Ausgabe 
2.9.1915
 
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in eiltec Reihe aufoefteftt. Der Lehrer legte einen nNschitK>tgi aussehenden Ranzen zu seiner Rechbett auf den Rand des Schützet^ grabens und zog acht verschiedene Bomben, eine nach der anderen, hervor. Er hob jede einzelne Bombe hoch und er>» klärte ihre Konstruktion und die Art, wtie sie zu schleudern sei.. Die Bomben Maren alle kriegsmäßig geladen, uttb eine ctitiji^e hätte genügt, uns alle unverzüglich ins Jenseits zu senden. Bei der Crklärimg der ersten Granate befestigte der Jnstrnktwns«-- osfizier an seinem Handgelenk eine Schleife, von der eine mittel" lange Schnur herabhing. Ein schtverer Metallstift lvurde an dem Ende der Schnur befestigt. Dairn ergriff er eine schwarze runde Bombe und steckte den Stift in ein Lock) an der Allsten flache, hierauf wurde die Bombe ntit voller Kraft geschle^ldert. Beim Fortfliegen riß sich die Bombe in bem .Augenblick, da die Schnur gespannt war, von dem Sl5ft los: durch diese Reibung wurde die Zündung erzeugt, die sich nach einem Zeitraunl von fitnlf Sekunden entlädt. Der Stift blieb ,an dejr Schirur zurück und wurde für die nächste Bombe verwendet. Die nächsten fünf jExplosiv- apparate waren lauter Bomben, ähnlich der ersten, lvenn auch die Konstruktion und die Methode des Schleuderns verschiedene .Abweichungen zeigten. Zum Schlnst aber sahen wir zwei Brand- bomben. Die eine spritzte die brennende Flüssigkeit beim .Explo­dieren in einem ziemlich großen Umkreis nur sich: die anderjet setzte irur die Stelle in Brand, an der sie geplatzt war. Schließ-« lich sahen wir noch eine Erstickungs-Bombe, die mit Gasen gefüllt war . . . Die Hairdgranatenschule wird von Soldateir der ver­schiedensten Regimenter besucht. Der Wusbildrutgskursus dauert gewöhnlich vier Tage.

" Das Grammophon als I n st r u k t i o n s o f f i z i e r« Ein kleines Geschichtchen, das fiir die Ausbildung der englischen Soldaten tmb denEller" ihrer Offiziere bezeichnend ist, wird in der »Daily Mail" erzählt:In einer Gegend in West-End werden schon so viele Monate hindurch Mtlitärübuugen abgehalten, daß das Publikum bereits das Interesse fiir die verschiedenen laut schallenden Konrmandorufe verloren hat. Doch unlängst wurde die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden durch merkwürdig regel- ntäßig und scharf tönende Kommandorufe erregt. Die verschieden­sten Kommandos folgten einander in sonderbar geordneten Ab­ständen und genauer Wiederholung der Reihenfolge. Wir eilten näher, um den Besitzer dieser hervorragenden Stimme in Augen­schein zu nehmen. Wie staunten wir aber, als wir nur einige müßige Ofsiziere erblickten, die mit ihren Stückchen untätig plaudernd unter einem Baum standen. Doch die Kommandorufe kamen direkt aus dieser Gruppe, und nun konnten wir auch den Schalltrichter eines Grammophons erkennen.Rechtsum," klang es scharf ans dem Grammophon, die Befehle schnarrten weiter, und zum Schluß hieß es: »Ruhen!" Damit war die Platte ab­gespielt."

