Der blaue pnber.

Roman von E l f r i e d e Schulz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

20. Kapitel.

Das heißt, Direktorch-en, tvenn das nicht bald ein Ende hat, tziese ewige dümmliche Bauerei auf Bronin, werde ich noch verrückt!"

Saar klopfte seine Shagpfeife aus und stopfte sie neu.

Beruhigen Sie sich, Tschammer ich bin 's schon. So­lange es hier auf dem Hofe drunter und drüber ging, na in Gottes Namen. Wo sie aber jetzt dem alten Kasten, dein Schloß, auf den Leib rücken Lümmel noch mal! Der alte Ladenburg ist schon ein Revolutionär, aber der junge Wölftin, der Mensch hat wahrhaftig den Deubel im Leibe. Die Gnädige ist schon marode und wagt sich .kaum noch her­aus zwischen den Trümmern. Nur Susi, Susi sie steht ihm noch bei, und wenn es am tollsten hergeht, das Unterste zu oberst, dann ist ihr am wohlsten. Den Alten reitet der Böse, daß er das erst angefangen hat."

Ueber das grobe Hospslaster polterte ein Wagen mit Gipssäcken. Hinterher ein Gespann vieretang mit Balken. Die Knechte brüllten ganz unsinnig auf die Gäule ein und schlugen mit den langen Peitschen durch die weiche Früh­lingsluft.

Auf dem schönen Platz hinter den: Schlosse und den wohlgepslegten Kieswegen herrschte ein Chaos von Baumate­rialien. An beiden Enden des Schlosses wuchsen mächtige Flügelanbauten empor. Die vordere Dachseite war abgenom- men. Dort türmte sich ein neues Stockwerk hoch. In diesem halben Werden machte das Ganze einen trostlosen wüsten Eindruck. Der leitende Baugedanke war für den Laien schwer herauszuerkennen. , *

Hinten int Schloßpark, in dem kleinen Fremdenpavillon, der in früheren Zeiten die Sontmergäste aufgettommen hatte, die im Schloß nicht untergebracht werden konnten, hatte Erich Wölflin das Baubureau aufgeschlagen. In den oberen Räumen hausten Maler und Bildhauer unter der Leituttg Gerhard Ladenburgs.

Die beiden jungen Künstler hatten von Spanien brt wunderbaren Pläne zum Umbau des Broniner Schlosses mit gebracht. Wölslins ursprünglicher Gedanke, einen ganz nennt Bau mitten int Park aufzuführen, war an Frau Natalps Widerspruch gescheitert. Sie konnte es nicht über sich bringen, die Räume niederlegen zu lassen, in denen sie ihr junges Ehe­glück erlebt hatte. Dem Freiherrn war alles gleich. Er ließ in einer Nachgiebigkeit, die alle erstaunett machte, den jungen Baumeister gewähren und war für jede Anregung in einer fast leidenschaftlichen Weise zugängig.

Lassen Sie ihn ruhig machen," hatte Professor Laden­burg ihnt gesagt,da wird kein Strich zu viel gezogen tutb

kein überflüssiger Stein gesetzt. Sie bekomnten ein Palais, wie es kein Grundherr in der Provinz hat."

Es war alles furchtbar schnell gegangen. Es gab kein Hemmnis, das nicht augenblicklich foWtiat wurde.Das Ideal eines Bauherrn!" sagte einmal Gerharv ündenburg.

Rothkirch halte sich mit Ungestüm auf die Sache ge­worfen. Das gallige Wesen, das die letzten Berliner Wochen unausstehlich gemacht hatte, war von ihm abgefallen wie ein altes herbstliches Blatt vout Baum. Int täglichen Berkehr mit den jungen Künstlern, die in einer ganz anderen Lebeus- atmosphüre atmeten, wurde er frisch und elastisch, und das war lvohl der Hauptgrund, warum Frau Nataly die vielen Unannehmlichkeiten, die der Bau mit sich blrachte, geduldig . trug. Auf Bronin herrschte wieder ein Leben, wie sie es wünschte. Es gab viel Geselligkeit, trotz der immer beschränk­ter werdendett Räume, tknd die alte Turmfahne zeigte immer gut Wetter an.

Ja, die Gnädige," sagte Tschammer.Aus einem Raunt ttach dem andern haben die Baumenschen sie ver­trieben. Das hält nicht einmal ein ganz Junger aus."

Aus dem Park sahen sie Wölslin und den jungen Laden­burg kommett/'

Ich drücke mich, Saar. Die komnten gewiß wieder schnorren, ein paar Gespanne oder so was. Ich habe jetzt nichts übrig."

Saar blieb und ging ihnen gemütlich entgegen.

Tag, meine Herren! Ein bißchen frische Luft schöpfen?"

Wir wollen stracks zu Ihnen, Direktor. - Es geht auf Ihren alten Wacholderschnaps."

Herr v.Saar lud sie bereitwillig auf. seineBude" ein.

Der alte Ladenburg hatte ihm ein stattliches Direktoren- häuschen neben der neuen Brennerei gebaut, mit Dampf­heizung und elektrischem Licht.

. Sie nahmen int Herrenzimmer Platz. Saar holte eine alte Flasche. *

Das Ding hier ist gut acht Jahre alt. Sozusagen ent halb erwachsener Bettgel. Ein strammer Kerl, meine Herren."

Er schenkte ein.

Bon meinent ersten Brennereiresultat damals, das ich hier aus Brottin machte. Man-ist so la la beinahe mit alt gewordett. Prost, meine Herren!"

So lange stecken Sie schon in diesem Nest?" sagte Gerhard.

Das nennen Sie lange? Herrgott, ja, wo sind die Jahre geblieben? Ich kam hierher in die Polackei, aus dein Magdeburgischen. Es ivar noch richtiger Winter. Ich sage Ihnen, was so ein echter polnischer Winter ist. So was gibt's heute tticht mehr. Schnee bis an die Knie. Die Post mußten wir vorm Dorf jeden Morgen erst heraus- schaufelit, sonst hätten mir keine Zeitung gehabt. Da habe ich mir den Wacholder attgesetzt. Der Tröster war verdammt notwendig. Es war hundeeinsam hier. Jäger ivar ich damals noch tticht. Die Kampagne in der Brennerei ging mit Hochdrtlck, al^es verschlantpt. Es lvar