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war sch letzte ich am Strande aus und ab, als Sie endlich kamen."

Wirklich? Und da haben Sie sich meinetwegen gar falte Füße geholt? Oh, das bedaure ich recht von Herzen!"

Warten Sie nur, Sie Spötterin! Jetzt machen Sie sich noch darüber lustig. Aber unter uns und Hand aufs ' Herz, mein liebes Fräulein Lotte, haben Sie sich! denn gar nicht ein bißchen auf den Waunsee gefreut? Hat denn Ihr kleines Herz nicht auch ein bißchen rascher geschlagen bei dem Gedanken, hier draußen in vollen Zügen die goldene Freiheit genießen zu können? Sagen Sie inir'S offen und ehrlich!"

Aber Lotte sagte nichts. Sie sah vor sich hin und preßte das Kinn in die kleine Muffe. Dietrich, entging es nicht, lvie ein seines Rot tiber ihre Wangen ging.

Und Sie antworten mir gar nichts? Soll Schweigen <inch eine Antwort sein?"

Jetzt sah sie ihn mit übermütig blitzenden Augen an.

Lotte!" rief er da alls den: .Herzen heraus und faßte sie ganz, fest, daß sie einen leisen Ruf ausstieß und sich mit Gewalt los riß.

Bitte, nur Fräulein Wölslin, Herr Leutnant."

Run sind Sie mir gar böse? Schon die ersten fünf Minuten? Und lachen nicht mehr und blicken so ernst drein?"

Er erhaschte sie lvieder an der Hand.

/Aber ich lasse Sie jetzt nicht mehr los. Ich bin dev Stärkere ha, fühlen Sie das nicht? Nein, nein, ich will gern der Schwächere sein, will ganz demütig, ge­horchen, nur seien Sie wieder gut. Sie sollen meine Königin sein, ich Ihr treuer Page. Nur lachen Sie wieder!"

Da nmßte sie wieder lachen. Ihre Hand lag weich und willig in der seinen, nnld sie ließ sich von ihn: fortziehen.

Nun lachen Sie doch lvieder, Gott sei Dank! Ihre lieben blauen Augen sollten nie anders als lachen. Die wissen ja gar nicht, wie schön Sie dann sind."

Und Sie glauben gar nicht, lvie langweilig ein ga­lanter Leutnant ist. Jetzt geh' ich meine Wege. Sehen Sie, lvie Sie mich wiederkriegen."

In einem weiten Bogen flog sie davon, daß der braune Pelzbesatz, um den Saun:.des kurzen Rockes dnrcheinauder- wirbelte und sich in den weißen Spitzen der Unterkleider sing. Es itmt ein köstliches Bild, lvie das junge Mädchen so dahinglitt, wie ihre schlanke, geschmeidige Gestalt sich in den Hüsten wiegte und die blaicken Schuhe kräftig nach den Seiten in das Eis schnitten, daß es wie weißer Zucker hinter ihnen her stäubte. Er jagte ihr nach.

Hinter Ihnen ist leichte Kavallerie, gnädigesFrüulein!"

Mit ein paar Sätzen hatte er sie eingeholt, umfaßte ihre seine Taille, hielt sie ganz fest in seinen Armen und wirbelte ein paarmal das junge Mädchen im Kreise herum-, daß ihr Hören und Sehen verging. Einen Allgenblick lag Ne ganz erschöpft an seiner Brust, tief aufatmend, die Augen geschlossen. Ein nie gekanntes seliges Gefühl über­kam sie Seine Lippen beugten sich über ihren vollen weißen Hals. Ihr ivar es, als fühlte sie da einen leisen, heißen Truck, und zärtlich flüsterte es in ihr Ohr:

Lotte!"

Da kam sie zu sich. Sie raffte sich zusammen und sah ftme dunklen Augen, die zwingend auf ihr ruhten. Eine Blutwelle trieb in ihr Gesicht, und wie ein Unwillen flog es darüber. Mas wav ihr geschehen? Wo war ihre stolze Selbst,rcherheit? Ihr Trotz? Ihr Widerspruch? Eine süße Musilwe:se tönte irgendwoher und huschte über sie himveg. .^hre-Augen glänzten, und sie senkte den Kopf.

Sie lnel-kte es Faiim, daß sie Hand in Hand weiterführen, u,rd daß Dietrich Rothlirch zu ihr sprach. Sie war wo anders.

Ach, ben ganzen Nachmittag schon Hab' ick» nichts als Dummheiten angestellt, richtige Dummheiten"/lächelte er, und. seine braunen Angen sahen sie ruhig und lieb am

Da Ivar alles vorüber lvie ein Schatten.

Und ich denke immer. Ihnen kanir es auch nicht viel anders ergangen sein."

Ach, nein da irren Sie sich aber doch sehr. Ich habe heute chon fleißig gearbeitet. Ich muhte ganz früh zwei Probest»,ideu auf meiner neuen Lehrstelle geben, hie ich ierpril anrrere.

Er sah sie überrascht an.

Wie? Sie wollen ?"