* Hamlet an der Front. Ueber eine interessante Shakespeare-Aufführung, die in der Geschichte des englischen Theaters sicherlich einzig dasteht, weiß dieTimes" zu berichten: Tie Sehnsucht nach Zerstreuung, die sich bei langwierigen unb ein­förmigen Stellungskämpfen oft einstellt, hat englische Soldaten in Frankreich 51t einer Hamlet-Ausführung veranlaßt. Und nach dem vorliegenden Bericht kann inan nicht leugnen, daß die Vorstellung zumindest originell gewesen sein muß. Da es für die militärischen Mitwirkenden zu umständlich geivesen wäre, lange Rollen auswendig zu lernen, wurde das Shakespearesche Werk so zusammengestrichen, daß nur vier Szenen übrig blieben: die Er- scheimntg des Geistes aus der Terrasse; die Schloßszene, in der Hamlet beschließt, seinen gemordeten Vater zu rächen: der grobe Monolog und znm Abschluß die Friedhofsszene. Die Bühne lvurde in einem Bauernhaus errichtet, die Dekorationen waren von Sol­daten gemalt, ein in der nächsten Stadt entdecktes Maskenverleih- geschäst lieferte die Kostünte. Die Vorstellung fand abends bei Mondschein statt, und die Türe der Hütte wurde weit offen ge­laffen, um der draußen stehenden Menge den Blick auf die Bühne zu erntöglicheu . . . Shakespeare int Schatten der Kanonen paö ist das neueste Kriegskuriosum . . .

* DieTimes" über das Leben im deutschen Brüssel. Die Lügenhaftigkeit der tviederholt in Blättern deS seindlicheil Auslandes auftauchendenSchilderungen" über die an­geblichen Leiden, denen die Bevölkertntg im besetzten Brüssel auS- gesetzt ist, wird am besten bnrrt) den in einer der letzten Numntern derTimes" erschienenen Bericht eines Neutralen widerlegt. Der Gewährsmann des Londoner Blattes schreibt: »In Brüssel geht das bürgerliche Leben seinen geivöhnlichen Gang, in vollkommen ruhiger und geregelter Weise. Biele Deutsche sind hierher gekommen und arbeiten m den verschiedensten Anstellungen. Doch wurde,: alle städtischen belgischen Beamten in ihrem Dienste belassen, auch der Bolizeidienst wird von Belgiern unter Kontrolle des deutschen Mili­tärs ansgeübt. Die Theater sind geschlossen, aber die Kinos sind in Betrieb. Telephon- und Telegrammverkehr sind im allgemeinen nicht gestattet. Lebensrnittel sind reichlich vorhanden, intb niemand ist in Gefahr» zu verhungern. Der Brotverbrauch ist geregelt, aber das Brot ist gut und die pro Tag und Person -ugeinessene Menge von 250 Gramm ist reichlich. Die in Brüssel zurückgebliebenett eng­lischen Untertanen - Männer, Frauen tntd Kinder sittd ungefähr 500 an der Zahl. Es sind keilte Männer ulilltärpstichligen Alters

darunter. Ohne besondere Erlaubnis ist es den Englättdern ver­boten, sich auS dem inneren Stadtbereich zu entferneit; sie sind sämtlich in befonbere Register eingetragen, baden aber im übrigen keinerlei Grund, sich über die Behandlmtg von seilen der deutschen Behörden zu beklagen. Sie dürfen in ihren eigenen Wohnungen ledert und werden von den detttschett Beamten gerecht behandelt. Auch sonst werden sie in keiner Weise unnütz bedrückt. Abgesehen von den genauen Regeln, die durch die ntilitärische Notwendigkeit gegeben sind, haben sie alle Rechte eines Bürgers im Frieden."

* Eine Blüte italienischer Phantasie. Eine Ge­schichte, die an den guten Glauben der Leser wirklich starke An­forderungen stellt, wird im »Corriere della Sera" als »wahre Begebenheit" aufgetischt:Vor eiitigen Tagen ritt im Jsonzogebiet ein Lelltnartt der italienischen Arntee durch eilte Doristraße. Am Ausgange des Dorfes stieg der Ossizier ab und band fein Pferd an den Pfosten eines abseits liegeitden Hauses. Plötzlich ertönte das Sausen eines der schweren österreichischen Geschosse «lid gleich daratlf erschütterte eine furchtbare Explosion die Umgegend. Das Geschoß war dem Hause gegenüber aus der anderen Seite der Straße aufgesallen- Eilte gewaltige Rauch- und Statlbsäule stieg auf, tmb als sie sich verzogelt hatte, erblickte turnt das Wunder­bare : das Pferd des Leutnants war dnrch den Lustdrtlck empor- geschleudert tvorden und stand wohlbehalten und mtmter achtem Dach des Hauses ..." So etlvas ist tvirklich nur bei einem mt- lientschen Kriegs roß möglich!

