zur ersten Zeile angesetzt — f mit fröhlich-leichtem Herzen! komme isch z'um Schluß und wünsche, daß meine Zeilen ein gleichjes Herz in Dir vorfinden. In Treue Dein alter Lothar."
Rothkirch richtete sich aus seinem dumpfen Brüten hastig hoch.
„In seiner Hand? — Unerklärliches Verhängnis! — Mer — Bruderherz, du hast recht: Wehe dem, der dieses Glück stört!"
Er stand auf und zerriß das Schreiben in hundert kleine Fetzen und verstreute sie in die Rebstöcke hinein, während er kräftig ausschritt, zurück nach Prajano. Am Rathaus traf er auf ein paar junge deutsche Maler, die am Strand' gearbeitet hatten und nun noch ein Gassenmotiv suchten. Er lud sie zu einer Karaffe Wein ein und landete mit den lustigen Gästen in heiterer Stimmung in der Osteria am Strand.
Aus der Fahrt nach Positano wurde nichts mehr. Roth- kinck) ließ ein reiches Mittagsmahl Herrichten und überbot die jungen Leute in Witz und Scherz.
Frau Nataly hatte ihren Gatten in einer solchen Ausgelassenheit noch nie, auch in den ersten Jahren nicht, gesehen und verirrte sich wieder, trotz der Lustigkeit, die sie umbrandete, in den Rätselgängen der alten Broniner Grübeleien, die immer mit der Frage endeten: Wo finde ich den Faden, der mich durch das Seelenleben dieses Mannes leitet?
*
Am Abend dieses Tages konnte Susanne nicht zur Ruhe kommen. Sie grübelte über ihren Vater nach und kam zuletzt immer wieder auf sick) selbst zurück. Schließlich fand sie sich gar nicht mehr zurecht, schlug mit der Hand durch die Luft,
. dort sie quäle, und schalt sich wirr und
«infaltig. Nächstens wurde sie zwanzig Jahre alt.
„Da könntest du aber wirklich wissen, versuste Susi du," sagte sie bei sich, „was du eigentlich willst! Träumst mit offenen Augen in den hellen Tag hinein —"
Sie nahm Lottes Brief zum soundsovielten Male vor und las ihn wieder durch. Es war eine Leere darin, das l)atte sie gleich beim erstenmal empfunden. Ja — was hatte sie denn gehofft?
Wieder dies unklare Träumen über etwas, das ein Nichts war Mer da fiel ihr Blick auf eine Zeile, und diese bekam plötzlich Lebeii.
rt. grämt sich um Erich, meinen Bruder.
Er schrieb vor acht Tagen eine Karte aus Marseille, seitdem ist er still!"
Susanne Rothkirch war von Bronin bis Amalfi wie in ernem Schleier gegangen, der ihr den Blick umflorte.
"Dort grämt sich jemand um einen andern!"
Was lag in diesem Wort? — Sprachen hier nicht zwei Seelen miteinander, die Hunderte von Meilen auseinander waren und doch eins sein wollten?
Sie schloß die Augen, denn es war ihr, als rücke etwas vor chrer Seele fort^ E,n Windhauch fuhr in den Schleier- lor und trieb chn zur Seite, daß die helle Sonne herein- M b' und m der klaren Ferne hob sich das Bild Erich Wolflins ab. Seine oraunen Augen lachten sie an mit
wie damals'beim
^ ntei grünen Parkbäumen auf Bronin, und sie
ras,"vfflür* - - *•*&
»r. !s Ö in
filr ihn!" tt ” It l"n. immer frisch und schön
Als sie einschlief. >var cs ihr, wie wenn ihre Seele l'^larbenes und brennendrotes Blütenseld hinab- ßU / te s'e kosten. Ein glückliches Lächeln Ä’l Gesichtchen, und ein tie er, träum'
loser Schlaf stärkte sie für ein seliges Erwachen.
noch ein Schatteii — und der Bruder weit weg, der Vater tot — es ist ja ein Jammer!"
Freiherr v. Rothkirch war in tiefer Bewegung aufgestanden und an das Fenster getreten. Auf dem Hohenzollerrr- damm lag tiefer Schnee und von dem dunkelgrau verhängten Himmel fielen weiter Milliarden Flocken herab.
Es war etwas Untröstliches in dieser bleifarbenen^ lautlosen Schneestimmung.
