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der Soldat im Kriege auch vieles abgewöhnt hat und abgewöhnen mußte, was ihm vorher als geradezu uneittbehrlich dünkte, so bleibt ihm doch noch sehr vieles im Tornister zu tragen übrig. Man kann daher vergreisen, daß ihm der „Äffe" oder das .-Kl ei der s Pin d" oft lästig genug fällt. Namentlich während langer anstrengender Märsche wird ihm dieses „Möbel" überaus unangenehm. Was sollte aber der Soldat ohne Tornister Anfängen.? Sein Verhältnis zu seinem ständigen Begleiter ist wie dasjenige manches Ehegatten zu seiner besseren Hälfte. Mit dieser glaubt er nicht leben zu können, ohne sie aber erst recht nicht.
In manchen Gegenden sprechen die Soldaten von ihrer «Kommode", von-ihrem „Kasten", oder gar vom „Glas s ch r a n k". Auch die Bezeichnung „R h e u m a t i s m u s k a st e w ^ r **-!? ön vielfach; bei diesem Vergleich ist keine Beziehung auf rvirklicheu Rheumatismus zu suchen. Im Volksmunde bezeichnet man oft Schmerzen im allgemeinen als Rheumatismus: und der Tornister verursacht seinein Träger häufig genug gehörige Druckschmerzen. Die Soldaten einiger schlesischer Regimenter benennen rhreir Tornister auch als ^hölzernen Ofen"; sie bringen damit zuni Ausdruck, daß lein Tragen denr Soldaten oft kräftig ernheizt, namentlich bei großer Hitze. Bei den bayerischen Soldaten sind Bezeichnungen „Fell". -,Kaibel" und „Muckl" ""Schwünge. Die erste dieser Bezeichnungen bedarf rücht der Erklärung. Das Wort „Kaibel" ist die verkleinerte süddeutsche Form des norddeutschen Wortes „Kalb"; einer alten Tradition ziifolge werden die Tornisterüberzüge in der Hauptsache aus Kalbfellen hergestellt; auch rotbraune Fohlenfelle eignen sich für diesen Zweck. Zu den Tornistern der Jäger und Schützen werden Tachsfelle verwesidet; diese cheißen daher auch „Dachse". In dem jetzigen Kriege trägt ein Teil der Soldaten auch rotbraunst Segeltuchtornister. In dem Namen „Muckl" liegt eine Abkürzungsform des Heiligennamens Nepomuk (Johannes von Nepomuk) vor; der Name des böhmischen Natioualheiligen wird auch ln den katholischen Nachbargebieten Böhmens vielfach als Vor name gebraucht. Daraus entloickelte sich der Spitzname „Muckl", den man in Bayern namentlich beim Militär vielfach antrifftt So nermt beispielsweise der Münchener Soldat die dortigen kleinen Welßbrötchen „Pfennigmuckeln"; Nicht übel ist auch die scherzhafte Bezeichnung „Bundeslade", die der Soldatenhumor dem Tornister gegeben hat. Auch der nichtberittene Offizier trägt bei uns mt Felde einen Tornister, der v^l leichter und bequemer ist als der Manuschaftstornister. Trotzdem erfreut sich der sogenannte reutnantstornister bei seinen Trägern keiner besonderen Bcliebt- hkit; diese haben ihm daher beit höchst merkwürdigen Beinamen „Sch a n d.f l e ck des Rittertums" verliehen. Ter französische Soldat nennt den Tornister havresac: die Naturgeschichte des französischen Tornisters ist uns also sofort klar: er ist aus dem jO afersack des deutschen Kavalleristen hervorgegangcn.
Woher aber führt unser Tornister seinen Namen? Tie Naturgeschichte dieses Namens ist womöglich nckch merkwürdiger als die des französischen havresae. Er kam aus dem Westslavischen ur Misere Militärsprache; im Böhmischen und Slowakischen heißt er ^anistra, und daraus ist dann die deutsch klingende Fornr „Torinstett^ entstanden. Nicht wenige unserer heutigen militärischen Bezeichnungen sind aus dem Osten zu uns gelangt; es wi nur an die Worte „Ulan" und,,Husar" erinnert, sowie an eine Reihe von Waffen- und Ausrüstungsbezeichnungeil wie Säbel, Dolch Pallasch Haubitze, Tschapka, Kalpak, Attila usio., die sämtlich slavrschen oder ungarischen Ursprungs sind.
