _ /
vüchertlsch.
— Wiking-Bü cher, Bd. 9: Pau l Grabetn, Das st i l l e Leuchten. (Verlag der Wiking - Bücher, Leipzig.) In Leinen 1 Mk. — Eine in kraftvollen Zügen geschriebene Liebesgeschichte, die unS zunächst in die Berchtesgadener Gegend führt und uns als Helden einen Mann schildert, deffen Lebeickglück draus und dran war, an einer unglücklichen Ehe zugrunde zu gehen, der dann in Gefahr kommt, sich wiederum durch eine AugenblickSltebe blenden zu lassen, schließlich aber an dem stillen Leuchten der Liede eines echter^ treuen Frauencharaklers gesundet und erneut dem LebenSglüch z,»geführt wird. Tie Handlung wird namentlich tm zweiten Teile, wo der Leser in die Reichshauptstadt versetzt wird, auch von Se,te zu Seite fesselnder.
Logogriph.
Mit F hast du uns oft gesehn,
Wenn die Natur will schlafen gehn,»
Du findest, trägt sie solche Zier,
Der Reinheit Ebenbild in ihr.
Du hast uns G an's Haupt gesetzt:
Weithin tönt uns're Stimine jetzt.
Wir reden laut, doch mancher Tor
Leiht unsren, Ruf zu spät sein Ohr. %
Nimm „nS das Haupt, dies Wörtlein spricht,
Was unser Amt und unsre Pflicht.
Doch wird dies Wörtlein grob geschrieben,
Wirst du'S an jungen Mädchen lieben.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.
1) L d 2 - g 5 l)h6 nimmt g 5
2) S d 4 — f 5 2) g 6 — g 4.
3) 13 oder h3 nimmt g4 Schach und Matt.
Schristleitung: Äug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Longe, Gießen