* Zwergloko Motiven. In Amerika siitd neuerdings Lokomotiven von winzigen Abmessungen hergestellt worden, die in mehreren dortigen Betrieben nützliche Arbeit verrichten. Eine da­von wird dazu verwendet, Rohstoffe in die Eisenbahnbau-Werk- stätten der Baldlvin Lokomotivert-Werke in Eddystone zu befördern. Ursprünglich mir für den Eigengebrauch der Firma hergestellt, ist sie ntittleriveile von verschieden.'n ähnlichen Unternehmungen nach- geahrnt lvorden. Ihre Achsenweite utißt 60 Zentinteter, der Radius ihrer GleiSkurven beträgt tingefähr 4,90 Meter; das ganze kleine Dampfroß hat daß stattliche Gewicht von 5 Tonnelt. Eine ähn­liche Maschine, die ntit der herkölltnttichen Gestalt der Lokoiltotive gebrochen hat und mehr einem kleinen Kraftwagen ähnelt, arbeitet seit drei Jahren in beit Galerien des Aquädukts von Eatskill, in der Uittergrnndbahn voit New Port tntd auf einigen Zucker- Pflanzungen; sie kamt mit Rohöl, gereinigtem Del und Gasolin geheizt werden, tvird aber ztmteist mit letzterent gespeist, um die Dampsentwickelung nach Möglichkeit einzuschränken. Ihr Kessel be­steht anS besonders starkem, gepreßtem Stahl, der innen ntit Reisen verstärkt ist tntd ben starken Druck auShalten kann, eine Tatsache, die versnchslveise dadurch erhärtet rvurde, daß die fleine Maschine einem hydraulischen Druck von über einer Tonne auSgesetzt wurde, ohne daß sich auch nur ein Zentimeter mt ihr verschob.

vüchertisch. -

So ldate nbl ttt. Mit großer Anteilnahme tvird die deutsche Lesewelt den RomanSo ldat citM 11t" von E. Bely entg-egennehmen, in dein .uns die Verfasserin in der Person ihres Helden Inst v. Weddern einen Vertreter des deutschen Soldaten- geistes, «einen wahrhaft deutschelt .Helden, in dessen Adertt deutsches Solds tenblitt pulst, vor die Seele zu zaubern versteht. Der Roman, der als Batrd 1021/22 (Toppelband« in der bekannten Roman nnd NovellensammlungKürschners Bücherschatz" Hermann Hillger Verlag, Berlin nnd Leipzig erschienen ist, verdient es, daß ihm' die deutsche Lesewelt jhre besondere Beobachtung schenkt. Ganz besottders aber sei .er unseren wackeren Feldgrauen, als Lektüre iu ben Unterstünden, aus den Kriegsschiffen, in den Lazaretten nsw, empfohlen, _

Arithmogriph.

1 6 9 9 2 5 krentdländische Münze.

2 1 9 8 6 ein Raubvogel.

3 6 12 Mineral.

4 5 2 3 Futtermittel.

5 2 1 Teil eines WageitS.

6 18 5 ein Fluß.

3 2 4 6 Nahrungsmittel.

7 2 9 2 ungarisches Kontitat.

8 5 9 8 eilten Bannt.

9 6 5 1 Titel.

6 9 4 2 tveiblicher Vornante.

3 2 2 9 9 Nebenfluß der Elbe.

Die Altfangsbnchstaben der gestrudenen Wörter bezeichneit deit Wunsch zahlreicher Sterblicher. Die Erfüllung desselbeit gereicht aber nicht feiten zum Unglück.

Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung der Königspromenade in voriger Nummer:

Die Hälfte deines Leberts ist Ertverbeit;

Verlust, Enttäuschung, Trübsal Schlag ach Schlag,

Verzichten und Entsagen Tag für Tag

Erfüllt den andern Teil; der Nest ist Sterbelt!

Friedrich Halm.

SchrifUeltung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag her Brühl'scheu UniversitätS-Bnch- und Cteindruckerei. N. Longe. Gießen