Seitab von der Heerstraße, nicht allzu fern der Stadt, hätten sie Schwerdt ip seinein Blute schwimmend gefunden, von Hardefust aber keine Spur. Die Umstände deuteten drauf, daß nicht alleöl mit rechten Dinger: ^gegangen sein könne. v '.Ihr Herren/ fuhr der Vogt auf,was soll das- Sprecht deutlicher!'*

Was fällt Euch ein, Alter? Haben Euch schon zu viel gesagt! Gebt Raum." Und die beiden setzten den Weg zum Rathaus fort. Bestürzt eilte Lambert nach Hause. Dorthin waren ihm schon üble Früchte vorausgegangen. Das Gesind steckte die Köpfe zusammen und flüsterte sich Schauermären in die Ohren. Der Bogt drohte jedem den Hals umzudrehen, der dem alten Hardefust oder Jungfer Eve davon erzählen würde. Seine Sorge war überflüssig.

Denn kaum war vom Turm die zehnte Abendstunde verendet, da schlug wieder der Klopfer am Hardefusttore. Da rannte alles :m Patrizierhause durcheinander, denn nun mußte dass Unglück kom- men. Ter Bürgermeister und Othegraven waren es und verlangten sogleich Herrn Bartholomäus zu sprechen. Finstern Gesichts war­teten d:e beiden im hallenden Flur auf den Hausherrn, den man aus seinem Gemach holte.

Aber ich bitt Euch, Ihr Herren, so tretet doch näher. Was bringt^hr zu so später stunde?" Herr Bartholomäus kam mit ängstlichen: Gesicht die Treppe herunter.

bringen Böses," sagte der Bürgermeister kurz.Das Schlimmste, Hardefust. Da, lest!" Er reichte dem Alten einen Fetzen grauen Leders. Schien von einem Koller gerissen. Herr Bartholomäus las langsam die unsichere Schrift:

ocf) schwör in des Todes Angesicht, daß mich Veit von Hardefust, da er um meine Liebe zu Eve Elmspergerin weiß, erschlagen habe. Gott sei seiner und meiner Seele ein gnädigerl Walter. Geschrieben mit meinem Blut am Tage des heiligen! Bonifatius. Krispin von Schwerdt."

W Herr Bartholomäus von einem zum andern: ^Was ist das? Was soll m:r das? Was wollt Ihr von uns?" Er griff nach emem Halt.Wo ist Veit? Veit!" schrie er plötzlich nnt lauter Stimme.Eve! Hört, »vessen man (Luch b^ichtigt! Eve, hast bu ihn verraten wollen? Heilige Mutter Gottes" Und ohne Smn vor sich hinbetend, sank der alte Mann in einen Sessel.

Man fand das Indizium neben Schwerdts Leiche.' Wir alaubten. Euch selber von dem> Unglück Mitteilung machen zu sollen, Hardefust, ehe Jhrs von andern erführt. Ist nun nit zum andern! Ihr nüißts als ein Mann tragen. Glaubt, es trifft auch uns wie ein Blitz, daß einem Kölner Geschlecht solches widerfahren muß. Und das bei dieser Zeit! Aber unseres Amtes ist noch mehr. Wir müssen Euch bitten, auf die Iungfev Elmspergerin e:n Augenmerk zu haben, weils möglich sein mag, daß s:e ton dem Geschehen vorher gewußt hat. Sie hat sich, wie man weiß, bemüht, die zwei Nebenbuhler zusammen den böse:: Gang zu schicken. Und als Neußerin"

Da schwankte Eve blaß wie Linnen die Treppe hinab.

Ich Hab gehört um was es geht, Ihr Herren! Was ver­langt Ihr von nur?"

Zum andernmal am gleichen Abend schlug man draußen ans *** Zwei Stadt knechte verlangten nach denr. Bürgermeister. Man Habe Hardefust gegriffen, als er soeben am Eigelsteiner Tor Einlaß geheischt habe. Wie ein Blitz wars. Ungläubige und entsetzte Blicke hingen an den Gesichtern der Boten.

- äS 1 ® 4 uns begleiten, will ichs nicht hindern." Wie

P" uangs. Othegraven und der Bürgermeister schlug ei,

^ ruscrmmen, und der traurige Zug verließ von dei, zwei Knechten gefolgt das Haus.

