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seiner Schlösser an der Aisne zum Btschos ansrnlen zu lassen. Nach der Feier hielt er vor dein versammelten Schloßgefinde eilte lange Predigt. Vor fünf Fahren aber gab Ledcmdy seine «geistliche Stellung* wieder aus utiü wandte sich dem Theater zu. Er schrieb ein funsaktiges Stück »Das Herz der Sahara*, das an einer ersten Pariser Bühne angekündigt wurde. Aber kurz vor dem Tage, an dem die Erstaufführung statt finden sollte, löste der von begreiflicher Angst gepeinigte Direktor den Kontrakt.
* Pögouds Voraussage. Ter sranzösische Stnrzflieger Pegoud, der kürzlich im Kampf gegen ein deutsches Flugzeug fiel, war noch vor wenige» Jahren ein einfacher, schlecht bezahlter Arbeiter. Er wurde Mechaniker und schließlich Pilot uub führte vor zwei Jahren in den Hauptstädten Europas seine Sturzflüge vor, die ihm in kurzer Zeit ein' ansehnliches Vermögen ein brachten. Interessant ist. so'ern man dein Bericht eines Mitarbeiters des »Daily Telegraph* glauben ari, daß Pegoud nach seinem Eintritt in den Kriegsdienst von dem ihm bevorstehenden Ende fest überzeugt war. Während eines Urlaubs in Paris erklärte er dem englischen Journalisten: »Ich weiß ganz genau, wie ich euden werde. Ich bin fest überzeugt von der Art uub der Zeit meines Todes. Ich weiß eS ganz genau, und es kann durch nichts vermieden werden! . . ."
* „Deutschland, Deutschland über alles" in Spanien« Daß in Spanien die Sympathien für Deutschland weit verbreitet siird, ist bekam,t, und zwar gehören zu den po'.iti- schen Gruppen, die sich besonders zu Deutschland hmgezogen fühlen, in erster Linie auch die Jaimislen. In Barcelona haben jetzt die dortigen Iainnsten ihrer Vorliebe für Deutschland einen ganz besonders offenherzigen und bezeichnenden Ausdruck gegeben, indem sie ein neues Parteilred annahmen, das nach der Weise von „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen ivird. Der Text dieses Parteiliedes lautet in deutscher Uebersetzung etwa folgendermaßen: „Weil die Jaimislen auf ihrem Schilde ein gleiches Wappen haben, darum lieben und bewundern ste das deutsche Volk. Es lebe Spanien und Deutschland! Mögen sie gen,einsam zu Gott schauen! Niemand vermöchte sie zu besiegen, »venu sie miteinander verbunden sein könnten *
'Historische Falsifikate. Bei der Zahlung der französischen Kriegskontribution, die H71 von Frankreich an Deutschland geleistet wurde, wurde auch ein Teil vereinbarungsgemäß in Papiergeld ausgezahlt. Hier stellte sich nun heraus, daß ein nachgemachter preußischer Hundert t a lers che in darunter war. Sicherlich ohne Verschulden der betreffenden amtlichen Stellen m Frankreich, denn die Nachahmung war eine so vorzügliche, daß ihre Entdeckung selbst in Preußen nicht leicht war. Es winde dann ermittelt, daß die Nachahmung während der Belagerung von Paris vo>, einem Pariser Graveur auSgelührt worden >var. An. der Stelle der üblichen Strafandrohung standen die Worte: „Wer Guillaume oder Bismarck lebendig der französischen Republik allsliefert, erhält dafür die Summe von 10 Milk. Francs." Dieses eigenartige Falsi- fifat l^nd sofort als intereffante Kriegseriunermig einen Liebhaber, der es für hundert Taler erstand, so daß die Oberrechnungs- kammer keinen Anlaß halte, deswegen nach Paris ein Monitum z,l senden. - Ter »Scherz* des feindlichen Pariser Graveiirs er- mnert übrigens an den ähnlichen ei»,es schlesischen Arbeiters in der Königlich preußischen Münze zur Zeit Friedrichs des Großen. Dieser Schlesier war nach den Kriegen, durch die er Preuße geworden war, a,lf seinen neuen Herrscher nicht gut zu sprechen, und so leistete er sich den Witz, die Worte „Ein Reichsthaler*, die auf deii mit dem Kopf des Königs geschmückten preußischen Talern am Rande geprägt waren, so zn trennen, daß inan lesen uut&te: „Ein Akich stahl er*. Erst nachdem eine Anzahl solcher Taler die > - Münze verlassen hatten und in Verkehr gekommen waren, entdeckte man das Münz- und Majeftälsverbrcchen. und der Sittentater wurde festgenommen. Die Taler waren aber nicht mehr alle zu ermitteln, lind es haben sich denn auch einzelne als hochbezahlte Kuriositäten in Münzsammlungen erhalten.
