Ausgabe 
2.9.1915
 
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Der blaue Putzer.

Rvman von ElfriedeSchulz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Am nächsten Sonntag wollte Bernward von Schinettau auf seine Güter reisen. Es war die höchste Zeit, daß er das neue Nest zurechtmachte. Professor Ladenburg hatte seine Zustimmung gegeben, im Mai .Hochzeit zu halten. Anr Tage vor der Abreise wollte man sich noch einmal uustdem Eis im Tiergarten treffen. Dietrich Rothkirch und Sellerhofen kamen erst spät; sie konnten sich nicht eher vorn Dienst frei­machen.

Es war ja nicht recht, mein gnädiges Fräulein aber ich ließ meinen Chauffeur mit 80 Kilometer,Geschwindigkeit durch den Grunewald sausen. Na, wir kamen glücklich durch, und der Chauffeur bekam einen Taler."

So viel sind wir Ihnen also doch noch wert? Sie sind nobel, Herr Leutnant. Dieser Taler ist ein Zug ins Große."

Und nun spotten Sie noch? Warten Sie das nächste Mal kommt inan eben nicht."

Hoffentlich werden wir das zu ertragen wissen."

So häkelten sie sich und lachten dabei tvie zwei glück­liche Kinder. Als der Aufbruch in die Nähe kam, bremste Dietrich und stellte sich dicht vor Lotte auf. Alls seinen dunklen Augen blitzte der Uebermut.

Darf ich mir eine bescheidene Kommißfrage erlauben?"

Was wird das wieder sein?"

Haben Sie Courage, Fräulein Lotte?"

Er nannte sie zum erstenmal bei ihrem Vornamen, bedenkenlos, wie selbstverständlich. Und das junge Mädchen bemerkte das kaum.

Ich denke. Uebrigens, Sie als mein Hofmeister müssen das ja am besten wissen. Warum fragen Sie? Haben Sie einen Bösenbubenstreich vor? Und brauchen Sie dazil einen Hehler, oder wie man das nennt?"

Ich meine richtige, herzhafte Courage. Für einen Bösenbubenstreich bin ich lange nicht boshaft genug. Das müßten Sie wieder ain besten wissen. Also za!"

Sie nickte und biß sich lachend in die Zungenspitze.

Ich habe Montag einen ganzen dienstfreien Tag. Und der Wannsee wird sein Eis nicht mehr lange tragen. Wir müßten das noch einmal recht wahrnehmen, und jetzt kommt die Courage, Fräulein Lotte, und ich meine, ganz allein." Er faßte sie warm an beiden Händen.Machen Sie mich aus einen kurzen Nachmittag glücklich." Er ließ Lotte nicht zu Worte kommen.Ich erwarte Sie am Schwe­discheil Pavillon an der Eisbahn. Sie kommen, Fräulein Lotte, nicht wahr. Sie kommen! Sagen Sie ja!"

Lotte Wölflin sah auf ihre Hände. Sie fühlte darill .ein leises Mben.

>&<* tourt Susi mit Sellerhofen!" ?

Dietrich fuhr Lotte zur Seite, mit seinen Augen tu den ihren hängenbleibend.

Sie kommen?"

Im Weiterfahren llickte Lotte ihm leicht zu uub sagte

leise:

Ich komme." ^

Um ein Uhr?"

Ich komme."

19. Kapitel.

Als wollte der Winter sich zum Schluß noch recht in die Herzen der Menschen -einschmeicheln, überbot er sich in den letzten Februartagen mit flirrendenr Sonnenschein in der blanken Lllft. Die Schneelast auf den Bäumen war längst heruntergetaut, und um die knorrigen Wurzeln schimmerte weißer Sand oder das stumpfe Graugrün von Moos und Flechten. Durch den Acther vibrierten zarte Würmewellen, und weich knisterte das spiegelnde Eis unter den Schlitd- schuhen der Wannseeläufer.

Am Bahnhof hatte Lotte Wölflin ein Automobil ge- nommen und ließ sich durch den stillen Wald und die stum­men Gärten der vornehmen Villen rechts und links nach dem Schwedischen Pavillon fahren. Von weitem erkannte sie schon die hohe Gestalt Dietrich Rothkirchs. Mit ein paar großen Schritten stand er am Schlag und hob Lotte wie eine Feder heraus. Sie begrüßten sich kurz und förmlich, aber dann fanden sie beide das doch komisch und lachten vor sich hin. Dietrich nahm ihren Arm und zog das rotwangige Mädchen dicht an sich heran. Ihre derb beschuhten Füße faßten trip­pelnd Tritt, daß er neckend sagte:

Es ist immer so wir Kavalleristen mit denl histo­rischen Pferdeschritt sind unbequeme Fußgänger für Damen. Aber wir wollen uns vertragen, Fräulein Lotte. Jeder gibt ein bißchen nach, dann wird es schon klappen."

Sie fanden einen bequemen Sitz. Dietrich kniete vor sie hin und schraubte ihr den glänzenden Stahl an. Hand in Hand flogen sie davon, fort aus dem Gedränge' des Strandes.

Endlich!"

Es klang lvie ein leichter Jubelruf, und er drückte Lottes Hand.

Endlich allein mit Ihnen, gnädiges Fräulein. Gute Freunde und liebe Bekannte sind ja sonst eine recht nette Zugabe zu diesem Leben, aber manchmal erscheinen sie doch unbequem, und ich wünsche nur, daß uns heute solch eine treue Seele nicht tu den Weg läuft. Nicht wahr es gellügt ein kleines, stummes Signal, ein Fingerdruck, und wir machen dann kehrt."

Dazu gehören aber doch zwei, und' Sie wissen ja gar nicht, ob ich damit so ohne weiteres einverstanden bin."

Das ist doch sehr einfach Sie müssen eben, Fräu­lein Lotte, Sie müssen. Sie glauben ja nicht, lvie ich utidfi auf diesen Nachmittag gefreut habe. Wie ein Schuljunge auf den Mittwochnachnlittag. Eilte nute halbe Stunde schon