^Ja, das Ware mir wohl schön bekommen, hätte ich, da mrt den Schillern auch Dummheiten gemacht. Ach, Sie wissen

daS noch nicht? Ich trete nod) vor Ostern in Dr. Kirstens Töchterschule als strenge, aber wohlwollende Lebrerin ein. Da müssen Sie aber auch vor mir einer! ordentlichen Üfio spekt bekommen, Herr Leutnant!"

Brr! Was sagen Sie? Schulkinder?"

Er schüttelte sich in komischen! Erstaunen.

Ist das nicht schrecklich, fremde, ungezogene Gören zu unterrichten? Ich rvenigstens) ich habe seinerzeit meine Lehrer immer so recht von Herzen bedauert."

Das verstehen Sie wohl nicht, Herr v. Rolhkirch. Und es ist^auch nicht gesagt, daß alle Gören so ungezogen sind, wie Sie es höchstwahrscheinlich waren. Ich möchte Ihre braven Lehrer hinterher wirklich auch bedauern. Sie waren gewiß eine nette Range, wie?"

Jetzt haben Sie's getroffen. Ja, Gott sei Dank, das war ich, und Gott 'sei Dank, bin ich's auch geblieben. Es war doch zu schön!"

Nun, Sie sind wenigstens ehrlich. Das soll ein Mjl- derungsgrund sein."

,/Za, mein gnädigstes Fräulein, und da meinen Sie nun wirklich, dabei könnte man glücklich lvcrden? So jeden Tag und jeden Tag?"

Können Sie sich das gar nicht denken, wie schön das ist, solche kleinen weichen Seelen, die uns so treuherzig'und vertrauend ansehen, zu leiten Und zu formen?"

Offen gesagt ja und nein."

Ach gewiß das muß einen: wohl schon ein bißchen im Blute liegen. Mein Vater war Lehrer, und auch meine Mutter hatte ihr Examen gemacht."

Ihre Eltern sind schon lange tot?"

An nreine Mutter habe ich nur eine gknz schwache Erinnerung. Sie ging zu früh von uns weg. Und mein Vater wir verloren ihn plötzlich. Es sind nun acht Jahre her. Er ist verunglückt."

Alle Lust war erstorben. Sie schwiegen. Lotte sah ernst ins Weite. Dietrich Rothkirch fühlte, lvie sich etwas Dunkles und Schweres zwischen sie beide schob, und rang danach, diesen lastenden Ban»: gewaltsam zu brechen.

Es muß wohl Lehrer und auch Lehrerinnen geben, Fräulein Lotte. Das sehe ich ein. Aber Sie Sie sind zu schade für diese endlose schwere Kärrnerarbeit. Ich kann mir nichts apdres denken, als daß Sie nur zu Liebe und Sonnen­schein geschaffen, sind."

Das klingt sehr nett. Eine Frage wie vielen andern Damen haben Sie dasselbe auch schon gesagt, .Herr Leutnant?"

Keiner, Fräulein Lotte, noch niemand) auf Ehre. Ich wüßte auch nicht ich habe bis jetzt noch bei keinen: weiblichen Wesen gesunden, was ich bei Ihnen fand."

Er sagte das wie ein Bekenntnis und bekräftigte es mit einen: Händedruck. Da schwieg sie lvieder. Ihr Herz schlug schneller und in ihren Wangen kan: und ging ein dunkles Rot. _

Sie fanden sich bald lvieder auf der Linie-des leichten Scherzes zusammen, und in Plänkeleien und losen Tände­leien liefen die Stunden vor ihnen her, bis mit einen: Male die Dämn:erung ihre Schatten warf und sie ans beit Heim­weg zun: Bahnhof trieb. An: Waldufer schnallten sie ab. Schweigend gingen sie nebeneinander her.

Man hörte nur von Zeit zu Zeit das Aneinanderklirren der herabhüngellden Schlittschuhe. Als Lotte über eine Baumwnrzel stolperte, stützte er ihren Arm fest in den seinen. Er fühlte, daß ihn: das Blut heiß durch die Adern stürmte, und spürte ihren heißen Atem neben sich. Dck stockte sein Fuß. Er vertrat ihr den Weg und faßte ih-re beiden Hände. Boi: einer unwiderstehlichen Glut hingerissen, zog er Lotte hestig an sich und bedeckte ihren Mund undi ihre Augen mit heißen Küssen. Willenlos lvie ein kleines Kind ließ sie das geschehen. Hingebend ruhte ihr Kops au seiner Brust.

Und nun sag mir ein Wort, du mein süßes Mädchen!"

Da fühlte er sich! von ihren Armen umschlungen, so fest, als wollte sie ihn nicht :nehr lassen.

Tu Liebster, du Einziger du! Wie ich dich liebe!"

Blind vor Glück suchten sie langfau: den Weg. durch der: dunklen schweigenoeu Wald, durch den lvie ftrne Irr­lichter die Bahnhofslampen hierübe rlcuchsteteu,

(Fortsetzung folgt.) -