* Ein neuer a »n e r i k a n i s ch e r Nationalpark. Der Petlowstone-Park hat e neu Konkurrenten erhalten: er liegt in ben Rocky Diontains im Herzen Kolorados und umfaßt Berg- mrd See- landscha teil von alpiner Großartigkeit, die seit langem in Nordamerika berühmt silrd und im vergangenen Sommer über 5 )000 Personen veranlaß en, sich in Hütten und Zelten vorübergehend dort anzusiedeln, während der Pello vstone-Park in der gl ei ben Zeit nur 20 250 Besucher zählie. Was seine Raturfchönhetten be- sonders anziehend macht, ist die Tatsache, daß sich in seinen Hochtälern und endlosen Wmdern ganze Rudel im übrigen Nordamerika bereits überaus seltenen Wildes erhalten haben. Da hetzt der Großhorilbock über den Weg, in der Lichtungen äst der Schwarz- schwauz- mrd Weißschwanzl irsch, ar den Eren ivechselt der Elch, Bi er huschen durch das Schilf, abe auch Raubzeug treibt sein We'en. Berglöwen, Wildkatzen und Wölie gleichen durch das Unter- hol-, und wer sich in besonders unbelebte Gegendeii verirrt, sieht sich irol.l plötzlich einem brannen oder schwarzen Bären oder einem geriircbteten Grizztibären gegenüber. Oiichlsdesloivcniger hat die Bundesregierung für ben Bereich des neuen Nationalparks jede Jagd verboteil.' wahrscheinlich, da sie damit rechnet, daß die in
der Umgebung pirschenden Schützen die aus dem Schutzgebiete herüberwechselnden Stücke ohnehin aufs Korn uet)iueu und den allzu großen WlldreichtlMl des Parks in gewissen Grenzen halten werden. Ikebrigens soll der neue Park durchaus nicht nur ziiill Wallfahrtsort von Hievenden werden; Onkel Sam hat sich eutschloffen, die schönsten Stellen des Riesengeländes in Parzellen von 5 Morgen zu zerschlagen und ivird diese au Sommerfrischler verpachten, die sich verpflichten, darauf ein Hänschen zil banen; auch Gasthäuser dürfen errichtet werden, wenn auch nur eine beschränkte Anzahl von. Konzessionen zur Verfügung steht; der Pachtpreis soll für sie je nachdem jährlich 50 bis 600 Mark betragen, während die Miets- zinse der Soinmersrischler zwischen 40 und 300 Mark schwanken sollen. Obivohl dadurch zahlreichen Familieil billige Sommerfrischen ermöglicht werden, ist die Gründung des Parkes doch llicht ohne Widerstand vonstntteu gegangen; Spekulanten l,nd Landbesitzer ivollten nicht zugeben, daß die Landschaft zum Nationalpark erklärt und dadurch für Weide- oder Bergmannszwecke unbenutzbar gemacht würde; doch ist es einem für die Schönheit der Gegend begeisterteil Naturforscher und Schriftsteller, Enos A. Mille, gelungen, die Regierung des Staates Colorado für den Schlitz der Rocky Montailis zn gsivinnen, und dieser bat es dann mit Hilfe seines Senators Taylor verstanden, das nötige Gesetz im Washingtoner Repräjentailtenhause durchzusetzen.
