Ausgabe 
30.8.1915
 
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Ter jdüaitfc Primaner aber stand dabei, halb belustigt über die zerknürschten Züge des jungen Mädchens mehr aber noch entzückt von ihrem echt traulichen Mitleid.

Und nun nahm Llgath' den blutenden Finger zart in ihre kleinen weißen Hände, und ehe Gert ihr Vorhaben ahnen.konnte küßte sie sanft und lind die roten Tropfen fort.

Ta uku es aus mit Gerts schöner Männerwürde, daS Mut stieg ihm siedend heiß zu Kopf, heftig riß er das kleine süß« Mädel an sich... und sie küßten sich beid' zur Sommerzeit... Ein bissel ungeschickt war es noch... dieses Küssen, geschah eS ja von den berden Hauptbeteiligten zum ersten Male... aber süß war es auch märchensüß.

Von nun an aber mieden sich die bisher Unzertrennlichen in stummem Einverständnis, lvas brauchte es die böse Welt, die ja doch nur darüber spötteln und lächeln würde, zu wissen. Wenn es irgend angängig war, ginnen sie sich aus dem Wege; eS war etwas unsagbar Scheues und Zartes über sie gekommen, das sie ruhig harren ließ auf die Zeit der Reife.

Und dann. war über Nacht der Krieg da ins Land hatte er sich geschlichen auf leisen nachtschleichenden Sohlen, von nei­dischen, hämischer: Gesellen in unsere friedlichen ruhigen Gaue ge­drängt. Doch der Teutsche Kaiser und sein stolzes Volk hießen den Grausamen, Völkermordenden wlllkomlmien, noch nie zögerte ein Deutscher, wenn ein Feind mit einem Fehdehandschuh winkte.

All ^Deutschland stand auf wie ein Mann, um mit seinem ge­liebten Kaiser an der Spitze dem längst beabsichtigten meuch­lerischen Ueberfall in wuchtigem Kampfe zu begegnen.

llngestüin scharte sich alles zu den alten siegumrauschten Fahnen, allen vdran die Jungen, die Jüngsten Deutschlands ewiger Stolz, unsere herrlichen Kriegsfrcüvilligen! Und einer der ungestümste,: unter ihnen war Gert Hohendorf.

Was galt ihm setzt Baker und Mutter, was die kleine süße Agath'! Das Vaterland, das Vaterland über alles! Nun ver­stand er erst ganz die glühende Begeisterung der Freiheitskriege, letzt louvde ihm auch das Buch des herrlichen polnischen Helden, der gleich mächtig mit der Feder wie mit dem Schwerte war, restlos verständlich, dessen Wahlspruch war: Ojcizpzna nad ivsystko! (Tas Vaterland über alles!) Und schließlich, was war enger mit den: Vaterlande verknüpft, als die Heimat und die, welche in ihr hausten und schafften also wenn er fürs Baterlaich, fürs heilige Vaterland kämpfte, so geschah es auch zum Teil für Agath'!

Im Oktober schon konnte er stolz von ihr Abschied nehmen, sein Notabitur hatte er glänzend bestanden. Nun stand er vor ihr rank und schlank in dem schönsten Rocke, den es augenblicklich für de,: deutschen Mann pah der feldgrauen Uniform. Eine leuchtend rote Rose steckte :hm Agath' an, eine Nachzüglerin ihrer damals im Juni so üppig blühenden Schwestern . . . und zart wie etivas Heiliges küßte Gert zum Abschied die zuckenden Lippen. Und dann gings hinaus! Der Herbst, der Winter und auch der Frühling hatten ihre Freude an dem tollkühnen Draufgehen deS Jünglings für ihn schien keine Kugel gegossen zu sein, der Liebling des ganzen Bataillons, den schon lange das Eiserne Kreuz schmückte, ging selbst aus dem dichtesten Kugelregen heil hervor.

.... Bis ihn schließlich doch eine erwischte, den kleinen Finger der linken Hand riß sie ihm )oeg, auch die anderen Finger bekamen tüchtig ihr Teil ab.