."Das ist es, Professorchen — wir dürfen das Kind nicht allem lassen mit seinen schweren Gedanken. Wir müssen * un - Oder vielmehr: wir haben schon Familienrat abgehalten. Meine Frau, Susanne, Evi — sie haben nur einen Wunsch, dem ich mich nicht weniger eifrig anschließe. Wir wollen Fräulein Wölflin bei uns haben — nein, nein, fceftet’ Professor" — wehrte er ab, als Ladenburg etwas emwenden wollte — „nicht als Gast mit halber Heimstätte. Wir kennen Fräuleins Abneigung gegen Müßiggängerei und ihren Wunsch, selbständig zu arbeiten und auf eigenen Fußen zu stehen. Sie will in den städtischen Schuldienst treten. Sie weiß nicht, daß das für ein junges, wachsendes Mädchen ein schwerer, aufreibender Dienst ist. Sehen Sie 77 da - nun rund heraus: ich möchte Fräulein Wölflin für meine Eva chaben. Mademoiselle Fichu verläßt uns in nächster Zeit was dann? Sie sehen inich groß an, Herr Professor?"
„Nein, nein, ich verstehe vollkommen. Wer ich glaubeschwerlich, daß Lotte in ihrer jetzigen Stimmung von hier sortgehen wird."
„Also offen gesprochen, Sie würden mir nicht gefällig sein können? Nicht einmal bei Fräulein Wölflin anpochen
Ladenburg schwieg. Da richtete sich Rothkirch aus und runzelte die Augenbrauen. Seine Stiinme hatte einen dunklen, fremden Klang.
„Aber Sie müssen, verehrter Herr Professor!"
Er ergriff Ladenburgs Rechte und preßte sie fest.
, ^ müssen wirklich, denn Sie wissen nicht, was uns das Mädchen geworden ist. Bestimmen Sie alles, wie Sie wollen. Jede Bedingung wird erfüllt. Bringen Sie uns" 77. seme Stimme wurde wieder väterlich warm - „bringen Sie uns Fräulein Wölslin ins Haus!"
Professor Ladenburg sagte zu, mit Lotte zu sprechen und nach Möglichkeit auf sie einzumirken.
„Ich werde noch heute hinaufgehen, Herr Baron. Es ist auch vielleicht das beste für die Kleine."
r b f v alte H^rr klopfte auf taubes Gestein. Lotte Wolflin lebte nur noch einem Gedanken, ihrem Bruder.
k„Jch kann nicht fort von hier, ich kann es nicht. Will ^an mir denn alles nehmen? Mutter, Vater, Tante Matchen ^0 noch Erich? ^ch muß bei ihm sein. Ach, Herr Professor, ich hcktie m einem ort eine so kalte Furcht, daß er vielleicht Nicht wiederkommt!"
Sie schrie auf:
„Es liegt ein Unglück über unserer Familie!"
. Dann versank sie wieder in das Schluchzen und Brüten, bet bem der Prosesso.t sie angetroffen hatte. Als er gehen wollte, sah sie ihn weich und wehmütig an.
... ,"%tr v. Rothkirch war wie ein Vater zu mir, und ich'
konnte rhn manchmal lieben wie einen Vater, und seine Kinder
etwas — ein fremdes, i 6 “ 6 -' ^ "" sagt: Du gehörst dort nicht UlN- Nach dem einzig schonen Sommer aus Bronin ist es!
ände7ch Herr" Professor!" *** ich kann nicht
(Fortsetzung folgt.)
15. Kapitel.
ich «Ä* Unkindliche Frage, Herr Professor - darf V.ohnen diesmal, na sagen nur: mrt einer familiären .Sache kommen? Sie haben uns ja nun so ein bißchen kennen gelernt — es geht um Fräulein Wölflin —"
.^otte —" Professor Laderiburg suchte einen DaÄ! den Kopf bedächtig hin und her. „Seit
Tante Matchen Trautwein nicht mehr ist —, mein Gott
StiVPfJß ben r feit wir sie begraben haben?
öchn Tage — das Mädchen hat ja seitdem fast den Verstand verloren. Spinnt sich da öfter* ein— >ift nur
Die Liebe der Veit hardefuft.
Erzählung aus dem alten Köln.
Von Otto Braun.
(Schluß.) ]
IV.
. Drei Tage vergingen, ohne daß von <nQrh<»forffi wch Schwerdt ^rnde kam Am Abend des dchkttm Tages begegneter dem alten Lambert, der um Neuiakeüew aus war, Dietrich Walrave und Jörg Krafft, die zusamnrenaÄ ernem abgetriebenen Roß, auf dem sie nachsetzenden Feinden ent- "LS durchs A-lstemer Tor acritt^ kameTsNa^
Aschen nnd selbst Kunde dom frrinö SjlW 1 ^llm. Die betbeit zuckten auf des Vogts Fragen die ^ieln und sahen zur Serie. Was sie gesehen hätten, könnten sie eigentlich nur dem Rat sagen: aber sie brächten ungute Kunde.