. Tie Slaveii fiitb aber keineswegs die Erfinder des Tornisters, wie bje aus den Tatsachen schließen zu können glauben, daß das Wort „Tornister" aus dem Slavischen in unsere Sprache gewandert ist. Im 17. Jahrhundert begegnen wir im Deutschen für den.Tormster neben dem Worte Tanister auch der Bezeich nung Kanrster. Dieser letzte Ausdruck ist für die Erklärung des Wortes Tormster sehr wertvoll. Die alten Griechen bezelchneten mit ihrem Worte kanistro einen aus Rohr geflochtenen Korb. Das Rohr lind feine Bezeichnung int Griechischen kann a, tue aus ein phönizisches ka ne h znrückgeht, spielt in der Kultur- und in der Sprachgeschichte eine sehr hervorragende Rolle. Da schon dte alten Phönizier das Rohr als Meßsttrb verwandten, weil der Abstand zwischen den einzelnen Knoteü der vc ohrstengel etne fast immer wiederkehrende bestimmte Größe hat, erklärt sich daraus das griechische Wort kanon in der Bedeutung Meßstab, Rlchtschnur, Regel und auf diesem Wege kamen die Calwnes in her Kirche und in der Musik, die kanonischen Bücher, bte Kanomker der Kirche usw. zu ihrein Namen.
Als Kanoniker bezeichnet man mitunter scherzhaft unsere braven Kanoniere. Wie erklärt sich dieser merkwürdige Gleichklang im Ailsang der beiden Wörter Kanoniker und Kanoniere? Sehr einfach. Auch unsere Kanone, der die Kanoiliere ihren Namen verdanken, führt den Ursprung ihres Namens aus die griechische BiAeichnuug des Rohres: kanna zurück. Da das Rohr hohl ist, belegten du alten Römer danach eine Röhre mrt dem Ausdruck cana l i s. Nun wissen lvir auch, was unsere Fremdwörter Kanal und Kanäle zu bedeuten haben. Das tta- liemsche Wort cannone, von dem unser Ausdruck Kanone herstammt, bezclchnct ebenso ein großes Rohr wie das ebenfalls ttallemsckie Wort ballone einen großen Ball. Die dem Jtalieni- Enduna — one ist eine sogenannte Vergrößerungs^- endnng. Man darf also die Wiener nicht verspotten, weil sie „ruftballohu' sagen; die norddeutsche Aussprache des Mortes
Lustbattoll ist eigentlich falsch, da es sich hier nicht Um eine mtt JpuTc oei: französischen Endung —> on gebildete BerkleineruniK handelt, sondern mn eine recht sehr in die Augen fallende Vergrößerung.
Rohr hat aber neben seiner Bedeutung afL Meßstab und .'/iohrc noch eine dritte sehr wichttgc Aufgabe Tn der Kulturgeschichte zu erfüllen. Schon die alten Phönizier flochten aus seinen Stengeln Körbe., Die Griechen belegten solche Körbe u. a. mit dein Namen kauistton und kanstron. Der letzte Ausdruck wanderte u. a. ins Spanische; in dieser Sprache wurden besonder^ diejenigen aus Rohr geflochtenen Körbe, in denen der m den westindischen Kolonien geerntete Tabak nach Europa geschafft wurde, mit dem Namen canastro belegt. Daher hat also ,,ü a n a st e r , der gelb e", den „uns Apollo präpariert" hat, stmen .Namen. Der anderen Mortsorm taniftron waren aber chuuarifche Ehren Vorbehalten, wie das schoii erwähnte Wort „Ka- Nifter zergt, das bei uns im Sinne des heutigen Ausdrucks ^Tormster ' schon im 17. Jahrhundert gebraucht wurde. Das Wort ist also ohne jebert Wandel in seiner Form aus Kon^ stantiuopel zu Uns gewandert. Die griechischen Soldaten der btizanttnischen Zeit trugen Rohr körbe auf dem Rücken; die Balranvölker ahmten diese Sitte nach, und so begegnet uns denn spater das aus dem griechischen kanistron (taniftron) hervor- gegangene Wort taistta in der Bedeutung „Futtersack" im Ru- manischen und dann im Polnischen. 'Im Böhmischen nni> Slowakischen entwickelte sich aber aus dem byzantinischen kanistron dte Form tanistra und dieses Wort bezcichnete hier schon das wichtige militärische Ausrüstungsstück, das der Soldat auf Märschen und im Kriege auf seinem Rücken trägt.