* D a s Kino als Heilmittel. Ein wahrhaft erstaun» l ich eS Geschichtchen wird in den »Daily News" ans Liverpool berichtet: Ein Soldat der englischen Armee, der Korporal Robert Beck, wa^ aus Flandern nacl) einem englischen Lazacett gebracht worden, wo inan seslstellte, chaß er infolge eines NervenchokS taubstumm geworden ivar. Nach längerer Behandlung wurde er als unheilbar entlassen. Und nun kommt das Wunder. Der Korporal begab sich in ein Kino und iviirde bei der Vorführung eiiies komischen Films voii derart unwiderstehlicher Lustigkeit er- griffeii, daß er in laiites Lacheil aus brechen iiiiißte. Im gleichen Augenblick fühlte er ein Helges Brennen in der Kehle und ein Rauschen in ben Ohren, »^zch spreche, ich höre \ H rief er auS. Er war endgültig geheilt.
vllchertijch.
— Großer BilderatlaS des Weltkrieges. Tritte Lieferung: Belgien 1. Einmarsch und Durchbruch. Lüttich, Nam»lr, Brüssel, Lökven, Mechelu. Dlüncheil, F. Bruckmann, A.-G. Folio- foriirat, Subskriptionspreis 2 Mk. — Ein angesehenes militärisches Fachblatt (Danzers Armeezeitung» Nummer von, 19. August 1915) stellte kürzlich fest, daß dieses große Bitderwerk über den Krieg »nicht eines ist, das das Dutzend schon bekannter Werke Vollmacht, sondern ein neues Unternehmen, das alle bisherigen Bilder- darstellnngen dlirch die Vollkommenheit der Ausführung, durch die Sorgfalt der Auswahl unb durch die beziehungsreiche Anordnung völlig in den Schatten stellt*. Das zeigt sich auch an der soeben erschienenen dritten Lieferung. die uns die Kampfe in Belgien bis zur Besetzung der Hauptstadt vor Augen führt. In 164 Bildern sehen wir das unwiderstehliche Vordringeir unserer Truppen gegen den verziveiselteil Widerstand der Feinde. Festungen, ivie Lüttich lllld Nvmlir, die für unüberwindlich galten, sinken vor der Wucht unseres Angriffes in Schutt und Trümmer; Wege, Eisenbahnen, Brücken, Tunnels lverdeil zerstört und wieder hergestellt; Panzer- und „Wilde" Züge verrichten ihr Werk; Spione werden verhört, Zivilisten entwaffnet; Kartell erläutern un'ern Vormarsch, und Atanerailschläge, voll unserer wie von feindlicher Seite, erzählen von der Erregung der Zeit Lebensvolle Porträts der Führer von hüben und drüben ergänzen das Gesamtbild, und manche schöne Aufnahme schildert den Reichtum lind die Kunstbauten deS Landes, dem wir vergebens die Friedenshand entgegenstreckten.
Nreuzralse!.
In die Felder nebeilsteheilder
_ Figur sind die Buchstaben
b b, acccc,eeeeeee, ff, gg l hhhhhh,iiij |
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_._derart einzutragen, daß die
senkrechten und wagerechten
_Reihen gleichlautend folgendes
ergeben:
— ——J i Einen Philosophen.
-— 2 . Findet man häufig an
Frauenkleidern itnb Hüten. 3. Ort fit der Provinz Sachsen. __J Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
Die beiden Buchstaben »e" und ,i*.
Schriftleitung: Allg. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lenge. Gießen