Aergerlich sah Gert auf das rote Blut, das unablässig niedev- rieselte, wie rote Rosen leuchtete eS aus dem grauen Staub der Landstraße - und plötzlich stieg leuchtend die Szene vor seinen Blicken auf, da das kleine, zerknirschte Mädel die paar armseligen Blutstropfen fortküßte in grenzenlosem Mitleid!.

p, du heiliges Mitleid der deutschen Frauen! Wie wirst du in diesem Kriege in Anspruch genommen wie herrlich bewährst du dich aber auch hier! ,

Gerts erste Frage, als ihm der junge SanitätsUnteroffizier die Hand verband, war, ob er wohl bald wieder diensttauglich sein >oürde ... sonst ja, was sollte man wohl ohne ihn machen, und jetzt sollte er gerade nach Italien herunter, zu dieser falschen, hi nierli>tag en Barde .... da schadete doch schließlich das bißchen Finger weniger nichts. Lächelnd meinte aber der freundliche Helfer, er werde sich in der Heimat wohl erst gesund

pflegen lassen müssen . . . Heimat!-Acht Monate hatte er

sw mcht gesehen, nun sollte er wirklich hin?

Und er sah sie wieder im Schmuck der Rosen, sah die Heimat wieder und die kleine wilde Agath', die jetzt aber gar nicht mehr klein und wild war. Aug in Ang standen sie sich gegenüber und konnten dies holde Wunder kaum fassen und da glomm es auf :n den beiden keuschen Augcnpaaren, wie damals vorn: Jahr . . . nird ne küßten sich beid' zur Sommerszeit ....

vermischtes.

* Eine neue Kriegsindustrie in der Schweiz. Z" den verschiede,itlichen Industriezweigen der Schweiz, die durch den !Ureg lahingeleqt wurden, gehört auch die im Frieden blühende Erzeugung von Holzschnitzereien. Die Schweizer Holzschnitzer, die fast alle ans den: Bauernstände hervorgeben, sind durch ihre be­sonders auf den Fremdenverkehr zugeschnittenen Erzeugnisse überall

bekannt. Es ist begreiflich, daß jetzt nur wenigeAndenken an die Schweiz" in die Welt wandern; und darum hat die Gilde der Schweizer Holzschnitzer sich nach einem neuen Erwerbszweig um- gesehen. WieDaily Chronicle" berichtet, haben die Holzschnitzer sich auf die Herstellung künstlicher Gliedmaßen für ote Kriegsverletzten eingestellt. Während Deutschland imstande ist, durch eigene Organisationen den Bedarf auf diesen. Gebiete fast aus­schließlich im Lande selbst zu decken, sehen Frankreich und England sich zum großen Teil aus die Schweizer Fabrikation angewiesen. Das für die künstlichen Gliedmaßen erforderliche Holz wird auf den bergigen Hängen in der Gegend von Brienz und im Bereiche des Thuner Sees gefällt. Die Verarbeitung deS Materials zu künst­lichen Armen, Beinen und Füßen geschieht meist daheim in den Hütten der Holzschnitzer. Besonderes Interesse wird auch einem neuerfundenen kleinen Holzapparat zugewandt, der in der Ohr­muschel angebracht wird, um zur Abschwächung deS Schalles der Geschütze, Gewehre und Bomben zu dienen. ES heißt, daß die französische Regierung damit beschäftigt ist, den Apparat zu er­proben, um gegebenenfalls zwei Millionen dieser Ohrenschützer in Auftrag zu geben. Außerdem verfertigen die Holzschnitzer auch uoch Schach- und Dominospiele, die zur Zerstreuung der Soldaten an der Front verteilt werden sollen.