Veit Hardefust hatte geschäumt und gerast wie ein gefangen Raubtier, als man am Tor zu sechsen über ihn hergefallen war m Ketten gelegt hatte. Zweimal hatte er die Fessel ^nn schämte er sich seiner Wildheit und gab sich in ^les. Die Klarheit wurde bald genug das Eisen von selber fallen machem Mochten die Knechte ihre Pflicht tun. Als man ihn aber

^arf, schauderte ihn zum erstenmal vr serwem Leben. .Was konnte vorgegangen sein? Wußte man hier schon von fernem Kampf mit Schiverdt? Ruhelos wanderte er :n dem engen Kerker auf und ab, bis der Morgen graute

cßf nb n öor ^m Richter. Verächtlich waren seine Blicke LP £ ie rJrÄ gegangen, die sich hinter: im Saale drängte und dem Geschlechtersohn nichts Gutes wünschte. Wie ein unheimliches Tier tückisch und böse, blickte das Volk auf den Gefangenen Eve wurde rn den Saal geführt Flog auf Veit zu und hing wie eine Verzweifelte an semem Halse, ehe die Knechte dazwischen springen konnten.Ve:t, mern Veit, was hast du getan?" ^

^^nblickte der Junker um sich. Klar wurde ihn: drohte, als man ihn und Eve auseinanderriß und ^ Jl* £ ie erhob und Schwerdts verhängnisvolle

des^Zorns brach von seinen Lippe::.

^ "" Und leiser:Gott sei

Wohl, er habe Schwerdt erschien aber, beim Blute Jesu SriLZT ^L^chterNotwehr. Der Lange habe ihn, als man von einer glücklichen Erkundung zurückgekommen sei, heimtückisch anaefallen. Nur semem behenden ,Ausweichen seis zu danken, ben ,^werdt ihm zuaedacht, nicht tiefer gegangen Ä b P nn babe der feige Gesell ins Gras beißen müssen. Las ihn zu einem solchen Verrat getrieben haben könne? Nun ^un, nichts anderes als Haß und blinde Eifersucht. Was er, Veit,

ttüphP & i U /f löen l\Pr- lbe v ^bit sah den Fetzfili an und schüttelte br voll ungläubigeil Entsetzens den Kopf. Das müsse Kiüspin

P^./brnem höchsten Richter ausmachen. Solche SchlAtigknt gehe über Menschliches.

s./"Vs Verhör ging weiter. Aber trotz der Drohung mit sckiwerer Yolter war aus Veit nichts anderes herauszupressen.

nnc sage, und nit anders" iPüv 1 C o 1 ^vtund wenn Ihr in mein Ritterwort

noch einen Zweifel setzen wollt, so mag der Teufel Euer Auge- llagter sem. Ich warn Euch, den Bogen zu straff zu spannen!" Ta drang Hohnlachen aus der Menge. Er droht- Der l [Sf: o:e Zähne in den Hals schlagen, dem Schelmen!

) ^cv Der 5 ort r? 011 lbrt . ^ch? Ten Waffengenossen erschlagen hat P d/n Turm mit ihm zum Verhungern! Das Schwert ist zu schade für emen solchen! Des alten SckMerdt Geld wirtte unter den: schreienden Volk. Ta erblaßte Veit und fühlte, wie das nach chm die Arme reckte Die finsteren Gesichter, das beö Hukers, bie düster brennenden Kerzen sahen ihn plötzlich ganz anders an.

. J a ü nte des Toten uni Veits alte Nebenbuhlerschaft, das Dokument mtt fernen blutigen Zeichen sprach eine ,n Sprache Wie sich auch Othegraven uni aniere um die Unschuld ies Junkers mühten, der Spruch lautete, wie es im voraus für die mcrsten festgestauien hatte, auf Schuldig des Mordes w!t*! em ^."/Angeführten. An des Toten Zeugnis sei nicht zu rütteln. Veit Hardefust wurde verurteilt, durch Hunger vom Leben zum Tode gebracht zu werden. * *