Aus dein Militärdienst wanderte der Tornister in die Schule: z 1 * "A?en Abc-Rekruten tragen Schultornister, die auch eiu- fach „Tornister"^ genannt lverdeu. Merkwürdigerweise erfreut sich diese bequeme Schultasche bei den Schülern und Schülerinnen keiner besonderen Beliebtheit; sobald es ihnen nur möglich ist, vertauschen sie den Tornister mit der unbequemen in der Hano zu tragenden Büchertasche oder Mappe. Worin mag die merkwürdige Mneigung der Jugend gegen den Schultornister ihren Grund haben? Dieselben^Jungen, die nicht dazu zu betvegen find, stm auf deiii Wege zur Schule den Tornister aufzupacken, tragen auf Ausflügen mtt Wonne beit Rucksack.
. Sonst begegnet man dem Worte „Tornister" oder vielmehr einer Ableitung von ihm nur noch in einem einzigeit Falle in der ntchLmtlitärtschen Sphäre. Wir bezeichnen das menschliche Daar, namentlich dasjenige von Damen, dessen eigenartiges rötliches Blond an die Farbe des Kalbfelles erinnert, aus dein der Tormsteruberzug gefertigt ist, als t o r n i st e r b l o n d. Dieses Tornisterblond soll manchmal nicht echt sein; umso eäfter ist aber die Farbe des Kälbselltoruistcrs. Mau hält au ihr bei unserem Militär ans alter Gewohnheit fest, obwohl es auf die Farbe gar nicht ankommt, wie die Dachse der Jäger und Schützen zeigen, die schon immer das bekannte Feldgrau der Dachse aufgewiesen haben. ^Als man bei Ausbruch des jetzigen gewaltigen Krieges unsere -Soldaten ganz in Feldgrau kleidete, nahm mau die Farbe der Tornister davon ausdrücklich aus; auch die neiien Tor- Ufster, die m großer Zahl während des Krieges für deu ins Feld ruckenden Ersatz augefertigt wurden, sowie die aus Segeltuch augefertigteu Tornister weisen die bekannte rotbraune Tornisterfarve aus. Ta der Soldat auf scineu Tormister noch viele andere unentbehrliche Gegenstände wie den Mantel und die Zeltbahn packen muß, ist bei seiner feldmarschmäßigen Ausrüstung nur noch wenig von der verräterischen Tornister färbe zu entdecken.
. Und sie küßten sich beid' zur Sommerszeit
Bon M. I an kow s ki.
Durch Busch und Hecken, über Wies' und Beet ging die wilde Jagd. Ei! das war aber auch ein gar flinkes Rehlein, die braune Agath' und der schlanke blonde Jäger — der sonst so würdige, ernsthafte Primaner hatte ordentlich Mühe, die Spur des Schmaltierchens nicht zii verlieren. Endlich bei einer Biegung gelang es ihm, eiueir der langweheuden braunen Zöpfe zu erwischen — und da hatte er selbstverständlich das daraii baumelnde Mädel mit erwischt.
Triumphierend hielt er seine Beute fest, mit feinen* von gesundem Sport gestählten nervigen Jüngliugsarmen.
„O, pfui! hast du eine rohe Kraft, Gert," maulte Agath', ,laß gleich los, oder..."
Belustigt sah Gert Hohendorf in die funkelnden Augen der Sechzehnjährigen, ein gar wilder, unbändiger Racker war die Agath', deshalb ließ er sie gern ein bißchen seine überlegene! Macht fühlen. Im selben Augenblick aber schrie er auf und ließ jäh das Mädel los. Ganz verdutzt schaute er aus den kleinen Finger der rechteir Hand — aus dem ein dicker, roter Blutstropfen quoll. Entsetzt blickte jetzt auch Agath' darauf — ohne Ueber- legung hatte sie ihm die Nadel, welche sie gerade in der Hand hielt, in den Finger gestoßen — in dem Bestreben, sich frei zu machen; nun fte aber sah, was sie angerichtet, war all ihre Wildheit fort. Ganz unglücklich starrte sie auf deu wunden Finger, der einen Blutstropfen nach dem andern entsandte — gleichsam um für das schuldbewußte Mittcid noch mehr Propaganda zu machen.