* Betrunkene Offiziersfrauen in England Tie Londoner Gerichtshöfe bringen in letzter Zeit immer häufiger Dinge an den Tag, die kein sehr ehrenvolles Licht aus die Moral der Bevölkerung werfen. Ganz besonders sind Anklagen gegen Frauen wegen Trunksucht an der Tagesordnung. Die Frauen, deren Männer im Felde stehen, erhalten von der Regierung eine ansehn­liche Kriegsunterstützung, die sie nicht selten in alkoholischen Ge­tränken anlegen. Bemerkenswert ist, daß solche Fälle von unfrei­willig staatlich unterstützten Trunkexzessen sich nicht nur aus die niederen Volksschichten beschränken, sondern selbst in den Familien der abwesenden Ofsiziere zu finden sind. So berichten die neuesten Londoner Blätter über eine Gerichtsverhandlung, in deren Verlauf die elegante Gattin eines Offiziers verurteilt wurde, weil sie die thr vom Staat zugewtesenen Sunuuen ganz einfach vertrank. Der Richter selbst bezeichnete den Fall als einenöffentlichen Skandal*. In einer anderen Verhandlung erzählten die als Zeugen vor­geladenen Schutzleute, sie hätten in einer Straße der Vorstadt sämt­liche Frauen betrunken angetroffen.

vüchertisch.

Die Kunst. Ru keiner Zeit wohl ist so oft Friedrichs des Großen sowie seiner unerhörten Kämpf« und Siege gedacht worden, wie gerade jetzt, und was läge wohl für den Kunstfreund näher, als der Schritt von den: großen König zin den: großen Schi!- derer seines Lebens und.seiner Daten: Adolf von Menzel. Im Augnstheft der Münchner Kunftzettschrist Die Kunst (Verlag von F. Brucknljam: A.-G.) finden Wir nun einen reich mit .Ab­bildungen geschmückten Aufsatz über Friedrich den Große:: ttrf graphischen Werk Mentzels, der (u'irtS die glänzende Zechenkunst Mentzsls vor Aivgen führt und Kuglech die große Zeit des Preuß^n- königs auf das lebendigste schildert. Ebenfalls nicht ohne knegerische Anklänge ist der Aufsatz über bk Münchner Setzessionsausstellung, die einzige Münchner Ausstellung große:: Sttls in diesem Jahre. Einen sowohl als Maler als auch Radierer hervorragenden Künstler lerne:: wir in dem Prager Max Svabinsky kennen. Sehr lesenswert sntd die Betrachtungen Dr. G. I. Wolfs über Die deutschen A n s st e l l u n g e n nach d e M Kriege. Aus den: der dekorativen Kunst gewidmeten Teil deS Heftes heben wir als besonders aktuell die Ausstellung der Münchner Ost- preußenhilfe hervor. Ein Aufsatz über neuere Arbeiten des Düsseldorfer Architekten Ed,:ard Mehner sowie über Deutsche Volkskunst in Ba uetn stick er eien runden den Inhalt dieses wieder sehr reichhaltige:: Heftes der Kunst aufs glücklichste ab.

D i e Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart) be- gimtt soeben ihren 40. Jahrgang. Der erste Band (75 Pfg.) bringt einen großen ZeitromanIch gab mein Leben" von Henriette von Meerheimb und die Erzählungen ,,Der Offizierspion" von Horst Bodemer undHeimkehr" von Fritz Müller. Weiter nennen wir ails dem reichen InhaltFm Krater versttegen, ein Erlebnis auf Neuseeland" von Ferd. Emmerich, und die HumoreskeDer Burgnnderdoktor" von Lothar Brenkendorf. AuchDer Welt­krieg" findet eine knappe und klare von Abbildungen unterstützte! Tarstelttmg. _

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Aus jeden: der vorstehenden Wärter sind der Reihe nach drei zusammenhängende Buchstabe,: zu eutnehn'.en, so daß sich daraus ein Sprichwort ergibt.

Auflösung in nächster Numnier.

Auflösung des Zitatenratseils in voriger Nummer: Schön ist die Jugendzeit, sie kommt nicht mehr.

Schrlstleitung: Ang. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fchen UnlversitätS-Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gieße»