. Da schrie Eve auf und versuchte zum zweiten Mal zu dem Geliebten vorzudemgen, doch die Stadtknechte hielten sie zuruck. Veit aber r:ß sich aus den Fäusten von vieren oder! fuufen, die ihn halten wollten, stieß die Schergen beiseite und stürzte zu dem Mädchen h:u. Ta wagte niemand mehr, Hand an ihn zu legen. So herzzerreißend war der Abschied der beiden tP 1 manchem ein Zweifel aufstieg, ob es der Junker nötig gehabt hatte, einen Nebenbuhler aus dem Weqe ru räumen lls schließlich die Kiiechte, deiien selbst die Tränen in den Augen standen, d:e beiden trennten, und Veits schlanke Gestalt, von, rasendem Schmerz geschüttelt, aber hoch aufgereckt mitten im Saale stand, da drang aus der Menge kein Laut mehr

,,'^hr habt nach Euerm Getvissei: gehandelt!" schrie der Ver- u^erlte m die Stille hmnn.Das will ich Euch zur Ehr glauben! Aber es muß der Llugenblick kommen, da Euch das ein schlechter Trost sern wird!

^.Schmerzlich sah irr Junker di« einstigen Freund« an. Dann führte man ihn hinaus.

Sorgenvoll und zweifelnd schüttelten die Alten die Köpfe. Weiin das am grünen Holze geschah Und zu solchen Zeiten

V.

r.Das hat er gewagt? Der Verruchte?' seiner armen Seele gnädig!"

das Verhör. Walrave und Krafft sagten aus, {PP 1 e imb r in * einer starren Hand die Anklage gefunden

{PPP-J'P sollte aussaaen, warum sie Schwerdt mch Hardefust mit Unglücksweg zusamn:engeführt habe. Ihre .Antwort, daß es Veits wegen geschehen sei, fand Ziveifel.^^ Veit bestätigte, was Eve sagte. Ob er gestehen wolle?

Das Rhernwaffer schlurfte und gluMe und gurgelte in den Mauerfugen des Hungerturms. Das Rheiuwasser erzählte und plauderte, wie em harmlos Kind einem Todkranken vom Spiele redet. v

,- Weißt bu noch, Veit Hardefust, wie du an meinem Ufer spieltest, wenn der Sausewmd übers Land durch die Pappeln und Weiden ging? Wenn tausend kleine weiße Lämmer auf meinem Rucken hupsten? Himmelsschlüssel bandet Ihr Euch zu Kränzlein und setztet sie auf den Lockenkopf. Weißt du noch, wie du druntzv! am Leinpsad :n den Fluß sielest, als du mit einer krummen Nadel Fischlein fangen wolltest? Und wie Frau Agnes, deine Mutter, ern schmales Hoslein sttamm zog?"

Veit lächelte.

"t? nb i? n .P al sendest du im Abendsonnengold am Ufer unter Lpe.n Weide und schwenktest des Turmwächters schwnrze Grete iw Kreis und nefft lachend: Frau Hardefustiu! Weißt du noch, wies dann die Spatzen vom Rathausdach psiffen, mid der Herr ^ater dich aus e:n Iährlein nach Holland schickte?"

Freilich, Be:t wußte es noch.

-Ach, und wie die Wellen gingen, als Dietrich Walrave am! Werft rn den Rhein sprang, unt nach dem Schlüssel zu tauchen, den. Uebermut ins Wasser geworfen? Und wie bn

schließlich Schlüssel und Dietrich ans den: Wasser ziehen mußtest? Und weißt du auch noch und die M)eiuwasser murmelten! fuß und geheimnisvoll, wie der Mondschein überm Strom lag, als du vor wenig Tagen drüben am anderen Ufer in den Himmel schautest und zu einem! blbnden Mädchen kein Wort zu sinden wußtest?'

, ,Kve !" Schreiend fuhr der Grübelnde aus und starrte um sich. Was war das wieder? Wo :var er? Hatte er nicht eben noch traute Zwresprach mit einem gehalten?

Ein Wassertropfen vom feuchten Geivölbe siel ihn: auf die Hand. Ta besann sich der Gefangene und sank auf den Steinblock, darauf er gesessen, zurück. Eine Ratte hiischte über sein Kliie.